2008/09/11

sonnenbrand & muskelkater

wer hinfährt, muss auch zurückfahren. also auf in die becks-stadt. hab mich während der bahnfahrt dabei ertappt, mit den augen das scheinbare auf und ab der beiseile zu verfolgengeniessen. die ohren voller musik, den kopf voller gedanken. erstmal aus dem bremer bahnhof raus um ne leckere gyrospita von schräg gegenüber zu futtern. ja, das mit dem knoblauch muss so. mit dem scheppernden doka nach vegesack, es gab schöne fenster zu bewundern, wasserschäden zu betrauern, überbackenes zum abendessen und haake-beck. am morgen dann den grossen von den kleinen u´s zum kindergarten gebracht, auf dem rückweg schonmal die reifen an der tanke aufgepumpt. nach dem zeug zusammenpacken dann irgendwann los, windkraftmasten auf dem ex-vulkan-gelände bestaunt, das schulschiff deutschland bekam grad neue rahen und die sonne meinte es schon verdammt ernstgut. weiter über schöne deiche, durch den hafen mit all seinen kaffegerüchen und quietschgeräuschen nach downtown. nochmal ruhig am wasser sitzend was gegessen, el chefe verabschiedet und auf gings. am weserstadion vorbei (ob das noch was wird jungs?!) und noch ne weile am fluss entlang um sich dann ostwärts zu wenden. vorbei an geschniegelten reihenhäusern, akkuraten vorgärten und in der sonne glänzenden zweitwagen. bis mehr und mehr bewirtschaftete höfe auftauchten. die luft schmeckte nach erntezeit. und wenn nicht nach ernte dann nach frisch gepflügtem. mancherorten stach auch schon das frische grün der wintergerste durch den braunen boden - noch gar nicht richtig herbst und doch schon alles bunt. wieder kam ich am heidepark soltau vorbei - um erneut ob dessen existenz zu erschrecken (#neunziger). da weitesgehend auf rad- oder waldwegen unterwegs konnten auch noch ein paar stündchen im dunkeln gefahren werden (s.o.n. + iqfly senseoplus = erleuchtung). kurz vor munster dann endlich müde, zwischen zwei feldern und nem flecken wald ein paar bäume - schlafsack raus, augen zu und weggedriftet. nur zweimal aufgewacht, einmal wegen der wildschweine im nachbarfeld - kurz über die speichen des hinterrades geklimpert und weg waren sie. und wegen eines käuzchen im nächsten baum, zu dunkel um es genauer zu erkennen, vielleicht anderthalb handgross und leiser als eine fledermaus.

das schöne am draussenschlafen ist das frühe aufstehen. kannste einfach garnicht anders. schnell beim bäcker ran, den mund noch voll von diesem klebrig süssen geschmack und munster den rücken gekehrt um das zweite mal von diesem miltärgebiet geärgert zu werden. reichte es nicht, dass dieses schon beim letzten mal zu ner routenänderung führte, sah ich mich diesmal nem schlagbaum und zweier offensichtlich zum schlagbaum gehörender uniformträger gegenüber. die mir dann wegen der in kürze stattfinden würdenden sprengungen eine umleitung nahelegten. na toll. aber es war ja noch früh am tage, ergo halb so wild. das wendland hat dann wieder richtig spass gemacht. wegen der leute, der liebevoll ungepflegten vorgärten, gelben X-e und der über die zäune hängenden äpfel. und wegen rolf, dem reiseradler aus dortmund. der seit jahren für fast jeden lohn auf dem bau schuftet, auch und gerade im winter - damit er dann, wenn das geld reicht die letzten sommermonate auf dem rad durch halb europa fahren kann. fahren. man schaltet irgendwann ein bisschen ab. hat mit jedem meter neue gedanken. oder für stunden einenkeinen. hält nur ab und zu inne, aufgeweckt vom rascheln der blätter, betrachtet die gewitterkäfer auf dem gelben john-deere-t-shirt und bleibt am von irgendwoher wehenden geschrei einer unermüdlichen kreissäge hängen.

das ich über zwei monate zwangspause hatte, war ziemlich schnell zu merken, der gute zentimeter unterschied im umfang der waden war auch zu spüren. aber wenn das wetter stimmt soll man nicht klagen - steuerbords jetzt mit leichtem sonnenbrand. diesmal war ich auch zur fähre pünktlich - dachte ich jedenfalls. überpünktlich war ich letztlich - ich geb jedenfalls nie wieder geänderte fährzeiten an. sie fährt eben. oder nicht. das heisst - so richtig fahren kann man das gar nicht nennen. sie wird lediglich in die strömung gestellt und von dieser dann auf die andere seite gedrückt. die abendliche ruhe hatte sich auch dort breitgemacht, wo ich auf dem hinweg schon geschlafen hatte. daraus wurde diesmal nichts - unter einem alleebaum tarnte sich ein polizist mit feldstecher - verriet mir später auf der jagd nach reusendieben zu sein. wenns dann schon nix mit ner nacht am wasser werden würde - der sonnenuntergang entschädigte irgendwie. also wieder in die pedale getreten und nach nem netten plätzchen umgesehn. da die spuren des havelberger pferdemarktes noch nicht ganz beseitigt waren, erinnerte ich mich an eine stelle an der ich mal vor jahren an der havel gesessen hatte. damals innerlich zerrissen, vor mir das leise gurgeln des flusses und neben mir ab und an das knistern des sich abkühlenden motorrades. da ich auf mich aufpassen und so sollte wars auch höchste zeit von der strasse zu kommen. dunkelheit, frischer split und dorfjugend mit tiefergelegtem untersatz - musste nicht sein.

die nacht war dann schon recht frisch - nachts zog reichlich nebel auf und dämpfte alle geräusche so herrlich - herbstlich. halb acht im morgentau und das kurbeln machte schon wieder spass. erster stop beim bäcker in rhinow - bei rosinenschnecke, gedecktem mohnkuchen und käsebrötchen mit einem anderen radler übers woher, wohin, warum, und überhaupt gequatscht. so schnell man sich des gemeinsamen sinns vergewissert hat, so schnell trennen sich die wege. und meiner führte dann an lilienthals berg vorbei, durchs flache havelland, über holprige plattenwege und zurück in die staubige, lärmende umwelt die man dann als "zu hause" bezeichnet.

ps: bilder von unterwegs gibts hier.

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