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Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie diese Internetseite dennoch sehen sollten, so können Sie jederzeit durch normalen Gebrauch eines Internetbrowsers darauf zugreifen. Dazu sind aber minimale Computerkenntnisse erforderlich. Sollten Sie diese nicht haben, vergessen Sie einfach dieses Internet und lassen uns in Ruhe.

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2012/03/16

Es ist nicht alles Glanz was grünt...

Liebe Grüne,

wir kennen uns nun schon ne ganze Weile. Das erste Mal seid Ihr aufgetaucht, als ich Westfernsehen bewusst wahrgenommen habe. Es ging wahrscheinlich um Dünnsäureverklappung, Waldsterben oder Pershing-II. Dann hatten wir hier drüben genug zu tun mit diesem Konstrukt in dem so vieles schief lief. Und dann hielt ich irgendwann einen Aufkleber in der Hand - Bündnis 90 / Die Grünen. Da war ne Sonnenblume drauf, ein bisschen grün, ein bisschen blau. Das ist nun schon ne Weile her. Ich hab nie sonderlich Lust gehabt tiefer in den Kram einzusteigen. Ich hab nie ein Auto gehabt, kenne Müllsortieranlagen von innen und kann Energieeinheiten umrechnen. Ihr seid nicht Schuld daran, dass ich erneuerbare Energien studiert habe. Aber Ihr habt mir auch nette Momente beschert. Dass Ihr den Herrn Hipp mal für nen Vortrag nach Berlin eingeladen habt fand ich gut. Und dass ohne Euch irgendwann nix mehr ging fand ich auch gut. Es gab ja so eine Zeit wo das Ding in die richtige Richtung geschubst wurde.

Aber die ist vorbei. Für Euch. Für uns. Ihr kennt Euch selber nicht mehr. Das ist schade aber wahrscheinlich unvermeidlich. Es sind zuviele die nicht an einer Sache arbeiten, zuviele die emporkommen wollen, gefallen wollen. Die sich einnehemen lassen von Eitelkeit und Versuchung. Die Sachen kaputtmachen. Ihr wisst nicht mehr was in Eurem Laden wirklich passiert. Und damit passieren Dinge die uns auseinander gehen lassen. Ich wähle Euch nicht mehr.

Und vielleicht ist das größte Zugeständnis an Euch dass ich eventuell auch niemanden anderes wähle.

Tschüß.

2012/02/19

Norrøna Falketind Gore-Tex Pro Shell Jacket - let it rain

Es ist eben ein Unterschied zwischen den Dingern. Outdoorjacke. Scheisse ja, jetzt hat man Schwadronen von Yuppies und Rentnern in Jack Wolfskin und North Face - Jacken vor dem geistigen Auge. Zu recht. Sollen sie doch weiter ihre Individualitätsuniformen tragen. Das ist mir Schnuppe. Doch zurück zur Jacke. Die Jacke als solches ist ein verdammt wichtiges Kleidungsstück. Wer's nich glaubt fragt die Pilskills. Alles klar? Gut. Kommen wir zum Ausgang dieser Sache hier. Kurzform: Jacke gekauft, Jacke benutzt, Jacke schnell kaputt, Jacke reklamiert, Jacke ausgetauscht, neue Jacke benutzt ... uuund?

Yo.

Soll heissen das Ding taugt nun aber mal richtig. Sie heisst Falketind Pro Shell und kommt aus'm Norden. Norrøna. Norröna. Norrona. Kann froh sein dass es keine russische Jacke ist. Trotzdem - einmal mit Ö bitte. Norröna. Machen wohl ganz vernünftiges Zeug wie ich feststellen durfte.

Aber jetzt mal zur Sache. Ich hab die Rab Latok dem Händler zurückgeschickt und dafür die Norröna Falketind bekommen. Das eine war eVent-Membran, das andere ist nun Goretex Pro. Den hier und da beschriebenen Unterscheid zwischen den Membranen konnte ich so erstmal nicht ausmachen. Beides - und das muss man mal ehrlich zugeben wenn man solche Klamotten vollmundig vertickt - ist irgendwann am Limit. Das einzige was richtig wasserdicht ist ist ne Mülltüte und das einzige was richtig atmungsaktiv ist ist die nackte Haut. Alles andere ist irgendwo dazwischen. Was bedeutet das nun genau? Das Ding ist sehr dicht bei kräftigen Schauern und ein paar Stunden Regen. Wird's aber mal ein kompletter Tag ist auch hier irgendwann innen nicht mehr Death Valley - mässig trocken. Das lässt sich nur zum gewissen Grad mit Innenfeuchte durch den Körper begründen, wenn man das Teil mal ohne Mensch draussen hinlegt/aufspannt kann man die Gewichtszunahme trotzdem und sogar recht gut messen. Anyhow, das ist und bleibt eine theoretische Größe, da der körpereigene Anteil an Feuchte in der Jacke ein sehr viel höherer ist. Bis heute (knapp zwei Jahre) habe ich das gute Stück erst dreimal gewaschen, wenn man es schonend anstellt passiert der Membran auch nix, zumindest ist sie davon noch nicht beeindruckt.

Zu den Details. Auch hier reicht mir eine Größe M. Im grossen und ganzen ebenfalls schön schmal geschnitten, vielleicht im Bauchbereich sogar etwas schmaler als die Latok. Dafür aber mit genauso guten weil langen Ärmeln. Diese haben wie es sich gehört vorne einen Klett um die schön dicht zu machen, vernünftig abgenäht und zu erreichen - auch mit Handschuhen. Unter den Armen verläuft ein Reißverschluss zur Belüftung. Das ist zu erwarten und funktioniert bestens. Norröna hat hier den üblichen Zweiwege-Zipper spendiert. Bei der Softshell Lyngen gibts dort drei - kannste also feiner dosieren. Clever. Aber bei der Wasserfesten reichen die zwei dicke.

Der Rücken ist schnörkellos aber lang. Ich mag das und ich brauch das. Ein nasser Arsch beim Radfahren ist eben blöd. Hier kann man wunderbar raffen, da zieht dann auch nix drunter. Der Vorderreißverschluss ist wie die beiden Brusttaschenreißverschlüsse und die unter den Armen natürlich von der wasserbremsenden Sorte. Und siehe da - die gehen auch ohne den Zipper zu zerstören zu benutzen. Was auf den ersten Blick etwas schade war sind die nur zwei Taschen im Gegensatz zur Latok mit ihren vier. Aber weniger ist vielleicht nicht mehr aber zumindest völlig ausreichend. Was nich da ist kann auch nich kaputtgehen. Und was nicht in die Taschen passt braucht man eh nicht. ... Hoffentlich.

Die Kapuze ist ebenfalls ordentlich groß - ich trage immer noch keinen Helm, könnte aber und so weiter. Der Schirm ist etwas breiter geformt als bei der Latok und hat ebenfalls einen Draht an der Kante eingearbeitet. da hätt ich mir noch ein paar Gramm mehr gewünscht. Gerade beim Fahren ist das manchmal friggelig den hinzubiegen wie man gerade möchte. Das war bei de Latok mit einem Griff erledigt, hier brauchts zwei oder drei.

Mittlerweile gibts in der Falketind-Reihe noch ne Menge andere Sachen, es ist nicht unüblich jedes Jahr ne neue Kollektion rauszubringen. Meines Erachtens ist das nicht wirklich nötig, das Ding taugt und muss nich mehr neu erfunden werden. Und die aktuellen Farben sind ... naja. Wahrscheinlich der schlechte Einfluß von Jack Wolfskin & Co..

Hier ein paar Details der 2010er Version:









Tja. Bis jetzt viel aufregendes mit angestellt. Vom Schneeschauer bis zum tropischen Monsun hat sie alles geschafft. Dieses Jahr wohl wieder etwas mehr auf dem Rad unterwegs, aber hoffentlich bald auch mal wieder beim Trekken dabei. In diesem Sinne...

2011/12/24

2011/12/23

die Sache mit dem Baum



Ich will ja jetzt nich Öko rüberkommen, aber ja. Ich glaub die meisten Leute pflanzen weniger Bäume in Ihrem Leben als da so für Weihnachten hingerichtet werden. Und da kann man ja mal dran arbeiten. Und tolle Beleuchtung sollte man sich ja eh öfter gönnen. Da brauchts nich unbedingt ne Tanne im Wohnzimmer für.

...auf ein buntes...

2011/12/20

Herz:links

Er hatte nicht viel in der Birne. Hauptschule. Irgendwo auf dem Land in Mecklenburg, da wo im Sommer die Touristen die Seen und die Luft genießen. Da war sein zu hause. Dieser Siebziger-Jahre-Plattenbau mit ca. 20 Wohneinheiten. Der sozialistische Wohnkomplex. Und dann waren da die Eltern und die Schwester. Die Mutter irgendwo auf dem Amt als Aktendulliauskennerin und der Vater im Schichtdienst im Kalksandsteinwerk. Die Schwester, ein zierliches Ding war so ziemlich schlauer wie das in Mecklenburg so auffallend üblich ist. Der Unterschied war, dass sie noch nicht mal volljährig sich schon an einen dicklichen Mittdreißiger - Fahrschullehrer, was ja wohl derer orten sowas wie eine Adelung, aber eigentlich das Zeugnis für "kann nix, macht trotzdem ne dicke Welle" gilt - sich jedenfalls an diesen versprochen, ver- ... ach man hat das nie so richtig verstanden aber das musste und wollte hier wohl auch niemand. Er war keine Leuchte und auch der Rest wars nicht. Der Junge aber der war ein typischer Rotzbengel. Moped ohne Fleppen, Rauchen wie ein Schlot, pickeliges Rasurkinn und Springerstiefel. Die unangenehme Sorte. Die grüne oder blaue oder schwarze Bomberjacke. Und die nicht vorhandenen Haare. Die Oma - eine über 80jährige Deutsch-Jugoslawin, beide Männer im Krieg gelassen, selbst danach als Landlöhnerin geknechtet worden - die hatte so ihr Unbehagen damit. Aber es war ja ein Enkel. Der Krieg ist ja lange her und heute ist heute und heute ist Sat1 und RTL und überhaupt geht’s uns ja doch allen so sehr viel besser. Tja und dann bist Du da wieder zu Besuch. Irgendein familiärer Anlass deiner damaligen zweiten Familie. Ihr wart mal wieder übers Wochenende da, alle freuen sich, es wird gegrillt, gegessen, getrunken, geglotzt, sich ausgetauscht, es gibt die obligatorische Rund-um-die-Uhr-Fressalien-Vollversorgung und rings rum ein bisschen Abwechslung zum Großstadtdschungel. Und abends gehen dann alle rüber in den Garten der Tante und die ganze Bande wird dort sein und wir nehmen noch etwas mit, man soll uns ja nicht nachsagen dass wir nichts mitbringen würden und am Ende fällt das noch auf uns zurück und die Leute im Dorf, ihr wisst ja.

Du sagst irgendwann nichts mehr. Anfangs gehen diese ganzen Rituale so fürchterlich auf den Sack, du musst da erst reinwachsen, sagst du dir, sagt sie, sagen die andern. das willst du aber gar nicht, rebellierst du innerlich und kannst doch gar nicht so richtig sagen wogegen oder warum. Bis du dann wieder an dem Punkt bist. Dieser Punkt den du immer vor Augen hattest wenn du zu Hause diese Platte von Konstantin Wecker gehört hast die bei deinen Eltern im Regal stand. Gestern ham's 'n Willi erschlag'n. Ja da bist du auf einmal dort wo du dich wohlfühlen solltest. Ihr seid da, ihr hattet nen schönen Tag, ward baden, was lesen, habt einfach Zeug gemacht, geholfen Euch aufgeregt über diese Dörflichkeit, dieses ach-die-haben-doch-alle-keine-Ahnung-hier. Da hört die eh keiner zu wenn du anfängst die Dinge mal zu erklären. Die haben hier einfach noch weniger Zeit, als du selbst in deiner Welt. Gleich gibts Essen und die Wäsche muss auch noch raus und habt ihr schon.... . Nein zur Ruhe kommt ihr hier nur für Augenblicke. Und dann aber bis gleich, wir wollens uns doch alle am Feuer gemütlich machen, ja? Ja doch.

Tja. Irgendwann bist du einfach hierhergefahren. Und geblieben. Zwischen Grunge-CDs und Sonnenblumen. Das war schon ziemlich die andere Seite von dem wie du selbst anders warst. Wir waren ja immer unterwegs. Berlin, Berlin und nochmals Berlin. Dazwischen gabs irgendwelche Parties hier und da. Dunkle Keller oder alte Bunker, Plattenspieler rein und los. Was hast du da für nen Aufwand mit der Deko betrieben. Das war verdammt dunkelbunt, und manchmal auch ein bisschen aufregend. Besetzte Häuser, alternative Jugendzentren, immer damit rechnend dass irgendwelche Glatzen aufkreuzen und hier ihren Krieg austragen wollten. Eine Zeit in der du lerntest wie quer diese ganze bist-du-rechts-oder-links-Scheisse lief. Landauf, landab. Und ja. Da gab es diese harmlosen, passiven Teile, so ne Mischung aus Hippies und Kirchenjugend. Viele wohlbehütet, Mutti holt euch dann wieder ab und ruft an, wenn es zu sehr regnen sollte und ihr nicht zelten wollt. Wie sie. Tja. Und dann gabs da in dieser Sippe halt auch diesen Bengel. Auf der Straße hättest du ihn wahrscheinlich gemieden oder geboxt. Nicht dass du drauf aus warst, aber wenns sein musste. Und ein paar Mal musste es sein. Das Wegrennen und auch das Zuschlagen. Jedenfalls haben sie alle schon einen im Tee und du stocherst schweigend in der Glut rum. Mindestens ein Mensch neben dir sollte das realisieren. Diese Wut ob dieser Sprüche und Witze. Und irgendwann ist es zu viel. Du hältst diese Scheisse nicht mehr aus und greifst an. Die Oma, die es doch besser wissen müsste, die Mutter - Lehrerin - die in der Schule sowas melden müsste, alle ducken sich mit Ausflüchten weg. Die besoffenen Herren der Runde sehen das als Amüsement - jetzt haben sie jemanden an dem sie sich auslassen können - das du doch erst mal was schaffen sollst, Steuergelder fürs Studieren und der ganze Quark. Und dann wird so richtig unsachlich unter die Gürtellinie gegriffen. Und alles nur um auch ja keine Diskussion zuzulassen, dass dieser Bengel ein vollkommener Neonazi ist. Das der Typ unter der Woche wenn er auf seinem LKW sitzt sich die übelste Nazimucke reinzieht, sich diesen Scheiss mit Vaterland und Ehre ins sonst so leere Hirn zieht. Und genau das passt nämlich nicht in diese Idylle. Du bist der Störfaktor - nicht diese quere Weltanschauung. Und so spuckst du irgendwann ins Feuer und verziehst dich. Allein oder zu zweit ist die da schon längst egal. Weit weg wäre jetzt am besten. Weit weg von dieser ... Verwandtschaft?.

Am nächsten Mittag wird verklemmt Mittag gegessen, dann irgendwann nach endlosen quälenden Stunden die du zumeist mit irgendwelchem Schnickschnack zugebracht hast macht ihr euch endlich wieder auf den Weg. Sie bekommt von Oma die obligatorischen fünfzig Euro zugesteckt und dann fahrt ihr los. Nee, also alles toll war das nicht. Aber du hast die Scheisse von innen gesehen. Da wo die brauen Grütze am Leben bleibt. Und einfach dazu gehört wie das mal-eben-mit-ein-paar-Schnaps-zuviel-vom-Dorffest-nach-hause-fahren.

Sie waren und sie sind Schuld. An dem was sich da entwickeln konnte. Zwickau ist auch in Mecklenburg. Irgendwo in jedem Dorf. Und irgendwo in jeder Familie.

Es gibt eben einen großen Unterschied was so in den Bücherregalen der zweiten Familie stehen kann. Manchmal sind es nur Weltbild-Verlags-Kochbücher oder -Gartenbücher, weil man ja aller drei Monate ein Buch kaufen muss!!!, oder es sind eben gefährliche Werke. Bücher die den Kopf denken machen. Mir sind letztere lieber. Bücher und Familien.

2011/09/22

Neuer Sattel für den schwarzen Panzer

Da mich ja diese labbrige Lederhäutchen des Selle An-Atomica irgendwann genervt hat, musste dringend eine Alternative her. Fuck off, american bullshit! Tach, Du heisses französisches Teil! Irgendwie liegt es ja nahe, dass die Franzosen was Haltbareres hinbekommen sollten als die Amis. Sind ja irgendwie die Radfahrernation schlechthin. Also zumindest im klassischen Sinne. Das Armstrong die Tour de France gewonnen hat ist ja noch nicht bewiesen. Oder so. Aber zurück zum Hintern. Der ruht jetzt auf einem Prachtstück namens ASPIN aus dem Hause Gilles-Berthoud. Bilder, Leute, Bilder sagen ja immer etwas mehr aus.

Unboxing of Bikeporn:









Nieten is sooo gestern...


...das machen ja nur noch die Engländer, hier wird feinst geschraubt.


...und zwar auf dickstes Leder, 6...7mm - da geht einiges auf die Kuhhaut.


Oldschool & new technology.


Ich steh auf so'n Scheiss...


Zerleg- und nachkaufbar, ein tolles Konzept...


...die Strassen und Wege dieser Erde müssen den Beweis erbringen...


...das dieses Teil auch hält was es verspricht - nämlich ein guter Sattel zu sein, der nicht fancy und unbrauchbar aber durchdacht und belastbar ist. Wir werden sehen. Und fahren.

2011/08/18

Selle An-Atomica - good marketing, nice look, poor quality

Aus. Schluß. Vorbei. Der Sattel ist im Arscham Ende. Aber von vorne....

Am Anfang war ein Rad. Ein Reiserad. Ein Panzer. Schlachtschiff. Schwarz, breit, stark (oh mann, ich muss dem Teil mal nen fetten Beitrag widmen, steckt einfach zuviel Liebe im Detail drin). Es hatte zuerst einen 0815-Gelsattel drauf - weil mir klar war das der eh runterkäme. Kam er auch. Eingetauscht gegen einen Brooks Professional. Hm. Da saß ich nun. Auf dem Rad. Aber doch zwar nicht mehr schlecht als recht aber mit dem Gefühl es noch besser haben zu können. Also wurde landauf, landab, in Ost und West nach einer Alternative gesucht. Irgendwie sollte es Leder sein, das würde doch insgesamt schon Sinn machen, das muss doch aber etwas fortschrittlicher als ein Relikt wie der englische Schwerlastsessel zu bauen sein. Und siehe da, die Herren von Selle An-Atomica krakelten im ganzen Internetz rum sie hätten den Gral gefunden. Den heiligen uneinholbar ultimativen Sattel gebaut. Und nun ganz dolle cool für jeden der ihn haben will mit Täschen und Seriennummer in etlichen funky Farben am Start. Eigentlich war alles gut - die Bilder, Erklärungen und Videos überzeugten recht schnell. Die einschlägigen Foren zeigten auch Begeisterungsstürme allerorten. Also musste so ein Teil her. Es gab/gibt zwei Versionen, eine mit zusätzlichem breiten drunterlaminiertem Leder für die schweren Fahrer (Titanico aka Clydesdale), eine normale für die Leichtgewichte (Legacy) mit schmalem Unterleder. Daneben gabs alles noch in bunt, mit Straussenleder usw., alles was gut Kohle bringt.

Doch nun mal genau hingeschaut.

1. Das Leder war als speziell behandelt und wasserfest angepriesen worden
2. das Gewichtlimit für den "leichten Sattel" lag bei 82kg
3. Er war als Tourensattel angepriesen worden, einer der lange seinen Dienst verrichten würde

Wir schreiben 2011, es sind dicke 15.000km in den Sattel geritten worden, er war am Nordkap, in halb Deutschland unterwegs und auch sonst überall mit dabei. Doch nun ist das Ende der FahnenstangeSpannschraube erreicht. Das Teil hat sich um ganze 23mm gestreckt! Kein Gewindegang mehr übrig. Alle. Fertig. Und kein Ende des Auslabberns in Sicht. Das Ding baumelt wie eine Unterhose auf der Wäscheleine rum. Für das Schwesterschiff wurde auch einer gekauft, noch dazu bei einem Radladen die von meinem Sattel so überzeugt waren, dass sie den ins Programm genommen haben. Ich schäme mich jetzt irgendwie ein Stück dafür.



Also habe ich mich auf http://www.selleanatomica.com/ umgesehen, relaunch, neues Outfit, schick aber.... Aber eben auch total umgekrempelte Ansagen auf der Seite.

Und zwar:

"If you weigh more than 140lbs (65kg) select Titanico. If you weight less than 140lbs (65kg) select Legacy."

Ich glaub es hakt! Die haben mal locker flockig 17kg daneben gelegen?! Die Suche nach der Antwort seitens des Herstellers fördert zu Tage:

"Leather is an interesting and variable product. Every color of leather we put on our saddles varies, each from the other, primarily due to the tanning process. Now that this saddle is in wide distribution, we are learning better how the leather performs in the long run.

Colored Saddles – we now know that our colored saddles perform better in the long run when used only with the Titanico laminate. We no longer manufacture the colored saddles with the Legacy laminate, although this is available upon request for ultra-petite riders.

Black – we have determined that 140lbs and 62kgs for the black leather is a more favorable weight cutoff for comfort and durability."


Und im Shop hat man sich komplett drauf eingestellt, dass das labbrige Leder mal runter muss: für "nur" 94.98$ kann man einen Gutschein zum Austauschen des leders kaufen, Versand für Hin- und Rückweg kommt zusätzlich obendrauf, von dem ganzen Zollstress mal ganz zu schweigen. Selbst wenn man das über den deutschen Händler abwickelt wird es mittlerweile schwierig werden, das ganze über die Garantie abzuwälzen - die ist nämlich explizit so formuliert worden, dass es eben kein garantiefall ist, wenn das Teil ausleiert. Ausserdem lauert der Link zu den Bedingunen mittlerweile sehr sichtbar auf der Homepage. Ist aber auch kein Wunder, haben sich doch mittlerweile etliche Dutzend Kunden beschwert. Die Ami-Foren sind recht üppig gefüllt mit Häme und Verfluchung - jeder der auch nur annäherend mehr als der Broker-Yuppie auf dem Rad sitzt und nen An-Atomica unterm Arsch hatte ist zwar von Sitzgefühl und Komfort begeistert, wendet sich aber nach einer gewissen kurzen Fahrzeit wieder ab.

Dehnt sich zu sehr, Der Schlitz schliesst sich komplett und quetscht empfindlich, die Seiten gehen nach aussen weg und reiben auf den Innenseiten der Schenkel.

Alles in allem ein Grund mehr der sache mal etwas mehr auf den Grund zu gehen - man fängt an zu wühlen und fördert Seiten wie diese zu tage. Nicht nur da hat man sich mit den Vor- und nachteile der lederart, der Entlastungsschnitts und der Verstellbarkeit befasst.

"If water really has no influence remains to be seen of course. With the Selle Anatomica for example (also claimed to be waterproof) after a wet 10 km ride, the saddle I used stretched quite a bit. Will that happen here too? Unfortunately this saddle doesn't have a cutout in the middle. Perhaps do-it-yourself can give good results... (however, from my experiences with an aged Flyer, cut-outs are problematic on softened leather which I think explains the problems with the Selle Anatomica as I had exactly the same problems with my modified Flyer-aged as the Selle Anatomica, so possibly, saddles with soft leather tops are unsuited to modifying with cut-outs)."

Eine gute Zusammenfassung lautet:

"Selle Anatomica leather saddles are also made from soft leather and as per my experiences with it and the Flyer aged which gave the exact same problems, I do not trust this. I doubt these saddles will last a significant time with people who cycle a lot."


Das ein Ledersattel aber auch in der Fahrradzukunft (haha - Wortspiel) nicht wegzudenken ist zeigt sich auf eben dieser.

Und das man sich auch etwas mehr Mühe machen kann zeigt dieser Post.

However - ich bin enttäuscht, ich werde den Selle AnAtomica nicht wieder kaufen, selbst die nicht geschlitzte Variante ist mir da nicht vertrauenserweckend genug - da griffe ich dann doch lieber zu Gilles Berthounds Ledersätteln.

Doch bis es soweit ist beschäftige ich mich mit Lederpartien, Gerbverfahren, Formgebung und Nite- bzw. Schraubverfahren. Mal sehn was dabei rauskommt. Ne Form hab ich jedenfalls schon mal genommen.


2011/06/30

QKies - Krümeln2.0

Ha! Urlaubs- & Regentag - oder auch einfach nur ein perfektes Backwetter. So hat es wunderbar gepasst heute morgen ein Paket mit einer Backmischung von Juchem zu bekommen - deren neuestes Baby heisst QKies. Der Clou und "fancy Scheiss" sind die auf Oblatenpapier gedruckten QR-Codes die der Packung beiliegen. Mit dem beiliegen Passwort auf QKies.de einloggen, eine URL der Wahl auf die QR-Codes verlinken und aus den 20 leckeren Keksen werden Botschaften aller Art.

QKies kommen als nerdtaugliche Backmischung einher - ein Ei und 100g Butter finden sich zur Not auch bei den Nachbarn. Und schon kanns losgehen. Doch wozu lange schreiben - Bilder machen mehr Appetit und Laune. Ich kann jetzt eh nich weiterschreiben - zu viele Krümel in der Tastatur... #nomnomnom