2010/07/28

Müggel Mortale pt2


Zu warm? Ab aufs Rad und ansins Wasser.

Widerliches Expertentun

Es wird ja im Moment das halbe Internet vollgeschrieben mit den Dingen die da in Duisburg geschehen sind. Es wird wohl noch ne ganze Weile dauern bis alle Puzzle-Teile zusammengekommen sind und es wird auch dann eines großen Aufwandes bedürfen, diese Teile als Ganzes verständlich zu machen. Doch darum soll es hier nicht gehen. Ich kann nur für den Teil sprechen, den ich zu überschauen vermag. Das könnte sicherlich die Veranstaltung an sich oder die Musik als Grund oder Berechtigung oder historisch gewachsenes Irgendwas sein - aber mir geht es um etwas anderes. Etwas was mir bekannt vorkommt und vor dem man die Augen nie schliessen darf sondern den Finger oder besser noch die ganze Faust in die Wunde legen muss. Es geht um das Tun der sogenannten Experten. Da sind zum einen die Politiker. Politiker. Das sind zu einem gewissen Grad Fachleute. Auf - sofern sie da über einen Bildungsweg hingekommen sind mit einem nötigen Unterbau an Moral, Ethik und Seltverständnis des Politikerseins ausgestattet. Wer da als Quereinsteiger eine parteipolitische Laufbahn hingelegt hat oder aus z.B. der Wirtschaft da hin gewechselt hat, wird sich da schon schwerer tun. Man muss erstmal davon ausgehen, dass kleinkalibrige Politiker wie man sie in der Kommunalpolitik wiederfindet eher etwas weniger die Profiliga darstellen. Entweder hats für die große Bühne nicht gereicht, oder man ist seinen vertrauten Strukturen sehr verpflichtet und verwurzelt. Wenn man dann langsam aber sicher auf die Endhaltestelle seiner Karriere zufährt möchte man sich aber schon gerne ein Denkmal setzen. Irgendwas cooles machen, etwas mit Bekanntheit über den eigenen üblichen Wirkungsradius hinaus. Da kann man dann schon mal eine Geilheit entwickeln, eine Machtgeilheit, der man dann schon ganz gerne ein paar Dinge unterordnet. Man kann sich dann hinstellen und mit dem Weitblick eines Napoleons mal etwas wagen. Dann muss man seinen Bediensteten schon mal zeigen wer hier der Herr im Hause ist. Wenn mir dann Person X in Behörde Y etwas aus Grund Z nicht genehmigen will kann ich dafür sorgen, dass Behörde Y mit Person W besetzt wird. Person W schuldet mir ja vielleicht noch eine Gefälligkeit. Oder ich gehe zu Person S. Person S gilt als Experte. Person S arbeitet in meiner Stadt, Person S ist auf seinem Fachgebiet eine anerkannte Fachkraft. Ich kann ja mal schauen ob Person S mir bestätigen würde, dass mein Konzept, welches mir meine Verwaltungsmitarbeiter nicht genehmigen wollen eigentlich doch ganz gut ist. Und damit das auch alles ganz dolle wichtig und richtig und fortschrittlich klingt wird Person S mit all seinen Titelchen vor den Karren gespannt und dann kann die Fuhre schon losfahren.

Ob die Person S dabei Geld für ein Gutachten bekommt oder nicht ist letztlich fast egal. Es macht das ganze nur einfacher angreifbar. Zumindest dann wenn etwas schief geht. Und in Duisburg ging ja einiges schief. Gründlich schief.

Eine Versammlungsstättenverordnung ist soetwas wie eine Richtline. Gibt es als Musterrichtlinie für Deutschland. Einige Länder bauen die so als Länderrichtlinie ein und andere Länder stricken die als Bestandteil ihrer Baurichtlinien ein - letztlich egal, was zählt ist, dass dieses Regelwerk ein gewachsenes Instrument darstellt. Gewachsen und erarbeitet über einen langen Zeitraum, erprobt und umgesetzt an tausenden Veranstaltungen. Durchgekaut in unzähligen Fachausschüssen und Gremien, etwas was man also als Stand des Wissens gelten lassen kann. Während Person S auf Grund seiner Tätigkeit ein Spezialist für einige entfernt verwandte Problemstellungen sicherlich hervorragende Arbeit abliefert muss ers ich allerdings auch noch mit Lehre, Forschung, Betreuung und Publikation befassen. Die Qualität seiner temporären Arbeit als Experte kann unter solchen Randbedingungen einfach nicht als auf gleicher Augenhöhe zu einem Regelwerk angesehen werden. Das kann gutgehen - wenn nichts passiert. Was aber letztlich nichts über die Qualität seiner Arbeit, seiner Expertenmeinung, aussagt. Die kann man nur bewerten wenn es zum Eintreten einer Problemsituation kommt.

Ich erlebe bei meiner Arbeit einen vergleichbaren Vorgang. Firma X entwickelt ein Verfahren zur Herstellung von Produkt Y, für dessen Inverkehrbringen man eigentlich eine Zertifizierung bei einer eurpäischen Behörde Z benötigen würde. Diese Zertifizierung kostet einiges an Geld und einiges an Zeit. Wir sprechen hier von siebenstellen Beträgen und mehreren Jahren. Der Grund dass es diese Vorgehensweise gibt, ist in den 80er Jahren zu suchen. Damals gab es einige grössere Skandale nach schweren Unfällen mit Todesfolgen, Missbildungen, Umweltkatastrophen etc.. Möglich wurde dies, weil man Schlupflöcher in den unterschiedlichen Deklarationen von Stoffen und Produkten in einzelnen Ländern so ausnutzen konnte, dass ein grenzüberschreitender Transport über Nacht aus einem Giftmüll einen Baustoff machen konnte. Über die Jahre hat man es geschafft, dafür eine Lösung zu etablieren. Jeder Stoff muss ob seiner Gefählichkeit eingestuft, also geprüft und zertifiziert werden. Ausser .... ausser man sagt man stellt gar keinen Stoff, kein Produkt her, man formt einen nicht zwingend zu zertifizierenden Stoff nur um. Und man findet jemand, der einem dafür ein Gutachten macht. Wenn man lange genug sucht findet man da auch jemanden. Man muss nur immer weiter entfernt von der Thamtik gucken. Und solange alles gut geht sind alle glücklich. Dieser Experte kann sich sogar mit seiner über Nacht gewachsenen Fachkenntnis rühmen - weil ja alles gut geht.

Es ist nicht das Einzige was mich stört, aber einer der Gründe weshalb ich mich nach einer neuen Stelle umschaue.

2010/07/23

Uhuhhhh

Eigentlich, eigentlich wollte ich ja nur "The Evolution of Hipster 2000-2009" hier verlinken....


...aaaaber. Aber ich find es ja viel besser mal auf das Paste Magazine hinzuweisen. Weil - jefällt.

2010/07/19

Ein Fahrrad-ALDI für Prenzlhain



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Wir haben uns beim Grillen neulich gefragt was eigentlich mit der alten Rinderauktionshalle wird, jetzt da die letzten Ecken hübsch gemacht werden rund um den alten Viehhof - und siehe da, auf der Seite der ausführenden Architekten stehet ein bisschen was. Es wird ein grosser Fahrrad-ALDI. Stadler lässt umbauen und wird dann ganz viele Fahrräder an ganz viele heranwachsende Gentrifziertheiten verkaufen. Naja. Irgendwie passt das zu den Retortenhäusern in der Ecke - diese Retortenfahrräder.

"...wird saniert und umgebaut zu einem großen Fahrrad-Einzelhandel der Firma Zweirad-Stadler, die deutschlandweit elf weitere große Zweirad-Center unterhält. Das Erschließungskonzept sieht die Nutzung fast der gesamten Hallenfläche (Nutzfläche 14.550 qm, Grundfläche 16.730 qm) und eine ca. hälftige Teilung der Hallenfläche in einen Verkaufsbereich (Nordseite, 7660 qm) und einen Lager- und Nebenflächenbereich (Südseite) vor.

Der Verkaufsbereich ist als ein großer Raum konzipiert, in dem sich die einzelnen Produktgruppen nach einem innenarchitektonischen Konzept angeordnet offen im Raum präsentieren. Das Sortiment umfasst neben zahlreichen Fahrrädern unterschiedlichster Preisklassen Zubehör, Fahrradbekleidung, Heimsportartikel und Motorradbekleidung. Ergänzt wird das Angebot durch eine Fahrradwerkstatt, eine Fahrradteststrecke und ein Bistro (Drittnutzer).

Ziel ist, das Gebäude zu mindestens im gesamten Verkaufsbereich (ca. 7600 qm, über 15 Stützenachsen) wieder als Halle und Industriedenkmal für die breite Öffentlichkeit erlebbar zu machen. ..."

Der Berliner Velozipedist

aka tyrannocyclus rex.

2010/07/16

Über-Blicke



Drüben bei English Russia mal wieder n gaaaanz grosses Set. Erde. Von Oleg Kotow von da draussen aus fotografiert. #hach

Und "Space Blogger" is ja wohl mal'n geiler Titel...

2010/07/11

Exportschlager?



Projektleiter ICE zu Teamleiter Comfort Components: "Das müssen wir rausnehmen, das bekommen wir so nicht durch. XYZ-Consulting hat das durchgerechnet, da sind wir schon übers Limit. Ich habe schon ein paar Mal gesagt: keine goldenen Einbauten! Die Klimatechnik muss günstiger werden. Lassen Sie sich da was einfallen. Übermorgen muss ich den Kostenplan aktualisiert vorstellen."

Teamleiter Comfort Components zu Projektleiter ICE: "Das ist ja gut und schön, dass XYZ-Consulting das durchgerechnet hat, aber verstehen die was von Verfahrenstechnik speziell im On-Rail-Sektor? Wir planen im Moment nicht mit Gold, sondern höchstens Bronze. Es gibt für weniger Geld keine zuverlässige Technik. Das will ich hier noch einmal in aller Deutlichkeit festhalten."

Projektleiter ICE zu Teamleiter Comfort Components: "Das fangen wir mit höheren Wartungszyklen ab. Deshalb wird das gerade outgesourced. Machen Sie sich darum mal keine Sorgen. Und wir bleiben bei der Variante, Wasser als Kältemittel zu verwenden. Wir wollen das ja schliessen als positiven Side-Effect verkaufen. Da können Sie jetzt nicht mit so einer alten Technologie daherkommen."

Teamleiter Comfort Components (per Mail mit Projektmanager XYZ-Consulting in CC): "Für die Klimatisierung der Großraumwagen Baureihe 0815 wird aus Umweltgesichtspunkten wie gehabt an Wasser als Kältemittel festgehalten, weiterhin wird unsere Planungsabteilung auf die untere Leistungsgrenze auslegen um den vorgegebenen Kostenrahmen einhalten zu können. Zur Kompensation zu erwartender Leistungseinbußen und Verfügbarkeitsengässe wird empfohlen, den Streckeneinsatz mit entsprechenden Wartungszyklen zu hinterlegen."

Projektmanager XYZ-Consulting zu Projektleiter ICE: "Zu Begrüssen ist auch die aktuelle Entwicklung im Bereich Klimatiserungstechnik. Es wird angeraten, hier nochmals das Budget für Dauerlauf und Feldtest zu hinterfragen, da der gewählte Weg offensichtilch als Stand der Technik angesehen werden kann."

usw.

Falls sich jemand wundert - ich bin Entwicklungsingenieur - andere Branche, same Bullshit.

2010/07/05

Chiba Kevlar Pro - Verarbeitung & Schnitt mangelhaft

So. Knapp zwei Wochen hab ich gebraucht um die Teile in die ewigen Jagdgründe für Fahrradhandschuhe zu befördern. Die Nähte um die Gel-Pads - Chiba hat hier komischerweise zwei davon eingearbeitet - sind so dermassen unsauber geführt und noch dazu durch seitliche Lage der Pads ständig unter Spannung, das die an beiden Handschuhen, einmal innen und einmal aussen aufgerissen sind. Na toll. Fazit: Sechs, setzen.



N' guter Händler sieht das auch so und nimmt die zurück, Erstattung etc. kein Problem und Zentralrad is'n guter Händler. Da ohne ein bisschen nackig wäre probiere ich jetzt mal Shimano's PRO Mission. Mal gucken wie lange die so leben.

Tipp: Levenshulme Bicycle Orchestra

Heute im Madame Claude in XBerg - Levenshulme Bicycle Orchestra

Ich werd versuchen mir das anzugucken - Musik mit Rädern.