2017/08/20

mindfulness

Langsam machen. Bisschen unkontrolliert in der Gegend rumgondeln, gucken, beobachten.

Am Foodtruck stehen und auf den Burger warten. Das ältere Pärchen steht unvermittelt neben mir und reißt mich aus meinen Erinnerungen. Ich war gerade irgendwo an einem Festival-Fressstand auf Usedom. Dann fragt mich der Mann mit den beiden schiefen Schneidezähnen ob ich denn zufrieden sei mit dem Schloss. Irritiert für eine Sekunde muss ich mich erst sortieren. Lasse ihn erklären. Ihn und seine Frau. Die beide dieses Schloss im Internet gesehen hätten und gerne etwas leichteres als ein Bügelschloss hätten. Und überhaupt. Während ich erzähle und sie bestärke beobachte ich. Die Blicke und Haltung der beiden.

Sie hören mir zu, aber alles an ihnen sagt dass sie es gerne einmal in die Hand nähmen. Ich löse die Klettbänder reiche es ihnen und öffne das Schloss. Sie sollen es ruhig biegen und verwinden, fühlen, wiegen und zusammenklicken. Sie spielen damit beide ganz begeistert. Die Anmerkung man könne ja auch zwei Schlösser miteinander verbinden finden sie überaus reizend und lächeln sich an.

Ich verstaue das Schloss und die beiden sind schon bei sich um sich zu vergewissern die Schlösser nun doch unbedingt zu kaufen. Sie bedanken sich, ich wünsche ihnen noch eine trockene Zeit bei den Cyclassics und bekomme meinen Burger.

PS: Das Schloss

Am Ofen

Es ist still. Kein Wind geht. Die beschlagenen Scheiben sind nass. Es muss kälter geworden sein über Nacht. Die Morgensonne hat es schwer durch den Nebel zu kommen. Gleite aus dem Bett und schleiche barfuß die Treppe hinunter. Ziehe ein paar meiner verstreuten Sachen an und ziehe die Tür sachte ins Schloss.

Der Tau lässt das Gras unter den Sohlen quietschen. Das Windspiel schaut mich stumm an. Die Fäden voller Nass, die Ritzel unbewegt. Nach einer Weile merke ich wie die Kälte durch den Hoodie kriecht, mich fröstelt. Die Hände greifen nach den Holzscheiten, manche erkenne ich wieder. Der gelbe Eimer füllt sich. Ein paar trockene Zweige obendrauf, gehe ich die paar Stufen hinauf. Die Schuhe abgestriffen schleiche ich durch die Küche. Der Haken rührt die hohle Asche durchs Rost. Die zwei Nägel hängen immer noch in einem Spalt, morgen, ganz bestimmt morgen. Es ist nicht die Süddeutsche aber so ändern sich die Lesegewohnheiten mit den Bewohnern. Die Flammen lecken sich durch das Papier und ein erstes Knacken verheißt Wohliges.

Die Luft faucht durch den Zug und ich schaue durch den Spalt der gusseisernen Tür. Die Hände riechen nach Ruß, wie immer. Der Wasserkocher erwacht. Ich schließe die Fenster und im Wohnzimmer hängt ein kühler Hauch frischer Luft. Der Tee zieht, die Flammen verlangen nach mehr und ich setze ein neues Teelicht ins Stövchen, schüttele ein paar Krümel von der Decke auf dem Sessel und blicke gedankenverloren auf das Buch daneben. Ich rücke den Sessel etwas dichter an die Kacheln. Die Teeschalen stehen nebeneinander und hören mit mir dem Bollern zu. Ich lasse mich in den zweiten Sessel fallen und spüre wie die Wärme langsam herüberkriecht. Meine Zehen goutieren das und ich sinke tiefer in das Polster.

Das Feuer hat sich beruhigt und brennt jetzt gleichmäßig, die Minuten vergehen. Oben, unter dem Dach regt sich Leben, die Spülung ist zu hören und ich gieße Tee in die Schalen. 


2017/08/19

03:12

Schlaf ist derzeit ein scheues Wesen. Die Gedanken arbeiten, wühlen. Die Gefühle schreien in mir. Ich suche nach Momenten, Zeichen, ich möchte Erkennen.

Das Telefon vibriert, eine Nachricht. Ein Link zu einem Text um den ich bat. Ein paar Worte dazu.

Beginne zu lesen. Verkrampfe. Alle Sinne spüren die Worte die da stehen. Keines zu viel, keines zu wenig. So simpel.

Wieder. Wahrnehmen. Beobachten. Volle Aufmerksamkeit, nicht ständig aber stetig und spürbar. Das wegzuwischen mit den inneren und äußeren Ausreden anderer eigener Wichtigkeit ist leicht gemacht. Und ist so wenig für einen selbst aber vielleicht alles für Dich. Dich nicht mehr spüren zu lassen stattzufinden ist das schlimmste was ich tun konnte. Es ist so klein, es ist so groß.

Ich spüre diese Leere die ich ausstrahlte. Es beschämt und tut mir leid.

Zum Tag. Versuche den beobachtenden Dritten einzuführen. Bin skeptisch wo der auftauchen soll. Nach einer Weile geht es. Auf dem Rad zur Arbeit. Alles um mich das ich wahrnehme spricht zu mir. Auch die Bodenwelle wegen der ich etwas ausweichen möchte, der Verkehr, das Wetter. Alles nehme ich wahr, vieles oft nur nebensächlich, und genau darum geht es. Das genau dorthin zu holen wo es präsent ist. Es bewusst wahrnehmen und beobachten. Die innere Bewertung beobachten und anschauen.

Das klingt nach viel und ist es auch. Das schwankt. Aber in reinen, separaten Momenten funktioniert das wunderbar.

Wilhelmsburg, Radfahrer kommt unvorhersehbar entgegen und schneidet den Weg. Reflex, Reaktion. Dabei trotzdem Zeit zu beobachten wie der Fahrer mich sieht und wie er reagiert. Verspüre dem Impuls wütend zu sein und mich genervt zu zeigen. Bemerke dass da ein entschuldigender Blick zu sehen ist. Verwerfe meine anstehende Reaktion und lächle mit einem Kopfnicken zurück. Der ganze Vorfall waren nur Sekunden. Er ist mir in Erinnerung weil ich darauf geachtet habe. Wäre ich ohne bewusst acht zu geben da weg wäre die motzende Reaktion der Grund für Unzufriedenheit gewesen.

Ein Anfang. Und es stecken verdammt viel Momente in einem ganzen Tag. Verdammt viel Menschen begegnen einem. Verdammt viel zu beobachten.

2017/08/18

Liebe

Zurückblicken. Hineinhören. Zweifeln. Fragen.

Erinnern.

Es ist nicht wie vor zehn Jahren. Es ist mehr. Es ist anders. Es ist viel tiefer.

Aus dem "eigentlich müsste ich die Schallplatten wegräumen" ist ein "eigentlich müsste ich...." geworden.

Ich müsste eigentlich zuviel. Wenn ich ehrlich bin müsste ich zuviel - wenn ich da weiter machen würde wo ich bin.

Und in Wahrheit müsste ich dabei so wenig.

Ich müsste einfach der Liebe dankbar sein.

In jedem Moment in dem sie mir widerfährt: Du bist da, Du bist großartig, bleib doch bitte noch. Mehr ist es nicht.

Wahrnehmung. Respekt. Wertschätzung.

Diese letzten anderthalb, vielleicht zwei Jahre haben mich krank gemacht. Ich habe diese Jahre krank gemacht. Als ich aus der Schule war hatte ich einen Traum - mit dem Fahrrad um die Welt. Entdecken, sein. Das daraus nix geworden ist - völlig ok. Es traten andere gute Dinge in meinem Leben an diese Stelle. Und es war nie schlimm diesem Traum nicht gefolgt zu sein. Und ist es bis heute nicht.

Jahre später, wieder ein Traum - Langstrecken-Rennen mit dem Rad. Eher zufällig mitgemacht und unerwartet gut gewesen. Ein wahr gewordener Traum. Aufgeputscht von Erfolg der Eitelkeit Raum gegeben.

Und dann - der Absturz von der vielleicht besten Form auf gebrochene Knochen und gerade noch überlebt. Frustriert über die Schuld eines anderen Menschen den Anspruch abgeleitet dass mir dieser Erfolg zustünde, das die Welt ungerecht sei.

Das kann schon sein, das ist sie vielleicht. Aber es ist die gleiche Welt in der es Menschen gibt die genau dann da sind. Die helfen und aushalten. Die geduldig sind und ihre Kraft aus Liebe schöpfen.

Diese Liebe nicht zu erwidern, zu sehen, weil das eigene verletzte Ego sich austoben durfte. Dafür gibt es keine Entschuldigung.

Und dennoch - es gibt etwas. Etwas, dass ich dieser Welt schulde:

Zurückzufinden in mir. Dahin wo das Ego sich nicht hintraut, dort wo ich akzeptiere dass die Menschen um mich herum so sind wie sie sind, so sind weil sie einfach so sein möchten oder so sein müssen.

Ich kann vielleicht manches besser​, aber ich bin deshalb nicht besser.

Das Leben ist kein Wettrennen. Das Leben ist eine Reise. Um die Menschen die mich begleiten bin ich dankbar. Sie sind keine Gegner in einem Wettstreit sondern diejenigen die meine Reise mit Leben füllen. Es geht nicht um das Ziel sondern um den Weg. Wenn sich jemand entscheidet diesen Weg gemeinsam mit mir zu suchen und zu wandern ist es das größte Geschenk auf diesem Weg. Dieses Erfahren von Liebe, dass ist Glück. Nicht das x-te Rad unter meinem Hintern. Nicht das Konto voller Geld. Nicht das gefütterte Ego in mir.

Ich habe reichlich aufzuräumen, denn ich möchte so nicht sein. Kein Mensch ist perfekt und keiner soll sich fühlen so sein zu müssen. Ich bin nicht perfekt sondern mit Ängsten und Schwächen aber auch mit Stärken und Fähigkeiten.

Anzukommen, sich irgendwo wohl zu fühlen war eine innere Sehnsucht die ich meinte mit dem Schritt in diese Stadt zu stillen. Wenn das Gemeinsame zuvor der unruhige Weg zweier Menschen mit eigenem Weg war, sich immer wieder​ dem anderen aufs neue nähernd, kreuzend, dann ist das Leben gefüllt von zu meisternden Herausforderungen. Das Besondere bestimmt. Sich dann einzufinden und das Leben zweier Reisender zu einem werden zu lassen passiert nicht einfach. Nicht wenn man sich darüber nicht im Klaren ist, auf sich und einander schaut.

Kann ich das nicht? Konnte ich das je?

Darum geht es vielleicht gar nicht. Ich möchte es einfach. Für mich und für jedes "Dich" in dieser Welt. Das wird Zeit benötigen und jede Menge Kraft. Ich habe keine andere Möglichkeit, denn mir liegt etwas daran, im Herzen.

Ich habe gestern eine Psychotherapie begonnen. Ich stehe am Anfang und bin neugierig gespannt bis ängstlich. Ich beginne mit einer simplen Hausaufgabe - die Einführung des wertenden 3ten Ichs. Da ich die Nacht nicht schlafen konnte habe ich nach einigem Suchen Abstrakte über Emotionale Intelligenz verglichen. Im Grunde ähnelt der Ansatz. Diese bewusste Beobachtung der eigenen Emotionen ist immer der erste Schritt. Der nullte Schritt ist auch der gleiche - aufhören Emotionen zu kategorisieren, nicht in gut und böse zu unterscheiden.

Ich habe einen Kaffee gekocht und in Ruhe genossen. Es wird hell, die ersten Flugzeuge starten und ich pumpe die Reifen auf.

2017/08/12

Was zählt

"Dear baby, how are you?"



"Where Did The Night Go"

Long ago the clock washed midnight away
Bringing the dawn
Oh God, I must be dreaming
Time to get up again
And time to start up again
Pulling on my socks again
Should have been asleep
When I was sitting there drinking beer
And trying to start another letter to you
Don't know how many times I dreamed to write again last night
Should've been asleep when I turned the stack of records over and over
So I wouldn't be up by myself
Where did the night go?
Should go to sleep now
And say fuck a job and money
Because I spend it all on unlined paper and can't get past
"Dear baby, how are you?"
Brush my teeth and shave
Look outside, sky is dark
Think it may rain
Where did
Where did
Where did