2026/01/03

Künstler sind auch nur Menschen

Seit einer knappen Woche wird ein "Foto" hunderttausendfach durch die "sozialen Medien" gereicht. Die inhaltliche Aussage ist durchaus korrekt und im Kontext mit der Person sicher auch naheliegend. Blöd nur, dass es lediglich eine AI-generierte Überarbeitung eines vier Jahre alten Bildes ist, wie es damals auf 9GAG, Reddit, etc. monatelang rumging. Die typischen verwaschenen Bereiche (z.B. am Ventilator) güü. dem Original schreien einen förmlich an. Da mittlerweile bei Elron die Bildermaschine automatisiert Menschen entkleidet [1;2] irgendwie verwunderlich, dass Menschen Zeug ohne innezuhalten weiterverbreiten. Nix gegen den stabilen Schauspieler [3,4], das Shirt und die inhaltliche Aussage, aber hat es so in der Kombi leider nie gegeben. Die grundlegendere Frage ist aber - hören wir jetzt alle auf nachzudenken?

Will ich jedes mal aufwändig recherchieren und unterscheiden? Wie viel Aufwand ist nicht zu viel? In dem konkreten Fall ist es sicherlich ne Frage von wenigen Sekunden, reverse Bildersuche, zack fertig. Indikator: nur eine Einstellung auffindbar, die typischen schlechten Auflösungen, der schmierige Slop-Pixel-Wiederholungsbrei.

Whatever, bei Bildern ist das alles ne Sache von paar Klicks (noch). Krasser ist das Tempo bei Musik. Die ganzen Streamingplattformen haben mittlerweile die größten Zuwächse bei AI-generiertem Zeug. Geschenkt, dass der Spotify-Nazi-CEO sich mittlerweile offen faschistisch äußert. Dass diese Plattform mittlerweile dermaßen enshittificated ist, dass die Fachwelt das Ganze als Frage "wohin geht es dabei eigentlich?" stellt. Im Sinne von "aufhalten lässt sich das eh nicht mehr". Irgendwie gibt es tatsächlich nen Markt dafür, sprich das Prädikat, das hat mal ein Mensch, ein Künstler, gemacht wird obsolet. Ronny hatte das letztes Jahr an diesem Beispiel einer komplett nicht existierenden Band samt AI-erfundener Historie schon mal aufgeschrieben. "Go after the money" als Methode ist ja eh nie verkehrt - es lässt sich halt ordentlich Geld mit machen.

Zur Zeit hängt das alles am Medium, am Ökosystem Internet. Dort frisst das Ganze "lediglich" Energie, braucht Hard- und Software, kann sich selbst replizieren und mit jedem neuen AI-Modell weiterentwickeln. Vielleicht passt das auch gerade deshalb für mich wieder mehr live-Musik zu erleben und dort mein Geld zu lassen. Es fühlt sich wieder so wie Anfang der 2000er an, wo alle den Kram irgendwie gesaugt und gebrannt haben. Vielleicht freue ich mich deshalb auch ein wenig, dass Annas Archive [5] den Spotify-Klumpen gezogen haben und der früher oder später auf dem ein oder anderen Weg als "Bibliothek" zugänglich wird. Und vielleicht/hoffentlich ist der RoI ja zu gering, um AI-Mucke auf Vinyl zu pressen. So ganz alleine mit dem Unbehagen bin ich nicht. Das ist schön. Künstler sind nämlich auch nur Menschen.



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