2023/01/23

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Hmpf. So geht es der Produktion wohl auch ein bisschen. 90 Millionen, große Namen, eine opulente Story um die Zeit des Übergangs zum Tonfilm herum ... und dann ein langer Film mit LĂ€ngen, mit tollen Bildern und Farben, sicheren Witzen und trauriger Selbstreferenz. Was bleibt davon? Erstaunlich wenig. Ein Film den man sicher anschauen kann, der aber nicht sonderlich hĂ€ngenbleiben wird. Schade irgendwie.


2023/01/15

Hand.Werk

Was mich immer wieder ĂŒberrascht, ist, wenn Menschen denken das dieses eine Werkzeug, dieser eine Kurs oder dieses eine Mal etwas auf Youtube, Insta oder TikTok angeguckt zu haben automatisch dafĂŒr sorgt, etwas zu können. Selbst mit der allerbesten, pĂ€dagogisch saubersten Lehre wird man in der Regel in die Lage versetzt, etwas leidlich gut nachzumachen. UngefĂ€hr so wie ein Rezept lesen und danach kochen. Das ist niemals so gut wie das Ergebnis des zum hundertsten Mal zubereiteten Lieblingsgerichts. Man segelt nicht automatisch gut wenn man einen Segelschein gemacht hat, kann im allgemeinen nicht klettern wenn man nen Kletterkurs gemacht hat. Oder wenn jemand etwas baut, bastelt - handwerklich erschafft. Wir sehen immer nur das Ergebnis, nur einen klitzekleinen Ausschnitt aus dem Leben der Person der wir da zuschauen. Wir wissen nichts davon wie lange es gedauert bis jeder Handgriff so sitzt, jede Bewegung so ablĂ€uft wie wir es sehen können.

Was uns dann immer noch verborgen bleibt - wie lange es gedauert hat bis die Person das, was sie da tut, fĂŒhlen oder spĂŒren konnte. Wie sich ein Gewindeschneider in zĂ€hem Edelstahl kurz vor dem Abreißen anfĂŒhlt, wie der Unterschied zwischen einem Schliff mit 200er Korn und leichter Kraft gegenĂŒber einem 240er Korn mit mehr Kraft nur allein unterschiedlich warm auf der RĂŒckseite des Schleifpapiers wahrzunehmen ist. Es gibt tausende solcher Beispiele - das richtige Schmatzen einer Farbrolle auf der Wand, der saubere Zuschnitt eines Schnittmusters, usw.. In Videos, deren LĂ€nge unsere konditionierte werbegerechte Aufmerksamkeitsspanne nur nicht ĂŒberfordern darf, sehen wir die zusammengeschnittenen Momente mit dem just fertig gestellten Ergebnis. Wie viele erliegen dabei dem Irrglauben mit ein bisschen gucken und einer ErlĂ€uterung schaffen sie das ebenfalls.

In der Regel sehen wir Menschen zu, die das, was sie da tun, mit einer Leidenschaft und Hingabe etliche Jahre perfektioniert haben. Oder aus einem Arbeitsdruck und einer steten Wiederholung eben auf das effizienteste optimiert haben. In allem stecken etliche Stunden an FehlschlÀgen, an Ausschuss, an Frust, an tausenden kleinen Schritten hin zu einer QualitÀt die wir in der Regel nie erreichen werden.

Ich mag selbst unheimlich vieles ausprobieren. Die nötige Neugierde hatte ich schon immer, den Zwang schnell "brauchbare Resultate" zu bringen habe ich in meiner Jugend ĂŒber mich ergehen lassen mĂŒssen. Die Kehrseite davon beschĂ€ftigt mich noch heute und wird es wohl immer. Der Nebeneffekt davon - vieles doch recht gut zu können. Einiges sogar ein bisschen besser. Wenn ich zurĂŒckschaue, beherrsche ich die Dinge, die ich besonders oft wiederholt habe, wahrscheinlich am Besten. Es ist bei mir vielleicht nicht so sehr Talent sondern eher die Ausdauer und der Wille zur Verbesserung des Könnens. Wenn ich mir die StreubĂŒchsen mit Talent, Neugierde, Ausdauer so anschaue werden die wahrscheinlich in einer Normalverteilung ĂŒber der Menschheit ausgekippt. Wir alle können die meisten Dinge halt so einigermaßen mittel. Ausdauer ist schon etwas, das mir liegt und vielleicht gerade deshalb kann ich ein paar Dinge dadurch ein klitzekleines StĂŒckchen zum besseren verschieben. Niemand weiß, wie viele Stunden dafĂŒr notwendig waren, um dahin zu kommen. Die meisten Menschen haben dazu aber auch einfach keinen Bezug, haben keine Vorstellung von dem Tun der Mitmenschen.

Wenn ich auf Anlagen unterwegs bin, ertappe ich mich dabei, einfach mal anzuhalten und den Leuten zuzugucken. Ich mag das. Der Isolierer an seiner IndustrienĂ€hmaschine der die Matten fĂŒr eine Maschine nĂ€ht, der Fliesenleger wie er Quadratmeter fĂŒr Quadratmeter Industriefußboden mit Spaltplatten macht, der Schweißer der eine Naht in 40mm WandstĂ€rke mit ruhiger Hand ĂŒber Kopf Raupe fĂŒr Raupe legt. Die könnten mir das alle zeigen und mir erklĂ€ren - ich hĂ€tte trotzdem nie den Anspruch das je so gut zu können. Und genau deswegen arbeiten all diese unterschiedlichen Menschen mit ihren StĂ€rken ja auch zusammen. Und je weiter der Begriff des Handwerks gedacht wird gilt das irgendwie fĂŒr alles um uns und zwischen uns.

Wenn mich das eines gelehrt hat, ist es, das eigene nicht mit dem Ergebnis eines anderen Menschen zu vergleichen. Vielleicht noch, um den Respekt davor einordnen und ermessen zu können, aber bitte nicht, um seine eigene Leistung ins VerhĂ€ltnis zu setzen. Es birgt so weniger Gefahr, enttĂ€uscht zu sein. Auf das eigene Können von vor ein paar Jahren zu schauen ist einfach die gesĂŒndere Variante. Und wird in den seltensten FĂ€llen ein Grund fĂŒr ein Hadern sein. Ohne die Bereitschaft zur Ausdauer wird ein durchschnittlich talentierter Mensch halt einfach nicht dahinkommen. Ich hab mir das irgendwann so hingelegt, nur so hohe AnsprĂŒche an mich selbst zu setzen, wie ich auch bereit bin, die nötige Ausdauer mitzubringen.

Und andere Menschen haben halt andere AnsprĂŒche an sich an gleicher Stelle und gleiche AnsprĂŒche an sich an anderer Stelle.

2023/01/02

draußen

FĂŒr die Sterne ĂŒber dem Schlafsack. FĂŒr die Sonne am Morgen.

FĂŒr das drinnen.