Dieses Leben zieht an den Menschen. Stabilitäten die gestern noch galten verschwinden über Nacht. Diese Geschwindigkeit mit der sich Kapitalismus bis zu den Knochen durchnagt. Gefühlt bin ich von all dem weit weg, so sehr abgenabelt, dass ich mich schäme.
Von anderer Menschen Lebensrealitäten zu hören, zu lesen - habe ich selten mit Absicht getan. Meine Blase tut das kaum, ich tu das kaum. Ich erkenne nicht einmal genau, wo meine Privilegien anfangen. Ab einem gewissen Punkt schauen Menschen nicht nach dem was andere nicht haben, man selbst es gut hat. Der Blick geht zum mehr. Ist das die Gier, das neoliberale Versprechen, das einem alles zustünde? Oder die Verdrängung, sich nicht mit der Situation anderer Menschen befassen zu müssen? Ist es, weil die Scham über die eigene Situation im Kontrast zur damit verbundenen Ungerechtigkeit nicht ausgehalten werden kann?
Ich habe keine Ahnung, wieviel Glück ich gehabt habe, an bestimmten Punkten in meinem Leben. Was davon ist gerecht? Spielt das überhaupt eine Rolle? Lenkt das nicht ab davon, einfach die Ungerechtigkeit zu sehen, anzuerkennen?
Menschen bekommen nicht die gleichen fairen Startbedingungen ins Leben gegeben. Menschen widerfahren Schicksalsschläge, Krankheiten oder einfach ungute Zufälle und stehen plötzlich nicht mehr in der vorherigen Sicherheit. Und sie haben keine faire Chance, aus dieser Ungerechtigkeit mit fairen Mitteln rauszukommen. Ich hasse diesen Umstand, dieses System. Eins dass dir vorgaukelt, dich mit einer Spende freikaufen zu können, gegen das Unwohlsein dass da am eigenen Privileg klebt.
Dieses System ist unfair. Dieses System funktioniert durch Unfairsein. Und das betrifft auch mich. Bleibt - selbst nicht unfair zu sein.
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