08 Juli 2026

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Es geht nicht darum, ob da Wellen sind oder wie hoch die sind. Es geht auch nicht darum, wohin man treibt. Irgendwas mit Ottern.

still floating
still floating

bubbles

Am Montag nach dem Ü40-Grad-Wochenende kam während der Mittagspause die ungebremste Frage eines Chefs "na wie war euer Wochenende, das war doch toll. Wir haben das Planschbecken in den Garten gestellt, und dann den ganzen Tag immer wieder da drin gelegen, die Kinder konnten mit den Wasserpistolen spielen und es war nie so kalt, dass man sich sorgen musste, dass sie sich verkühlen....".

Und dann sitzt man da und fragt sich ob das jetzt ein Film ist oder tatsächlich so passiert. Am Ende war die "gute Laune" im Arsch. Bei mir, weil ich austeilen musste, darüber, wieviel Promille der Bewohner in dieser Stadt diese Privilegien wohl hätten, wie die über 400 Millionen Liter Trinkwasserverbrauch in 24 Stunden in dieser Stadt wohl aussähen, wenn alle das so machen könnten. Dass wir aktuell nur die Effekte von vor x Jahren erleben und uns auf das Kommende nicht mal annähernd gut vorbereiten können, dass nebenan im Seniorenstift der Bestatter zugange war, das Übersterblichkeit durch Hitzewellen durchaus auch die eigenen Angehörigen oder eines selber treffen dürfte in Zukunft. Dass wir so wie wir hier sitzen, allesamt kaum etwas zu ertragen hatten im Vergleich zur großen Masse der Leute. Ich kann sowas nicht feiern.

Die gleiche Blindheit immer wieder. Ob es die vier Familienurlaube im Jahr sind, die allen ernstes geäußerte Verwunderung, warum die Leute eigentlich zu Ikea gehen statt sich nen schönen Schreibtisch vom Tischler zu holen, die Liste ist mittlerweile einfach ermüdend lang. 

Dass es aktuell die brutalstmöglichen "Reform"entwürfe in der Gesetzgebung gibt, Politik mittlerweile offen im kapitalistisch-faschistoid vorauseilenden Gehorsam agiert und so ziemlich sämtliche Errungenschaften einer lebenswerten Gesellschaft demontiert werden, scheint überhaupt nicht wahrgenommen zu werden. Glückwunsch, wenn Du es Dir leisten kannst, privat versichert zu sein und so nicht-sozial den Beitrag in der gesetzlichen nicht leistest. Filterblasendasein in Reinform. Und immer wieder Spielverderber weil ich da reingrätsche. Sorry fürs gute Laune zerkratzen.

Ich weiß keine Antwort darauf, wenn mir jemand schreibt, dass es trotz der jahrelangen Anstrengung, eine Dissertation fertigzustellen, um ein Leben in dieser Gesellschaft kämpfen zu müssen. Dass diese Leichtigkeit des Moments der Erleichterung, das geschafft zu haben, systemisch kaputtgemacht wird. Dass da diese Ungerechtigkeit wieder alles bestimmt, mit der Entscheidung zu ringen zu müssen, nicht mehr nach einem passenden oder erfüllendem Job suchen zu können, sondern irgendwann nach der Prämisse, "Hauptsache irgendein Job" suchen zu müssen. Viel mehr außer außer Mut, Kraft und eine Portion Glück zu wünschen, ein bisschen zuzuhören und Anteil nehmen bleibt irgendwie nicht. Laut bleiben und nich weggucken, allgemeines Weggucken stören und immer wieder Löcher in die Filterblasen pieksen, vor allem auch in meine.

Wenn diese Welt nicht schon an allen Enden so dermaßen brennen würde - man müsste gerade ne Menge einfach anzünden.

Auch weil wir ja nicht alle nach Kopenhagen ziehen können, seufz.

Kopenhagenliebe
Kopenhagenliebe

07 Juli 2026

Flugversuche

Funktionsbeschreibungsstunden. All die Abhängigkeiten, die Grenzwerte und Alarme, Freigaben und Schutzfunktionen, die Regelkreise und Schrittketten - nur damit eins tut, was es tun soll. Gespräche darüber, ein Aushandeln von Risiken und Sicherheiten, von Interaktion und Automatismen. So ein bisschen wie im Leben - jemandem eine Anleitung schreiben, wie eins funktioniert, damit jemand die eigene Sprache hernimmt und ein Programm dafür schreibt. Etwas für die Schublade, zum rausholen, wenn Jahre später etwas hakt, wenn sich niemand erinnert, warum etwas wichtig ist.

Dazwischen ein aus-dem-Fenster-grübeln, rüber zu den drei Jungmöwen. Seit Tagen das Gefiepse, dem Schrei der Mutter ähnlich, nur dünner und höher. Sie lockt, füttert, fliegt auf, kreist, ruft. Immer wieder etwas mitgebrachtes hochgewürgt, den Appetit signalisieren sie mit drei synchron auf und ab gereckten Köpfen. Der straffe Wind, ein paar ungelenke Versuche, ein paar Meter weit, knapp über dem Boden. Ein, zwei Tage noch, höchstens, dann sind sie weg. Übrig bleibt das Erwachsene-Möwen-Geschrei, das Gelächter. Und diese Momente wo eins selbst loslachen muss, weil das so ansteckend ist.

Sommerregen, zum Einpacken bitte. Warm, nass, windig - durchweichtes Lächeln. Unerwartet frühe Abholung als letzter Termin des Tages auf dem Amt, spontan mittags gebucht. Wie gut Dinge doch funktionieren können. Die meisten waren wohl schon im Feierabend, ein paar stempelten sich aus während der Wartezeit. Die letzten drei Angestelltinnen trugen zu zwei Drittel Kopftuch. Wie gut Dinge doch funktionieren können. 

ungültiger und neuer Reisepass
ungültiger und neuer Reisepass 

Irgendwie gibt's jetzt keine Ausreden mehr, nur noch Strecke basteln und Versicherung klären. 

05 Juli 2026

diffuskonkret

Langweilende Wochenstunden, Wochenend-Nichtstun, routiniertes Kram-Erledigen. Lange Gespräche mit ähnlichen Gedanken - wozu das alles?

Dinge von der schlechtes-Wetter-Liste abarbeiten, neue Dinge dazuschreiben. Mit gebremstem Elan die Lamello einrichten, ein paar Verbindungen mit Restholz üben.

Lamellofräse
Lamellofräse

Den wahrscheinlich letzten Rhabarber des Jahres verbacken und das Rezept endlich auf die richtige Balance aus Säure, Sysse, Quark und Frucht abgeändert.

Rhabarber-Quarkkuchen
Rhabarber-Quarkkuchen

Zwei Dutzend Accounts irgendwelcher online-Shops gelöscht, zwei weitere Dutzend auf die neuen Mails aktualisiert, Postfächer aufgeräumt und umgezogen.

Strassenfest mit Regen und Wind, linker lokaler Deutschrap, später herdenweise umherirrende  Helene-Fischer-Ultras und Fremdscham-Kostümierte.

Nachts dem Igel bei der Würmersuche am Kompost zuhören, gespeicherte Zugverbindungen buchen. 

Kino-Zeitreise zurück in die Zivi-Zeit. Kelly Slater, Jack Johnson, Ben Harper. Die Musik, die Wellen, die Filme, die Boards und wie ich Jahre später staunend vor deren Original Formen bei Cobra Int. stand. 

SURFILMUSIC
SURFILMUSIC

Unangenehme Aufgeräumtheiten, die sauber gestapelte Wäsche, keine Spüle ein- oder auszuräumen, nix zu putzen, nix zu reparieren, Essen für die Arbeitswoche fertig. Das fühlt sich alles so endlos langweilig an (wann werd' ich endlich von K.I. ersetzt?). Eine diffuskonkrete Traurigkeit.

Ach, Sommermelancholie, wann Du wohl wieder abhaust?

03 Juli 2026

nicht die lauten Momente

Die ganze Rumtreiberei, das ganze Entdecken fremder Orte, das rastlose Reisen - und am Ende bleiben unspektakuläre, fast zerbrechlich zarte Momente. Es sind nie die großen Ziele auf der Landkarte, die man da vorher hinlegt auf die Strecke. Es ist nicht der bestimmte Punkt, dieser besondere Berg, diese eine Stadt, oder jene tolle Sehenswürdigkeit - wo das Fühl dran kleben bleibt.

Der sonnenglitzernde See im Wald, die Libellen am Ufer auf den Zweigen im Wasser. Das Rauschen der Blätter des Küstenwindes. Die Wärme der Sonne im Holz des Steges im Rücken. Der Geruch des klaren Wassers und das leise Plätschern. Die zufriedene Ruhe, die uns dort überkam und sanft festhielt. Wenn ich die Augen schließe liegen wir wieder dort.

Seeufer mit Libellen
Seeufer mit Libellen

Es ist egal wo. Es ist egal wann. Diese leisen Momente, die einfach so passieren, die sich einfach so dazulegen und mitkommen. So entstehen sie wohl - all die Stunden, die man nicht vergisst. Von denen man keinem erzählen kann, weil niemand so fühlt wie es in diesem Moment da war. Geteilte Zeit - das wertvollste in der inneren Schatztruhe.

those nights

Lange Abende. Wetter, das irgendwann lange Shirts verlangt. Lange Gespräche, die irgendwann lange Pausen verlangen. 

Mangold
Mangold

Mangold, getrocknete Tomaten, Parmesanschlonze
Mangold, getrocknete Tomaten, Parmesanschlonze

Quiche im Ofen
Quiche im Ofen 

01 Juli 2026

Wie Erinnerungen schmecken

Diese Jahreszeit in der die Natur sich selbst überholt und sich jeden Tag bunt in die Küche wirft. Ich weiß noch, dass ich mal drei Eimer Johannisbeeren gepflückt habe und man es den Sträuchern überhaupt nicht angesehen hat. Es dann aber gefühlt jede Woche ein Glas Gelee zu leeren galt - monatelang. Tomatenjahre, an denen die Decke in der Küche vom Ketchupkochen rote Flecken bekam, oder es monatelang Kartoffeln in jeder Variante gab. Gurken und Zucchini, die dann doch nur auf dem Kompost landeten weil es schlicht zu viel war, was da reifte. 

Und dann sind da noch die kleinen Erinnerungen, so wie an die Schale mit der kleingewiegten Kresse, mit Butter und hart gekochtem Ei, ein bisschen Salz, Pfeffer und Muskat. 

Gartenkresse, Wiegeeisen, Butter, Ei
Gartenkresse, Wiegeeisen, Butter, Ei

Brotaufstrich
Brotaufstrich





████, ████, ████?

Durchatmen, Kochen, über Grünzeug freuen, Ideen zu Plänen zu Unternehmungen machen, Musik fühlen, Kunst erleben, Natur genießen, Momente einfangen, draußen & drinnen, hier & woanders, Hörspiele lauschen, Alltagszeug machen, große Baustellen kleiner werden lassen, Spiele spielen, in Comedy gehen, Kautsch liegen, Kautsch reparieren, eigene Fehler beschmunzeln, Hilfe sein, Inspiration zaubern, Pokern, Läden stöbern, Cafe sitzen, Zeltplätze erobern, Essen gehen, Welt bestaunen, Leuten zugucken, um den Block spazieren und in Zügen wohin fahren. Engtanzen & feiern, Fragen stellen, Sorgen tragen, Mut geben, Augenrollen & Wertschätzen, Pickel wegmachen, Angst aus Vergangenheit gegen Lust auf Zukunft tauschen, Kranksein ertragen, alt werden. Lachen & Heulen, Fluchen & Freuen. Verschusseln, Finden, Frieren, Schwitzen. Glut gucken, Anfeuern, unter der Decke stecken, ungestohlene Pferde füttern. BahnBonusPunke verprassen, Wanderschuhe benutzen, Badesachen einpacken, Fahrradketten ölen, gute Sommer und gute Jahreszeiten. Einander leicht sein, einander Lieblingsmensch sein.

(singt Lieder)

30 Juni 2026

irgendwie

... ist das vielleicht so. Mit Konzerten wie mit dem Leben. Man guckt zurück und dann gab's da diese Stelle, diesen besonderen Moment, auch wenn man das damals noch nicht wusste. 

17 Jahre & 10 Tage

Social Distortion Juni 2009
Social Distortion Juni 2009


Social Distortion Juni 2026
Social Distortion Juni 2026

(PS: Danke alter Taucher, dass Du mir die damals gezeigt hast. Beim nächsten Mal klingel ich, wenn ich bei Dir in der Ecke bin, versprochen.)

28 Juni 2026

Bücher...

...die so schön sind, dass man gar nicht genau weiß, woher auf einmal Tränen kommen...