Wer das liest ist schön.
07 September 2026
Schönes gegen Doofes
Herz, dran
[wie schwer es mir fällt, mein Herz abzuknibbeln von jemandem - trotz all der bösen Worte
vielleicht aber gerade deswegen
um genau das zu lernen und weil Hass nie gewinnen darf]
die Abwesenheit von Frieden
In der Bahn sitzen können, rausgucken, festgucken, Kopf leerschreiben.
Vielleicht wird es einfach nur Glück gewesen sein, zur richtigen Zeit am richtigen Ende der Welt gelebt zu haben. Ostblock, Nachkriegssysteme, Wende, Europa, Frieden. Vielleicht waren diese paar Jahrzehnte die Ausnahme. Vom Krieg. Zwischen Systemen, die so kaputt sind, dass sie ihre Daseinsberechtigung irgendwann über den Weg von Konflikten versuchen aufrechtzuerhalten.
Wir kauen als Gesellschaft auf den unverdauten Brocken rum, die uns Corona hinterlassen hat. Drei Jahre in denen Verstand gegen Schwurbler, Gemeinsinn gegen Egomanie, Menschenrechte gegen Gier eingetauscht wurden. Verwerfungen die bis heute wirken. Wir taugen als Gesellschaft wenig, wenn der Maßstab ist, gemeinsam auszuhalten, solidarisch zu sein. Ohne die anderthalb-, zweitausend Kilometer zwischen hier und dort, ohne dieses Land, das seit vier Jahren aushält, gegenhält, wären wir schnell am Ende.
Vier Jahre, und immer wieder frische Gräber. Auf jedem noch so kleinen Dorffriedhof ein paar. Noch nicht verwelkte Blumen und raschelnde Folie, Schleifen, ein paar Kränze, beiderseits die Fahnen - gelb/blau und rot/schwarz. In jedem Ort. Wie auch in jedem Ort ein Platz mit reihenweise Tafeln. Aufsteller, mal ein Dutzend, mal hunderte. Die blaugrüngrauen Lichtbild-Porträts wie sie in den Militärausweisen kleben, aber auf A1. Junge Gesichter, alte Gesichter, müde und leere Augen. Namen, Alter, Dienstgrad, Einheit usw.. Es gibt in diesem Land niemanden, in dessen Familie oder Verwandtschaft nicht jemand versehrt oder getötet wurde.
Jeden morgen um 9 Uhr stehen alle still, Straßenbahnen und Müllautos, Nonnen und Frisöre. Eine Minute Gedenken. Man sieht kurz die weggewischten Tränen in manchen Gesichtern danach und staunt über geschäftiges Weitermachen. Wenn der fünfte Winter wartet, wenn Dein Leben von Luftalarm und Straßensperren, von 9-Uhr-Gedenkminuten und frischen Gräbern bestimmt wird, von Stromausfällen und zu Schutzräumen umfunktionierten Tiefgaragen, dann ist ein Sommertag abseits des Grauens nicht nur ein paar Stunden Normalität sondern voll intensivem Leben.
Das Leben geht weiter, Garten bestellen, Garage fertig mauern, Haus bauen, renovieren, Laden öffnen, zur Schule gehen, Studieren, Arbeiten. Und doch sind die Pausen und Auszeiten, die kleinen Fluchten anders. Die leichten Momente werden bewusster gelebt. Die Selfies vor dem Bergpanorama, der Wochenendausflug auf dem Motorrad, das Flanieren auf der Promenade an den Eisständen vorbei, die Abende in den Cafés und Bars. Es ist fast nicht Krieg, bis eben doch. Ein Sein im krassen Gegensatz zwischen Lebenshunger und Zerstörung. Niemand hält das ewig aus - dieses Ausharren in ständiger Wachsamkeit dieses "war is boring - until it's not". Die Menschen mit denen ich Kontakt hatte waren einerseits müde davon, hatten da oft auch eine Ernstheit, Traurigkeit und Wut aber ganz besonders offensichtlich - eine ungebremste Lebensfreude in dem jeweiligen unbeschwerten Moment.
Im Keller der robotron-Kantine Arbeiten aus dem hier und jetzt einiger Agentur Ostkreuz-Fotograf*innen. Oben mehr der Blick ins früher. Im Keller ist es kalt - nicht nur wegen der Feuchte und dem Beton. Es sind verschwommene Schemen von Portraits, dem Grauen in den Geschichten. Eine 101jährige, Krieg, Stalin und nun wieder Krieg. Eine über 80jährige, eingehüllt in Wintermantel neben dem Gasherd in der Küche, das einzige was wärmt. Und es gibt Filmschnipsel, Fragmente die wehtun. Nach drei Wochen ein paar Meter durch die Wintersonne Kiews gehen. Um dann wieder in die vermeintlich sichere Wohnung zurückzukehren, mit dem sichersten Platz auf einer Matratze im Flur, abseits von Glasscheiben und Badspiegel, das warten im Dunkeln und Einsamkeit. Das Überleben einer alten Frau.
Europa wäre am Arsch ohne diese Resilienz. Und wir sind es einfach schuldig, alles zu tun, um dieses Land zu unterstützen. Wir könnten nicht, was diese Menschen da aushalten und leisten. Und dabei all die Herzlichkeit behalten, wie sie mir begegnet ist.
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| zur Tiefgarage |
04 September 2026
Sommerloch
Der August hat mich verschluckt. Augen reiben, sich selbst zwicken, doch doch.
Drei Abende, drei Städte, drei Konzerte, ein CSD, eine Ausstellung.
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| Alligatoah |
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| Planschen |
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| Kraftklub |
01 September 2026
DD-HH
Es wird noch ne Weile brauchen, das alles zu verarbeiten.
| Spot-Tracker-Karte |
Die Kilometer und Zahlen sind mir egal, nichts tat (körperlich) weh und (fast) alles war schön. Es sind die Begegnungen, die Gerüche, die Geräusche, die Gefühle entlang der Tage und Nächte.
22 Tage
4.760,5 km
96.587 Kalorien
ein paar Momente
27 Juli 2026
falsche Kreuze
"...würden Menschen dort im Durchschnitt jährlich rund 1.600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren; zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Einkommensverluste durch eine AfD-Politik könnten in Sachsen-Anhalt bis zu doppelt so hoch ausfallen wie im Bundesdurchschnitt."

gendern nicht nötig
25 Juli 2026
🔥
Spanien steht eigentlich noch auf der Liste. Bisher nur ein paar mal für dort gewesen, bis auf ein mal vor fast zwanzig Jahren danach nur zum Arbeiten und '22 dann doch nicht beim NCT mitgefahren. Nachdem die letzten vier Sommer irgendwie immer etwas mit südlichen Kilometern zu tun hatten, warum eigentlich nicht zumindest ein Stückchen woanders hin?
Spanien bleibt zwar irgendwie aber macht das alles noch Sinn?
Die Runde um Frankreich war ja auch schon ein paar Tage im Rauch, Dune du Pilat musste ich damals von Norden anfahren , anders als ich eigentlich wollte. Die Bucht von Arachon, Cape Feret - damals alles noch fahrbar. Durchs Medoc hätte ich eigentlich nicht gedurft, das war schon abgeflattert. Zu viele Touristen die rauchen oder durchs unbedachte Picknicken das ganze hätten abfackeln können. Ich bin Samstagabend auf komplett leeren Wegen endlose Kilometer durch verdorrte Farne gefahren. Keine Mücken, keine Feuchte. Nur braune Blätter, staubiger Zuckersand und ein aufziehendes Gewitter.
Der ganze Bums wird wohl so weitergehen. Ziemlich erschreckend wie T.C. Boyle das in "Blue Skies" so brutalnormal vorweggenommen hat. Das ist sie also, die Welt mit der wir alt werden sollen. Kognitive Dissonanz als Gesellschaftsleistung - mehr zugelassene Autos als je zuvor, wieder mehr Fläche versiegelt, wieder weniger Artenvielfalt, wieder mehr Flugreisen, wieder mehr Primärenergieverbrauch und wieder mehr Fossilverbrauch.
Irgendwann hab ich mal sarkastisch meine FOMO formuliert - was schaff ich eigentlich noch anzugucken bevor es abgebrannt, überflutet oder durch Kriege zerstört worden ist? Konsequent gedacht müsste ich so schnell wie möglich ne Runde durch Spanien radeln. Oder die Ecken in Frankreich und Italien und Griechenland und... so weiter. Auch wenn ich eigentlich ganz gut mit >40°C klar komme, richtig erholsam ist das am Ende ja alles nicht wirklich.
Dann eben einen Bogen, erstmal möglichst weit gen Osten und dann irgendwie gegen den Uhrzeigersinn see- und heimwärts. Schön, wenn man den ganzen Krempel irgendwann durchgespielt hat und alles was für einen so am ehesten funktioniert beisammen hat. Ich weiß allerdings nich, ob ich das schon mal so hybsch drapiert hab:
- Kask Valegro mit Orafol Oralite 5710 & Eichhörnchen
- Arschrakete v3 X-Pac VX21 / Vaude-Laminat aus Überprpduktion / Mesh / 3M Velcro /
- Auffliegermeshbag / 3M Velcro
- 2x 750ml Specialized Purist Watergate
- Cumulus XLITE200, Cumulus Bivybag, Thermarest Neo Air
- BBB Kabelschloss mit Tasche, Werkzeugtasche, TopTube-, Frame- & Bar-Bag alle X-Pac VX21 / 3M Velcro / YKK AQUAGUARD usw.
- Buff & Buff-Mütze, Merino Handschuhe
- Mavic HiViz Weste, Gore Regenshorts, Gore Regenjacke
- Xero Z-Trail EV Lagoon Sadalen
- Reisepass, Ausweis, KK-Karte, Visakarten, Geld
- Portemonnaie X-Pac VX21 / 3M Velcro
- Lezyne CNC Pressure Drive
- 4x Sapim CX-Sprint mit Polyax 14mm
- 2x Satz Bremsbeläge, 2x TB2 Reifenflicken
- 2 Conti Reifenheber, Swisstool Inbus mit Bits, Ventiladapter, Putzlappen
- verschiedene TipTop-Patches, Sandpapier, Vulkanisierflüssigkeit, Kettenöl
- Schaltauge, Schaltzug, Speichenschlüssel, Kettenschlösser
- Lifu J-Tool, Opinel Carbon, Kugelschreibermine, Ventileinsatz, Feuerzeug, Isolierband
- Sonnencreme, Assos Chamoiscreme, PJK-Salbe, Hydrocortisol 0,5%, verschiedene Pflaster
- Mückenzeug, Rettungsdecke, Feuchttücher
- Zahnbürste, Zahncreme, paar 400er Ibus, Paar Kohletabletten, paar Micropur-Tabletten, Wattenstäbchen, Zahnzwischenraumreinigungsbürste, Nagelfeile, Kanüle, Sicherheitsnadel, Ohrstöpsel, kleines Stück Kernseife
- Cumulus Daunenweste, Tifosi Tyrant Sonnenbrille & Klargläser
- Norröna Cargo-Shorts, Icebreaker Merino-Unterhose, Endura Baabaa Merino-Langarmshirt, Merino-T-Shirt, Badehose
- 2x Schwalbe SV15 50mm, verschiedene Kabelbinder, SPOT-Tracker, Garmin 1030+, 2x USB-Kabel, Forumslader-Ladeelektronik für USB, 2fach Voltcraft USB-Netzteil, Zendure Powerbank, 2x CR2032, 4x AAA, 2x AA alles Energizer Ultimate Lithium
- Specialized S-Works Road mit Shimano hot-mold Einlagen
- 2 Paar Socken, Gore Knielinge, Skins Armlinge
- Sportful R&D Cima SPF Jersey, Sportful R&D Jersey, kurze Shimano Handschuhe, Assos Mille GT Bib













