Wer das liest ist schön.
18 Oktober 2026
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17 Oktober 2026
Regen gucken
Er raucht wirklich miese Zigaretten. Das Zeug stinkt und deswegen stellt er sich immer so auf den Balkon, dass es bei uns nicht ins Fenster zieht. Manchmal ist er der letzte im Büro und dann quatschen wir oft noch. Manchmal auch ein bisschen länger, so wie gestern. Keine Ahnung, wo introvertiert anfängt und wie viel Zeit es braucht, es war schon ne Weile dunkel als wir dann die Tür abgeschlossen haben.
Er stammt aus der Türkei, kleinere Stadt im Norden. Noch während der Schulzeit die Familie verlassen und nach Istanbul gegangen, dort dann fertig geworden. Seine Vorstellungen vom Leben passten nicht in die typischen Erwartungen. Elektrotechnik-Studium, erste Jobs, viele Projekte hier und da. Die Stationen sind so bunt wie die Blätter draußen. Irgendwie kann ich das gut verstehen. Es war nie groß ein Thema für uns, woanders hinzugehen. So reihen sich dann Zeiten aneinander und man schaut zurück mit der Frage, was davon eigener Wunsch war, was Zufall, was Aneinanderreihung von Umständen. Da drunter aber das gleiche Gefühl. Alles immer nur Momente, alles nur von kurzer Dauer.
Wir haben auf dem Balkon so ne Gartenbank, mit kleinem Tischchen in der Mitte, die Seiten verstellbar als Liege umfunktionierbar, Blick über die Hafentristesse und Bahnanlagen. In der Dämmerung glitzern die Lampen der Raffinerie in der Ferne. Was Gesellschaften und Kulturen so erwarten, wofür man sich rechtfertigen muss und wie lange es dauert bis es nicht mehr beäugt und beurteilt wird. Wer von den Menschen entlang der Wege bleibt, wer irgendwann verschwunden ist und was das mit einem macht. Das gleiche Thema begegnet uns in letzter Zeit öfter - das Rätsel, wie Freundschaften einfach so ausfaden. Wie man selbst zweifelt, ob man nun zum x-ten Mal versuchen sollte, ein Treffen vorzuschlagen, einen Termin zu finden, noch eine Nachricht zu schicken, etwas am Leben zu erhalten. Und wie man irgendwann resigniert, es dabei belässt.
Die Wolken sind mittlerweile dunkel und schwer, die ersten Tropfen fallen, die Heimfahrt wird wohl nass. Er raucht noch eine und drückt sie grinsend nach der Hälfte aus, irgendwie müsse er ja anfangen, aufzuhören.
15 Oktober 2026
nichtkalt
schwer...
14 Oktober 2026
All das.
All das geht so. Einkaufszettel schreiben, die Wege gehen, den Kühlschrank ein- und die Spülmaschine ausräumen. Die Wäsche einsammeln, Maschine anstellen, aufhängen, abnehmen, zusammenlegen und wieder von vorne. Die Küche in ein duftendes Chaos verwandeln und wieder aufräumen, die leckeren Zutaten zu feinen Sachen bereiten und sich am Genuss oder Fresskoma freuen. Radio und Gesprächen lauschen, Löcher in die Luft starren, verlegte Dinge suchen und finden, über komische Momente lachen und Ideen zu Plänen basteln. Die dreckigen Fenster auf morgen vertagen und übermorgen putzen. Den Lauf des Jahres in Abendhimmeln bewundern und bei Regen die Kapuze tiefer ins Gesicht ziehen. Die Ausstellung besuchen gehen und die Theaterplakate lesen. Anderer und einer Meinung sein. Mal ausschlafen bis Nachmittag, mal im Dunkeln aus den Federn. Mal erst im Hellen ins Bett mal einfach so einpennen. Mal aufraffen, die Dinge zu tun, die schwer fallen, mal von Leichtigkeit des dann-doch-machens überrascht sein. Gesundheitsdinge tun und Zukunftsdinge nicht mehr vor sich herschieben. Zweifel loslassen und Mut finden. Anfeuern und Bremsen, Verzweifeln und Grinsen. Gut zu sich sein und darüber freuen.
All das. Geht so. Geht so viel schöner. +1
13 Oktober 2026
Mehr als....
12 Oktober 2026
dafür
11 Oktober 2026
[ambivaˈlɛnts]
Die guten Momente vermissen und über die schmerzhaften weinen.Jemanden lieben und nicht geliebt fühlen machen.Von jemandem geliebt werden und nicht geliebt fühlen.Das gleiche sagen und nicht das gleiche hören.






