2023/09/26

­čÄž


Ich mag Pusteblumen. Und den Kram von The Ambientalist irgendwie auch ganz sch├Ân dolle.

2023/09/20

roadkill

 Jedes Mal. Jedes verdammte Mal. 

Wenn ich die vor-Strava-und-├╝berhaupt-f├╝r-Zahlen-interessieren-Zeit dazu nehme, komme ich mit ziemlicher Sicherheit auf ├╝ber 200tkm die ich auf R├Ądern verbracht habe. Das ist ganz sch├Ân viel Lebenszeit und nicht die schlechteste. Eine der traurigsten Konstanten dabei ├╝ber all die Jahre - tote Tiere. Ich habe so ziemlich alles gesehen und gerochen was auf Stra├čen von Autos ├╝berfahren wird. Hunde, Wildschweine, Rehe - ├╝berhaupt alles an Wild, Dachse, F├╝chse, Katzen, Igel, Schlangen, Echsen, V├Âgel aller Art, Maulw├╝rfe, Eichh├Ârnchen ... die Liste lie├če sich noch ewig fortsetzen. Der Zustand reicht von frisch angefahren und noch in den letzten Zuckungen bis zu s├╝├člich verwesendem Geruch der ├╝ber hunderte Meter den Atem nimmt.

Es sind surreale Momente, einen toten Maulwurf zu sehen und anhalten zu wollen um ihn zu ber├╝hren, ob das Fell wirklich so kuschelig weich ist wie er da so liegt. Das Eichh├Ârnchen mit der d├╝nnen Blutspur vom Sch├Ądel ├╝ber den grauen Asphalt, die Augen ins nichts starrend. Das kalte Reh neben der Spur, das R├╝ckgrat verdreht und die L├Ąufe gebrochen. Der Hundekadaver an dem schon Raben und Nager zugange waren und bald nur noch die Knochen und Fellreste verbleiben werden.

Irgendwie geh├Ârt es mittlerweile dazu, jeden Tag mindestens ein totes Wesen auf der Stra├če zu treffen. Ich habe mehr Igel und Blindschleichen zerquetscht auf dem Boden gesehen als in der Natur. Es sind europaweit knapp 200 Millionen V├Âgel und etwa 30 Millionen S├Ąugetiere - pro Jahr. Und all das wegen dieser "Freiheit". Leave no trace f├╝r'n Arsch.

Ich habe zum Gl├╝ck zweimal f├╝r ein Eichh├Ârnchen gerade noch bremsen k├Ânnen, vor Ewigkeiten gab es fast einen Zusammensto├č mit einer Katze. Ich habe bestimmt den ein oder anderen K├Ąfer, ein paar Raupen und sicherlich auch mal einen Frosch w├Ąhrend der Laichzeit ├╝berfahren. Das ist nicht sch├Ân. Das Vorderrad ein bisschen zu verrei├čen wenn da ein K├Ąfer im Blickfeld auftaucht ist so normal wie der Griff zur Trinkflasche.

Ich m├Âchte mich an all die toten Tiere immer noch nicht gew├Âhnen.


2023/09/19

'cause I don't like myself

Zwei Begegnungen, zwei Menschen - und dann liegst du da nachts und heulst. Beide haben dahin gefragt wo in mir irgendwann etwas kaputt gegangen ist. Ob ich nicht dankbar gewesen sei nach dem Unfall vor dem TransAm damals. Und wie jemand als Kind die Tage auf einer Intensivstation erlebt hat, isoliert, schuldig gef├╝hlt f├╝r die abzuschirmende Ansteckgefahr.

Beides f├╝hrt zwei eigene F├Ąden aus unterschiedlichen Jahrzehnten zusammen. 

Ich war glaube 8 Jahre alt und sollte einmal an einem Wochenende meine Spielsachen und Schreibtisch aufr├Ąumen - was ich ungern tun wollte, wie Kinder halt so sind. Die Ansage war, dass ich vorher nicht zum Spielen raus d├╝rfe. Ich habe da geschmollt. ├ťber das Wochenende habe ich Bauchschmerzen bekommen. Das wurde von meinen Eltern abgetan, dass ich nur simulieren w├╝rde um nicht aufr├Ąumen zu m├╝ssen. Letztlich wurden die immer schlimmer. Die am Sonntagabend gerufene ├ärztin hat den Krankenwagen gerufen und ich wurde ins Krankenhaus gebracht, ab in den OP - Blinddarm, nicht entz├╝ndet, sondern Durchbruch. Also vier Tage Intensiv, Schl├Ąuche im Bauch, das ganze Programm. 

Meine Mutter meinte zwar Jahre sp├Ąter dass sie sich da im nachinein Vorw├╝rfe gemacht h├Ątte - ich habe aber nie eine empathische Reaktion, kein in-den-Arm-nehmen oder Entschuldigung dar├╝ber erfahren und gesp├╝rt. Ich habe da aber ein ganzes St├╝ck verinnerlicht, dass meine Schmerzen nicht relevant sind. Und das die niemanden ber├╝hren. Als ich den schweren Unfall hatte, habe ich nicht gesehen, wie sehr das die Menschen um mich mitgenommen hat. Ich habe das alles nie gelernt. Und das bringt mich gerade wieder zum heulen.

­čÄž

2023/08/10

Dunkeldeutschland

Nach ein paar Tagen in den Kalkalpen mit Wandern, Klettern, Spielen, Trinken und gro├čartigem Muskelkater durch ungewohnte H├Âhenmeter gl├╝cklich ob der Begeisterung f├╝rs Klettersteig genie├čen. Zum Ausgleich dann der Heimweg mit dem Rad. Fast etwas nachl├Ąssig in brouter.de geworfene Punkte, bisschen auf die Nebenstrecken gezupft. Melonenfelder n├Ârdlich der Donau, goldig gl├Ąnzender Hafer, Weinberge mit Nutzhanf dazwischen. Ich mag die EU, ich mag Schengen. Die zugedreckten Scheiben der Zollabfertigungsgeb├Ąude an der tschechischen Grenze, vor Jahren zugesperrt, ein Platz im nichts.

 

Die Vorfreude endlich mal durch Tschechien zu fahren wurde nicht entt├Ąuscht. Sonst ja nur fix wegen ein paar Bergen mal ├╝ber ├╝ber die Grenze geguckt, war es ein Eintauchen in diese slow-mo-Haftigkeit wie sie einen sofort in den vielen kleinen D├Ârfern ├╝berkommt. Irgendwo eine volle W├Ąscheleine, ein paar Katzen auf dem Asphalt, das lebendigste sind die vielen V├Âgel zwischen den Str├Ąuchern. Irgendwo steht ein alter Skoda rum, auf dem Spielplatz die gelb-rot-blau angemalten Kletterger├╝ste - wie damals. Die Welligkeit war eine endlose Abfolge von kleinen Anstiegen und Abfahrten, gerne auch zweistellig in den Steigungsprozenten. Ich glaube es gibt kaum ein friedlicheres Fleckchen. Und auch keine gestressten Autofahrer. Gef├╝hlt hat jede*r die Haust├╝r nicht abgeschlossen, keine Sekunde Bedenken, mich f├╝r ein paar Stunden Schlaf in eine Bushaltestelle mitten im Ort in den Schlafsack zu verziehen.

Das alles ist anders hinter der Grenze. Fast h├Ątte ich damals meinen Zivildienst in Bad Schandau gemacht. Es wurde die Ostsee, und es war gut damals, so zu entscheiden. Und heute w├╝rde ich keine Sekunde z├Âgern - nicht nach Sachsen, insbesondere nicht in diese Ecke zu gehen. Dunkeldeutschland, Sucksen, Mordor. Klar tut das jedem Menschen, der dort vor Ort etwas gegenhalten will, unrecht. Ich glaube aber, dass die 20?, 25? Prozent Arschl├Âcher dort einfach eh nicht schnallen, dass sie sich jetzt schon selbst ficken. Entlang der Strecke Pirna, Dresden, Mei├čen, Riesa bis hoch ├╝ber Torgau lagen etliche Gewerbegebiete. Immer wieder irgendwelche Firmengel├Ąnde und -geb├Ąude. Und ich habe noch nie in einem so gro├čen Gebiet permanent so viele Plakate mit Stellenangeboten und Werbung f├╝r Ausbildungspl├Ątze gesehen. Ein ganzer Landstrich, der gef├╝hlt v├Âllig verzweifelt um jeden noch so popeligen Lageristen-Job ne quadratmetergro├če Plakatierung f├Ąhrt ist echt am Arsch. Was ist denn deren Plan, wie stellen die sich das vor? Rump├Âbeln und s├Ąmtliche halbwegs klar denkenden Menschen mit gro├čfl├Ąchig stabil AFD-Nazis w├Ąhlen vergraulen? Die werden von der Alterspyramide so derbe zerlegt werden, dass es einfach nur Kopfsch├╝tteln verursacht. Ohne Zuzug, ohne Migration wird es dunkel in Dunkeldeutschland. Auf die eine und die andere Art.

2023/06/12

­čôľ

Ein schattiges Pl├Ątzchen, Vogelgezwitscher, ab und an brummt ein Insekt vorbei. Das Lesen im Sommer ist ein anderes als in den Monaten der fr├╝hen Dunkelheit und unmuggeligen Temperaturen. Der "SuB" wird zwar nicht kleiner weil immer mal wieder spontan was dazukommt, aber ├╝ber die Zeit vom letzten Sommer bis jetzt sind einige zusammengekommen die bleiben d├╝rfen. Und einige die demn├Ąchst mal wieder vertickt werden.

Laurent Petitmangin - Was es braucht in der Nacht


Ich kenne diese Zeitlupenunfallaufnahme, wie jemand radikaler wird aus der Beobachtung einer Familie in der das weggel├Ąchelt wurde, ein St├╝ck weit mitgetragen und hinter konservativer Arschl├Âchrigkeit versteckt. So wie es in den Baseballschl├Ągerjahren fast ├╝berall war. Um so beklemmend sch├Âner zu lesen wie tief der struggle geht, dagegen ank├Ąmpfen zu wollen, ohnm├Ąchtig zu bleiben und doch nicht zu zerrei├čen. Traurig, tragisch, sch├Ân. Bleibt.

Jasmin Schreiber - Mariannengraben


Zwischen Leben und Sterben passt ne ganze Menge Abenteuer, im Kleinen wie Gro├čen. Ein Buch das sehr nach letztem Sommer riecht. Mag's, bleibt

Lewis Howes - The Mask Of Masculinity


├ťber seinen Podcast drauf gekommen, eine schonungslose Bestandsaufnahme seiner eigenen jahrelang kultivierten red flags und sein Weg hin zu einem besseren Menschen. Ein Buch das mit jedem Kapitel einen neue weitere (wie viele denn noch?!) T├╝r ├Âffnet hinter der man seinen eigenen Spiegel mal angucken darf. Bleibt.

Florence Given - Women Don't Owe You Pretty


B├Ąmm - so quietschbunt und schrill Florence Given selbst ist, so deutlich sind die Zeilen dieses Buches. Verteilt Ohrfeigen wie Tastaturanschl├Ąge beim Schreiben. Bleibt.

John Ironmonger - Das Jahr des Dugong


Wenn ich gefragt werden w├╝rde, wer besonders "dicht" zu schreiben vermag, welches Buch fesselt, dass man drei, vier Stunden alles ringsrum vergisst - w├Ąre dies hier ganz vorne dabei, genannt zu werden. F├╝r mich auch ein Abschied, weil es das letzte Mal war mit einem bestimmten Menschen ├╝ber B├╝cher zu reden, schreiben. Das Buch darf bleiben.

Lisa Taddeo - three women / drei frauen 


Puh, w├╝rde ich heute wahrscheinlich eher aus der Hand legen. Bin ich nicht so wirklich rangekommen, hat sich sehr angestrengt angef├╝hlt. Zu laut, zu viele Fragezeichen, zu sehr auf Klischees runtergeschrieben. Darf gehen.

Dami Charf - Auch alte Wunden k├Ânnen heilen


Ich mag ihre Videos und die aufger├Ąumte Art an dunkle Erlebnisse ranzuf├╝hlen. Ein Buch, das eine tolle Hilfe zum selbst bearbeiten ist. Bleibt vielleicht nicht mehr lange, f├╝hlt sich aber prima an, das in den H├Ąnden gehabt zu haben als es wichtig war.

Katja Lewina - Sie hat Bock


F├╝r mich eine der Entdeckungen des letzten Jahres, hier liegen ja auch noch ein paar ungelesene B├╝cher von ihr. Darf unbedingt bleiben, und die n├Ąchste Lesung in der N├Ąhe verpasse ich dann nicht, versprochen.

Desmund Shum - Red Roulette


Krasses Buch ├╝ber ein noch krasseres System. Gibt Einblicke in Abl├Ąufe von denen wir nur wenig wissen und ahnen. Auch wenn mich vieles an Korruption und Struktur an meine eigenen Erlebnisse in Asien erinnert hat, ist das hier nochmal ne ganz andere Qualit├Ąt. Die Unsicherheit welche Perspektive auf dieses Land ich eigentlich einnehme ist nicht kleiner geworden. Weil eher Sachbuch im zeitlichen Kontext wird es aber wohl wieder weggehen.

John Ironmonger - The Whale At The End Of The World


Wie der Dugong, unheimlich dicht erz├Ąhlt und mindestens genauso eine Reise zwischen Traurigkeit und Hoffnung. Bisschen verliebt. Wird unbedingt bleiben.

Simone Buchholz - Unsterblich sind nur die anderen


Das Segelsexbuch. Was f├╝r eine tolle Geschichte. Prima Idee und gro├čartige Bilder. Simone Buchholz ist f├╝r mich so'n bisschen "blind kaufbar" gelabelt. Bleibt

Gabrielle Filteau-Chiba - Bis der Fluss taut



Ja, ist ein bisschen kitschy. So what. Es ist kurzweilig, hat ein paar - wenn auch vorhersehbare - ├ťberraschungen und macht tats├Ąchlich Lust auf drau├čen. Ob die Rollen da jetzt so okay sind oder nicht kann man ja immer noch mal hinterfragen. Bleibt erstmal.

Herv├ę Le Tellier - Die Anomalie


Ja, bitte mehr sowas lesen! Was, wenn wir alle... Bisschen Matrix, bisschen Krimi. Tolles Buch, bleibt.

AGFW - Technisches Handbuch Fernw├Ąrme


Gibt's nicht mehr und wird wohl auch nicht mehr aufgelegt. Steht grunds├Ątzlich nicht viel unbekanntes drin, aber f├╝r so'n paar Begrifflichkeiten ganz gut und besonders da, wo man als Verfahrenstechniker mit Fernw├Ąrmemenschen die gleiche Sprache finden m├Âchte.

Oana Aristide - Under The Blue


Schade. Ich hatte mir mehr erhofft und bin so gar nicht mit warmgeworden, vllt nach nem Viertel weggelegt und deshalb geht's zu momox.

Amor Towles - Lincoln Highway


Menno, eigentlich h├Ątte da ein spannender Roadtrip, Abenteuer, bisschen Anleihen an Mark Twain oder Jack London zu finden sein k├Ânnen. Langatmig und sich in etlichen Nebens├Ąchlichkeiten verlierend. Nicht zu Ende gelesen weil erm├╝dend. Geht auch weg.

┼×eyda Kurt - Radikale Z├Ąrtlichkeit


Puh, nicht unbedingt Unterhaltung. Aber zum in sich rein philosophieren und f├╝r neue Perspektiven ein prima Buch. Bleibt wahrscheinlich noch ein bisschen.

John Ironmonger - Der Eisb├Ąr und die Hoffnung auf morgen


Ja, okay. Es k├Ânnte vielleicht passieren, dass es irgendwann langweilig wird, das gro├če gleiche Thema weiterzuschreiben. Aber wenn es doch so gut gemacht ist wie hier... Es darf bleiben.

Sven Pfizenmaier - Drau├čen feiern die Leute


Gerade am Wickel und jetzt schon so viel Spa├č gehabt, dass ich es bestimmt behalten werde.

2023/05/16

Re: Muttertag

Einer der wichtigsten S├Ątze meines Therapeuten: Kinder schulden ihren Eltern nichts. Es vergeht ja kaum ein Tag und keine Woche wo mich das nicht besch├Ąftigt. Das, was damals das "normal" war. Der erste wichtige Schritt war vor Jahren, den Kontakt abzubrechen. Zur├╝ckblickend irgendwie intuitiv und um mich vor weiteren Verletzungen zu sch├╝tzen. Es hat die Menschen, die mir nahe waren nie wirklich auf der Gef├╝hlsebene interessiert, was diese Zeit als Kind mit mir gemacht hat. Ein gutes St├╝ck weit auch, weil ich gelernt hatte, das zu verstecken. Zum Teil, weil diese Menschen selbst kaum einen stabilen Selbstwert mitbrachten und/oder verlust├Ąngstlich gepr├Ągt aufgewachsen waren.

Eine dritte und nicht weniger leicht auszuhaltende Ebene ist aber "die Gesellschaft". Menschen, die im weiteren Bekannten- oder Familienkreis verortet waren bis hin zu v├Âllig au├čerhalb stehenden Personen. Es erzeugt einen wahnsinnigen Druck ein hingesagtes "... aber es ist Deine Mutter/Familie/etc. ..." auszuhalten. Ganz besonders wenn passiv-aggressiv agierende Menschen das in einer subtilen abwertenden Verurteilung verpacken. Ich finde es tragisch, dass diese Menschen selbst nicht anders k├Ânnen als so zu sein. F├╝r das meiste, was mir weitergegeben wurde, gibt es sicherlich Gr├╝nde in der Kindheit meiner Eltern. Interessiert h├Ątte es mich ja schon irgendwie - allein es f├╝hrt kein Weg hin, davon zu erfahren. Weil die Scham ├╝ber die m├╝tterlichen Schuldgef├╝hle einfach zu m├Ąchtig sind.

Bleibt am Ende nur, zu mir selbst so gut und liebevoll zu sein wie es meine Eltern, meine Mutter, es nie sein konnten. Auch wenn das immer wieder alte Wunden aufrei├čt, weh tut und anstrengt.

Aberglaube

Aberglaube? Vielleicht. Der alte Schlitten ist nun wirklich durch, die speckige Kordel seit der ersten Tasche muss bleiben. Zu oft draufgekr├╝melt und dran rumgezogen. Wir verstehen uns einfach zu gut.





2023/05/14

2023/05/05

Aber die Freiheit!

Drei Schlafsackn├Ąchte mit Sonnenbrandtagen, Jungf├╝chsen, einem chillenden Dachs und dr├Âlfzigtausend l├Ąrmenden V├Âgeln in den Stunden vor den Sonnenaufg├Ąngen. Hamburg hat H├╝gel - wenn man ein bisschen (weiter) rausf├Ąhrt. Ein 880km-Bogen an der Elbe lang, durch Sachsen-Anhalt (wo man fleissig Autobahnen neubaut) und dann in den Ostharz rein. Gef├╝hlt hatte jede Feurwehr den Grill angeworfen, ein paar Walpurgis-Spielmannsz├╝ge und Hexenkost├╝me auf den Stra├čen. Schon beim letzten Mal durch den Harz - zwar gr├Â├čtenteils nachts und von Westen aus rein r├╝ber zum Brocken - war das so als schale Erkenntnis zur├╝ckgeblieben - es war einmal. Keine gr├╝nen Tunnel aus B├Ąumen links und rechts, keine Schattenspender, kein Windschutz. Gerodete Mondlandschaften. Grau-braune Unwirklichkeit. Vor Jahren war ich mal im Winter da, als es Schnee gab. Zwar standen da die W├Ąlder noch, aber im Schnee w├╝rde man die kaputte Realit├Ąt ignorieren k├Ânnen. Jetzt - wo es eigentlich die knalligste Zeit der austreibenden Gr├╝nt├Âne w├Ąre - l├Ąsst es sich nicht ├╝bersehen. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr in den Harz zu wollen. Klar, wenn Ausflugslokale, die Harzbahn oder die 8km-Wanderrunde durch das Totholz locken vielleicht doch noch. Erholung "in der Natur" - LOL. Keine Ahnung, ob die Leute deswegen mittlerweile merklich wegbleiben, aber die, die trotzdem kommen, tun es konsequent - drei von vier Autos sind SUVs.


Das eine Minute sp├Ąter an dieser Stelle ein paar Hundert Zweitaktmotoren, haupts├Ąchlich Ost-Mopeds und ein paar Trabbis die Luft f├╝r die n├Ąchsten hundert Atemz├╝ge versaut haben - geschenkt. Als Bild f├╝r die Kapelle auf der Titanic ganz gut geeignet. Wir hier verbrauchen - seit Jahren unver├Ąndert - Ressourcen f├╝r drei Welten. Aber die Freiheit!

2023/04/25

­čÄ×️

Lieblingswohnzimmer und der f├╝r mich vielleicht beste Film des Jahres - Sisu. Wegen der Fantasy Film N├Ąchte jede Menge Bilderbuch-Nerds im vollen Saal. Noch dazu die zweite Karte spontan an den Lieblings-Ex-Kollegen weitergegeben - der dann auch noch Zeit und auch richtig Spa├č an dem Film hatte.

Nein, der John-Wick-Verweis ist irgendwie nicht passend, auch wenn der ├╝berall rausgeholt wird. Das lonesome-cowboy-revenge-artige ist an sich kein neues Thema weil etliche Male schon ├Ąhnlich erz├Ąhlt. Aber noch nicht in dieser unheimlich sch├Ânen Ecke der Welt und in dieser achso typisch finnischen, mir sehr sympathischen Knarzigkeit. Insgesamt hat mich das eher an Eastwood-Western, The Hateful Eight und nat├╝rlich ein bisschen Inglourious Basterds erinnert.

Der Streifen soll Mitte Mai auch ├╝ber die gro├čen Kinos laufen, vielleicht geb ich mir den noch einmal. Auch weil mich die am Pulmankij├Ąrvi gedrehten Szenen einfach auf besondere Weise ber├╝hren. 

2023/03/25

we're fucked

IPCC-Bericht. Und nun? Amtlicher geht's irgendwie nicht. Wir Menschen sind der d├Ąmlichste Parasit auf Erden. Als Gesamtheit ist es uns egal wie es weitergeht. Als Spezies sind wir untauglich zu ├╝berleben.

Es ist spielt keine Rolle, ob ich als einzelnes Individuum das anders sehe und es gern anders h├Ątte. Mir geht das pers├Ânlich ziemlich gegen den Strich. Ich habe mich Ende der 90er daf├╝r entschieden, dieses Bed├╝rfnis, etwas f├╝r eine bessere Erde zu tun, zum Beruf werden zu lassen. Die Mischung aus diesem mir wichtigen Wert und dem Spa├č an ingenieuriger Arbeit. Was damals vielleicht nur schwarzer Humor oder ein Spiel mit laut gedachtem Fatalismus war, ist mittlerweile ein n├╝chternes Bild der Realit├Ąt geworden. Und das nimmt ganz sch├Ân viel Motivation weg.

Ich m├Âchte das, was da in den n├Ąchsten 30...40 Jahren kommt, eigentlich nicht ertragen m├╝ssen. Und irgendwie hatte ich gehofft, dass es mehr Menschen so gehen w├╝rde. Und eigentlich wollte ich nicht an den Punkt kommen, dar├╝ber nachdenken zu m├╝ssen, was es zu erlernen gilt, um in einer +2K-Welt zu "Leben". Weil - bis wohin ist es noch "Leben", ab wann ist es nur noch ein "Aushalten", ein "├ťberleben"?

2023/03/19

Hobby?

Hobby. So richtig passend ist das Wort irgendwie selten. Was ist das eigentlich, wie viele und wie intensiv? Ich kann irgendwie nie wirklich darauf antworten wenn mich jemand nach meinem Hobby fragt. Hobbies? Da ist irgendwie so unheimlich viel was mir Spa├č macht, womit ich Zeit verbringen mag.

Ist das zuviel? Ich wei├č es nicht. Aber ich wei├č, dass sich ├╝ber meine dr├Âlfzigtausend "Projekte" lustig gemacht worden ist. Ich hab da auch dr├╝ber gelacht, aber wenn ich ehrlich bin hat mir das schon ein St├╝ck wehgetan. Ich bin halt neugierig und ich mag Zeug ausprobieren. Dann versuch ich das, so gut wie mir m├Âglich ist, zu verstehen, vorzubereiten und mich dann damit zu besch├Ąftigen. Und es gibt nix sch├Âneres, dabei dann Spa├č zu finden.

Die meisten Sachen haben so etwas meditatives, ich schalte dabei ein bisschen ab und vergesse alles ringsum. Ich war neulich Freunde besuchen und w├Ąhrend wir beisammen sa├čen haben wir mit Acrylstiften Dinge bemalt. Das war unheimlich sch├Ân und ich hatte ganz vergessen wie sehr gern ich fr├╝her gemalt habe. Ich habe ein paar Jahre lang ├Âfter Materialbilder und - collagen auf vieleckigen Formen gemacht, meist irgendwie noch was mit Nachleucht- und/oder Schwarzlichtfarben drauf. Und nie selbst eins f├╝r mich behalten. Das m├Âchte ich ├Ąndern.

Klar, weil das Moosbild ist ja fertig. Weil mich mein Chef da angesteckt hat. Moos konservieren und in so nem schw├╝lstigen barocken Goldrahmen kleben. Und schon ist wieder ein kleines Projekt dazu gekommen. Ich kann und m├Âchte da aber auch nix gegen tun. Mir hat das viel zu sehr gefehlt, ich hab da viel zu viel aufgegeben von all den Sachen die mir Spa├č machen.

Und deshalb sitze ich dann auch mal gern bis in die Nacht an der N├Ąhmaschine. Es w├Ąre ein Klacks, mir das zu kaufen, ein paar Klicks und nach drei Tagen geliefert. Aber irgendwie war da diese Idee von einem Seilsack, am besten so, dass ich meinen Kram da auch noch unterbekomme. Und so f├Ąngt dann wie immer ein kleiner Trip im Kopf statt: Material? Zeltplane, diese alten, weichen Stoffe. Oder doch ne Tarnplane, so ne Zeltbahn? Zu milit├Ąrisch, keines der Tarnmuster ist zu ironisch, vor zwanzig Jahren h├Ątte das vllt noch gepasst, als Camo so ├╝berall war. Also doch altes Zelt, verdammt hatte ich mal, dann bei einem der Umz├╝ge ausgesondert, so sch├Ânes Gr├╝n und Orange. Also dann mal gesucht, ja hey - Pouch hat damals all das hergestellt, und klar dass es jetzt unbedingt das tolle Blau sein muss, wie die Faltboote haben.

Und so kam dann eins zum anderen, ein verregneter Samstagabend, ich und meine N├Ąhmaschine und Podcasts auf den Ohren. Und irgendwann war dann alles so wie es sein sollte. Weil es Restst├╝cke waren ein bisschen wilder Schnitt, aber daf├╝r nix ├╝brig geblieben.

Ich mag die Maschine mittlerweile sehr. Es ist meine vierte und irgendwie genau das, was ich immer gesucht hatte. Die alte DDR - Maschine war zu zickig, das alte M├Âbelst├╝ck mit Tretantrieb zu ausgenudelt und speziell, die billige Haushaltsmaschine zu unpr├Ązise und fragil. Die Toyota ist zwar keine Industrien├Ąhmaschine aber orgelt problemlos zehn Lagen Jeans, Cordura oder Leder weg und nimmt eben auch nicht soviel Platz ein. Wenn ich die schon fr├╝her gehabt h├Ątte, boah. Was hab ich mich mit der Schlaghose aus Wasserb├╝ffel damals abgerackert. Und so war es ein prima Abend, weil nichts hakte oder klemmte. Mal wieder - einfach nur n├Ąhen. Und das Beste - dann alles stehen und liegen lassen und gl├╝cklich ins Bett fallen.

Am n├Ąchsten Morgen das Teil packen und mit einer Tasse Tee in der Hand grinsend freuen. Platz f├╝r 60m Seil, Schuhe, Gurt und ein Dutzend Exen. Upcycling mit altem Zeltgewebe, Autoanschnallgurt und ein bisschen Klettband. Achja - und nem Pouch-Logo-Aufn├Ąher, der musste sein.

Das Teil wurde mittlerweile ordentlich getestet und f├╝r gut befunden - auch wenn mir unterstellt wurde, das doch garantiert irgendwo auf Etsy gekauft zu haben. Mit der Verd├Ąchtigung kann ich gerne leben.

Und wenn es dann so ist, dass f├╝r jedes gebastelte oder sonst wie fertig gewordene Projektchen ein neues hinzukommt - so what? Solange es mir Spa├č und mich gl├╝cklich macht... 

2023/03/13

meistens

Meistens hat das nix mit dem ringsrum zu tun. So als in Zivilisation eingebundener Mensch sind ja die Momente, einem S├Ąbelzahntiger gegen├╝ber zu stehen denkbar selten geworden. So gut wie jede Angst, jede Scham, jede Wut kommt aus irgendeiner alten Erfahrung. Und weil das so "sch├Ân" ist, ist die dann gerne auch mehrfach gemacht worden und das alte Spiel von Angst und Reaktion also auch mehrfach "gelernt", verinnerlicht.

Ist gerade so wie bei den billigen Kassetten fr├╝her - die musste man auch mehrfach l├Âschen und/oder ├╝berspielen bis die alte Aufnahme drunter nicht mehr durchkam.

2023/03/12

wegl├Ącheln

Knapp ein Jahr hilft mir nun jemand, durch mich selbst zu navigieren. Und es gibt gute Gr├╝nde damit noch ein ganzes St├╝ck Weg weiterzugehen. Und es ist immer wieder schockierend was ich dabei so ausgrabe. 

Irgendwann vor ein paar Wochen fiel es mir wieder einmal ein. Ich hab irgendwie gemerkt dass ich mich "instantan sch├Ąme". Dar├╝ber dass ich das so weit verdr├Ąngt habe ├╝ber all die Jahrzehnte. Dass ich nicht einmal wei├č was eigentlich die Vorgeschichte gewesen war. Und dabei ist das gar nicht das schlimme daran. 

Es gibt ein schwarz-wei├č-Foto von mir. Ich bin da drauf zu sehen. Vielleicht vier Jahre alt, ich wei├č es nicht, ich habe weder das Foto noch je mehr dar├╝ber erfahren als die "lustige Anekdote" dazu, die sich in dieser Familie und anderen gegen├╝ber dazu immer erz├Ąhlt wurde. Auf dem Foto sieht man mich heulen, mit Schokoglasur-verschmiertem Mund, in einer der kleinen H├Ąnde ein Schweineohr haltend. Es fehlt bereits ein Kindermund-gro├čer Biss, meine verheulten Blicke gehen nach oben, irgendwohin au├čerhalb des Bildes, dahin wo die andere Hand sich streckt. Der lustige Teil davon ist, dass ich nach dem Schweineohr meiner Mutter oder meines Vater zu greifen deute, heulend vor Entt├Ąuschung, dass dieses nicht f├╝r mich zu haben sei. Soweit, meine Erinnerung dar├╝ber.

Ehrlich gesagt w├╝rde ich das Foto gar nicht haben wollen. Es ist eines von so vielen Puzzlest├╝cken, die mir lange nicht weh haben tun k├Ânnen, weil ich das Narrativ der lustigen Erz├Ąhlung so verinnerlicht habe. Kann sein, dass ich neulich morgens auf dem Markt am B├Ąckerwagen welche habe liegen sehen und ein paar Augenblicke dran h├Ąngen geblieben bin. 

Was mir so unfassbar schwer f├Ąllt, ist dahinter zu schauen. Hinter diese Fassade des Wegl├Ąchelns durch die der Witz seine Schenkelklopferhaftigkeit bekommen hat. Was hat das in mir ausgel├Âst damals, warum habe ich so gef├╝hlt, dass mir die Tr├Ąnen runterkullern, ich heulen musste? Was hat mir da so wehgetan, was habe ich da wieder als Schmerz, Entzug, Verlust gef├╝hlt? Auch wenn ich darauf wohl nie eine Antwort finden werde, viel erschreckender ist diese innerfamili├Ąre Negierung dieses herausgeschrienen Bed├╝rfnisses. Es gab nie einen Moment wo diese - meine - Seite der Anekdote je eine Rolle gespielt h├Ątte. Es war eine tolle Geschichte die zu dem Foto allen unter die Nase gerieben werden konnte - "wie lustig, so gierig der kleine, hat nicht mal das eine fertig und heult wegen dem was gar nicht f├╝r ihn ist". Es ist so unfassbar erschreckend, dass ich mir Jahre sp├Ąter den "Schweineohr-Effekt" vorwerfen lassen musste - jedes verdammte Mal wenn ich gegen├╝ber meinen Eltern ein Bed├╝rfnis habe deutlich machen wollen. Heftig wieviel Erniedrigung da drin transportiert werden konnte. Diese Abwertung, Reduzierung auf eine fr├╝hkindliche Momentaufnahme um sich keinesfalls ernsthaft mit mir besch├Ąftigen zu m├╝ssen. Was mir das alles kaputt gemacht hat, wieviel Scherben da in mir rumliegen...

Das mag l├Ącherlich vorkommen, kleinlich, unwesentlich, "sowas gab's halt ├╝berall" - allein es nimmt nichts davon was es mit mir gemacht hat.

Und das ganze war keine Ausnahme. Vielleicht weil es dazu ein Foto gab, womit man das so verletzend jederzeit wieder rausholen konnte. So sehr dass ich irgendwann angefangen habe diese Erinnerung quasi anzunehmen und trotzdem ganz weit unten drunter zu vergraben. Unter dem beschissenen Berg auf dem ich sitze und den ich gerade erneut durchlebe. Es ist anstrengend, genau dahin zur├╝ckzukehren, in diese Momente auch wenn ich endlich jemanden habe, der einem zeigt, dass das was ich damals nicht als Obhut, als Schutz bekam, mir heute selbst geben kann.

Auch wenn ich heute arg zu k├Ąmpfen hatte beim einkaufen. Es war nicht viel los, ich habe etwas vor mich hingetr├Ąumt. Ein bisschen gest├Âbert was es so an pflanzlichen Alternativen bei den Joghurts und Sahne-Zeugs so gibt - und dann stand da Buttermilch. Ich mochte die noch nie. Also, ich h├Ątte mir die nie gekauft. Ich h├Ątte die auch nie probiert, mich hat der Geruch schon immer unangenehm ber├╝hrt, auch damals. Ich war vielleicht f├╝nf, maximal sechs Jahre alt. Und aus irgendeinem Grund sollte ich ein Glas Buttermilch trinken. Die ich nicht mochte. Wahrscheinlich war das eine der vermeintlichen M├Âglichkeiten, aus dem schm├Ąchtigen Kind "was zu machen". Das war wohl mal ein Thema damals, dass ich lange sehr klein und kaum kr├Ąftig entwickelt war. Darum soll es jetzt nicht gehen - ├╝ber alles damit verbundene hab ich schon zu oft mit Wut an fr├╝her zur├╝ckgedacht. Was macht man also mit einem Kind, das sein Glas Buttermilch nicht trinken mag?

Man sperrt es auf den Balkon mit dem Glas. Mit der klaren Ansage, dass es erst wieder in die Wohnung zur├╝ck kehren d├╝rfe, wenn das Glas ausgetrunken wurde. Da es meinen Eltern irgendwann zu langweilig wurde, mich durch das Glas der Balkont├╝r aus der K├╝che heraus zu beobachten, habe ich irgendwann den Inhalt in einen der Blumenk├Ąsten entleert. Was nat├╝rlich durchschaut wurde und mir der Weg zur├╝ck verwehrt wurde - mit einem erneut gef├╝llten Glas und der gleichen Auflage. Und zur vollst├Ąndigen Erniedrigung wurde da auch noch der Krug mit der restlichen Buttermilch auf den Tisch gestellt - wenn es mir dann schmecken w├╝rde, k├Ânne ich gerne noch mehr trinken. An Zynismus ist das ganze nicht zu ├╝berbieten gewesen. Es war am Ende dann schon dunkel als ich den Inhalt irgendwie Schuck f├╝r Schluck runterbekommen hatte. In dem Krug schwammen mittlerweile ein, zwei Fliegen wie als Beweis f├╝r die Abscheulichkeit dieses unangenehm riechenden Zeugs - ich f├╝hlte mich mindestens genauso elend wie die beiden. 

All das ist so lange her - aber erst jetzt kann ich ernsthaft dar├╝ber so f├╝hlen und dem auch Raum geben wie es damals einfach nicht sein durfte. Und das schlaucht einfach mehr als 300km mit dem Rad. Es ist wahnsinnig kr├Ąfteraubend, tut weh, setzt Wut frei - mich so zu f├╝hlen wie damals. Um dann mit viel Atmen mir selbst das Mitgef├╝hl und die Anteilnahme zu geben, die ich damals nicht bekam.

├ťber all dem schwebte dann ├╝ber viele Jahre zudem noch die verh├Âhnende Aussage "Du hast ja eine sooo schwere Kindheit" an mich gerichtet, als durch ├╝bertriebene ├ťberspitzung formulierte vorweggenommene Negierung genau dieses Umstandes. Damit auch allen klar ist dass den so nicht sei und ich mich nicht so anstellen solle. Um jegliche Zweifel dar├╝ber vollst├Ąndig wegzul├Ącheln. 

Wir sprechen nicht ├╝ber die Einordnung in eine fachliche Kategorie, nicht von Trauma oder vergleichbares, h├Âchstens mal am Rande oder sehr viel sp├Ąter im Nachgang. Wenn es dann auch schon gar keine Rolle mehr spielt, f├╝r mich sowieso nicht. Das finde ich sehr sch├Ân, weil es dadurch alles was hochkommt, egal wie krass oder unwesentlich, gleicherma├čen ernsthaft annimmt und Raum gibt. Das hat mich anfangs irritiert, weil das genau der gegenteilige Ansatz ist, wie er oft in der verknappten Auseinandersetzung in sozialen Medien stattfindet. Aber buzzwords klicken halt gut.

2023/02/23

SISU Trailer (2023)

Fast zwei Jahre ist es her, dass ich die Kolonne mit dem Nazi-Panzer w├Ąhrend der Ruska2021 getroffen habe - nun ist er endlich da, der Trailer zu SISU - und bald auch der Film. Ich werd ihn definitiv gucken. 

Schon weil die Spitzhacke im Boden des Flugzeugs an Guitar Wolfs Attacke auf das Raumschiff in Wild Zero erinnert. Ja, ich mag C-movies. 

2023/02/05

­čôľ


Das f├╝hlt sich sch├Ân an, vertraut ein bisschen. Irgendwann muss mir das wohl abhanden gekommen sein. Dieses "in den Seiten verloren gehen" , dieses "die Zeit vergessen". Und so wachsen sie, die Stapel, mit den gelesenen und den ungelesenen B├╝chern. Ich freue mich auf den Teil des Jahres, wo Grashalme zwischen die Seiten rutschen, Ameisen ├╝ber das Papier krabbeln. Im Moment ist da eher die heimelige Vorfreude w├Ąhrend der Kilometer, dass da am Ende noch ein paar Kapitel warten, gelesen zu werden.

2023/01/23

­čÄ×️

Hmpf. So geht es der Produktion wohl auch ein bisschen. 90 Millionen, gro├če Namen, eine opulente Story um die Zeit des ├ťbergangs zum Tonfilm herum ... und dann ein langer Film mit L├Ąngen, mit tollen Bildern und Farben, sicheren Witzen und trauriger Selbstreferenz. Was bleibt davon? Erstaunlich wenig. Ein Film den man sicher anschauen kann, der aber nicht sonderlich h├Ąngenbleiben wird. Schade irgendwie.


2023/01/15

Hand.Werk

Was mich immer wieder ├╝berrascht, ist, wenn Menschen denken das dieses eine Werkzeug, dieser eine Kurs oder dieses eine Mal etwas auf Youtube, Insta oder TikTok angeguckt zu haben automatisch daf├╝r sorgt, etwas zu k├Ânnen. Selbst mit der allerbesten, p├Ądagogisch saubersten Lehre wird man in der Regel in die Lage versetzt, etwas leidlich gut nachzumachen. Ungef├Ąhr so wie ein Rezept lesen und danach kochen. Das ist niemals so gut wie das Ergebnis des zum hundertsten Mal zubereiteten Lieblingsgerichts. Man segelt nicht automatisch gut wenn man einen Segelschein gemacht hat, kann im allgemeinen nicht klettern wenn man nen Kletterkurs gemacht hat. Oder wenn jemand etwas baut, bastelt - handwerklich erschafft. Wir sehen immer nur das Ergebnis, nur einen klitzekleinen Ausschnitt aus dem Leben der Person der wir da zuschauen. Wir wissen nichts davon wie lange es gedauert bis jeder Handgriff so sitzt, jede Bewegung so abl├Ąuft wie wir es sehen k├Ânnen.

Was uns dann immer noch verborgen bleibt - wie lange es gedauert hat bis die Person das, was sie da tut, f├╝hlen oder sp├╝ren konnte. Wie sich ein Gewindeschneider in z├Ąhem Edelstahl kurz vor dem Abrei├čen anf├╝hlt, wie der Unterschied zwischen einem Schliff mit 200er Korn und leichter Kraft gegen├╝ber einem 240er Korn mit mehr Kraft nur allein unterschiedlich warm auf der R├╝ckseite des Schleifpapiers wahrzunehmen ist. Es gibt tausende solcher Beispiele - das richtige Schmatzen einer Farbrolle auf der Wand, der saubere Zuschnitt eines Schnittmusters, usw.. In Videos, deren L├Ąnge unsere konditionierte werbegerechte Aufmerksamkeitsspanne nur nicht ├╝berfordern darf, sehen wir die zusammengeschnittenen Momente mit dem just fertig gestellten Ergebnis. Wie viele erliegen dabei dem Irrglauben mit ein bisschen gucken und einer Erl├Ąuterung schaffen sie das ebenfalls.

In der Regel sehen wir Menschen zu, die das, was sie da tun, mit einer Leidenschaft und Hingabe etliche Jahre perfektioniert haben. Oder aus einem Arbeitsdruck und einer steten Wiederholung eben auf das effizienteste optimiert haben. In allem stecken etliche Stunden an Fehlschl├Ągen, an Ausschuss, an Frust, an tausenden kleinen Schritten hin zu einer Qualit├Ąt die wir in der Regel nie erreichen werden.

Ich mag selbst unheimlich vieles ausprobieren. Die n├Âtige Neugierde hatte ich schon immer, den Zwang schnell "brauchbare Resultate" zu bringen habe ich in meiner Jugend ├╝ber mich ergehen lassen m├╝ssen. Die Kehrseite davon besch├Ąftigt mich noch heute und wird es wohl immer. Der Nebeneffekt davon - vieles doch recht gut zu k├Ânnen. Einiges sogar ein bisschen besser. Wenn ich zur├╝ckschaue, beherrsche ich die Dinge, die ich besonders oft wiederholt habe, wahrscheinlich am Besten. Es ist bei mir vielleicht nicht so sehr Talent sondern eher die Ausdauer und der Wille zur Verbesserung des K├Ânnens. Wenn ich mir die Streub├╝chsen mit Talent, Neugierde, Ausdauer so anschaue werden die wahrscheinlich in einer Normalverteilung ├╝ber der Menschheit ausgekippt. Wir alle k├Ânnen die meisten Dinge halt so einigerma├čen mittel. Ausdauer ist schon etwas, das mir liegt und vielleicht gerade deshalb kann ich ein paar Dinge dadurch ein klitzekleines St├╝ckchen zum besseren verschieben. Niemand wei├č, wie viele Stunden daf├╝r notwendig waren, um dahin zu kommen. Die meisten Menschen haben dazu aber auch einfach keinen Bezug, haben keine Vorstellung von dem Tun der Mitmenschen.

Wenn ich auf Anlagen unterwegs bin, ertappe ich mich dabei, einfach mal anzuhalten und den Leuten zuzugucken. Ich mag das. Der Isolierer an seiner Industrien├Ąhmaschine der die Matten f├╝r eine Maschine n├Ąht, der Fliesenleger wie er Quadratmeter f├╝r Quadratmeter Industriefu├čboden mit Spaltplatten macht, der Schwei├čer der eine Naht in 40mm Wandst├Ąrke mit ruhiger Hand ├╝ber Kopf Raupe f├╝r Raupe legt. Die k├Ânnten mir das alle zeigen und mir erkl├Ąren - ich h├Ątte trotzdem nie den Anspruch das je so gut zu k├Ânnen. Und genau deswegen arbeiten all diese unterschiedlichen Menschen mit ihren St├Ąrken ja auch zusammen. Und je weiter der Begriff des Handwerks gedacht wird gilt das irgendwie f├╝r alles um uns und zwischen uns.

Wenn mich das eines gelehrt hat, ist es, das eigene nicht mit dem Ergebnis eines anderen Menschen zu vergleichen. Vielleicht noch, um den Respekt davor einordnen und ermessen zu k├Ânnen, aber bitte nicht, um seine eigene Leistung ins Verh├Ąltnis zu setzen. Es birgt so weniger Gefahr, entt├Ąuscht zu sein. Auf das eigene K├Ânnen von vor ein paar Jahren zu schauen ist einfach die ges├╝ndere Variante. Und wird in den seltensten F├Ąllen ein Grund f├╝r ein Hadern sein. Ohne die Bereitschaft zur Ausdauer wird ein durchschnittlich talentierter Mensch halt einfach nicht dahinkommen. Ich hab mir das irgendwann so hingelegt, nur so hohe Anspr├╝che an mich selbst zu setzen, wie ich auch bereit bin, die n├Âtige Ausdauer mitzubringen.

Und andere Menschen haben halt andere Anspr├╝che an sich an gleicher Stelle und gleiche Anspr├╝che an sich an anderer Stelle.

2023/01/02

drau├čen

F├╝r die Sterne ├╝ber dem Schlafsack. F├╝r die Sonne am Morgen.

F├╝r das drinnen.