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27 Juli 2026

falsche Kreuze

Fakten, LOL, schon lange nicht mehr. Mindestens seit Corona. Selbst die Betroffenen solche Studienergebnisse akzeptieren würden - ich bin mir mittlerweile sicher, dass es an der Trotzhaltung "gegen etwas/alle/diedaoben/Ausländer/Linke/Grüne/etc." zu sein, nichts ändern würde. 

"...würden Menschen dort im Durchschnitt jährlich rund 1.600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren; zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Einkommensverluste durch eine AfD-Politik könnten in Sachsen-Anhalt bis zu doppelt so hoch ausfallen wie im Bundesdurchschnitt."

AFD ist ein Kult, ein faschistischer. Und der funktioniert nicht über Rationalitäten, Wahrheiten oder Fakten. Auch wenn es jeden treffen würde - so bleiben sie dabei, sich in die Kacke zu wählen - aus Prinzip, aus Protest, aus Zusammengehörigkeitsgefühl, aus zu-irgendwas-dazu-gehören-Wunsch.


Ob sie's merken würden, wenn man zeitgleich mit neben dem Kackhaufen gesetzten Kreuz die Kohle einzieht? So nämlich.

PS: andere Bundesländer mitgemeint

13 Juli 2026

kranke Logik

Weil Leute in einer Ü45-Gesellschaft "zu oft" krank sind erschweren wir das Erlangen einer Krankschreibung. Und weil offenbar "zu viel" Bedarf bei Therapieplätzen besteht, sparen wir uns dort die dringend nötigen Therapieangebote kaputt.


12 Januar 2026

Es muss immer alles verwertet werden

Das war ein langer Anlauf, aber irgendwie klar - Strava geht an die Börse. Ende März '25 hab ich mein komplettes Archiv gezogen, 1,6GB insgesamt. Der Abgleich mit Golden Cheetah war dann bisschen frickelig, aber bis auf die beiden Jahre nach dem TABR hatte ich zumindest fast alles aufgezeichnet. Damit sind seit Ende 2013 etwas über 180tkm geloggt. Die Strecken bis dahin hab ich z.T. auf cue-sheets oder Karten, so grob sind das 80...90tkm die ich nachvollziehen kann.

Eigentlich kein Grund mehr, die Daten bei Strava liegen zu lassen, hat Bezos bisschen mehr Platz für evil shit auf seinen Servern.

02 Dezember 2025

Und solange man nicht allein ist, ist auch die Hoffnung nicht verloren.

Wichtiges Interview zur richtigen Zeit - Felix Kummer im Spiegel.

"... Mag sein, dass die reaktionären Kräfte jetzt gewinnen, der Trend ist ja eindeutig so. Aber grundsätzlich bin ich davon überzeugt: Früher oder später werden sie verlieren."

"Was gibt Ihnen diese Hoffnung?"

"Ich glaube einfach nicht, dass es auf Dauer funktioniert, immer nur darüber zu jammern, dass das Land untergeht und wir alle nur dem Verderben entgegensteuern. Das ganze Gerede von Deutschland im Niedergang und darüber, wie geil alles noch zur Kaiserzeit war, das können doch nicht die Antworten auf die Fragen sein, die wir uns für die Zukunft stellen. Das ist auch einfach unsexy."

01 Dezember 2025

Zwischen Relation und Relativieren

Die Hitlerjugend heißt jetzt anders. Ansonsten ist es der gleiche Sud wie vorher. Es bleibt soweit erst einmal alles beim bisher bekannten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird auch die Namensgebung nichts an der (formal noch unbelegten) verfassungsfeindlichen Ausrichtung ändern.

Es gilt weiterhin, die Prüf-- und Verbotsverfahren weiter zu fordern.

Und sonst. Es waren Bilder wie es sie schon immer gab. Da rennen Orks ne Demolinie nieder. Selber oft genug erlebt, gehört, gespürt. Völlig überbewertet wird, das aus den vergleichsweise wenigen Situationen auf ein allgemeingültiges Zukunftsbild abgeleitet wird. Diese Art Stress gab und gibt es seit jeher. Cops müssen ihre Show abziehen und beide Seiten haben ihre PR.

Wie immer fällt der Rest völlig hinten runter. Bei 25k...50k friedlichen Demonstranten sind 25, bei denen es zu Ermittlungen kommt, völlig medial schief eingeordnet. 

Der Staat hat seine Bilder um mehr Härte zu fordern. Der Kackhaufen kann rumopfern und hetzen. Der Rest? Kann sich Angst machen, weil es quasi diese eine Szene aus zig Winkeln auf dutzenden Accounts künstlich verstärkt wahrnimmt. Oder den Aufwand betreiben, zu schauen, welche Effekte hat das breite Protestieren gehabt, was bleibt davon usw.? 

Und da es eh keine Alternative gibt, als weiter dagegen zu kämpfen, macht es erst recht Sinn, sich klarzumachen, welche tatsächlichen Verhältnisse da existieren. Mit diesem Ansatz finden sich dann auch leichter Gründe für das Weitermachen und für das gemeinsame sichtbar sein. 

War noch nie gut und hilfreich, sich auf den negativsten Aspekt zu konzentrieren und den als Benchmark zu betrachten. 

10 August 2023

Dunkeldeutschland

Nach ein paar Tagen in den Kalkalpen mit Wandern, Klettern, Spielen, Trinken und großartigem Muskelkater durch ungewohnte Höhenmeter glücklich ob der Begeisterung fürs Klettersteig genießen. Zum Ausgleich dann der Heimweg mit dem Rad. Fast etwas nachlässig in brouter.de geworfene Punkte, bisschen auf die Nebenstrecken gezupft. Melonenfelder nördlich der Donau, goldig glänzender Hafer, Weinberge mit Nutzhanf dazwischen. Ich mag die EU, ich mag Schengen. Die zugedreckten Scheiben der Zollabfertigungsgebäude an der tschechischen Grenze, vor Jahren zugesperrt, ein Platz im nichts.

 

Die Vorfreude endlich mal durch Tschechien zu fahren wurde nicht enttäuscht. Sonst ja nur fix wegen ein paar Bergen mal über über die Grenze geguckt, war es ein Eintauchen in diese slow-mo-Haftigkeit wie sie einen sofort in den vielen kleinen Dörfern überkommt. Irgendwo eine volle Wäscheleine, ein paar Katzen auf dem Asphalt, das lebendigste sind die vielen Vögel zwischen den Sträuchern. Irgendwo steht ein alter Skoda rum, auf dem Spielplatz die gelb-rot-blau angemalten Klettergerüste - wie damals. Die Welligkeit war eine endlose Abfolge von kleinen Anstiegen und Abfahrten, gerne auch zweistellig in den Steigungsprozenten. Ich glaube es gibt kaum ein friedlicheres Fleckchen. Und auch keine gestressten Autofahrer. Gefühlt hat jede*r die Haustür nicht abgeschlossen, keine Sekunde Bedenken, mich für ein paar Stunden Schlaf in eine Bushaltestelle mitten im Ort in den Schlafsack zu verziehen.

Das alles ist anders hinter der Grenze. Fast hätte ich damals meinen Zivildienst in Bad Schandau gemacht. Es wurde die Ostsee, und es war gut damals, so zu entscheiden. Und heute würde ich keine Sekunde zögern - nicht nach Sachsen, insbesondere nicht in diese Ecke zu gehen. Dunkeldeutschland, Sucksen, Mordor. Klar tut das jedem Menschen, der dort vor Ort etwas gegenhalten will, unrecht. Ich glaube aber, dass die 20?, 25? Prozent Arschlöcher dort einfach eh nicht schnallen, dass sie sich jetzt schon selbst ficken. Entlang der Strecke Pirna, Dresden, Meißen, Riesa bis hoch über Torgau lagen etliche Gewerbegebiete. Immer wieder irgendwelche Firmengelände und -gebäude. Und ich habe noch nie in einem so großen Gebiet permanent so viele Plakate mit Stellenangeboten und Werbung für Ausbildungsplätze gesehen. Ein ganzer Landstrich, der gefühlt völlig verzweifelt um jeden noch so popeligen Lageristen-Job ne quadratmetergroße Plakatierung fährt ist echt am Arsch. Was ist denn deren Plan, wie stellen die sich das vor? Rumpöbeln und sämtliche halbwegs klar denkenden Menschen mit großflächig stabil AFD-Nazis wählen vergraulen? Die werden von der Alterspyramide so derbe zerlegt werden, dass es einfach nur Kopfschütteln verursacht. Ohne Zuzug, ohne Migration wird es dunkel in Dunkeldeutschland. Auf die eine und die andere Art.

05 Mai 2023

Aber die Freiheit!

Drei Schlafsacknächte mit Sonnenbrandtagen, Jungfüchsen, einem chillenden Dachs und drölfzigtausend lärmenden Vögeln in den Stunden vor den Sonnenaufgängen. Hamburg hat Hügel - wenn man ein bisschen (weiter) rausfährt. Ein 880km-Bogen an der Elbe lang, durch Sachsen-Anhalt (wo man fleissig Autobahnen neubaut) und dann in den Ostharz rein. Gefühlt hatte jede Feurwehr den Grill angeworfen, ein paar Walpurgis-Spielmannszüge und Hexenkostüme auf den Straßen. Schon beim letzten Mal durch den Harz - zwar größtenteils nachts und von Westen aus rein rüber zum Brocken - war das so als schale Erkenntnis zurückgeblieben - es war einmal. Keine grünen Tunnel aus Bäumen links und rechts, keine Schattenspender, kein Windschutz. Gerodete Mondlandschaften. Grau-braune Unwirklichkeit. Vor Jahren war ich mal im Winter da, als es Schnee gab. Zwar standen da die Wälder noch, aber im Schnee würde man die kaputte Realität ignorieren können. Jetzt - wo es eigentlich die knalligste Zeit der austreibenden Grüntöne wäre - lässt es sich nicht übersehen. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr in den Harz zu wollen. Klar, wenn Ausflugslokale, die Harzbahn oder die 8km-Wanderrunde durch das Totholz locken vielleicht doch noch. Erholung "in der Natur" - LOL. Keine Ahnung, ob die Leute deswegen mittlerweile merklich wegbleiben, aber die, die trotzdem kommen, tun es konsequent - drei von vier Autos sind SUVs.


Das eine Minute später an dieser Stelle ein paar Hundert Zweitaktmotoren, hauptsächlich Ost-Mopeds und ein paar Trabbis die Luft für die nächsten hundert Atemzüge versaut haben - geschenkt. Als Bild für die Kapelle auf der Titanic ganz gut geeignet. Wir hier verbrauchen - seit Jahren unverändert - Ressourcen für drei Welten. Aber die Freiheit!

25 Juli 2022

warum immer so toxic

 


Getroffene Hunde. Oder so. Zugegeben ich habe von dem Tüpen erst mit der 7vsWild - Staffel 1 mitbekommen. Die in der Form durchaus unterhaltsam war. Awkward zwar hin und wieder, aber eine Mischung aus Neugier und Popcorn. Inhaltlich muss man da nicht drauf eingehen, vieles der dort gezeigten Sachen war nicht sonderlich neu. Vieles spielerisch mitbekommen, weil man eh schon immer draußen zugebracht hat, als Kind beim Paddeln, Zelten, Wandern. Später dann "overnighter" gemacht als es dieses Wort noch nicht wirklich hier verbreitet, der Euro noch ein paar Jahre entfernt war und die meisten auf ihren Führerschein hingespart haben. Klamotten und Zeug improvisiert, selbst genäht, repariert, vieles abgeschaut. Irgendwann ein Messeprototyp-Zelt aus Tettnang bekommen, das Rad dazu genommen und Kocherphilosophien verheiratet, die es mittlerweile so zu kaufen gibt.

Wenn es nicht der eigene Dunstkreis war, dann hat mir die meiste Inspiration das outdoorseiten-Forum gebracht. Ich kenne Beef, den es in Foren so geben soll, eigentlich nur von Erzählungen. Im ODS geht es immer sehr achtsam zu. Man kann länger wegbleiben und mit einer abstrusen Kleinigkeit wiederkommen und wird trotzdem genauso ernst mit Antworten bedacht wie der hunderttausendste Post zu einer Schlafsacksuche. 

Es ist eben ein Unterschied ob dort alle bunt gemischt sind - Familienurlauber, Rentner, Wanderer, Wassersportler oder Weltenbummler. Oder ob es ne kleine Bubble ist, die Stereotype bedient, angefeuert durch Klicks, Reichweite und dem Druck immer krass und spektakulär rüberzukommen. Gerade weil das im ODS so eine schöne Mischung ist geht es dort ohne Respekt gar nicht. Viele Tellerränder die sich überlappen.

Diese ganze Survival-Richtung ist imho eh schon immer ein bewahrheitetes Klischee des fragilen Mannes gewesen. Und das ganze dann in Reichweiten übersetzt, muss ne Radfahrt (wie sie von tausenden mittlerweile gemacht wird) mit reißerischen Slogans aufgepumpt werden - als wenn alle Welt etwas dagegen hätte das ausgerechnet Fritzchen und seine Buddies das auch tun. Way too much Opferrolle. Und klar, sexistische Kackscheisse-Witzchen reißen ist das eine - das sagt viel über den Menschen aus, hier eben nichts gutes. Diese dann aber auch im geschnittenen Film online zu stellen ist quasi die absichtlich zur Schau gestellte Misogynie pur.

Und deswegen ist die Frage ein Treffer, die Reaktion selbsterklärend. Ich würde mir da mehr Diskurs in der Szene wünschen, was erstmal erfordern würde, dass sich diese Prepper-affinen Survival-Kreise da überhaupt erkennen und reflektieren. Dass es mit bewusstem Umgang geht - machen andere prima vor


 

06 September 2017

Da wahl doch was.

Alle paar Jahre wieder. Auf den vielen Kilometern durch die schönsten Ecken des Nordosten tut es mir alle paar Jahre weh durch die Dörfer und Orte zu fahren. Es ist Wahl. Und es wird geworben. Ich habe lange genug hier oben gelebt um zu wissen wie viel Idioten hier leben. Wieviel politische Idioten. Die Menschen sind oft im einzelnen und überhaupt in Ordnung. Aber wenn es zur Politik kommt oft echt enttäuschend.

Da gibt es die klassischen Alt-Parteien-Funktionäre. Früher wären sie super in der SED-Matschepampe hochgeschnorchelt. Heutzutage ist der eine FDP, der andere SPD und die nächste CDU. Klüngel und wer-kennt-wen gibt es überall wo es was zu verteilen gibt. Die Grünen spielen eine Randnotiz-Rolle, die Linke zehrt von Opposition und alter Zeit.

Und dann gibt es die Rattenfänger. In einem Bundesland das mit Lichtenhagen bekannt wurde. In dem wir auf's Maul bekamen weil wir im AJZ Mucke gemacht haben. Wo bunte Hosen oder zwei Strähnen Dreads über Zähne raus oder gebrochene Rippen entscheiden konnten. Wo es die Verlierer der Wende in die dumpfen Parolen trieb.

Und dann fährst Du 2017 wieder über Land und siehst all den Schwachsinn. Dieses Opferrollen-Gesülze dass das Abendland zu retten sei, die martialischen Parolen was man als Deutsche alles besser könne und man auf niemanden angewiesen sei.

Das tut weh. Und ich weiss keine andere Antwort als den Guten, den Findigen, alles erdenkliche zu wünschen dass die braune Scheisse den Gully runter geht.

Ich muss immer wieder an die Fotografin aus Neubrandnburg denken die 2007 wieder nach dort zurückkehrte, sich selbstständig machte und ganz klein anfing - "sonst bleibt es hier ja so Scheisse.". Ich bewundere sie noch heute dafür.



27 Februar 2013

Bye, bye Rose Versand

Irgendwie wird jeder der mal was an einem Fahrrad umbauen, ersetzen oder austauschen musste früher oder später bei Rose reingeguckt haben. Wer öfter mal nen Anschlußzug verpasst wird im Bahnhofskiosk vielleicht diesen fetten Katalog gesehen haben und wer ein komplettes Rad braucht und sowas im Internet kauft stolpert da auch drüber. Funktioniert offensichtlich gut. Der Laden brummt, ist gewachsen, Sponsor, Ladengeschäft, etc.. Tjoa. Ich hab da auch schon über die Jahre Geld gelassen, meist für Teile, wenn ich meine Belege so überschlage bin ich da bei einem mittleren vierstelligen Betrag. Was halt so in über 10 Jahren zusammen kommt. Die waren eigentlich immer recht okay, recht günstig, nur einmal Versandkosten, den Katalog kann man weglassen und der Shop funktioniert soweit ganz gut. Sie sind nicht besonders fancy oder hype-orientiert, eben ein Supermarkt bei dem man das Wesentliche bekommt. So weit so gut. Und doch wird es das letzte Mal für mich gewesen sein, dass ich bei ALDI für Fahrradstuff bestellt habe.

Ich hatte mal wieder was bestellt, bissl Kleinkram, Verschleissteile und ein Paar neuer Regenüberschuhe, die laut Shop in drei Wochen wieder verfügbar wären. Das war am 02. Januar diesen Jahres. Kam dann alles umgehend - bis auf die Regenüberschuhe. Einen Monat später habe ich dann mal nachgesehen, was es mit den noch nicht gelieferten Sachen auf sich hat. Am 08. Februar. Und holla, auf einmal waren es eben fünf Wochen geworden. Dabei hatte ich dann auch gesehen, dass genau diese Regenüberschuhe in der "Biketown", dem Ladengeschäft, als verfügbar angezeigt wurden. Fein, dann sollen sie mir doch einfach davon welche einpacken. Denkste, als ob das soooo einfach wäre:

"In der Biketown sind leider auch keine mehr verfügbar, daher kann auch von hier der Artikel nicht abgefordert werden."

Laut Signatur von jemandem aus dem Bereich "Online Beratung Bereich Bestellungen".

Danach kam dann erstmal wieder nichts. Ausser die obligatorischen Newsletter-Mails mit Rabattankündigungen etc..

10 Tage später habe ich dann erneut nachgefragt, die Schuhe waren längst überfällig und als in dieser Woche lieferbar angezeigt. Also Anfrage per Antwort auf die erhaltene Nachricht an die Mitarbeiterin mit der Bemerkung dazu, dass ich da jetzt ständig hinterherrennen muss:

"Ich finde es höchst beschämend von Rose zwischenzeitlich ständig mit Rabatt-Aktions-EMails, Newslettermails, etc. bedacht zu werden, aber nicht einmal ohne Nachfrage zur miserablen Liefersituation informiert zu werden. So etwas ist absolut nicht zeitgemäß und mit den vorhandenen Daten und technischen Möglichkeiten ein vertretbarer Aufwand."

Eine Nachricht, auf die ich leider keine Antwort bekam. Auf die Weiterleitung meiner Anfrage án die allgemeine E-Mail-Adresse von Rose erhielt ich dann unmittelbar eine automatische Antwort:

"Ich bin bis einschl. 22.02.13 nicht im Haus. Ihre Mail wird automatisch weitergeleitet."

Ohne Signatur oder Bezug warum ich die Nachricht bekam, von einer Mitarbeiterin, die nichts mit dem vorherigen Kontakt zu tun hatte.

Okaaaay, kann man machen, muss man nich, ist ja nur die im Impressum angegebene E-Mail-Adresse. Wenigstens kam dann eine halbe Stunde später eine Antwort einer Mitarbeiterin der Versandabteilung die mir den Versand für den nächsten Werktag ankündigte. Mit einer Entschuldigungsstandardantwort. Danach folgte dann noch die Versandbestätigung.

Aber einen Tag später eine schnodderige Mail aus der Abteilung "Online Beratung Bereich Bestellungen":

"Ihren Unmut geben wir gerne an den Hersteller weiter, von dessen Lieferterminangaben wir leider abhängig sind und nicht beeinflussen können."

 - ja hallo?! Das kann doch nicht die Lösung sein. Oder doch? "Wir, Rose, machen hier alles richtig, wir verkaufen Dir, liebem Kunden, Zeug dass in irgendwie so demnächst mal geliefert wird. Siehste ja im Shop. Was Du aber nich siehst, lieber blöder Kunde, ist wenn wir das dann heimlich ändern. Davon merkste erst was, wenn Du regelmässig aus dem Fenster in den Shop guckst. Wir schicken doch nicht bei einer Verzögerung dem blöden Kunden eine Nachricht! So weit kommts noch, unsere Datenbank zu kundenorientierter Kommunikation zu nutzen, pah!"

Anyhow, der blöde Kunde hat die Zeichen der Zeit erkannt und kauft lieber woanders. Billig is eben doch nur bedingt geil. Wobei die Regenschuhe in 80 Prozent der anderen Shops genauso viel kosten. Die sind dort vielleicht nicht lieferbar weil der Hersteller trödelt, aber - man sagt bei sowas dem blöden Kunden Bescheid - krass, oder?!



PS: hat übrigens viel geregnet / geschneit in den letzten beiden Monaten, ich mein ja nur....

31 Januar 2013

Frei.Wild bellt

Getroffene Hunde bellen, stimmts? Man kann da bestimmt tiefere psychologische Schürfarbeiten vornehmen, aber das was da abgeht lässt keinen anderen Schluß zu.

Ich dufte mich ja mal selbst davon überzeugen worum es sich beim Frei.Wild'ler so handelt. Ende letzten Jahres durfte ich eine Horde dieser Spezies bemitleiden als ich mit dem Zug gen Berlin fuhr. Ich glaub da gab's ein Konzert von der Band. Und da fuhren dann Fans hin. Okay, saufen tun viele die auf'n Konzert fahren. Drinne kostet das ja auch'n bissl mehr. Hab ich kein Problem mit. Auch wenn Leute dann unterwegs schon Spaß haben. Is nur fair. Aaaaaber. Diese Truppe war eindeutig nicht das was man gemeinhin als politisch unbedenklich einstufen würde. Ich hab derer Fratzen schon viele gesehen. Solche Kunden gabs/gibts zum Teil auch unter den Gabbaleuten. Nur dass beim Gabba diese Leute nicht allzuviel Identifikationsfiguren auf der musikalischen Seite finden. Frei.Wild selbst schafft allerdings einen mehr als nahrhaften Boden für rechte Gesinnung. Die Rasselbande im Zug musste dann auch prompt die üblichen einschlägigen Witze über "Reichs"bahn etc. loslassen. Ich brauch das nicht näher ausführen.

Auf jeden Fall kann ich mir sehr gut vorstellen dass diese Tüpen genau der Schlag sind, die jetzt auf ein Statement wie dass von Jennifer Rostock abgehen. Und getroffene Hunde bellen. Wie jetzt also die Frei.Wild'ler.

Ich bin ja viel mit dem Rennrad über die Dörfer gefahren. Da gabs auch viele bellende, weil auf alles Fremde scharfgemachte Hunde. Die stören, okay. Dem ein oder anderen musste ich mal eine mit der Luftpumpe geben. Aber im Grunde waren diese Hunde echt arme Kreaturen. Die hatten ja sonst nix. Wie die Frei.Wild'ler. Als dieses "Wir", dieses "gegen alle anderen", dieses "stolze", dieses "bessere", dieses "nationale".

27 Januar 2013

F.D.P. - Fick Die Politik

Boah. Ich könnte kotzen. Das mit dem ganzen nun rollenden Stein der da vom Netz aus durch die Gesellschaft dauert in meinem Kopf noch an. Das ist noch nicht fertig und wird es wohl auch noch eine Weile nicht sein. Aus persönlichen wie medialen Eindrücken und Gründen.

Das ganze Ding ist ja letztlich aus einer Richtung hochgekocht aus der man sowieso nur politische Flatulenz erwarten darf. Man möchte das Ganze eigentlich trennen wollen. Weil dieses Sexismusthema nicht zu einer Partei gehört sondern zu so ziemlich Allem ringsrum. Was aber der getroffene Hund da gerade anstellt ist unter aller Gürtellinie. Die Herrenriege (Herrenmensch war mir jetzt zu sehr, naja...) klopft sich gegenseitig auf die Schultern, poltert in Richtung Medien und politischem Gegner, diffus, verallgemeinernd, um den heissen Brei.

Wie viel Offenbarung steckt da drin? Dieses Bild von der - was hatten wir da nicht schon alles? - Partei der Besserverdienenden nun zur Partei der totschweigenden Altherrenverbündeten? Man schiesst gegen "die Anderen":   

...seine Lieblingsgegner Peer Steinbrück und Jürgen Trittin - überhaupt um die grünen "Tugendwächter" und deren "Öko-Schickeria". Von dort ist es dann allerdings nicht mehr weit zu dem einzigen Satz, den sich Brüderle im weitesten Sinne zum Thema Sexismus erlaubt, er lautet: "Sie können uns schlagen, beschimpfen, mit Dreck bewerfen, aber sie können uns unsere Überzeugungen nicht nehmen."

Spiegel

Okay, wir lernen also gerade:

1. es ist lediglich der böse politische Gegner, der uns hier angreift. Wir stehen zusammen und überdauern das.

2. es gibt kein Thema, dem man sich stellen muss, und wenn betrifft es uns nicht.

3. wir haben Überzeugungen.

Wenn diese Überzeugungen bedeuten, was 1. & 2. beinhaltet, stellt sich die FDP damit schon wieder als Übermenschenpartei da, die Besserwissenden.

Es kotzt mich an, welch Affentheater da aufgeführt wird. Mit welchem Willen diese Herren sich da repräsentieren. Spätestens jetzt müsste diese Partei für jede Frau und jeden empathiebegabten Menschen unwählbar geworden sein.

Und für die gedankliche Vergewaltigung der Politik, sich hinter dieser zu Verschanzen, die eigentliche anstehende Debatte zu ignorieren wünsche ich hier ein paar kräftige Eiertritte in Richtung blaugelb.

09 Januar 2013

Struktur: schwach

Wir haben zusammen geschwitzt, wir haben zusammen gefeiert. Wir haben 16-Stunden-Tage bei 41°C und 80% Luftfeuchte überstanden, wir haben Projekt-Manager kommen und gehen sehen. Wir haben Urschleim erklärt und Getränke am Baum der guten Geister geopfert. Wir haben Kopf geschüttelt, Lieferanten gequält, Leute eingearbeitet und andere Mentalitäten ausgehalten. Wir haben voneinander gelernt, übereinander gelacht und miteinander gearbeitet.

Und ich würde nichts falsches sagen, wenn ich behaupten würde, dass es nicht viele genauso gute da draussen gibt. Aber er ist zu schwarz für dieses Land, er ist Tamile. Und er versucht einen Job zu bekommen, gegen die Zeit, gegen die Behörde, gegen die Deadline seiner Aufenthaltserlaubnis. Und es geht hier nicht um einen McJob, es geht um einen hochqualifizierten Ingenieur in einer Branche die wie blöde nach guten Leuten sucht.

Ich schäme mich. Ich muss nicht viel dafür tun damit bei mir die Stellenangebote eintrudeln, genauer gesagt ich musste gar nichts tun. Aber dass jemand, der genauso qualifiziert ist wie ich, dem man einzig anlasten kann dass er vielleicht nicht wirklich sicher deutsch spricht, das so jemand heute in diesem Land nicht genauso behandelt wird kotzt mich an.

Personaler, Human Ressourcer, wie auch immer ihr euch nennt, es ist eine Sauerei. Hört auf den international versierten, erfahrenen und belastbaren, den pünktlichen und gründlichen Mitarbeiter in euren Ausschreibungen zu suchen, wenn in euch noch soviel Rassist steckt diesen Menschen dann nicht auch einzustellen. Es gibt Momente, da wünscht man sich lieber in den Staaten zu sein. Und das erstaunt mich dann schon sehr.

03 Juni 2012

Das erschreckende Normale

Ausgerechnet als Dich die Woche ausgekotzt hatte und Du eigentlich nur den Kopf zumachen wolltetst. Und dann sitzt Du da. Hast dem Kollegen ja das mit dem Möbelzeug transportieren zugesagt. Weil indische Führerscheine in Deutschland nicht gelten. Also sitzt Du da auf irgend so einer 899-Euro-Couch in Polyester-Grobwebstoff bei Roller. Müde. Kopfschmerzen. Sind ja schliesslich schon 3 Stunden IKEA vorausgegangen. Da steckt ja noch irgendwie noch ein System dahinter. Oben gucken und Kleinscheiss, unten Wagen mit Zeug vollladen, am Ende das richtige Regal finden. Fundgrube, Kasse, Hot Dog, Tschüß.

Roller ist anders. Große Halle, wenig Licht für viel Fläche. Du tauchst ein in etwas was Dir von irgendwoher bekannt vorkommt. Da sind diese Schrankwände, diese Sessellandschaften und Couchtische von denen Du bis irgendwann nur aus irgendwelchen Vorabendprogrammen wusstest, dass es sie gibt. Bis Du dann damals in diese Familie eingetaucht bist und auf einmal selbst an einem Pressspanküchentisch mit Wachtuchtischdecke saßt. Pseudoeiche oder -buche. Alles gleich hohl klingend. Im Wohnzimmer Möbel deren Sinn sich nie erschlossen - "Sidebord" oder "Glas-Eckschrank". Da war nie irgendwas Esentielles drin. Alles - und nichts. Genauso wie die teils bunten Likörgläser mit Schliff. Und kleinen ovalen Aufklebern die partout dran bleiben mussten. Dann all diese angeblich nützlichen Haushaltshelferdinge. Badvorleger-garnituren. Gardinenstangen-Endelemente.

Du sitzt da und schaust den Leuten zu die da reinkommen. Es sind viele. Sie sind nicht unbedingt lange da. Nur wenige suchen ein Beratungsgespräch. Eine Kleinfamilie wählt ein Bett aus. Mit 100-Euro-Matratze. Die sie leider nicht in das x-tausend-Euro-Auto verladen bekommen werden. Aber man muss eben Prioritäten setzen. Vielleicht fahren sie ja viel Auto. Und schlafen so gut wie nie. Sind nur unterwegs und sitzen nie beisammen zuhause. Dann stören auch diese Kunstoffe nicht. Wahrscheinlich warst Du nur zu lange an der frischen Luft vorher. Jetzt sitzt Du da und es sticht irgendwo oben zwischen den Augen. Es ist als könntest Du sehen wie aus den Couchlandschaften neben Dir, den Regalböden der Küchenzeilen, den Nachttischschränkchen und Kleiderschrankmonstern Wolken aufsteigen. Sie sammeln sich unter dem grauen Deckenbeton und machen das Licht noch einen Tick trüber. Deswegen sind die Zitronenpressen, Küchenschwämme und Frischhaltedosen, die Kinderzimmerlampen und Gießkannen besonders grellbunt.

Nur das Geschirr - das Geschirr ist geblümt. Mal mehr, mal weniger. Aber immer so, als ob es darum ginge die weltweit bestehenden Farbvorräte an hässlichem Rosa, Pistazie oder Pfirsich aufzubrauchen. Es erscheint wie ein Plan, ein tieferer Sinn dahinter, dass diesen Muster in Verbindung mit Ahornnachbildung oder Buchenimitat eine volksberuhigende Wirkung zugeschrieben wird. Irgendwann hat sich das Wort "Schrank" davongestohlen. Es hat sich verlaufen und muss sich nun irgendwie durchschlagen. Es sieht nicht glücklich aus, aber was soll man machen - "Badspiegelschrank". Ca. 1,3kg weisses Plastik, eine Lampenfassung, eine Steckdose, 3x0,75mm Kupferdraht, 0,26m² Spiegelglas. Im Vergleich dazu hat der Waschbeckenunterschrank nebenan noch weniger zu lachen. Sein Selbstbewusstsein muss er aus aus groben Holzspänen, ein paar hundert Gramm Bindemitteln und ein wenig weissem Kunstoff schöpfen.

Es scheint als sei der ganzen Welt das Empfinden geraubt worden. Alles natürliche. Wenn der Mensch doch nur endlich etwas unnatürlicher werden würde. Etwas weniger biologisch. Etwas besser integrierbar. Er würde besser hier reinpassen. Und dann schaust Du dich um, guckst den Leuten zu. Und Dir wird klar dass sie ganz gut daran arbeiten. Hiereinzupassen. Das Individuelle im Rahmen des gerade noch möglichen.

Du musst raus. Der Schädel brummt. Kasse. Tür. Luft. Wind. Sonne. Weg.

20 Dezember 2011

Herz:links

Er hatte nicht viel in der Birne. Hauptschule. Irgendwo auf dem Land in Mecklenburg, da wo im Sommer die Touristen die Seen und die Luft genießen. Da war sein zu hause. Dieser Siebziger-Jahre-Plattenbau mit ca. 20 Wohneinheiten. Der sozialistische Wohnkomplex. Und dann waren da die Eltern und die Schwester. Die Mutter irgendwo auf dem Amt als Aktendulliauskennerin und der Vater im Schichtdienst im Kalksandsteinwerk. Die Schwester, ein zierliches Ding war so ziemlich schlauer wie das in Mecklenburg so auffallend üblich ist. Der Unterschied war, dass sie noch nicht mal volljährig sich schon an einen dicklichen Mittdreißiger - Fahrschullehrer, was ja wohl derer orten sowas wie eine Adelung, aber eigentlich das Zeugnis für "kann nix, macht trotzdem ne dicke Welle" gilt - sich jedenfalls an diesen versprochen, ver- ... ach man hat das nie so richtig verstanden aber das musste und wollte hier wohl auch niemand. Er war keine Leuchte und auch der Rest wars nicht. Der Junge aber der war ein typischer Rotzbengel. Moped ohne Fleppen, Rauchen wie ein Schlot, pickeliges Rasurkinn und Springerstiefel. Die unangenehme Sorte. Die grüne oder blaue oder schwarze Bomberjacke. Und die nicht vorhandenen Haare. Die Oma - eine über 80jährige Deutsch-Jugoslawin, beide Männer im Krieg gelassen, selbst danach als Landlöhnerin geknechtet worden - die hatte so ihr Unbehagen damit. Aber es war ja ein Enkel. Der Krieg ist ja lange her und heute ist heute und heute ist Sat1 und RTL und überhaupt geht’s uns ja doch allen so sehr viel besser. Tja und dann bist Du da wieder zu Besuch. Irgendein familiärer Anlass deiner damaligen zweiten Familie. Ihr wart mal wieder übers Wochenende da, alle freuen sich, es wird gegrillt, gegessen, getrunken, geglotzt, sich ausgetauscht, es gibt die obligatorische Rund-um-die-Uhr-Fressalien-Vollversorgung und rings rum ein bisschen Abwechslung zum Großstadtdschungel. Und abends gehen dann alle rüber in den Garten der Tante und die ganze Bande wird dort sein und wir nehmen noch etwas mit, man soll uns ja nicht nachsagen dass wir nichts mitbringen würden und am Ende fällt das noch auf uns zurück und die Leute im Dorf, ihr wisst ja.

Du sagst irgendwann nichts mehr. Anfangs gehen diese ganzen Rituale so fürchterlich auf den Sack, du musst da erst reinwachsen, sagst du dir, sagt sie, sagen die andern. das willst du aber gar nicht, rebellierst du innerlich und kannst doch gar nicht so richtig sagen wogegen oder warum. Bis du dann wieder an dem Punkt bist. Dieser Punkt den du immer vor Augen hattest wenn du zu Hause diese Platte von Konstantin Wecker gehört hast die bei deinen Eltern im Regal stand. Gestern ham's 'n Willi erschlag'n. Ja da bist du auf einmal dort wo du dich wohlfühlen solltest. Ihr seid da, ihr hattet nen schönen Tag, ward baden, was lesen, habt einfach Zeug gemacht, geholfen Euch aufgeregt über diese Dörflichkeit, dieses ach-die-haben-doch-alle-keine-Ahnung-hier. Da hört die eh keiner zu wenn du anfängst die Dinge mal zu erklären. Die haben hier einfach noch weniger Zeit, als du selbst in deiner Welt. Gleich gibts Essen und die Wäsche muss auch noch raus und habt ihr schon.... . Nein zur Ruhe kommt ihr hier nur für Augenblicke. Und dann aber bis gleich, wir wollens uns doch alle am Feuer gemütlich machen, ja? Ja doch.

Tja. Irgendwann bist du einfach hierhergefahren. Und geblieben. Zwischen Grunge-CDs und Sonnenblumen. Das war schon ziemlich die andere Seite von dem wie du selbst anders warst. Wir waren ja immer unterwegs. Berlin, Berlin und nochmals Berlin. Dazwischen gabs irgendwelche Parties hier und da. Dunkle Keller oder alte Bunker, Plattenspieler rein und los. Was hast du da für nen Aufwand mit der Deko betrieben. Das war verdammt dunkelbunt, und manchmal auch ein bisschen aufregend. Besetzte Häuser, alternative Jugendzentren, immer damit rechnend dass irgendwelche Glatzen aufkreuzen und hier ihren Krieg austragen wollten. Eine Zeit in der du lerntest wie quer diese ganze bist-du-rechts-oder-links-Scheisse lief. Landauf, landab. Und ja. Da gab es diese harmlosen, passiven Teile, so ne Mischung aus Hippies und Kirchenjugend. Viele wohlbehütet, Mutti holt euch dann wieder ab und ruft an, wenn es zu sehr regnen sollte und ihr nicht zelten wollt. Wie sie. Tja. Und dann gabs da in dieser Sippe halt auch diesen Bengel. Auf der Straße hättest du ihn wahrscheinlich gemieden oder geboxt. Nicht dass du drauf aus warst, aber wenns sein musste. Und ein paar Mal musste es sein. Das Wegrennen und auch das Zuschlagen. Jedenfalls haben sie alle schon einen im Tee und du stocherst schweigend in der Glut rum. Mindestens ein Mensch neben dir sollte das realisieren. Diese Wut ob dieser Sprüche und Witze. Und irgendwann ist es zu viel. Du hältst diese Scheisse nicht mehr aus und greifst an. Die Oma, die es doch besser wissen müsste, die Mutter - Lehrerin - die in der Schule sowas melden müsste, alle ducken sich mit Ausflüchten weg. Die besoffenen Herren der Runde sehen das als Amüsement - jetzt haben sie jemanden an dem sie sich auslassen können - das du doch erst mal was schaffen sollst, Steuergelder fürs Studieren und der ganze Quark. Und dann wird so richtig unsachlich unter die Gürtellinie gegriffen. Und alles nur um auch ja keine Diskussion zuzulassen, dass dieser Bengel ein vollkommener Neonazi ist. Das der Typ unter der Woche wenn er auf seinem LKW sitzt sich die übelste Nazimucke reinzieht, sich diesen Scheiss mit Vaterland und Ehre ins sonst so leere Hirn zieht. Und genau das passt nämlich nicht in diese Idylle. Du bist der Störfaktor - nicht diese quere Weltanschauung. Und so spuckst du irgendwann ins Feuer und verziehst dich. Allein oder zu zweit ist die da schon längst egal. Weit weg wäre jetzt am besten. Weit weg von dieser ... Verwandtschaft?.

Am nächsten Mittag wird verklemmt Mittag gegessen, dann irgendwann nach endlosen quälenden Stunden die du zumeist mit irgendwelchem Schnickschnack zugebracht hast macht ihr euch endlich wieder auf den Weg. Sie bekommt von Oma die obligatorischen fünfzig Euro zugesteckt und dann fahrt ihr los. Nee, also alles toll war das nicht. Aber du hast die Scheisse von innen gesehen. Da wo die brauen Grütze am Leben bleibt. Und einfach dazu gehört wie das mal-eben-mit-ein-paar-Schnaps-zuviel-vom-Dorffest-nach-hause-fahren.

Sie waren und sie sind Schuld. An dem was sich da entwickeln konnte. Zwickau ist auch in Mecklenburg. Irgendwo in jedem Dorf. Und irgendwo in jeder Familie.

Es gibt eben einen großen Unterschied was so in den Bücherregalen der zweiten Familie stehen kann. Manchmal sind es nur Weltbild-Verlags-Kochbücher oder -Gartenbücher, weil man ja aller drei Monate ein Buch kaufen muss!!!, oder es sind eben gefährliche Werke. Bücher die den Kopf denken machen. Mir sind letztere lieber. Bücher und Familien.

27 November 2010

Buchbox Berlin - fail galore


Da freut man sich über nen Monat darauf, des Herrn Nieswandt neues Buch gelesen zu bekommen, schreibt sich den Termin dicke in seinen Kalender und verlässt sich auf die Buchbox, die sogar bis heute nacht noch ganz dicke mit der Lesung am 26.11. warb. Das blöde ist nur, dass die Lesung schon am 25.11. war. Und das freche daran ist, das die Buchbox-Leute es noch nicht mal für nötig befunden haben, ihre Seite entsprechend zu aktualisieren. HALLOOOO, wozu habt ihr denn ne Seite und nen Rechner???!!! Wie häff 2010, se piepl ahr jusing se interwebs!!!!

Die Krönung der Kundennähe ist dann natürlich, sich nicht auf eine entsprechende Mail zu melden, sondern klammheimlich den Termin komplett rauszunehmen. Geht sterben! Und dort wieder Bücher kaufen? Ebay, Amazon, Booklooker!

[UPDATE]

I can haz E-Mail from se Buchbox:


"...Lieber xxxxxxxx,

Tut mi total Leid, schade, dass wir den falschen Eintrag nicht bemerkt haben.
Wir werden alles daran setzen, die Homepage besser zu kontrollieren.
...

Gruß von xxxxx

BUCHBOX! Kiezbuchhandlung
und Kulturbühne
David Mesche-Lesungen-
Greifswalderstr. 33
10405 Berlin
Ruf xxxx-xxxxxxx

www.buchboxberlin.de"


Naja. Wir werden sehen. Schade isses trotzdem. Und die angebotene Wiedergutmachung ist eine Geste die ich respektiere aber nicht annehmen kann/möchte.

09 November 2010

...und dann wachste auf und bist Umweltminister

Was qualifiziert einen Menschen eigentlich für ein Amt wie das des Umweltministers? Wie wird man der höchste Hüter des Lebensraumes und der natürlichen Ressourcen des Staates? Der Töpfer war schliesslich schon mal Umweltminister im Lande. Und er wurde in das Bundesamt geholt zu einer Zeit als Themen wie saurer Regen, umgekippte Flüsse, Waldsterben usw. immer noch und damit auch dem letzten Deppen der Nation etwas sagten. Als die unmittelbaren Schäden einfach nicht zu übersehen, wir also im Arsch waren. Dem Mann kann man ein echtes Anliegen an der Sache nicht absprechen. Ein betont nüchternes zwar - aber eines welches staatsmännisch großes Dimensionieren auch über die eigene Legislaturperiode deutlich macht. Dann kam irgendwann Frollein Quotenossi Merkel und der gab man erstmal etwas womit sie nix falsch machen konnte, die erwachsenen Onkels waren ja noch in Reichweite - wer nix macht, macht auch nix falsch. Mit dem Grünen Trittin kam da eine grundsätzlich andere innere, äußere und in der Sache überzeugtere Haltung in die Position. Der Gabriel war dann leider eine etwas farblose Gestalt, man kann das aber angesichts der großen Koalition als "Arbeiten im Rahmen seiner Möglichkeiten" verbuchen. Und er konnte ja auch nicht schlecht von der gründlichen Vorarbeit unter rot-grün zehren. Wie man aber als ehemaliger Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie als Bundesumweltminister ein inneres Anliegen an der Umwelt haben soll hat sich sicherlich auch schon ein Herr Röttgen selbst gefragt, als er eines morgens mit dem Titel aufgewacht ist.

23 August 2010

Weiche Knie

Irgendwie warst du eh schon spät dran und das Wetter nicht gerade das stabilste, so dass es kaum nennenswert Momente zum Verschnaufen oder Beobachten gegeben hätte. Ein ziemlich normaler Feierabend, dieser Mittwochnachmittag. Durch die Speckgürtelnester, den Forst mit seinen schlammigen Waldwegpfützen, das nasse Gras zwischen den Bäumen und dann die unaufhörlich Autos und LKWs pumpende Ader stadteinwärts entlang. Dann gehts nur nochmal über die Spree und wenn du am Kraftwerk bist, ist das alles fast schon zuhause. Du kennst jede Fuge zwischen den Betonplatten, jedes Schlagloch, jede fiese Bordsteinkante und jede Ampel. Und wahrscheinlich gerade deshalb fällt dir eben doch immer etwas auf. Etwas, was anders ist, was nicht in diesen normalen Fluss des sich-nach-hause-Bewegens passt. Du musst zwar immer aufpassen an der Stelle, weil da diese Baustelle ist und nur eine Spur frei und die Autofahrer da gerne den Stärkeren raushängen lassen, aber trotzdem scannst du auch das "dahinter". Wie diese Strassenbahn, die da länger stand als normal. In die keiner einstieg. Aber Leute, die neben ihr knieten. Die Blechkisten rollten vorbei und waren so sensibel für ihr ringsrum wie sonst auch - nämlich gar nicht. Sie fuhren vorbei an diesem Körper der da lag, wie als wenn er angefahren worden wäre von der Bahn. Blutige Streifen. Menschen mit Handies am Ohr knien daneben. Und am anderen Ende der Bahn kniet auch jemand. Auf jemandem. Wie als wenn ringsrum alles leiser wird fängst du an zu ahnen, zu verwerfen zu grübeln. Du fährst jetzt langsamer. Zur Strassenmitte zu den Ampeln. Du weisst, dass vierhundert Meter vor der Haltestelle eine A-Klasse der Polizei auf dem Gehweg stand. Die würden jeden Augenblick hier sein, das hier ist schon vorbei, hier braucht es dich nicht, schon gar nicht als Gaffer. Und während du immer noch sortierst fährst du die letzten Kilometer wie mit Autopilot und weichen Knien. Das ferne Sirenengeheul nimmst du gar nicht mehr richtig wahr, du fragst dich irgendwie nur noch warum.

15 Juni 2010

jízda na kole v Praze

Anguckenswert: Tagesschau-Videoblog "Böhmische Dörfer"

Naja, bis ich das mal selbst überprüfen kann, gilt - hier isses auch spannend: