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22 Januar 2026

Fairnwärme

Seit vier Jahren Machbarkeitsstudien, Variantenrechnungen, Abstimmungsrunden mit Versorgungsunternehmen und Anlagenbetreibern mit leicht hebbaren Abwärmepotentialen aus Industrieprozessen. Eine Stadt etwa halb so groß wie Hamburg. Diese großen Kommunen müssen bis in ein paar Monaten ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen haben. Seit einem Jahr Stillschweigen aus der aktuellen Regierung was die Novellierung einer Fernwärmeverordnung angeht. Der beste Entwurf bis jetzt - aus Habecks Kreis. Die Folge - nix bewegt sich, und wenn dann kommen nur halbgare Vorschläge zusammen. Eigenverantwortung & klein-klein my ass. Vor drei Jahren habe ich jemanden bei einem Versorger während eines Projektes in die Rente gehen sehen. Sein Planungshorizont bei den Anlagen die wir da zusammen gemacht haben war jenseits der 60 Jahre. Traut sich irgendwie niemand mehr. Aber alle sind jetzt schon froh über die Reserven die wir da eingeplant haben.

Fernwärme ist in diesem Land ungerecht und intransparent organisiert. Vor zwei Jahren bei den AGFW-Fachtagen war das Lachen den Netzbetreibern kein bisschen peinlich, als die Diskussion dahin ging, das Ganze gerechter zu gestalten.

Es liegt nicht an der Technik. Es liegt nicht am Geld. Es liegt nicht an den Abwärmepotentialen. Es liegt an der Politik und an denen die daran ordentlich verdienen. Vielleicht würde es helfen, wenn die Leute wüssten, was eine MWh inkl. Betrieb und Abschreibung tatsächlich kostet und was dann auf der Abrechnung steht. 

Dabei muss man nur ein Land weiter nördlich angucken wie es fair geht. Seufz.



09 Januar 2026

Verstehen

Vielleicht bin ich ja übersensibel. Der Stromausfall in Berlin und diese geballte Aufregung, warum etwas so lange dauert wie es dauert und dass es ja wohl eine Frechheit sei. Ermüdend, weil es immer auf das gleiche hinaus läuft. Aufregung um der Aufregung willen. Über Dinge, von denen man nur rudimentär (wenn überhaupt) eine Ahnung hat. Zum Glück hat sich das nach ein paar Tagen dann rumgesprochen, was im konkreten Fall an Aufwand dahintersteckt, alleine ein Provisorium zu schaffen. Wahrscheinlich geht es den Leuten auch gar nicht darum, zu verstehen, warum etwas wie lange dauert. Aufregen als verbindendes Zusammengehörigkeitsgefühl, die inneren Wutbürger befriedigt.

Irgendwo im Netz ging es neulich um eine Baustelle im städtischen Straßenraum. Dort wurden kürzlich Fernwärmeleitungen verlegt und die Fahrbahn wieder hergestellt. Alles fertig. Nun die Ankündigung, dass der Bereich umgestaltet werden soll, also erneut eine Baustelle kommt. Die Aufregerei war groß - wieso man das alles nicht kombinieren könne und dann einmal alles fertig macht. Klar, sieht man immer wieder, Baustelle ist im Gange, Baustelle ruht, Baustelle fertig, nächste Tätigkeit am selben Ort. Warum ist das so und warum geht es nur schwerlich anders? Die Auftraggeber sind die Kommunen und Städte, teils deren kommunale Versorgungs- und/oder Entsorgungsunternehmen. Die Verwaltungen haben zwar eigene Bauabteilungen in den Ämtern, sind aber per se darauf ausgerichtet, Vorgaben der Politik umzusetzen auf eine Art, die den festgesetzten Budgets der Haushaltsplanung und den geltenden städtebaurechtlichen Anforderungen entspricht. Die erstellen also Leistungsverzeichnisse für bestimmte Maßnahmen sofern die Gelder im Haushalt da sind. Man schreibt aus, muss Vergaberecht ein- und Kosten gering halten.

Die Komplexität eines Projektes mit unterschiedlichen Gewerken ist oft schon Anlass für höhere Kosten, da irgendjemand den Kram koordinieren muss. Das kostet, und heutzutage nicht zu knapp. Wenn dann noch verschiedene Maßnahmen aus Tiefbau und Straßenbau und Landschaftsgestaltung und Verkehrsleitsystemen zusammen kommen, gepaart mit Versorgern und sämtlichen externen Dritten wie Bahnnetzbetreiber, Verkehrsbetrieben, Prüfern usw. wächst dieser Koordinationsaufwand exponentiell. Kein Auftragnehmer wird es sich freiwillig antun, so etwas zu koordinieren, selbst wenn es dafür die Gelder gäbe. Das terminliche und damit kostenmäßige Risiko der liegt dann nämlich komplett bei diesem Generalunternehmer. In einer Zeit, in der die Fachfirmen eh schon an der Auslastungsgrenze arbeiten, kaum noch Personal und Ressourcen übrig haben, wird man schlichtweg niemanden finden, der sowas mitmacht. Die vielleicht naheliegende Lösung, externe Projektsteuerer für ausschließlich dies Aufgabe hinzuziehen scheidet für öffentliche Auftrage aus Kostengründen nahezu aus.

Die öffentlichen Auftraggeber sind personell und fachlich oft unterbesetzt weil kaputtgespart und damit für eine tiefergehende Koordination eh raus. Geld gibt es für diese Leistungen in den Haushalten auch keins. Zumal kein Steuerzahler es beklatschen würde, wenn eine Baustelle zwar schön koordiniert, dafür aber mal mindestens 20% teurer wird. Und das ist noch am unteren Ende der aktuell üblichen GU-Aufschläge.

Am Ende geht es aber vielleicht tatsächlich nur darum, sich aufzuregen und gar nicht ums Verstehen. Irgendwie ernüchternd und bisschen schade. Wir sind nämlich alle nur Laien in den allermeisten Gebieten.

Mein Job hat mich mittlerweile zigfach gelehrt - Du musst etwas wirklich verstehen bevor Du Dir ein Urteil erlaubst. Wir bekommen fast jede Woche irgendein Problem eines Kunden auf den Tisch bei dem etwas kaputtgefahren wurde, etwas nicht so funktioniert wie erwartet oder man Phänomene beobachtet, zu denen man keine Erklärung hat. Ob da ein Behälter aufgrund eines Dampfschlages von den Sockeln gehüpft ist, Pumpen oder Armaturen mit übermäßigem Verschleiß ausfallen, Förderanlagen plötzlich nicht nachvollziehbar schlecht laufen, Ermüdungsbrüche in bestimmten Anlagenteilen auftreten oder verfahrenstechnische Auslegungen eventuell fehlerhaft waren und nun die Anlage nicht die vertraglich zugesicherten Grenzwerte einhält. Das fordert manchmal wochenlanges Suchen mit vielen Sackgassen, oft im Ausschlussverfahren, Analyse von Messdaten usw.. Weil man dabei selbst vorschnell eine Option wegen des eigenen Erfahrungs-Bias ausklammert, hilft es, nüchtern zusammenzutragen und zu analysieren, methodisch und neugierig zu bleiben. Am Ende hat immer geholfen - ruhig zuhören, beobachten, nachfragen, auswerten - verstehen.

Mir wäre übelst langweilig, wenn es diesen Teil in meiner Arbeit so nicht gäbe. Hilft zudem auch sonst im Leben.

22 November 2022

1,6...1,8 kWh/pd

So in dem Bereich ist mein täglicher Energiebedarf elektrisch derzeit. Interessant dabei - damit knapp eine halbe Kilowattstunde weniger als der pro-Kopf-Wert von vor einem Jahr hier. Ich war ja skeptisch, ob ich meine alten 800kWh/a erreichen würde, weil mir hier der spezifische Faktor von dieser Wohnung fehlt. Aber es sieht aktuell sogar so aus, als ob unter 750kWh/a drin wären. Bisschen gemein sich damit die effektive Preissteigerung je Kilowattstunde auszurechnen - weil der Grundpreis mittlerweile bei einem Drittel der Jahressumme liegt. Energetisch zwar kein leave no trace aber immerhin. 

14 November 2022

🐈‍⬛

November is broken.

Katzen liegen unheimlich gern nachts auf dem warmen Asphalt der Dorfstraßen rum. Im Sommer sind sie dabei teilweise so träge dass man um die rumfahren muss. Und irgendwie gehört dieses Bild so gar nicht in den November. Normalerweise würden sie über die Straße huschen, sich in eine Scheune verziehen oder Einlass begehrend auf eine Fensterbank hüpfen. Es wären nur Augenblicke in der Dunkelheit, nur flüchtige Schatten. Und dann ist es November und die liegen immer noch rum. 

Das sind dann so die Stunden im Dahingleiten in denen ich es einfach nicht mehr sehe, dass wir Menschen es hinbekommen werden, diesen Planeten noch halbwegs bewohnbar zu erhalten. Ich habe dran geglaubt, hab mich auch genau deswegen dafür entschieden, dass zu tun was ich mache. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist - dass mit den Regenerativen, mit der Effizienz, der energetischen Optimierung in all den Facetten - technisch, wirtschaftlich und ökologisch alternativlos. Ich freue mich auch nach wie vor über jedes Projekt was da ein kleines bisschen beiträgt.

Und doch ist es frustrierend festzustellen, dass all das nicht ausreichen wird. Es reicht mir nicht. Ich akzeptiere das nicht mehr, wenn Anlagenbetreiber sich auf ein "das haben wir ja noch nie so gemacht" zurückziehen wollen oder mit einem "das haben wir schon immer so gemacht" Änderungen abwehren wollen. I have requirements. Ich weiß nicht, ob ich mich das vor fünf Jahren schon getraut hätte - einem Kunden an dieser Stelle der Diskussion quasi "moralisch zu erpressen". So fühlt es sich jedenfalls an, wenn ich mehr einfordere als aus rein betrieblicher Sicht vielleicht notwendig wäre. Und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust mehr auf Budget-Diskussionen dabei. Es ist nämlich am Ende immer nur Geld, nur ein kleines bisschen weniger Gewinn.

Die gute Kehrseite dabei ist, dass ich kreativ sein muss. Ich habe lange darauf rumgekaut, warum mich die letzte Zeit über Strecken so gelangweilt hat. Das zum x-ten mal gleiche Thema. Es fehlte mir einfach die Herausforderung, neues auszuknobeln, neues zu lernen, neues anzuwenden. 

Wenn meine Kindheit mich nicht hätte verinnerlichen lassen dass ich nie gut genug bin, hätte ich ja vielleicht tatsächlich die Sache mit dem Theater damals weiter gemacht, Spaß und Erfüllung hatte ich dabei jedenfalls. Aber es war einfach nicht zu schaffen gegen diese Be- und Verurteilung anzukommen. Mir etwas zu suchen, wo mir so wenig wie möglich elterliche Bewertung angetan werden konnte war letztlich meine logische Konsequenz damals.

Und irgendwie ist genau das der Grund, weshalb ich immer wieder auf der Suche bin, irgendwie "kreativ" zu sein. Ich mag das Wort nicht wirklich an dieser Stelle, weil es so viel mehr umfasst als ich es für gemein hin wahrnehme. Für mich gehört da eben ne Menge rein. Mir ein Rad so aufzubauen wie ich es für den Zweck haben möchte ist so etwas. Da gibt es trotz des Booms immer noch viele Dinge die es eben nicht von der Stange oder unisono aus einer Quelle gibt. Ich könnte sicherlich Taschen dafür auf dem mittlerweile unüberschaubar großen Markt kaufen, aber würde mich das glücklich machen? Es ist vielleicht weniger die Tasche an sich, sondern der Weg dahin, das Basteln, Nähen. So wie das Löten, das mit Holz werkeln, Kochen oder Routen planen. Es war mal das eine, mal das andere - die Deko und Beleuchtung für Technoparties, das Schnitzen, das Malen. Und am Ende auch der Sport. Wobei es gerade die beiden Sachen sind, in denen ich lange gebraucht habe, mich zu finden. Wenn man als Kind zum Flöten- und Geigenunterricht geschleppt wird und dann die Ansage man sei "musikalisch völlig unbegabt" als unumstößliche Wahrheit durch die eigenen Eltern ausgesprochen bekommt glaubt man das. Genau so, wie die Beurteilung im Schulsport - einfach unsportlich zu sein. Das macht was mit einem. Über viele Jahre. Und dann festzustellen, dass das so völlig außerhalb von dem, was einem selbst liegt und gefällt, beurteilt worden ist - das triggert. Das macht es wahnsinnig schwer, sich Sachen zu trauen, zu lernen und dabei auch noch auf Spaß, Freude zu hoffen.

Im Grunde ist es schon immer da gewesen - das Bedürfnis zu verstehen, zu lernen, zu machen - letztlich kreativ zu sein. Ich werde in vielem dabei sicherlich nicht wahnsinnig gut sein - muss ich aber auch nicht. Es genügt vollkommen wenn es mir Spaß macht. Und das ist es was ich als Minimum verlange - Spaß zu haben bei dem wo ich meine Energie hinein gebe. Als ich mit diesen Gedanken so halb random mit meinem Seniorchef am philosophieren war hat das ein weiteres Puzzlestückchen dazugelegt. Ich war neulich mit jemandem bouldern. Wir haben dann festgestellt beide mal am Theater gearbeitet zu haben - sie ist dann Architektin geworden, ich halt Ingenieur. In dem Moment konnte ich sehr schön spüren dass es davon ein bestimmtes Bild in der allgemeinen Wahrnehmung gibt. Sicherlich nicht ganz unbegründet, aber klar - wenn man in die großen Strukturen und Konzerne guckt - extrem viele normen- und regelwerkgetriebene, nüchterne, stumpf abarbeitende Planungssklaven. Mein Chef hat von einem Kreativ-Workshop erzählt auf dem es richtig gedauert hat, bis er den Sinn dahinter überhaupt verstanden hatte - Kreative in den Planungsprozess (nachträglich) reinzubringen. Die dort diskutierten Perspektiven waren jedoch so weit weg von dem Alltag den wir leben (müssen), dass mich das nicht überrascht, dass er da große Fragezeichen hatte. Und da schließt sich der Bogen - ich bin gut, sehr gut, in dem was ich tue - wenn ich Spaß haben kann, wenn ich kreativ sein kann, sein muss. Vielleicht ist es eben auch so eine verinnerlichte begrenzte Sicht auf das Wort "kreativ" - weil es eben in der strengst möglichen Definition damals zuhause besetzt wurde. Das zu hinterfragen, geschweige denn auszuweiten war schlichtweg nicht zulässig weil mit Beleidigung (wohl eher gefühlter Abwertung) gleichgesetzt.

Ich habe erstaunlich viel mit Menschen zu tun, die keine Freude haben bei dem was sie tun. Das ist mir über lange Zeit gar nicht aufgefallen, vielleicht auch nicht wichtig gewesen. Aber es macht etwas mit mir wenn ich das nicht wahrnehme, einordne, reflektiere. Ich habe immer versucht, dem gerecht zu werden. Weil ich es so unfuckingfassbar tief verinnerlicht habe, keine Bedürfnisse zu haben, spüren zu dürfen - oder wie mein Therapeut so schön sagte: "Sie sind ein Asket vor dem Herren" (keine Sorge, er ist ein prima Atheist). Tja, nun habe ich aber das Bedürfnis, mich da abzugrenzen. Ich möchte meine Zeit nicht mit runterziehenden Menschen verbringen, schon gar nicht in Projekten die über ein paar Jahre laufen. Ich habe da mein Bedürfnis, Spaß bei der (Zusammen-) Arbeit zu haben _und_ meinen Anspruch an das Gegenüber, doch bitteschön das Bestmögliche zu tun, um den Planeten hier einen Tick gebremster gegen die Wand zu fahren. 

Und da wird es spannend - lässt sich so jemand dann darauf ein, wenn ich mit meiner Sicht auf die Dinge, meiner Forderung komme? Darf ich das, habe ich dafür die Rückendeckung in der Firma? Das Ganze ist ja kein statisches System und wir reden da unheimlich viel darüber. Und das macht etwas, mit allen.

Es gibt immer einen Teil derer die man nicht begeistern, nicht überzeugen, nicht mitnehmen kann. Will ich mich, die Firma sich, mit denen beschäftigen? Oder verwenden wir unsere Energie für die, die offen sind für Veränderung? Und fast wichtiger - checken wir uns da selbst immer wieder gründlich genug? Im Moment besser denn je.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit verdammt hoch ist, in vierzig (dreißig, zwanzig, egal) Jahren rückblickend feststellen zu müssen, dass das alles keinen Unterschied mehr gemacht haben wird - es soll zumindest das Beste gewesen sein was noch drin war. Auf jeden Fall sollte sicher sein, dass es Spaß gemacht hat.

16 Januar 2013

No risk, no sun.

Gibt ja Leute die Arbeit als eher gehtso abstempeln. Gibt auch Leute die ohne nicht können und sich dafür aufopfern. Gibt aber sogar auch welche die echt Spass dran haben was zu machen. Ich bin irgendwo dazwischen, daneben oder was weiss ich. Ich hab da irgendwie bis jetzt nie wirklich aus Karrieregeilheit oder so entschieden. Trotzdem ist da mittlerweile was entstanden was Personaler oder Headhunter als perfekten Lebenslauf für eine verantwortungsvollere Laufbahn bewerten. Man müsse dass jetzt ausbauen und entsprechend lenken, dann würde sich da einiges bewegen lassen. Und auch einiges verdienen lassen, von erfolgsabhängigen Vergütungsbestandteilen mal abgesehen. Ich mein, das macht ja anfangs noch Spass mit solchen Leuten zu reden. Dann kommt irgendwann der Spass durch und man verarscht die ein bisschen und irgendwann ist man nur noch angenervt. Warum?

Der Kram den ich mache um zu leben ist mir erst spät nach der Schule über den Weg gelaufen. Da wollte ich schon längst was anderes machen, aber das war zu dicht an dem was meine Eltern machen dran. Das wäre sicher zum Teil einfach gewesen, vielleicht wäre ich da auch gut drin geworden, aber es wäre vielleicht nicht völlig meins geworden. Deshalb ist es dann irgendwann mit erneuerbaren Energien geworden. Damals gabs noch nicht viele Möglichkeiten in dem Bereich umfassnd zu studieren. Und deshalb kamen die Leute von überall her. Da wurde tüchtig gesiebt, denn auf einmal prallten Hippie-hafte Überzeugungs-Weltretter-Mentalitäten auf alteingesessene Ingenieursrentner und Mathematiksadisten. Aber es wusste ja auch keiner so richtig wie man das angehen soll in der Bildung. Da prescht die Politik los und proklamiert ehrgeizige Ziele für die Energiewende und dann gibts da kaum jemanden der weiss wie man die Leute darauf trainiert. Und deshalb gabs zwar nen richtigen Rundumschlag in der Technik, aber im Detail etwas zu wenig Substanz. Aber das wusste damals noch keiner von uns. Mehr zufällig habe ich dann links und rechts noch Gast-Vorlesungen in den alten Ingenieursdisziplinen mitgenommen, nicht zum schlechtesten.

Und dann stolperst Du mit nem Abschluss in die Arbeitswelt. Vitamin B, Zufall, in einen Mittelständler. Entwicklungsabteilung, euphoriebeladene Truppe und vor der Krise. Mir gings gut, tolle Labore, coole Kollegen, etwas woran ich schon gearbeitet hatte. Es passte erstmal. Irgendwann kamen immer mehr Schaumschläger dazu. Denn das Mutterunternehmen wollte endlich verdienen und hat da erstmal durchstrukturiert. Ich kann das verstehen. Da lief ja auch viel falsch. Da war ein Projektleiter zum Abteilungsleiter geworden den man damit eigentlich eher bestraft hat. Er war ja viel zu sehr das technikverliebte Spielkind. Und er hat das auch selbst nicht wahrhaben wollen. Dafür aber nen Vize bekommen der, noch dazu dass er jünger war als ich, eine absolute Flachpfeife war. Das sich jemand seine Doktorarbeit zusammenklaut war damals sicher schon vorgekommen, nur wer damals schon so plump vorging sich mit wenig Aufwand erwischen zu lassen der war beileibe ein Idiot. Er wurde, wie für gewisse Dinge üblich, ordentlich nach oben gespült. Natürlich um Schäden anzurichten. Das Interessante war zu sehen wie sehr man diesen Erosionsprozess beobachten konnte. Wie die guten Indianer gingen. Wie aus Motivationsbomben so nach und nach resignierte Aussitzer wurden. So nach drei Jahren war ich da fertig. Ich hatte viel gelernt und wollte wieder zurück. In so eine kleine Bude. Mir war das zu Zeiten des Diploms nicht aufgefallen, aber diese erheblich kleinere Firma war in so vielen Dingen einfach gesünder für mich. Klar war  das Risko, dort die Türen zu machen zu müssen irgendwie immer gegeben, aber das alltägliche Frustlevel nährte sich da eher aus inhaltlichen Problemstellungen. Tests klappten nicht sofort, man fand technische Hürden, Prototypen musste überarbeitet werden. Weniger das Posten und Verantwortungen mit Eitelkeiten und Kostenstellen in Einklang stehen mussten.

Es war klar, so eine kleine Bude sollte es wieder sein. Und technisch etwas anderes. Das zu finden durfte etwas dauern. Hat es dann auch. Umziehen war und ist ja eines meiner Lieblingshobbies. Seit 2000 genau elf Umzüge in elf Jahren. Fuck Flexibiliät und so. Die nächste Firma war dann eine frisch gegründete Start-Up-Bude. So gesehen war das noch ein Stückchen mehr Risiko. Noch weniger Struktur und noch weniger Ahnung von der Materie. Dafür Gerangel zwischen den Gründern, hecheln zur nächsten Finanzierungsrunde und ein Chef der sich als hochgradig emphatiebefreit entpuppte. Der war knapp genauso alt wie ich hatte sich bis dato nur in der Theorie bewegt. Das alleine wäre völlig in Ordnung, aber wer mir keine Kompetenz zugesteht und mich bzw. meine Arbeit nicht respektiert, vielleicht sogar noch in Frage stellt, der kann nur verlieren. Mich zum Beispiel. Als ich mich im Urlaub anderweitig vorstellte mündete das in einem Abmahnungsversuch - man hatte allerdings leider übersehen dass ich mich im Urlaub befand. Das Kind war im Brunnen. Kurze Zeit später sollte eine Vergasungstechnologie aufgebaut werden, etwas was mit in meinem Erfahrungsschatz zu finden ist, man schoss eine gequälte Entschuldigung nach. Das Geheule war dann groß, man wollte mir noch alle möglichen Dinge versprechen - allein es hat sich gezeigt dass jeder der damals dort noch arbeitete mittlerweile das Weite gesucht hat. Man kann sich ein Gespür für Personalentwicklung oder Management eben nicht kaufen. Für mich wurde beiden Chefs das Töpfchen zu zeitig weggenommen, sie werden es nie oder nur auf die lange Tour lernen. (Sie haben mich übrigens vor kurzem erneut kontaktiert, ob ich nicht wolle und man hätte, könnte, blablabla)

Der ganze Ritt von dort wegzukommen war dann schon eine verdammt überlegte Kiste. Kleine Firma, andere Technologie, besseres Klima. Nun find das mal von aussen raus und mach Dir im Vorstellungsgespräch ein Bild davon. Bingo. Ein bisschen Hilfe kam vom Headhunter, der die Firma recht gut kannte und der sich eine ganze Weile mit mir bequatscht hatte. Ich würde dem sogar unterstellen, dass er verstanden hat wie ich ticke. Aber das war ja nur ein Teil der Kiste. Zum Glück passte der andere Teil auch. Verantwortung, eine Technologie an die ich glauben konnte (und es immer noch tu), ein richtiges kommerzielles Ding (es ist ja nichts gegen Forschung und Entwicklung zu sagen, aber einen Sinn muss das Ganze dann schon haben) - kurzum, eine Menge Arbeit bei einer Menge Spass.

Klar war da auch nicht alles Eitel Sonnenschein, aber das was hier schief lief konnte man angehen. Da hat mir der Kram von vorher richtig geholfen. Hier und da ein bisschen was strukturieren, an der richtigen Stelle etwas mehr Ernst als Spass, dafür den Spass dann aber auch nicht zu kurz kommen lassen. Diese kleine Bude hatte dann verdammtes Pech von zwei Kunden nicht in der vertraglich vereinbarten Form bezahlt zu werden wie man dass erwarten durfte. 18 Millionen offener Rechnung unsererseits gegen vier Millionen Aussenstände bei Lieferanten, puh... . Ist irgendwie auch eine komische Mentalität da drüben in Asien, so kindlich, so tüdelüüü. Da man aber irgendwann die Reissleine ziehen muss, ging der Laden in die Insolvenz. Ist halt blöd wenn zuviel Arbeit im operativen Geschäft ansteht, dass der strategische Part, Aquise, Kunden beackern und Märkte auftun hinten runterfällt. Das ist passiert. Ein Fehler ist ja nur dann ein Fehler und nicht zu verzeihen, wenn man nicht draus lernt.

Und damit kommen wir zu diesem "no risk, no sun" - ich kann mich jetzt entscheiden. Den Neustart als einer von ganz wenigen mitmachen. Unternehmensanteile, Verantwortung, der ganze Haufen. Oder ich geh in eine andere kleine Firma, etwas was man hanseatisch konservativ aber (oder gerade deswegen) erfolgreich nennt. Ich könnte menschlich in beidem. Aber ich glaub ich bin noch zu jung für die sichere Sache.

Und irgendwer muss es ja machen, das mit der Sonne.

09 Januar 2013

Struktur: schwach

Wir haben zusammen geschwitzt, wir haben zusammen gefeiert. Wir haben 16-Stunden-Tage bei 41°C und 80% Luftfeuchte überstanden, wir haben Projekt-Manager kommen und gehen sehen. Wir haben Urschleim erklärt und Getränke am Baum der guten Geister geopfert. Wir haben Kopf geschüttelt, Lieferanten gequält, Leute eingearbeitet und andere Mentalitäten ausgehalten. Wir haben voneinander gelernt, übereinander gelacht und miteinander gearbeitet.

Und ich würde nichts falsches sagen, wenn ich behaupten würde, dass es nicht viele genauso gute da draussen gibt. Aber er ist zu schwarz für dieses Land, er ist Tamile. Und er versucht einen Job zu bekommen, gegen die Zeit, gegen die Behörde, gegen die Deadline seiner Aufenthaltserlaubnis. Und es geht hier nicht um einen McJob, es geht um einen hochqualifizierten Ingenieur in einer Branche die wie blöde nach guten Leuten sucht.

Ich schäme mich. Ich muss nicht viel dafür tun damit bei mir die Stellenangebote eintrudeln, genauer gesagt ich musste gar nichts tun. Aber dass jemand, der genauso qualifiziert ist wie ich, dem man einzig anlasten kann dass er vielleicht nicht wirklich sicher deutsch spricht, das so jemand heute in diesem Land nicht genauso behandelt wird kotzt mich an.

Personaler, Human Ressourcer, wie auch immer ihr euch nennt, es ist eine Sauerei. Hört auf den international versierten, erfahrenen und belastbaren, den pünktlichen und gründlichen Mitarbeiter in euren Ausschreibungen zu suchen, wenn in euch noch soviel Rassist steckt diesen Menschen dann nicht auch einzustellen. Es gibt Momente, da wünscht man sich lieber in den Staaten zu sein. Und das erstaunt mich dann schon sehr.

13 Juli 2012

sunny side

Das mit der Sonne ist ja so ne Sache. Da willst Du Ihr etwas von Ihrer brachialen Energie borgen, einfangen, lenken und nutzen. Und fängst irgendwann an zu fluchen. Weil sie es ist die Dich verbrennt, Dir wehtut. Es klingt eben nur halb so lustig wie es sich liest - 42°C im Schatten. Wenn da welcher wäre. Selbst wenn. Irgendwo schiebt etliche tausende Kilometer südlich ein Wind Luftmassen über die Sahara und drückt sie übers Mittelmeer und die Wände der Sierra Nevada hoch. Dir immer in die Augen. Staubig und heiss. Wie ein Fön vor dem Gesicht. So trocken dass Du einfach nicht merkst wie Du austrocknest. In Thailand hast Du wenigstens gemerkt das Du schwitzt. Weil es Dir klatschnass am Körper runterläuft. Dir auffällt dass Du trinken musst. Nicht hier. Trockenheit die sofort alles verdunstet. Nur die dünnen Salzränder im Nackenschutz Deiner Sonnenhutes erinnern daran. In den Apotheken verkaufen sie Lichtschutzfaktor 90. Lange Hosen schützen vor den Skorpionen. Der Grund weswegen es bisweilen ungelenk aussieht wenn Du vorsichtig eine Kiste oder Werkzeug aufhebst. Dafür liegst Du dann nachts auf dem Dach und lauscht dem Leben in den Gassen unter Dir. Sie haben ihren Frieden gemacht mit der Sonne. Sie gehen ihr aus dem Weg. Sitzen in den Küchen, dösen hinter Rollläden oder Jalousien. Warten ab. Machen Siesta. Und Krach auf den Strassen in der Nacht. Verpassen dann den nächsten Morgen. Wenn die Sonne über die Berge steigt, an Höhe gewinnt, den Tau mit einem kurzen Zwinkern wegwischt, vielleicht am schönsten ist. Bevor sie Dir wieder zeigt dass es auch für Dich Zeit ist Pause zu machen.


wake up


morning routine


hot


high noon


peaceful evening


sunday


warm nights


early bird

25 Oktober 2010

Russisch Roulette, 13 aus 14 oder des Glückes Schmied


Unterschrieben. Tinte trocken. Kündigung & Arbeitsvertrag. Vorbei & vorne. Hier & dort. Jetzt wieder Abschied nehmen, Bleibe suchen, Kisten packen, Dinge ein letztes Mal tun. Der Stadt den Rücken kehren. Auf nach Norden. Der Sonne wegen. Dreizehn Umzüge in vierzehn Jahren - wenigstens ist das Ansehen besser als es früher war.

Tja Berlin. Det wars dann mal wieder mit uns. Bis irgendwann, Du alte Hippe.

PS: Diesmal wirklich drauf geachtet - "Scheiss auf den Kommerz - lass uns was Richtiges machen."

15 Oktober 2010

11 Juli 2010

Exportschlager?



Projektleiter ICE zu Teamleiter Comfort Components: "Das müssen wir rausnehmen, das bekommen wir so nicht durch. XYZ-Consulting hat das durchgerechnet, da sind wir schon übers Limit. Ich habe schon ein paar Mal gesagt: keine goldenen Einbauten! Die Klimatechnik muss günstiger werden. Lassen Sie sich da was einfallen. Übermorgen muss ich den Kostenplan aktualisiert vorstellen."

Teamleiter Comfort Components zu Projektleiter ICE: "Das ist ja gut und schön, dass XYZ-Consulting das durchgerechnet hat, aber verstehen die was von Verfahrenstechnik speziell im On-Rail-Sektor? Wir planen im Moment nicht mit Gold, sondern höchstens Bronze. Es gibt für weniger Geld keine zuverlässige Technik. Das will ich hier noch einmal in aller Deutlichkeit festhalten."

Projektleiter ICE zu Teamleiter Comfort Components: "Das fangen wir mit höheren Wartungszyklen ab. Deshalb wird das gerade outgesourced. Machen Sie sich darum mal keine Sorgen. Und wir bleiben bei der Variante, Wasser als Kältemittel zu verwenden. Wir wollen das ja schliessen als positiven Side-Effect verkaufen. Da können Sie jetzt nicht mit so einer alten Technologie daherkommen."

Teamleiter Comfort Components (per Mail mit Projektmanager XYZ-Consulting in CC): "Für die Klimatisierung der Großraumwagen Baureihe 0815 wird aus Umweltgesichtspunkten wie gehabt an Wasser als Kältemittel festgehalten, weiterhin wird unsere Planungsabteilung auf die untere Leistungsgrenze auslegen um den vorgegebenen Kostenrahmen einhalten zu können. Zur Kompensation zu erwartender Leistungseinbußen und Verfügbarkeitsengässe wird empfohlen, den Streckeneinsatz mit entsprechenden Wartungszyklen zu hinterlegen."

Projektmanager XYZ-Consulting zu Projektleiter ICE: "Zu Begrüssen ist auch die aktuelle Entwicklung im Bereich Klimatiserungstechnik. Es wird angeraten, hier nochmals das Budget für Dauerlauf und Feldtest zu hinterfragen, da der gewählte Weg offensichtilch als Stand der Technik angesehen werden kann."

usw.

Falls sich jemand wundert - ich bin Entwicklungsingenieur - andere Branche, same Bullshit.

17 März 2010

"Nice shirt"



btw:

"Nice shirt"

03 März 2010

zeiten

die hände tragen blut. tiefe kratzer. taub vor nasser kälte. nur ganz am ende wo das was sie fühlen ankommt ist es warm. und woanders.

30 November 2008

zeo2

Man muss ja nicht unbedingt zu den ersten Lesern einer Zeitschrift gehören, um sich eine Meinung über das jeweilige Blatt zu bilden. Neben mir liegt die dritte Ausgabe der zeo2, einem 50seitigen Magazin, Herausgeber ist der Deutsche Umwelthilfe e.V..

Ich hab mich jetzt gut zweieinhalb Stunden durch Lesenswertes aus Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft geblättert und bin angenehm überrascht. Kein miefiger Flugblattstyle - aber auch kein Fachblattanspruch. Zum Zielpublikum zähle ich mich jetzt zwar nicht ganz, dazu hören viele Artikel dort auf, wo ich gern weitergelesen hätte.

zeo2 setzt als Schnittstelle zwischen Alltagsnachrichten und Hintergrundinformation an. So aufgeräumt wie die Titelseite gibt sich auch das komplette Heft. Das ist entspannend für den Leser ohne ihn vom Wichtigsten, den Inhalten abschweifen zu lassen. Auch die wenigen Werbeflächen passen sich unauffällig ein. Auch thematisch. Gedruckt ist das Ganze auf angenehm griffigen FSC-zertifiziertem Papier.

Die Nachrichten handeln ein weites Spektrum ab: Atombombengeschichtsträchtiges, Nordpoleisflächiges, Bio-Bäuriges und Outdooriges. Und schon beginne ich zu ahnen, für wen hier eigentlich geschrieben wird. Es ist irgendwie kein Zufall, dass das Blatt im Jahr der grossen Energiepreissteigerungen in Erscheinung tritt. Jetzt, da Energie, Nachhaltigkeit, Umwelt und Politik in ihren Zusammenhängen erklärt werden wollen. Denn allzu oft bleibt dafür keine Zeit im Schnellgeschäft der Agenturmeldungen.

zeo2 dagegen holt schon längst aus den Augen verlorene Themen wieder an die Oberfläche (Tropensturm Nargis, Burma, 2008), bereitet medial die anstehenden Atommülltransporte und frisch aufgeflammte Diskussion um geplante Laufzeitverlängerungen bei Kernkraftwerken und die ungelöste Endlagerproblematik auf und beleuchtet die "Wiederinbetriebnahme" von stillgelegten Agrarflächen vor dem Hintergrund der Lebensmittelpreissteigerungen Anfang des Jahres. "Zieht euch warm an!" lautet der Hinweis auf den Hauptartikel des Heftes und lässt sofort mit Sarrazins Energiesparideen assoziieren. Zunächst wird hier mit den in der Presse aufgetauchten, mehr oder weniger qualifizierten Massnahmen ins Gericht gegangen. Systematisch werden dann die Möglich- und Notwendigkeiten im Bereich Energiesparen dargestellt. Wie es im Rahmen eines solchen Blattes eben gerade noch geht wird dem Leser eine Übersicht von Einspar- und Modernisierungsmöglichkeiten gegeben, die er sonst nur in Eigeninitiative oder über Energieberatungsagenturen erlangen könnte. Wer also gerade überlegt, wie die aktuellen Energiepreise und der Verbrauch mit den baulichen, technischen oder sozialen Gegebenheiten zu vereinbaren sei, dem sei der Artikel durchaus ans Herz gelegt.

Viel Spass (Ja, ich finde man darf trotz des Themas Spass haben.) hatte ich beim Lesen des Interviews mit Joschka Fischer. Nicht das ich neue Seiten an ihm entdeckt hätte, es was vielmehr der Beweis, dass der Mann einfach mal gut in der Thematik steckt. Es wird ihm hier zwar nicht unbedingt ein unbequemes Fragenrepertoire vorgelegt, welches sicherlich spannender zu lesen wäre, sondern die aktuellen grossen weltpolitischen, energiebezogenen Probleme und Herausforderungen beleuchtet und ins richtige (Realo-)Verhältnis gesetzt.

Der Medienüberblick - halb Webinhaltshinweise, halb Buchvorstellungen - könnte evtl. deutlicher ausfallen. Vermisst habe ich hier ameisten eine konsequente Begleitung seitens der zeozwei-Homepage. So wäre dem Leser mit den entsprechenden Links zu den Seiten ein Stück weit Entgegekommen dargebracht.

Filmblick auf youtube.com
Sierra Club
postfossil mobil

Der Artikel über die Zukunft der Photovoltaik in deutschland ist mir ein bisschen zu allgemein gehalten. So bieten die News auf dem Solarserver einen besseren Überblick auf das worauf sich Firmen und Politik in Deutschland hinbewegen. Zumindest als Linktip hätte ich mir soetwas gewünscht. Überhaupt habe ich spätestens da das Gefühl bekommen, das hier noch erhebliches Potential steckt. Eine Zeitschrift, die aller einem Vierteljahr erscheint, sollte zumindest Ansatzpunkte bieten, sich selbst mit weitern Informationen versorgen zu können. Eine die Artikel der jeweiligen letzten Ausgabe umfassende, bzw. berücksichtigende Rechercheempfehlung auf der Homepage wäre da ein erster Schritt.

Deutschland wäre nicht Deutschland ohne seine Bürokraten. Das beschreibt ein ziemlich bedenklich stimmender Artikel über die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Fast nahtlos passt da der Bericht über den Versuch, die europaweit abgeschafften Schindanger wiederzubeleben, um Geierarten wieder eine, ihre "Beschäftigung" zurückzugeben. Verständnisschwierigkeiten in Behörden ob dessen was schon über Jahrhunderte zu Europa gehörte. Als krönenden Abschluss gibt es noch einen Bericht über die Pläne zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Unter dem Stichwort Ampel-Kennzeichnung den meisten geläufig, aber trotzdem unbekannt werden hier mal die Vor- und Nachteile der geplanten EU-weiten Regelung beleuchtet. Gefallen hat auch der mittlerweile von der Zeit eingeholte, aber zum Zeitpunkt des Erscheinens äusserst aktuelle Beitrag über die unterschiedlichen und gemeinsamen Positionen zu Energiethemen der US-Präsidentschaftskandidaten vor der Wahl.

Als technisch durchaus begeisterbarer Mensch habe ich den zeo2-Mobilitätstest zum vectrix natürlich sofort verschlungen. Sicherlich wird sich niemand auf Grund dieses Berichts den Elektroroller kaufen, aber ein netter Einstieg ist er allemal. Absolut unbrauchbar wirkt allerdings die Leistungs-, Preis- und Emissionsübersicht. Hier sollte man nicht scheuen, bei den einschlägigen Autozeitschriften zu wildern. Besonders wenn man ernst genommen werden will. Das Gesamturteil "3 von 5 goldenen Speichen" ist jedenfalls weder erläutert noch irgendwie verwertbar.

Alles in allem eine gute Zeitschrift, die sich für den interessierten Normalverbraucher auch im Abo lohnt. Das nach drei Ausgaben immer noch Verbesserungspotential herrscht ist nicht überraschend und sollte ernsthaft angegangen werden. Heutzutage müssen sich Printmedien eben ständig ob ihrer Konkurrenzfähigkeit zu Internetangeboten überprüfen. Eine ständige begleitende Weiterentwicklung des Webauftritts sollte jedenfalls nicht aus Furcht vor ausbleibenden Absatzzahlen unterbleiben.

01 Oktober 2008

Llamadas Pedaleadas - regenerative Telefontaxis

und wieder ein projekt, das unbedingt erwähnt werden muss - Llamadas Pedaleadas. diese hellblauen lastenräder in nicaragua sind mit einem einfachen generator, einer autobatterie und einem wechselrichter ausgestattet. der fahrer lädt den akku während des fahrens, kann aber auch mit aufgeständertem rad seiner kundschaft die energie zum telefonieren bereitstellen. darum dreht sichs nämlich - eine mobile telekommunikationszentrale. wie in afrika sind auch hier die cellphones eher als adressbuch oder sms-zentrale im einsatz, die gesprächskosten sind für die meisten einfach zu hoch. deshalb werden meist festnetzgespräche und diese hauptsächlich in phoneshops geführt - oder eben nun bequem beim blauen rad vor der tür. wieder mal typisch mit welch simplen methoden hier ein projekt in die gänge gebracht wurde. der fahrer kann die 1900$ anschaffungspreis über zwei jahre abstottern und pedaliert auf eigene rechnung.

26 August 2008

ich kaufe ... ein endlager

heimlich hat die extra3-produktentwicklung tag und nacht gearbeitet, um unter der tarnfirma "bundesamt für strahlenschutz" rechtzeitig zur diesjährigen ifa das erste endlager vorzustellen. unklar war zunächst allerdings noch, ob es sich bei dem auf der ifa vorgestellten endlager um einen prototypen oder eine version für sogenannte endkunden handelt. es wird angenommen, dass diese dann spätestens zum beginn des weihnachtsgeschäfts als ergänzung zum eigenen atomkraftwerk in den
spielzeuglädenfachgeschäften erhältlich sein wird. gemäss dem ifa-motto "menschen begeistern. märkte erobern" ist stand 206 in halle 9 ist ein ganz heisser tip für alle
verstrahlteninteressierten.

19 August 2008

who reanimates the electric car?

vor ein paar tagen mit nem kumpel des abends über mögliche alternativen zu verbrennungsmotorgetriebenen fahrzeugen gequatscht - im speziellen zu seinem etwas betagteren schlachschiff aus stuttgart. tjaaa... was hat sich eigentlich so getan, seit die grossen mitspieler in fernost sich für die elektroautos aussprachen (und wahrscheinlich wie mit dem prius wieder vorne dran sein werden)? wie reagieren die firmen aus den staaten, die den zug der electric vehicles schon einmal verpasstabsichtlich nicht weiterverfolgteingestampft haben? nach ein paar tagen patentanmeldungen lesen, firmenmeldungen durchstöbern und notizen zusammenschreiben sind für den blog auch noch ein paar schnipsel übriggeblieben.

nachdem general motors kürzlich so richtig gezeigt hat, dass nachhaltiges management nicht gerade zu ihren stärken zählt - 15,5mrd us-$ verlust entstehen mal nicht eben über nacht - fiel es auch dem letzten auf: die gesamte branche scheint von hektik geradezu erfüllt. aktionismus oder erste vernünftige ansätze angesichts solcher aussichten fragt man sich bei der zusammenarbeit von ford, gm und chrysler in der uscar die johnson controls mit der entwicklung und überprüfung auf serientauglichkeit von li-ionen-systemen beauftragt hat. das volumen von 8,2mio. us-$ scheint angesichts der verluste natürlich als grosser betrag - ob eine schlagkräftige gruppe experten in kurzer zeit zusammengestellt werden kann und innerhalb von nur zwei jahren dann auch eben diese erfolge voweisen kann bleibt allerdings mehr als fraglich. das es dabei nicht darum geht einfach ein paar akkus zusammenzuschalten birgt die wesentlichen herrausforderungen. die seitens der automobilhersteller jahrelang auf hohem niveau als verkaufsargumente beigebrachtem komfortbestandteile für den kunden gelten nun als hohe messlatte für die zu entwickelnden zukünftigen systeme. dabei müssen sowohl die energiedichte der einzelnen zellen sowie des gesamten systems und die dadurch bedingte effiziente kühlung derselben gewährleistet sein. alldies bei vergleichsweise hohen sicherheitsanforderugen bei der integration ins fahrzeug. zwar lassen sich fest an der jeweiligen bauform des fahrzeuges orientierte speicherlösungen stabiler integrieren, jedoch verfolgt man damit nach wie vor den ansatz des klassischen kraftstofftanks - der kraftstoff wird in ein reservoir gefüllt. sicherlich mag es etwas früh für derartige überlegungen sein, böte der austausch der akkueinheiten (komplett oder teilweise) nicht mehr komfort für den kunden und weitreichendere möglichkeiten der wartung? eingebettet in einer art pfandsystem erhält der kunde an der "tankstelle" immer eine optimal geladene einheit bei wegfall der weiterhin zu erwartenden hohen ladezeiten. schnelladungen würden wohl auch weiterhin nicht unerheblich zu lasten der lebensdauer der speicher gehen. bei einen geteilten system - also fest integrierter und wechselbarer zelleneinheit - bleibt parallel dazu die option der aufladung (der integrierten einheit) zuhause (arbeitsplatz, supermarkt) weiter bestehen. die option der selbst- insbesondere der schnellladung verbietet sich wahrscheinlich für "pfandakkus" - auch wenn dies die systeme via eigensensorik loggen könnten - es würde ein nur ein weiteres spielgebiet für hacker hervorrufen. die infrastrukturen dafür sind denen der heutigen mineralölverteilung durchaus vergleichbar - vielleicht eine zukunftsoption für shell, exxon, bp und chevron. solaranlagen haben sie auch ganz schnell auf ihre tankstellen gebaut.

das dabei noch ein langer weg zu gehen sein wird, ist klar angesichts der alltäglichen probleme im umgang mit hochleistungs-li-ionen-akkus. wer auch immer die nase vorn haben wird, es bleibt zu hoffen, dass entwicklung hier nicht nur zum generieren von patenten sondern zur schaffung von produkten erfolgt. wenn auch der schlüssel zum erfolg gerade verlegtnoch nicht gefunden wurde, den krach auf den strassen scheint man bald im griff zu haben - auch wenn er bleibt.

mit grossem rummel hat es der tesla roadster letzte woche in die medien geschafft - ein e-sportwagen. angesichts des preises wohl mehr eine spielerei für gutbetuchte denn eine ernstahfte alternative zum klassischen kleinwagen. immerhin - mit seinem erscheinen können zumindest die beschleunigungsverrückten beglückt werden. ob diese nun ihr geld für den nächsten ferrari oder einen anderen exoten ausgeben ist wahrscheinlich so egal wie der reissack bei bauer liu.... . eines fällt allerdings auf. manche details sind denen des loremo nicht unähnlich. der anvisierte preis des loremo ev scheint jedenfalls normaleinkommenskompatibler - der nutzraum des fahrzeugs sowieso.



wer weiter unter strom stehen will, findet u.a. hier weitere anregungen zum suchen.

12 Juli 2007

Einspruch

Heiligt der Zweck die Mittel? Oder die Mittel den Zweck?

Ethische Grundsätze des Ingenieurberufes

Technikphilosphie als Pflichtfach für alle!