Ich hab eine einzige Zeitschrift seit der ersten Ausgabe abonniert - die Fahrstil. Mittlerweile nur noch zwei Ausgaben im Jahr, aber dafür jede ein kleines Kunstwerk. Die haben irgendwann vor ein paar Jahren dieses Endura-Jersey im Shop gehabt und seitdem rollt das mit mir immer mal wieder draußen rum. Oft ein bisschen zu warm, die Rückentaschen ein wenig zu hoch, der Kragen ein Stück zu unluftig - aber die vielleicht schönste Regenbogen-Adaption der Weltmeisterstreifen die es je gab. LOVE = LOVE.
Ich trag das schon immer mit einer gewissen Beklemmung, einer Hemmung. Es fühlt sich immer ein bisschen anmaßend an. Seit Anfang an waren alle möglichen bunten Leute in der Tekkno-Szene unterwegs, es hat niemanden speziell interessiert, gestört oder erstaunt - es war so halt normal. Es hat sich auch niemand explizit auf die Fahnen malen müssen, warum auch? Berlin war das auch lange Zeit völlig wumpe, es gab eh irgendwie nix, was es nich gab. Das sich das verändert hat, die blauen Kackhaufen und ihre Mini-Krahs das angreifen, ist eben auch Resultat der sauerländischen Verlogenheit ganz oben.
Die Leute verstecken sich und wer sie sind wieder mehr. Fällt halt nicht auf, wenn man das eh nicht beachtet hat vorher. Vor drei Jahren an einer Tanke kurz vor Wolfsburg wurde mir Kloppe angedroht, einfach wegen des Regenbogens. So völlig aus dem nix, mit nem Eis im Mund und ner Cola in der Hand am Rad stehend - abgefuckter Moment. Seitdem ist das jedes Mal im Kopf wenn ich das anziehe. Es gibt auch Strecken, die würde ich damit auch schlichtweg nicht machen. Und dann gibt es aber auch das komplette Gegenteil von diesen Shice-Momenten. Morgens, halb verpennt an der Fähre wartend bis alle ausgestiegen sind und man endlich rauf kann um über 'n Fluss zu kommen. Ein random Menschy, das Rad schiebend beim Aussteigen, strahlt und bedankt sich dafür, das man das Trikot anhat. Viel zu schnell und unerwartet um irgendwie anders als mit 'nem Lächeln drauf zu reagieren. Aber halt viel zu Grübeln danach.
Es geht auch überhaupt nicht darum, wer der Täter war und was der "Grund" war. Egal ob Nazi oder Religionsspinner. Es geht eigentlich darum, dass Menschen, für die diese Streifen mehr als nur eins von verschiedenen Radtrikots ausmacht, sich nicht sicher fühlen können sich zu zeigen. Und das kommt bei "Nachrichten an, Laune, Nachrichten zu" gerade null vor.
Radioeins hat gestern darauf verzichtet, das geplante Programm durchzuziehen (zum Glück, weil ich da wahrscheinlich eh was anderes angemacht hätte als mir die 100 besten Schlager & Chansons zu geben). Der Programmtag war stellenweise bedrückend traurig aber gleichzeitig wahrscheinlich das Beste was man an Halt und Haltung transportieren kann.
Nur die Nachrichten haben mich jedes Mal innerlich ein bisschen protestieren lassen. Da "fuhr kein Auto in die Menge" - da wurde ein Auto von einem Fahrer gezielt in die Menge gefahren. Dieser himmelweite Unterschied, in den normalen Unfallmeldungen zigmal so gelesen und gehört - und immer noch kein bisschen richtig. Autos fahren (zum Glück noch) nicht selbstständig, da sitzt jemand drin und fährt das Auto, vrdmmt! Der mittlerweile ganz bewusste Hinweis darauf, die Nationalität nicht zu benennen - geschenkt. Wodurch so eine Nachrichtenmeldung tatsächlich nicht falsch wird - klar sagen, dass das Auto von einem Mann gefahren wurde.









