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27 Juli 2026

Hartweizengold

Ob es eine Nudelpreisbremse geben wird? Wahrscheinlich eher Soylent Green.

this is fine 

25 Juli 2026

🔥

Spanien steht eigentlich noch auf der Liste. Bisher nur ein paar mal für dort gewesen, bis auf ein mal vor fast zwanzig Jahren danach nur zum Arbeiten und '22 dann doch nicht beim NCT mitgefahren. Nachdem die letzten vier Sommer irgendwie immer etwas mit südlichen Kilometern zu tun hatten, warum eigentlich nicht zumindest ein Stückchen woanders hin?

Spanien bleibt zwar irgendwie aber macht das alles noch Sinn?


Die Runde um Frankreich war ja auch schon ein paar Tage im Rauch, Dune du Pilat musste ich damals von Norden anfahren , anders als ich eigentlich wollte. Die Bucht von Arachon, Cape Feret - damals alles noch fahrbar. Durchs Medoc hätte ich eigentlich nicht gedurft, das war schon abgeflattert. Zu viele Touristen die rauchen oder durchs unbedachte Picknicken das ganze hätten abfackeln können. Ich bin Samstagabend auf komplett leeren Wegen endlose Kilometer durch verdorrte Farne gefahren. Keine Mücken, keine Feuchte. Nur braune Blätter, staubiger Zuckersand und ein aufziehendes Gewitter.

Der ganze Bums wird wohl so weitergehen. Ziemlich erschreckend wie T.C. Boyle das in "Blue Skies" so brutalnormal vorweggenommen hat. Das ist sie also, die Welt mit der wir alt werden sollen. Kognitive Dissonanz als Gesellschaftsleistung - mehr zugelassene Autos als je zuvor, wieder mehr Fläche versiegelt, wieder weniger Artenvielfalt, wieder mehr Flugreisen, wieder mehr Primärenergieverbrauch und wieder mehr Fossilverbrauch.

Irgendwann hab ich mal sarkastisch meine FOMO formuliert - was schaff ich eigentlich noch anzugucken bevor es abgebrannt, überflutet oder durch Kriege zerstört worden ist? Konsequent gedacht müsste ich so schnell wie möglich ne Runde durch Spanien radeln. Oder die Ecken in Frankreich und Italien und Griechenland und... so weiter. Auch wenn ich eigentlich ganz gut mit >40°C klar komme, richtig erholsam ist das am Ende ja alles nicht wirklich.

Dann eben einen Bogen, erstmal möglichst weit gen Osten und dann irgendwie gegen den Uhrzeigersinn see- und heimwärts. Schön, wenn man den ganzen Krempel irgendwann durchgespielt hat und alles was für einen so am ehesten funktioniert beisammen hat. Ich weiß allerdings nich, ob ich das schon mal so hybsch drapiert hab:


  • Kask Valegro mit Orafol Oralite 5710 & Eichhörnchen
  • Arschrakete v3 X-Pac VX21 / Vaude-Laminat aus Überprpduktion / Mesh / 3M Velcro /
  • Auffliegermeshbag / 3M Velcro
  • 2x 750ml Specialized Purist Watergate
  • Cumulus XLITE200, Cumulus Bivybag, Thermarest Neo Air
  • BBB Kabelschloss mit Tasche, Werkzeugtasche,  TopTube-, Frame- & Bar-Bag alle X-Pac VX21 / 3M Velcro / YKK AQUAGUARD usw.
  • Buff & Buff-Mütze, Merino Handschuhe 
  • Mavic HiViz Weste, Gore Regenshorts, Gore Regenjacke
  • Xero Z-Trail EV Lagoon Sadalen
  • Reisepass, Ausweis, KK-Karte, Visakarten, Geld
  • Portemonnaie X-Pac VX21 / 3M Velcro 
  • Lezyne CNC Pressure Drive
  • 4x Sapim CX-Sprint mit Polyax 14mm
  • 2x Satz Bremsbeläge, 2x TB2 Reifenflicken
  • 2 Conti Reifenheber, Swisstool Inbus mit Bits, Ventiladapter, Putzlappen
  • verschiedene TipTop-Patches, Sandpapier, Vulkanisierflüssigkeit, Kettenöl
  • Schaltauge, Schaltzug, Speichenschlüssel, Kettenschlösser
  • Lifu J-Tool, Opinel Carbon, Kugelschreibermine, Ventileinsatz, Feuerzeug, Isolierband
  • Sonnencreme, Assos Chamoiscreme, PJK-Salbe, Hydrocortisol 0,5%, verschiedene Pflaster
  • Mückenzeug, Rettungsdecke, Feuchttücher
  • Zahnbürste, Zahncreme, paar 400er Ibus, Paar Kohletabletten, paar Micropur-Tabletten, Wattenstäbchen, Zahnzwischenraumreinigungsbürste, Nagelfeile, Kanüle, Sicherheitsnadel, Ohrstöpsel, kleines Stück Kernseife
  • Cumulus Daunenweste, Tifosi Tyrant Sonnenbrille & Klargläser
  • Norröna Cargo-Shorts, Icebreaker Merino-Unterhose, Endura Baabaa Merino-Langarmshirt, Merino-T-Shirt, Badehose
  • 2x Schwalbe SV15 50mm, verschiedene Kabelbinder, SPOT-Tracker, Garmin 1030+, 2x USB-Kabel, Forumslader-Ladeelektronik für USB, 2fach Voltcraft USB-Netzteil, Zendure Powerbank, 2x CR2032, 4x AAA, 2x AA alles Energizer Ultimate Lithium
  • Specialized S-Works Road mit Shimano hot-mold Einlagen
  • 2 Paar Socken, Gore Knielinge, Skins Armlinge
  • Sportful R&D Cima SPF Jersey, Sportful R&D Jersey, kurze Shimano Handschuhe, Assos Mille GT Bib

28 Juni 2026

an oder mit

Klassiker bei den Schwurblern ist ja immer "ist ja gar nicht klar ob der Mensch an oder mit Corona gestorben ist". So eins zu eins auf die Klimawandelleugnerei übertragbar. Gestern Nachmittag bei über 41 Grad auf dem Garmin im Fahrtwind quer durch die Stadt und ein bisschen bei Freunden im Garten abgehangen. Leere Stadt, leere Straßen, heruntergelassene Rollläden. Auf den paar Kilometern immerhin zwei RTWs auf dem Hinweg, einer auf dem Rückweg unterwegs.

Beim Runterladen der Unterlagen aus dem Erste-Hilfe-Kurs vom Freitag fällt nochmal auf, dass sich die Gewichtung zum letzten Mal arg verändert hat. Es ging ausführlicher um Hitzeschlag, Sonnenstich, Kreislaufprobleme als vor zweieinhalb Jahren. Irgendwie gut aber auch ernüchternd, wenn die Rettungsdienste da so über die Aktualisierung der Kurse auf die Fallzahlen reagieren. Letzte Nacht halb eins nebenan beim Seniorenstift wieder mal ein RTW und ein Notarzt, Anfahrt mit Blaulicht, Rückfahrt ohne. Der Wagen vom Bestatter fiel danach kaum auf. 

Aber is ja unklar, ob der Mensch an oder mit Klimawandel gestorben ist.

22 Januar 2026

Fairnwärme

Seit vier Jahren Machbarkeitsstudien, Variantenrechnungen, Abstimmungsrunden mit Versorgungsunternehmen und Anlagenbetreibern mit leicht hebbaren Abwärmepotentialen aus Industrieprozessen. Eine Stadt etwa halb so groß wie Hamburg. Diese großen Kommunen müssen bis in ein paar Monaten ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen haben. Seit einem Jahr Stillschweigen aus der aktuellen Regierung was die Novellierung einer Fernwärmeverordnung angeht. Der beste Entwurf bis jetzt - aus Habecks Kreis. Die Folge - nix bewegt sich, und wenn dann kommen nur halbgare Vorschläge zusammen. Eigenverantwortung & klein-klein my ass. Vor drei Jahren habe ich jemanden bei einem Versorger während eines Projektes in die Rente gehen sehen. Sein Planungshorizont bei den Anlagen die wir da zusammen gemacht haben war jenseits der 60 Jahre. Traut sich irgendwie niemand mehr. Aber alle sind jetzt schon froh über die Reserven die wir da eingeplant haben.

Fernwärme ist in diesem Land ungerecht und intransparent organisiert. Vor zwei Jahren bei den AGFW-Fachtagen war das Lachen den Netzbetreibern kein bisschen peinlich, als die Diskussion dahin ging, das Ganze gerechter zu gestalten.

Es liegt nicht an der Technik. Es liegt nicht am Geld. Es liegt nicht an den Abwärmepotentialen. Es liegt an der Politik und an denen die daran ordentlich verdienen. Vielleicht würde es helfen, wenn die Leute wüssten, was eine MWh inkl. Betrieb und Abschreibung tatsächlich kostet und was dann auf der Abrechnung steht. 

Dabei muss man nur ein Land weiter nördlich angucken wie es fair geht. Seufz.



19 Dezember 2025

leave no trace

 39✈️, davon 18✈️ für die Arbeit. Seit zehn Jahren keinen Job mehr, der ✈️ erfordert. Stattdessen 🚈,🚲 und wenn es nicht anders geht, auch mal 🚗. 

Und die anderen 21 ✈️? Einerseits nicht stolz drauf, andererseits dankbar für die Erlebnisse. Aber auch nichts, was fehlt. Die Welt ist auch so groß genug.

  • Albanien 🚲|🚲
  • Australien ✈️|✈️
  • Belgien 🚲|🚲;🚲|🚲;🚲|🚲
  • Bosnien-Herzegowina 🚲|🚲
  • Dänemark 🚲|🚲;🚢(🚈)|🚢(🚈);🚈|🚈
  • Estland 🚢(🚲)|🚢(🚲)
  • Finnland 🚲|🚲;🚢(🚲)|🚲;🚢(🚲)|🚲;🚢(🚲)|🚢(🚲)
  • Frankreich 🥾|🥾;🚲|🚢(🚲);🚢(🚲)|🚲;🚲|🚲;🚲|🚲
  • Griechenland 🚲|🚲
  • Island ✈️|✈️
  • Italien 🚗|🚗;🚲|🚲
  • Kanada 🚗|🚗
  • Katar ✈️|✈️
  • Kroatien 🚲|🚲
  • Mexiko 🚗|🚗
  • Montenegro 🚲|🚲
  • Neuseeland ✈️|✈️
  • Niederlande 🚲|🚲;🚲|🚲;🚲|🚈(🚲);🚲|🚲
  • Nordmazedonien 🚲|🚲
  • Norwegen 🚲|🚲;🚲|✈️(🚲);🚲|✈️(🚲);🚲|🚲
  • Österreich 🚗|🚗; 🚈|🚲;🚈|🚲
  • Polen 🚲|🚲;🚲|🚢(🚲);🚗|🚗;🥾|🥾;🚲|🚲
  • Saudi-Arabien ✈️|✈️
  • Schweden 🚢(🚲);🚢(🚲);🚲|🚲
  • Schweiz 🚲|🚲
  • Slowenien 🚲|🚲; 🚗|🚗
  • Spanien ✈️|✈️;✈️|✈️;✈️|✈️;✈️|✈️
  • Thailand ✈️|✈️;✈️|✈️;✈️|✈️;✈️|✈️;✈️|✈️
  • Tschechien 🚲|🚲;🚈|🚈;🚈|🚈;🚈|🚈;🚗|🚗;🚲|🚲
  • Tunesien ✈️|✈️
  • Türkei 🚲|✈️(🚲)
  • UK 🚢(🚲)|🚢(🚲)
  • Ungarn 🚲|🚲
  • USA ✈️|✈️;✈️|✈️;✈️|✈️
(Dinge, über die man am Meer sitzend so grübelt.)

05 Mai 2023

Aber die Freiheit!

Drei Schlafsacknächte mit Sonnenbrandtagen, Jungfüchsen, einem chillenden Dachs und drölfzigtausend lärmenden Vögeln in den Stunden vor den Sonnenaufgängen. Hamburg hat Hügel - wenn man ein bisschen (weiter) rausfährt. Ein 880km-Bogen an der Elbe lang, durch Sachsen-Anhalt (wo man fleissig Autobahnen neubaut) und dann in den Ostharz rein. Gefühlt hatte jede Feurwehr den Grill angeworfen, ein paar Walpurgis-Spielmannszüge und Hexenkostüme auf den Straßen. Schon beim letzten Mal durch den Harz - zwar größtenteils nachts und von Westen aus rein rüber zum Brocken - war das so als schale Erkenntnis zurückgeblieben - es war einmal. Keine grünen Tunnel aus Bäumen links und rechts, keine Schattenspender, kein Windschutz. Gerodete Mondlandschaften. Grau-braune Unwirklichkeit. Vor Jahren war ich mal im Winter da, als es Schnee gab. Zwar standen da die Wälder noch, aber im Schnee würde man die kaputte Realität ignorieren können. Jetzt - wo es eigentlich die knalligste Zeit der austreibenden Grüntöne wäre - lässt es sich nicht übersehen. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr in den Harz zu wollen. Klar, wenn Ausflugslokale, die Harzbahn oder die 8km-Wanderrunde durch das Totholz locken vielleicht doch noch. Erholung "in der Natur" - LOL. Keine Ahnung, ob die Leute deswegen mittlerweile merklich wegbleiben, aber die, die trotzdem kommen, tun es konsequent - drei von vier Autos sind SUVs.


Das eine Minute später an dieser Stelle ein paar Hundert Zweitaktmotoren, hauptsächlich Ost-Mopeds und ein paar Trabbis die Luft für die nächsten hundert Atemzüge versaut haben - geschenkt. Als Bild für die Kapelle auf der Titanic ganz gut geeignet. Wir hier verbrauchen - seit Jahren unverändert - Ressourcen für drei Welten. Aber die Freiheit!

25 März 2023

we're fucked

IPCC-Bericht. Und nun? Amtlicher geht's irgendwie nicht. Wir Menschen sind der dämlichste Parasit auf Erden. Als Gesamtheit ist es uns egal wie es weitergeht. Als Spezies sind wir untauglich zu überleben.

Es ist spielt keine Rolle, ob ich als einzelnes Individuum das anders sehe und es gern anders hätte. Mir geht das persönlich ziemlich gegen den Strich. Ich habe mich Ende der 90er dafür entschieden, dieses Bedürfnis, etwas für eine bessere Erde zu tun, zum Beruf werden zu lassen. Die Mischung aus diesem mir wichtigen Wert und dem Spaß an ingenieuriger Arbeit. Was damals vielleicht nur schwarzer Humor oder ein Spiel mit laut gedachtem Fatalismus war, ist mittlerweile ein nüchternes Bild der Realität geworden. Und das nimmt ganz schön viel Motivation weg.

Ich möchte das, was da in den nächsten 30...40 Jahren kommt, eigentlich nicht ertragen müssen. Und irgendwie hatte ich gehofft, dass es mehr Menschen so gehen würde. Und eigentlich wollte ich nicht an den Punkt kommen, darüber nachdenken zu müssen, was es zu erlernen gilt, um in einer +2K-Welt zu "Leben". Weil - bis wohin ist es noch "Leben", ab wann ist es nur noch ein "Aushalten", ein "Überleben"?

22 November 2022

1,6...1,8 kWh/pd

So in dem Bereich ist mein täglicher Energiebedarf elektrisch derzeit. Interessant dabei - damit knapp eine halbe Kilowattstunde weniger als der pro-Kopf-Wert von vor einem Jahr hier. Ich war ja skeptisch, ob ich meine alten 800kWh/a erreichen würde, weil mir hier der spezifische Faktor von dieser Wohnung fehlt. Aber es sieht aktuell sogar so aus, als ob unter 750kWh/a drin wären. Bisschen gemein sich damit die effektive Preissteigerung je Kilowattstunde auszurechnen - weil der Grundpreis mittlerweile bei einem Drittel der Jahressumme liegt. Energetisch zwar kein leave no trace aber immerhin. 

14 November 2022

🐈‍⬛

November is broken.

Katzen liegen unheimlich gern nachts auf dem warmen Asphalt der Dorfstraßen rum. Im Sommer sind sie dabei teilweise so träge dass man um die rumfahren muss. Und irgendwie gehört dieses Bild so gar nicht in den November. Normalerweise würden sie über die Straße huschen, sich in eine Scheune verziehen oder Einlass begehrend auf eine Fensterbank hüpfen. Es wären nur Augenblicke in der Dunkelheit, nur flüchtige Schatten. Und dann ist es November und die liegen immer noch rum. 

Das sind dann so die Stunden im Dahingleiten in denen ich es einfach nicht mehr sehe, dass wir Menschen es hinbekommen werden, diesen Planeten noch halbwegs bewohnbar zu erhalten. Ich habe dran geglaubt, hab mich auch genau deswegen dafür entschieden, dass zu tun was ich mache. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist - dass mit den Regenerativen, mit der Effizienz, der energetischen Optimierung in all den Facetten - technisch, wirtschaftlich und ökologisch alternativlos. Ich freue mich auch nach wie vor über jedes Projekt was da ein kleines bisschen beiträgt.

Und doch ist es frustrierend festzustellen, dass all das nicht ausreichen wird. Es reicht mir nicht. Ich akzeptiere das nicht mehr, wenn Anlagenbetreiber sich auf ein "das haben wir ja noch nie so gemacht" zurückziehen wollen oder mit einem "das haben wir schon immer so gemacht" Änderungen abwehren wollen. I have requirements. Ich weiß nicht, ob ich mich das vor fünf Jahren schon getraut hätte - einem Kunden an dieser Stelle der Diskussion quasi "moralisch zu erpressen". So fühlt es sich jedenfalls an, wenn ich mehr einfordere als aus rein betrieblicher Sicht vielleicht notwendig wäre. Und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust mehr auf Budget-Diskussionen dabei. Es ist nämlich am Ende immer nur Geld, nur ein kleines bisschen weniger Gewinn.

Die gute Kehrseite dabei ist, dass ich kreativ sein muss. Ich habe lange darauf rumgekaut, warum mich die letzte Zeit über Strecken so gelangweilt hat. Das zum x-ten mal gleiche Thema. Es fehlte mir einfach die Herausforderung, neues auszuknobeln, neues zu lernen, neues anzuwenden. 

Wenn meine Kindheit mich nicht hätte verinnerlichen lassen dass ich nie gut genug bin, hätte ich ja vielleicht tatsächlich die Sache mit dem Theater damals weiter gemacht, Spaß und Erfüllung hatte ich dabei jedenfalls. Aber es war einfach nicht zu schaffen gegen diese Be- und Verurteilung anzukommen. Mir etwas zu suchen, wo mir so wenig wie möglich elterliche Bewertung angetan werden konnte war letztlich meine logische Konsequenz damals.

Und irgendwie ist genau das der Grund, weshalb ich immer wieder auf der Suche bin, irgendwie "kreativ" zu sein. Ich mag das Wort nicht wirklich an dieser Stelle, weil es so viel mehr umfasst als ich es für gemein hin wahrnehme. Für mich gehört da eben ne Menge rein. Mir ein Rad so aufzubauen wie ich es für den Zweck haben möchte ist so etwas. Da gibt es trotz des Booms immer noch viele Dinge die es eben nicht von der Stange oder unisono aus einer Quelle gibt. Ich könnte sicherlich Taschen dafür auf dem mittlerweile unüberschaubar großen Markt kaufen, aber würde mich das glücklich machen? Es ist vielleicht weniger die Tasche an sich, sondern der Weg dahin, das Basteln, Nähen. So wie das Löten, das mit Holz werkeln, Kochen oder Routen planen. Es war mal das eine, mal das andere - die Deko und Beleuchtung für Technoparties, das Schnitzen, das Malen. Und am Ende auch der Sport. Wobei es gerade die beiden Sachen sind, in denen ich lange gebraucht habe, mich zu finden. Wenn man als Kind zum Flöten- und Geigenunterricht geschleppt wird und dann die Ansage man sei "musikalisch völlig unbegabt" als unumstößliche Wahrheit durch die eigenen Eltern ausgesprochen bekommt glaubt man das. Genau so, wie die Beurteilung im Schulsport - einfach unsportlich zu sein. Das macht was mit einem. Über viele Jahre. Und dann festzustellen, dass das so völlig außerhalb von dem, was einem selbst liegt und gefällt, beurteilt worden ist - das triggert. Das macht es wahnsinnig schwer, sich Sachen zu trauen, zu lernen und dabei auch noch auf Spaß, Freude zu hoffen.

Im Grunde ist es schon immer da gewesen - das Bedürfnis zu verstehen, zu lernen, zu machen - letztlich kreativ zu sein. Ich werde in vielem dabei sicherlich nicht wahnsinnig gut sein - muss ich aber auch nicht. Es genügt vollkommen wenn es mir Spaß macht. Und das ist es was ich als Minimum verlange - Spaß zu haben bei dem wo ich meine Energie hinein gebe. Als ich mit diesen Gedanken so halb random mit meinem Seniorchef am philosophieren war hat das ein weiteres Puzzlestückchen dazugelegt. Ich war neulich mit jemandem bouldern. Wir haben dann festgestellt beide mal am Theater gearbeitet zu haben - sie ist dann Architektin geworden, ich halt Ingenieur. In dem Moment konnte ich sehr schön spüren dass es davon ein bestimmtes Bild in der allgemeinen Wahrnehmung gibt. Sicherlich nicht ganz unbegründet, aber klar - wenn man in die großen Strukturen und Konzerne guckt - extrem viele normen- und regelwerkgetriebene, nüchterne, stumpf abarbeitende Planungssklaven. Mein Chef hat von einem Kreativ-Workshop erzählt auf dem es richtig gedauert hat, bis er den Sinn dahinter überhaupt verstanden hatte - Kreative in den Planungsprozess (nachträglich) reinzubringen. Die dort diskutierten Perspektiven waren jedoch so weit weg von dem Alltag den wir leben (müssen), dass mich das nicht überrascht, dass er da große Fragezeichen hatte. Und da schließt sich der Bogen - ich bin gut, sehr gut, in dem was ich tue - wenn ich Spaß haben kann, wenn ich kreativ sein kann, sein muss. Vielleicht ist es eben auch so eine verinnerlichte begrenzte Sicht auf das Wort "kreativ" - weil es eben in der strengst möglichen Definition damals zuhause besetzt wurde. Das zu hinterfragen, geschweige denn auszuweiten war schlichtweg nicht zulässig weil mit Beleidigung (wohl eher gefühlter Abwertung) gleichgesetzt.

Ich habe erstaunlich viel mit Menschen zu tun, die keine Freude haben bei dem was sie tun. Das ist mir über lange Zeit gar nicht aufgefallen, vielleicht auch nicht wichtig gewesen. Aber es macht etwas mit mir wenn ich das nicht wahrnehme, einordne, reflektiere. Ich habe immer versucht, dem gerecht zu werden. Weil ich es so unfuckingfassbar tief verinnerlicht habe, keine Bedürfnisse zu haben, spüren zu dürfen - oder wie mein Therapeut so schön sagte: "Sie sind ein Asket vor dem Herren" (keine Sorge, er ist ein prima Atheist). Tja, nun habe ich aber das Bedürfnis, mich da abzugrenzen. Ich möchte meine Zeit nicht mit runterziehenden Menschen verbringen, schon gar nicht in Projekten die über ein paar Jahre laufen. Ich habe da mein Bedürfnis, Spaß bei der (Zusammen-) Arbeit zu haben _und_ meinen Anspruch an das Gegenüber, doch bitteschön das Bestmögliche zu tun, um den Planeten hier einen Tick gebremster gegen die Wand zu fahren. 

Und da wird es spannend - lässt sich so jemand dann darauf ein, wenn ich mit meiner Sicht auf die Dinge, meiner Forderung komme? Darf ich das, habe ich dafür die Rückendeckung in der Firma? Das Ganze ist ja kein statisches System und wir reden da unheimlich viel darüber. Und das macht etwas, mit allen.

Es gibt immer einen Teil derer die man nicht begeistern, nicht überzeugen, nicht mitnehmen kann. Will ich mich, die Firma sich, mit denen beschäftigen? Oder verwenden wir unsere Energie für die, die offen sind für Veränderung? Und fast wichtiger - checken wir uns da selbst immer wieder gründlich genug? Im Moment besser denn je.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit verdammt hoch ist, in vierzig (dreißig, zwanzig, egal) Jahren rückblickend feststellen zu müssen, dass das alles keinen Unterschied mehr gemacht haben wird - es soll zumindest das Beste gewesen sein was noch drin war. Auf jeden Fall sollte sicher sein, dass es Spaß gemacht hat.

02 August 2022

dystopisch normal

Samstag. Als langjähriger Fanboy musste ich einfach den kurzen Vortrag von Mark Benecke auf dem veganen Straßenfest auf dem Spielbudenplatz erwischen. Das letzte Mal sind wir irgendwo in Berlin auf nem Sara Noxx - Konzert ineinander gelaufen. Gefühlte Ewigkeit her.

Es ging in einem kurzen, gewohnt pointierten Abriss um die Fragen der Zeit - grob "Wer bzw. Was überlebt hier eigentlich noch?"


1,5°C-Ziel? LOL. 4°C? Wird auch gerissen werden. Insgesamt macht mich das nicht wirklich nervös, die Zahlen und Fakten sind ja da. Die gefühlten Anzeichen auch. Ich habe so gut wie keine Nachtfahrt mehr auf der ich die Brille aufsetzen muss. "Time's up" -der Titel sagt es ja schon sehr treffend. Keine Zeit um sich mit müßigen Diskussionen zu beschäftigen ob da eine Windkraftanlage hinter dem Dorf Sinn macht oder stört. "Okay, du hast kein Bock drauf, dann können wir aufhören weiterzureden und ne Limo trinken.". Letztlich ist es immer ein "kein Bock drauf".

Und damit bleibt es bei der letzten Entscheidung die da im Selbst getroffen werden muss - was mache ich persönlich? Ich bin kein Veganer, noch nicht einmal Vegetarier. So als Bestandsaufnahme heute. Ich habe in den letzten Jahren vllt. 4...5 mal im Jahr Fleisch gegessen, Fisch sicherlich öfter. Milch, Eier, Käse, Joghurt... alles ständiger Bestandteil dessen was ich esse. Was ich sehr verändert wahrnehme, ist der steigende Anteil an Gemüse und Vegetarischem/Veganen. Warum? Weil es mittlerweile überall leicht verfügbar ist, weil ich so sehr viel flexibler bin in der Küche und weil es mehr Möglichkeiten gibt zu experimentieren beim Kochen. Insgesamt also weil es eine Bereicherung ist. Aber irgendwie bin ich gespannt darauf, den Rest tierisch basierter Teile zu verkleinern. Der Kopf weiß das ja schon länger, weil es eben eine energetische Bilanzierung ist die erschreckend schlecht ausfällt. Die ganze Thematik der Ethik habe ich wahrscheinlich schon immer ein Stück weit ignoriert. Weil man sich halt auch einfach davon distanzieren kann. Ja, ich hab mal mitgemacht beim Wild aufbrechen, selbst Fische ausgenommen, aber eben nie im totalen Kontext, mit der Geräuschkulisse des Tötens, dem Geruch von Blut und allem was dazugehört. An großen Tierställen vorbeizuradeln lässt mich oft würgen weil es so konzentriert einfach olfaktorisch nicht aushaltbar ist. Beim Fleisch oder der Wurst fehlt mir tatsächlich nichts, die Alternativen sind geil. Und wahrscheinlich auch beim Rest. Letztlich ist es immer ein "kein Bock drauf".

Warum dystopisch wenn es doch das normal sein wird? Der Vortrag im EU-Parlament:

23 Januar 2013

Jack Wolfskin jetzt neu mit: Greenwashing

Na leck mich! Kenn noch jemand Jack Wolfskin? Das sind die, die sich damals dieses und jenes verdient haben.

Und seitdem? Ich glaube die Bude wurde irgendwie verkauft und das letzte woran ich mich erinnere sind lecker Zutaten. Gesund geht anders. Man möchte also meinen sie hätten in dem Laden einige Kunststückchen nötig um noch irgendwie ihr wir-sind-die-draussen-und-Natur-Marke zu rechtfertigen.

Bämm. Vielleicht hat man im Elfenbeinturm mitbekommen dass man nur noch scheisse rüberkommt oder man hat jemanden für CSR eingestellt. Anyhow. Jack Wolfskin kaufen jetzt ihren Strom bei Lichtblick. Na, wenn das mal nicht Lichtblick abwertet. Hat man noch vor einiger Zeit angemerkt "Wir wollen uns dem Greenwashing-Trend nicht anschließen", sind diese Zeiten wohl vorbei und man geht mit dem "Greenwashing-Trend". Tjoaaaaa, Ethik-Placebos für die Kunden.

Keine Ahnung ob es den Laden zu einem besseren macht, aber ich glaube die paar kWh/Jahr die sie in Schland verbrauchen werden in ihren fernöstlichen Auftragsnähereien bestimmt in ner Woche vernascht. Und das is dann mal lecker Kohlestrom. Und das sieht dann so aus.

Ich lass das jetzt mal in die Kategorie "LOHAs, die Cayenne fahren" rutschen. Sympahtieträger sein geht anders.

16 März 2012

Es ist nicht alles Glanz was grünt...

Liebe Grüne,

wir kennen uns nun schon ne ganze Weile. Das erste Mal seid Ihr aufgetaucht, als ich Westfernsehen bewusst wahrgenommen habe. Es ging wahrscheinlich um Dünnsäureverklappung, Waldsterben oder Pershing-II. Dann hatten wir hier drüben genug zu tun mit diesem Konstrukt in dem so vieles schief lief. Und dann hielt ich irgendwann einen Aufkleber in der Hand - Bündnis 90 / Die Grünen. Da war ne Sonnenblume drauf, ein bisschen grün, ein bisschen blau. Das ist nun schon ne Weile her. Ich hab nie sonderlich Lust gehabt tiefer in den Kram einzusteigen. Ich hab nie ein Auto gehabt, kenne Müllsortieranlagen von innen und kann Energieeinheiten umrechnen. Ihr seid nicht Schuld daran, dass ich erneuerbare Energien studiert habe. Aber Ihr habt mir auch nette Momente beschert. Dass Ihr den Herrn Hipp mal für nen Vortrag nach Berlin eingeladen habt fand ich gut. Und dass ohne Euch irgendwann nix mehr ging fand ich auch gut. Es gab ja so eine Zeit wo das Ding in die richtige Richtung geschubst wurde.

Aber die ist vorbei. Für Euch. Für uns. Ihr kennt Euch selber nicht mehr. Das ist schade aber wahrscheinlich unvermeidlich. Es sind zuviele die nicht an einer Sache arbeiten, zuviele die emporkommen wollen, gefallen wollen. Die sich einnehemen lassen von Eitelkeit und Versuchung. Die Sachen kaputtmachen. Ihr wisst nicht mehr was in Eurem Laden wirklich passiert. Und damit passieren Dinge die uns auseinander gehen lassen. Ich wähle Euch nicht mehr.

Und vielleicht ist das größte Zugeständnis an Euch dass ich eventuell auch niemanden anderes wähle.

Tschüß.

23 Dezember 2011

die Sache mit dem Baum



Ich will ja jetzt nich Öko rüberkommen, aber ja. Ich glaub die meisten Leute pflanzen weniger Bäume in Ihrem Leben als da so für Weihnachten hingerichtet werden. Und da kann man ja mal dran arbeiten. Und tolle Beleuchtung sollte man sich ja eh öfter gönnen. Da brauchts nich unbedingt ne Tanne im Wohnzimmer für.

...auf ein buntes...

09 November 2010

...und dann wachste auf und bist Umweltminister

Was qualifiziert einen Menschen eigentlich für ein Amt wie das des Umweltministers? Wie wird man der höchste Hüter des Lebensraumes und der natürlichen Ressourcen des Staates? Der Töpfer war schliesslich schon mal Umweltminister im Lande. Und er wurde in das Bundesamt geholt zu einer Zeit als Themen wie saurer Regen, umgekippte Flüsse, Waldsterben usw. immer noch und damit auch dem letzten Deppen der Nation etwas sagten. Als die unmittelbaren Schäden einfach nicht zu übersehen, wir also im Arsch waren. Dem Mann kann man ein echtes Anliegen an der Sache nicht absprechen. Ein betont nüchternes zwar - aber eines welches staatsmännisch großes Dimensionieren auch über die eigene Legislaturperiode deutlich macht. Dann kam irgendwann Frollein Quotenossi Merkel und der gab man erstmal etwas womit sie nix falsch machen konnte, die erwachsenen Onkels waren ja noch in Reichweite - wer nix macht, macht auch nix falsch. Mit dem Grünen Trittin kam da eine grundsätzlich andere innere, äußere und in der Sache überzeugtere Haltung in die Position. Der Gabriel war dann leider eine etwas farblose Gestalt, man kann das aber angesichts der großen Koalition als "Arbeiten im Rahmen seiner Möglichkeiten" verbuchen. Und er konnte ja auch nicht schlecht von der gründlichen Vorarbeit unter rot-grün zehren. Wie man aber als ehemaliger Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie als Bundesumweltminister ein inneres Anliegen an der Umwelt haben soll hat sich sicherlich auch schon ein Herr Röttgen selbst gefragt, als er eines morgens mit dem Titel aufgewacht ist.

15 Oktober 2010

11 Juli 2010

Exportschlager?



Projektleiter ICE zu Teamleiter Comfort Components: "Das müssen wir rausnehmen, das bekommen wir so nicht durch. XYZ-Consulting hat das durchgerechnet, da sind wir schon übers Limit. Ich habe schon ein paar Mal gesagt: keine goldenen Einbauten! Die Klimatechnik muss günstiger werden. Lassen Sie sich da was einfallen. Übermorgen muss ich den Kostenplan aktualisiert vorstellen."

Teamleiter Comfort Components zu Projektleiter ICE: "Das ist ja gut und schön, dass XYZ-Consulting das durchgerechnet hat, aber verstehen die was von Verfahrenstechnik speziell im On-Rail-Sektor? Wir planen im Moment nicht mit Gold, sondern höchstens Bronze. Es gibt für weniger Geld keine zuverlässige Technik. Das will ich hier noch einmal in aller Deutlichkeit festhalten."

Projektleiter ICE zu Teamleiter Comfort Components: "Das fangen wir mit höheren Wartungszyklen ab. Deshalb wird das gerade outgesourced. Machen Sie sich darum mal keine Sorgen. Und wir bleiben bei der Variante, Wasser als Kältemittel zu verwenden. Wir wollen das ja schliessen als positiven Side-Effect verkaufen. Da können Sie jetzt nicht mit so einer alten Technologie daherkommen."

Teamleiter Comfort Components (per Mail mit Projektmanager XYZ-Consulting in CC): "Für die Klimatisierung der Großraumwagen Baureihe 0815 wird aus Umweltgesichtspunkten wie gehabt an Wasser als Kältemittel festgehalten, weiterhin wird unsere Planungsabteilung auf die untere Leistungsgrenze auslegen um den vorgegebenen Kostenrahmen einhalten zu können. Zur Kompensation zu erwartender Leistungseinbußen und Verfügbarkeitsengässe wird empfohlen, den Streckeneinsatz mit entsprechenden Wartungszyklen zu hinterlegen."

Projektmanager XYZ-Consulting zu Projektleiter ICE: "Zu Begrüssen ist auch die aktuelle Entwicklung im Bereich Klimatiserungstechnik. Es wird angeraten, hier nochmals das Budget für Dauerlauf und Feldtest zu hinterfragen, da der gewählte Weg offensichtilch als Stand der Technik angesehen werden kann."

usw.

Falls sich jemand wundert - ich bin Entwicklungsingenieur - andere Branche, same Bullshit.

03 Juni 2010

30 November 2008

zeo2

Man muss ja nicht unbedingt zu den ersten Lesern einer Zeitschrift gehören, um sich eine Meinung über das jeweilige Blatt zu bilden. Neben mir liegt die dritte Ausgabe der zeo2, einem 50seitigen Magazin, Herausgeber ist der Deutsche Umwelthilfe e.V..

Ich hab mich jetzt gut zweieinhalb Stunden durch Lesenswertes aus Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft geblättert und bin angenehm überrascht. Kein miefiger Flugblattstyle - aber auch kein Fachblattanspruch. Zum Zielpublikum zähle ich mich jetzt zwar nicht ganz, dazu hören viele Artikel dort auf, wo ich gern weitergelesen hätte.

zeo2 setzt als Schnittstelle zwischen Alltagsnachrichten und Hintergrundinformation an. So aufgeräumt wie die Titelseite gibt sich auch das komplette Heft. Das ist entspannend für den Leser ohne ihn vom Wichtigsten, den Inhalten abschweifen zu lassen. Auch die wenigen Werbeflächen passen sich unauffällig ein. Auch thematisch. Gedruckt ist das Ganze auf angenehm griffigen FSC-zertifiziertem Papier.

Die Nachrichten handeln ein weites Spektrum ab: Atombombengeschichtsträchtiges, Nordpoleisflächiges, Bio-Bäuriges und Outdooriges. Und schon beginne ich zu ahnen, für wen hier eigentlich geschrieben wird. Es ist irgendwie kein Zufall, dass das Blatt im Jahr der grossen Energiepreissteigerungen in Erscheinung tritt. Jetzt, da Energie, Nachhaltigkeit, Umwelt und Politik in ihren Zusammenhängen erklärt werden wollen. Denn allzu oft bleibt dafür keine Zeit im Schnellgeschäft der Agenturmeldungen.

zeo2 dagegen holt schon längst aus den Augen verlorene Themen wieder an die Oberfläche (Tropensturm Nargis, Burma, 2008), bereitet medial die anstehenden Atommülltransporte und frisch aufgeflammte Diskussion um geplante Laufzeitverlängerungen bei Kernkraftwerken und die ungelöste Endlagerproblematik auf und beleuchtet die "Wiederinbetriebnahme" von stillgelegten Agrarflächen vor dem Hintergrund der Lebensmittelpreissteigerungen Anfang des Jahres. "Zieht euch warm an!" lautet der Hinweis auf den Hauptartikel des Heftes und lässt sofort mit Sarrazins Energiesparideen assoziieren. Zunächst wird hier mit den in der Presse aufgetauchten, mehr oder weniger qualifizierten Massnahmen ins Gericht gegangen. Systematisch werden dann die Möglich- und Notwendigkeiten im Bereich Energiesparen dargestellt. Wie es im Rahmen eines solchen Blattes eben gerade noch geht wird dem Leser eine Übersicht von Einspar- und Modernisierungsmöglichkeiten gegeben, die er sonst nur in Eigeninitiative oder über Energieberatungsagenturen erlangen könnte. Wer also gerade überlegt, wie die aktuellen Energiepreise und der Verbrauch mit den baulichen, technischen oder sozialen Gegebenheiten zu vereinbaren sei, dem sei der Artikel durchaus ans Herz gelegt.

Viel Spass (Ja, ich finde man darf trotz des Themas Spass haben.) hatte ich beim Lesen des Interviews mit Joschka Fischer. Nicht das ich neue Seiten an ihm entdeckt hätte, es was vielmehr der Beweis, dass der Mann einfach mal gut in der Thematik steckt. Es wird ihm hier zwar nicht unbedingt ein unbequemes Fragenrepertoire vorgelegt, welches sicherlich spannender zu lesen wäre, sondern die aktuellen grossen weltpolitischen, energiebezogenen Probleme und Herausforderungen beleuchtet und ins richtige (Realo-)Verhältnis gesetzt.

Der Medienüberblick - halb Webinhaltshinweise, halb Buchvorstellungen - könnte evtl. deutlicher ausfallen. Vermisst habe ich hier ameisten eine konsequente Begleitung seitens der zeozwei-Homepage. So wäre dem Leser mit den entsprechenden Links zu den Seiten ein Stück weit Entgegekommen dargebracht.

Filmblick auf youtube.com
Sierra Club
postfossil mobil

Der Artikel über die Zukunft der Photovoltaik in deutschland ist mir ein bisschen zu allgemein gehalten. So bieten die News auf dem Solarserver einen besseren Überblick auf das worauf sich Firmen und Politik in Deutschland hinbewegen. Zumindest als Linktip hätte ich mir soetwas gewünscht. Überhaupt habe ich spätestens da das Gefühl bekommen, das hier noch erhebliches Potential steckt. Eine Zeitschrift, die aller einem Vierteljahr erscheint, sollte zumindest Ansatzpunkte bieten, sich selbst mit weitern Informationen versorgen zu können. Eine die Artikel der jeweiligen letzten Ausgabe umfassende, bzw. berücksichtigende Rechercheempfehlung auf der Homepage wäre da ein erster Schritt.

Deutschland wäre nicht Deutschland ohne seine Bürokraten. Das beschreibt ein ziemlich bedenklich stimmender Artikel über die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Fast nahtlos passt da der Bericht über den Versuch, die europaweit abgeschafften Schindanger wiederzubeleben, um Geierarten wieder eine, ihre "Beschäftigung" zurückzugeben. Verständnisschwierigkeiten in Behörden ob dessen was schon über Jahrhunderte zu Europa gehörte. Als krönenden Abschluss gibt es noch einen Bericht über die Pläne zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Unter dem Stichwort Ampel-Kennzeichnung den meisten geläufig, aber trotzdem unbekannt werden hier mal die Vor- und Nachteile der geplanten EU-weiten Regelung beleuchtet. Gefallen hat auch der mittlerweile von der Zeit eingeholte, aber zum Zeitpunkt des Erscheinens äusserst aktuelle Beitrag über die unterschiedlichen und gemeinsamen Positionen zu Energiethemen der US-Präsidentschaftskandidaten vor der Wahl.

Als technisch durchaus begeisterbarer Mensch habe ich den zeo2-Mobilitätstest zum vectrix natürlich sofort verschlungen. Sicherlich wird sich niemand auf Grund dieses Berichts den Elektroroller kaufen, aber ein netter Einstieg ist er allemal. Absolut unbrauchbar wirkt allerdings die Leistungs-, Preis- und Emissionsübersicht. Hier sollte man nicht scheuen, bei den einschlägigen Autozeitschriften zu wildern. Besonders wenn man ernst genommen werden will. Das Gesamturteil "3 von 5 goldenen Speichen" ist jedenfalls weder erläutert noch irgendwie verwertbar.

Alles in allem eine gute Zeitschrift, die sich für den interessierten Normalverbraucher auch im Abo lohnt. Das nach drei Ausgaben immer noch Verbesserungspotential herrscht ist nicht überraschend und sollte ernsthaft angegangen werden. Heutzutage müssen sich Printmedien eben ständig ob ihrer Konkurrenzfähigkeit zu Internetangeboten überprüfen. Eine ständige begleitende Weiterentwicklung des Webauftritts sollte jedenfalls nicht aus Furcht vor ausbleibenden Absatzzahlen unterbleiben.