Diese Welt geht vor die Hunde. Mag ja sein, dass es sich in jeder Generation der Menschheit ähnlich beschissen angefühlt hat wie jetzt gerade, macht's aber irgendwie nicht besser. Von der wilden naiven Lust auf alles was da noch kommen mag ist irgendwie nicht mehr viel übrig. Es wird ja eh alles kaputtgemacht - fühlt sich zumindest so an. Ich wüsste nicht, ob ich mich wieder dafür entscheiden würde, was mit Regenerativen zu machen. Das war damals aussichtslos, weil es niemanden interessiert hat und es auch keine Beweise dafür gab, dass das alles mal im großen Maßstab funktionieren wird. Und doch war es ne enthusiastische Entscheidung dafür. Es gab die logische Seite, die alles begründen konnte. Und es gab die Hoffnung, etwas bewirken zu können. Diese Hoffnung war es letztlich, den langen Weg zu gehen, belächelt zu werden, sich immer und immer wieder rechtfertigen zu müssen. Weil es etwas gab, woran man glauben konnte, ne Vision. Etwas, dass einem gezeigt hat, wo es mal hingehen könnte, dass es besser gehen würde.
Vielleicht auch, weil es gerade erst bewiesen wurde, dass sich Dinge global zum Besseren ändern können. Glasnost, Perestroika, die Wende. Nicht für alle, dazu gab es zuviel Ungerechtigkeiten von Beginn an, aber so insgesamt war das richtig und gut, besser. Dieses Vertrauen war Antrieb für so viele gute Ideen, Vorhaben und Entscheidungen bei so vielen Leuten.
Davon ist nicht mehr viel zu spüren. Die einstigen Visionen? Man muss immer noch gegen die Fossilen argumentieren. Man muss vielleicht nicht mehr beweisen, dass es im großen Rahmen funktioniert, technisch und kommerziell. Die Kämpfe werden woanders geführt, über Schwurbel-Argumentationen. Wenn man da mittendrin arbeitet nimmt man das alles gar nicht so wahr. Bis es vielleicht zu spät ist. Betriebsblind auf gewisse Weise. Diese ganzen Diskussionen in all den Schlangengruben ignoriert und nicht ernst genommen. Man hatte ja zu tun, mit dem eigentlichen Thema, dem Konkreten. Dass es da seit Jahrzehnten Sabotage aus fossilen finanzstarken Kreisen gab, geschenkt. Es war naiv zu glauben dass das alles nicht verfangen würde. Im Schlepptau Faschismus und TechBro-Totalitarismus von allen Seiten.
Diese Welt ist am Arsch. Auch wenn "nur" wir es sind, die dabei draufgehen werden. Schwacher Trost, dass uns diese Erde easy überleben wird.
Wenn es nur das wäre - könnte man ja als Herausforderung ansehen. Wenn da nicht noch die ganzen übrigen Kipppunkte wären. Was soll noch hoffen lassen, wie es gerade läuft? Klima wird gefickt, Weltordnung wird gefickt, Mensch-sein wird gefickt. Die Heftigkeit, mit welcher alles, was mal irgendwie Stabilität versprach, gerade zerlegt wird - ist schwer auszuhalten. Ich möchte nicht Überleben, ich möchte Leben, verfickt nochmal. Ist das denn zuviel verlangt?
Ich möchte rausgehen können und da soll Natur keine Ressource sein. Ich möchte entspannt radeln ohne fatalistisch auf die Statistik zu hoffen, dass es mich nicht noch ein zweites mal killt. Ich möchte nicht wieder entscheiden müssen zwischen sich hauen oder wegrennen weil Arschlöchern meine Sockenfarbe nicht passt. Ich möchte, dass alle so zufrieden leben können, dass niemand auf die Idee kommt, andere Menschen jagen zu müssen weil es das eingeflüsterte Ventil für Ungerechtigkeiten ist. Ich möchte meine Arbeit machen können ohne dass sie wieder von den Fossilen eingerissen wird. Ich möchte diese ganze neoliberale Kapitalismusscheisse nicht als Maßstab akzeptieren müssen. Ich möchte nicht Prepper sein müssen. Ich möchte nicht dystopisch denken müssen um zu überleben.
Bisschen nice Arbeit, die erfüllt. Bisschen schöne Kilometer aufm Rad. Bisschen wandern mit Glücksgefühlen. Bisschen entdecken, bisschen staunen. Bisschen lecker essen, bisschen kochen. Bisschen sicher fühlen. Bisschen um paar Grünpflanzen kümmern, bisschen Piepmätze füttern. Bisschen Wetter erleben, im mittel stabil ohne Extrema. Bisschen Kino und Theater und Museum. Bisschen Lachen, bisschen Blödsinn machen - ohne dass es die seltene Ausnahme vom Ernst des Daseins ist. Bisschen Musik, eigentlich bisschen mehr. Bisschen keine Fragen nach Bezahlbarkeit von Zukunft. Bisschen gar kein "was kommt als nächstes für ne Kacke?". Bisschen das Gefühl damit nicht alleine zu sein.
Wir kommen hier alle nicht lebend raus. Bisschen Leben wäre schön bis dahin. Und wenn es dann soweit ist, möchte ich gerne zusammen in den Weltuntergang gucken. Ne schöne Platte zum Abschied, 'n schöner Wein und synchrones Atmen.
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