27 Juli 2026

Hartweizengold

Ob es eine Nudelpreisbremse geben wird? Wahrscheinlich eher Soylent Green.

this is fine 

falsche Kreuze

Fakten, LOL, schon lange nicht mehr. Mindestens seit Corona. Selbst die Betroffenen solche Studienergebnisse akzeptieren würden - ich bin mir mittlerweile sicher, dass es an der Trotzhaltung "gegen etwas/alle/diedaoben/Ausländer/Linke/Grüne/etc." zu sein, nichts ändern würde. 

"...würden Menschen dort im Durchschnitt jährlich rund 1.600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren; zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Einkommensverluste durch eine AfD-Politik könnten in Sachsen-Anhalt bis zu doppelt so hoch ausfallen wie im Bundesdurchschnitt."

AFD ist ein Kult, ein faschistischer. Und der funktioniert nicht über Rationalitäten, Wahrheiten oder Fakten. Auch wenn es jeden treffen würde - so bleiben sie dabei, sich in die Kacke zu wählen - aus Prinzip, aus Protest, aus Zusammengehörigkeitsgefühl, aus zu-irgendwas-dazu-gehören-Wunsch.


Ob sie's merken würden, wenn man zeitgleich mit neben dem Kackhaufen gesetzten Kreuz die Kohle einzieht? So nämlich.

PS: andere Bundesländer mitgemeint

gendern nicht nötig

Nachrichten auf, Laune, Nachrichten zu. Um die Wette heucheln & Überwachungswahnwettstreiten, die nächsten Wochen dann wie immer eine Instrumentalisierung der einzelnen Tat. Davon wird sich nicht eine betroffene Person sicherer fühlen. Nicht, solange die Klöckners und Merzen Flaggen und Sichtbarkeit als Zirkus abtun.

Ich hab eine einzige Zeitschrift seit der ersten Ausgabe abonniert - die Fahrstil. Mittlerweile nur noch zwei Ausgaben im Jahr, aber dafür jede ein kleines Kunstwerk. Die haben irgendwann vor ein paar Jahren dieses Endura-Jersey im Shop gehabt und seitdem rollt das mit mir immer mal wieder draußen rum. Oft ein bisschen zu warm, die Rückentaschen ein wenig zu hoch, der Kragen ein Stück zu unluftig - aber die vielleicht schönste Regenbogen-Adaption der Weltmeisterstreifen die es je gab. LOVE = LOVE. 

Ich trag das schon immer mit einer gewissen Beklemmung, einer Hemmung. Es fühlt sich immer ein bisschen anmaßend an. Seit Anfang an waren alle möglichen bunten Leute in der Tekkno-Szene unterwegs, es hat niemanden speziell interessiert, gestört oder erstaunt - es war so halt normal. Es hat sich auch niemand explizit auf die Fahnen malen müssen, warum auch? Berlin war das auch lange Zeit völlig wumpe, es gab eh irgendwie nix, was es nich gab. Das sich das verändert hat, die blauen Kackhaufen und ihre Mini-Krahs das angreifen, ist eben auch Resultat der sauerländischen Verlogenheit ganz oben.

Die Leute verstecken sich und wer sie sind wieder mehr. Fällt halt nicht auf, wenn man das eh nicht beachtet hat vorher. Vor drei Jahren an einer Tanke kurz vor Wolfsburg wurde mir Kloppe angedroht, einfach wegen des Regenbogens. So völlig aus dem nix, mit nem Eis im Mund und ner Cola in der Hand am Rad stehend - abgefuckter Moment. Seitdem ist das jedes Mal im Kopf wenn ich das anziehe. Es gibt auch Strecken, die würde ich damit auch schlichtweg nicht machen. Und dann gibt es aber auch das komplette Gegenteil von diesen Shice-Momenten. Morgens, halb verpennt an der Fähre wartend bis alle ausgestiegen sind und man endlich rauf kann um über 'n Fluss zu kommen. Ein random Menschy, das Rad schiebend beim Aussteigen, strahlt und bedankt sich dafür, das man das Trikot anhat. Viel zu schnell und unerwartet um irgendwie anders als mit 'nem Lächeln drauf zu reagieren. Aber halt viel zu Grübeln danach.

Es geht auch überhaupt nicht darum, wer der Täter war und was der "Grund" war. Egal ob Nazi oder Religionsspinner. Es geht eigentlich darum, dass Menschen, für die diese Streifen mehr als nur eins von verschiedenen Radtrikots ausmacht, sich nicht sicher fühlen können sich zu zeigen. Und das kommt bei "Nachrichten an, Laune, Nachrichten zu" gerade null vor.

Radioeins hat gestern darauf verzichtet, das geplante Programm durchzuziehen (zum Glück, weil ich da wahrscheinlich eh was anderes angemacht hätte als mir die 100 besten Schlager & Chansons zu geben). Der Programmtag war stellenweise bedrückend traurig aber gleichzeitig wahrscheinlich das Beste was man an Halt und Haltung transportieren kann.

Nur die Nachrichten haben mich jedes Mal innerlich ein bisschen protestieren lassen. Da "fuhr kein Auto in die Menge" - da wurde ein Auto von einem Fahrer gezielt in die Menge gefahren. Dieser himmelweite Unterschied, in den normalen Unfallmeldungen zigmal so gelesen und gehört - und immer noch kein bisschen richtig. Autos fahren (zum Glück noch) nicht selbstständig, da sitzt jemand drin und fährt das Auto, vrdmmt! Der mittlerweile ganz bewusste Hinweis darauf, die Nationalität nicht zu benennen - geschenkt. Wodurch so eine Nachrichtenmeldung tatsächlich nicht falsch wird - klar sagen, dass das Auto von einem Mann gefahren wurde.

25 Juli 2026

🔥

Spanien steht eigentlich noch auf der Liste. Bisher nur ein paar mal für dort gewesen, bis auf ein mal vor fast zwanzig Jahren danach nur zum Arbeiten und '22 dann doch nicht beim NCT mitgefahren. Nachdem die letzten vier Sommer irgendwie immer etwas mit südlichen Kilometern zu tun hatten, warum eigentlich nicht zumindest ein Stückchen woanders hin?

Spanien bleibt zwar irgendwie aber macht das alles noch Sinn?


Die Runde um Frankreich war ja auch schon ein paar Tage im Rauch, Dune du Pilat musste ich damals von Norden anfahren , anders als ich eigentlich wollte. Die Bucht von Arachon, Cape Feret - damals alles noch fahrbar. Durchs Medoc hätte ich eigentlich nicht gedurft, das war schon abgeflattert. Zu viele Touristen die rauchen oder durchs unbedachte Picknicken das ganze hätten abfackeln können. Ich bin Samstagabend auf komplett leeren Wegen endlose Kilometer durch verdorrte Farne gefahren. Keine Mücken, keine Feuchte. Nur braune Blätter, staubiger Zuckersand und ein aufziehendes Gewitter.

Der ganze Bums wird wohl so weitergehen. Ziemlich erschreckend wie T.C. Boyle das in "Blue Skies" so brutalnormal vorweggenommen hat. Das ist sie also, die Welt mit der wir alt werden sollen. Kognitive Dissonanz als Gesellschaftsleistung - mehr zugelassene Autos als je zuvor, wieder mehr Fläche versiegelt, wieder weniger Artenvielfalt, wieder mehr Flugreisen, wieder mehr Primärenergieverbrauch und wieder mehr Fossilverbrauch.

Irgendwann hab ich mal sarkastisch meine FOMO formuliert - was schaff ich eigentlich noch anzugucken bevor es abgebrannt, überflutet oder durch Kriege zerstört worden ist? Konsequent gedacht müsste ich so schnell wie möglich ne Runde durch Spanien radeln. Oder die Ecken in Frankreich und Italien und Griechenland und... so weiter. Auch wenn ich eigentlich ganz gut mit >40°C klar komme, richtig erholsam ist das am Ende ja alles nicht wirklich.

Dann eben einen Bogen, erstmal möglichst weit gen Osten und dann irgendwie gegen den Uhrzeigersinn see- und heimwärts. Schön, wenn man den ganzen Krempel irgendwann durchgespielt hat und alles was für einen so am ehesten funktioniert beisammen hat. Ich weiß allerdings nich, ob ich das schon mal so hybsch drapiert hab:


  • Kask Valegro mit Orafol Oralite 5710 & Eichhörnchen
  • Arschrakete v3 X-Pac VX21 / Vaude-Laminat aus Überprpduktion / Mesh / 3M Velcro /
  • Auffliegermeshbag / 3M Velcro
  • 2x 750ml Specialized Purist Watergate
  • Cumulus XLITE200, Cumulus Bivybag, Thermarest Neo Air
  • BBB Kabelschloss mit Tasche, Werkzeugtasche,  TopTube-, Frame- & Bar-Bag alle X-Pac VX21 / 3M Velcro / YKK AQUAGUARD usw.
  • Buff & Buff-Mütze, Merino Handschuhe 
  • Mavic HiViz Weste, Gore Regenshorts, Gore Regenjacke
  • Xero Z-Trail EV Lagoon Sadalen
  • Reisepass, Ausweis, KK-Karte, Visakarten, Geld
  • Portemonnaie X-Pac VX21 / 3M Velcro 
  • Lezyne CNC Pressure Drive
  • 4x Sapim CX-Sprint mit Polyax 14mm
  • 2x Satz Bremsbeläge, 2x TB2 Reifenflicken
  • 2 Conti Reifenheber, Swisstool Inbus mit Bits, Ventiladapter, Putzlappen
  • verschiedene TipTop-Patches, Sandpapier, Vulkanisierflüssigkeit, Kettenöl
  • Schaltauge, Schaltzug, Speichenschlüssel, Kettenschlösser
  • Lifu J-Tool, Opinel Carbon, Kugelschreibermine, Ventileinsatz, Feuerzeug, Isolierband
  • Sonnencreme, Assos Chamoiscreme, PJK-Salbe, Hydrocortisol 0,5%, verschiedene Pflaster
  • Mückenzeug, Rettungsdecke, Feuchttücher
  • Zahnbürste, Zahncreme, paar 400er Ibus, Paar Kohletabletten, paar Micropur-Tabletten, Wattenstäbchen, Zahnzwischenraumreinigungsbürste, Nagelfeile, Kanüle, Sicherheitsnadel, Ohrstöpsel, kleines Stück Kernseife
  • Cumulus Daunenweste, Tifosi Tyrant Sonnenbrille & Klargläser
  • Norröna Cargo-Shorts, Icebreaker Merino-Unterhose, Endura Baabaa Merino-Langarmshirt, Merino-T-Shirt, Badehose
  • 2x Schwalbe SV15 50mm, verschiedene Kabelbinder, SPOT-Tracker, Garmin 1030+, 2x USB-Kabel, Forumslader-Ladeelektronik für USB, 2fach Voltcraft USB-Netzteil, Zendure Powerbank, 2x CR2032, 4x AAA, 2x AA alles Energizer Ultimate Lithium
  • Specialized S-Works Road mit Shimano hot-mold Einlagen
  • 2 Paar Socken, Gore Knielinge, Skins Armlinge
  • Sportful R&D Cima SPF Jersey, Sportful R&D Jersey, kurze Shimano Handschuhe, Assos Mille GT Bib

21 Juli 2026

20 Juli 2026

hibbelig

Es ist zäh und irgendwie bin ich sowas von reif dafür - Urlaub. Slowenien ist jetzt knapp über ein Jahr her.  Spreewald war toll  aber zu kurz.  Brückentage und ne Handvoll schöner Wochenenden. Der Winter war lang und das Jahr begann verkorkst noch bevor es sich zeigen konnte.

Wird Zeit. Ein Monat lang nicht wissen wo man die nächste Nacht schlafen wird, wer oder was einem begegnet. Was mit Bergen und mit Meer.



[Fernwehauslöseautomatik]

4x4


[Geburtstagspartyplattenkoffercontent]

Urvertrauen

Faszinierend, auf brutale Weise. 2026 und es braucht solch einen langen Artikel um an der Oberfläche zu kratzen. Alles längst zig-mal durchgearbeitet, verschriftlicht, ver-interviewt und ver-podcastet. Von schlauen Menschen seziert, SoziologInnen meist. Da wurdezudem noch tiefer geguckt, in die Ursachen und Symptome, die Hinter-, Unter- & Ab-Gründe. Klar fallen die schicken Straßen auf, die Häuser mit den dicken Autos davor - all das gibt es und begegnet mir auf jeder Fahrt in zig Orten immer wieder. Auch ich frag mich jedes Mal, was sie denn wollen, warum so komplett lost und blaubraun wählen? Das finstere an anekdotischer Evidenz ist halt auch ganz besonders, dass man Armut kaum sieht. Das Auge bleibt eben an den schönen Fassaden hängen. Wie es zum Teil dahinter aussieht oder in der Seitenstraße, in den Viertel wo die Geschossbauweise mit fleckigem Rauhputz die beherbergt, die schon längst keine Hoffnung und kein Vertrauen mehr haben. Aber auch die, die gerade so noch klarkommen. Für die jetzt Erwerbsarbeit  vielleicht gerade so ausreicht zum Leben. Die, die heute schon wissen, das Altsein Überleben bedeutet. So schön roadtrip-romantisch diese Bestandsaufnahme sein mag, man muss die bitteren Zahlen der Vollständigkeit halber dazu packen. Das nd hat die Zahlen ein wenig aufbereitet,

"Demnach droht rechnerisch in Ostdeutschland mehr als jedem und jeder zweiten Beschäftigten nach 45 Jahren in Vollzeit im Alter eine Rente an der Armutsgefährdungsgrenze, bundesweit mehr als jedem und jeder dritten.".

Das wissen die Menschen ja heute schon. Auch wenn da auf etwaige Lohnanpassungen hingewiesen wird - sorry, das ist ein Pfeifen im Walde. Von der Einkommensungleichheit Ost/West & Mann/Frau mal abgesehen - Lohnerhöhungen sind da leider so gar kein Automatismus. Für wen das per se im Vertrag schon mal gar nicht auftaucht, es keinen Tarif gibt oder keinen anderweitigen Hebel gibt, für den ist eine solche "Anmerkung" einfach verletzender Hohn.

"Demnach ist ein Bruttomonatsentgelt von 3771 Euro nötig, um einen Rentenzahlbetrag in der Höhe der Armutsgefährdungsschwelle zu erreichen. Bartsch hatte von der Regierung wissen wollen, was man aktuell in Vollzeit verdienen muss, um nach 45 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente auf so einem Niveau zu erhalten. Die Armutsgefährdungsgrenze lag laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 1446 Euro brutto. Statistisch als armutsgefährdet gilt man mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung."

Und die Realität sieht eben auch so aus, dass für die Betroffenen vergleichsweise wenig bis keine Erbschaftsvermögen vorhanden sind und für Sicherheit sorgen könnten. Wie viele Millionen Menschen müssen mit diesen Ängsten leben und gleichzeitig wissen 5000 andere Menschen nicht, wie viel sie noch fressen sollen ohne an ihrem Reichtum zu ersticken.

"5.000 „Superreiche“ besitzen hierzulande 27,3 Prozent des gesamten Finanzvermögens – das sind 1.100 mehr als noch im Vorjahr"

Ich kann immer noch nicht akzeptieren, dass etwas Gewinn bringen soll und dieser Gewinn dann nicht unter denen aufgeteilt wird, die dafür erst gesorgt haben. Und ich kann auch nicht akzeptieren, dass Gewinn und Wachstum die einzig gültigen Maßstäbe sein sollen, auf die wir uns als Gesellschaft einigen können. Sorry, über dreißig Jahre und keine Antworten auf so etwas zu haben, ist keine Politik, mit der man Vertrauen schafft oder Urvertrauen erhält. Mit korrupten Parteien und Lobby-PolitikerInnen eh nicht.

Hab ich dieses Urvertrauen noch? Irgendwie nicht. Nicht in die Politik, in einzelne PolitikerInnen schon. Wie mit den Menschen - grundsätzlich verbocken wir das als Menschheit, aber mir machen diejenigen Mut, die sich dagegen stemmen.

17 Juli 2026

Der Nachname ist Programm

Wo Himmler draufsteht ist Himmler drin. Und wo CDU draufsteht ist längst AFD drin. Ob NDR oder jetzt ZDF - wo ÖRR draufsteht sitzen halt auch Nazis drin.


Sommerabende

Drei Halbsätze in zwei Wochen, ein paar Links, ein Gefühl einander zu verstehen. Ein Wiedersehen, Umarmen, Ausatmen. Stunden und endlose Sekunden. Über Räder, Menschen und Momente. Über Touren, Tracks und Technik. Über Liebe, Zweisamkeit und Vertrauen. 

Weil der Mangold weiter eskaliert und der Backofen eh zu tun hatte - Quiche. Während die Tomaten durstig saufen, der Salat sich reckt und die grüne Hölle weiter wuchert. 

Fuck, was sind diese Abende mit Mauerseglern, Byte.fm und ein paar leeren Flaschen wertvoll. Kurze Nacht voraus, tiefes Lieben innendrin.


16 Juli 2026

15 Juli 2026

I don’t believe in luck

So you can have mine

14 Juli 2026

🐦

Mittagspause. Die Bemmen in der Hand, eine Runde um den alten Hafen, ein bisschen aufs Wasser gucken, an der kleinen Werft vorbei, der ehemaligen Kneipe, den zerfallenden Kleingärten. Ein halbschattiges Plätzchen, die Beine baumeln an der Kaimauer. Kein Hunger, kein Appetit, zaghafte Bisse, Grübelei zwischen den kräuselnden Wellen.

In den Büschen flattern schimpfend Meisen und Spatzen. Ich störe hier. Das Brot krümelt in den Fingern, etwas landet ein paar Meter weiter. Sie sind neugierig, hüfen, abwartend, skeptisch. Es dauert ein wenig bis sie picken, hektisch aufflattern, wiederkehren.

Das Brot ist alle und ich weiß nicht, wer hier wen gefüttert hat. 🤍

schief

Weil hier ein paar Gedanken drin sind, die ganz gut passen zu dem was innerlich umtreibt.

Woher komme ich, wer bin ich, was hat mich geprägt? Warum bin ich hier, warum fühle ich mich dazwischen, was zieht in mir?

Ich kann Ost-Folklore nichts abgewinnen, ich kann tatsächlich auch nicht einstimmen in latentes Gejammere. Irgendwo zwischen dem was braunblau auf der Gefühlsebene instrumentalisiert und dem was tatsächlich dringend geändert werden muss. Die kurze Utopie von Freiheit haben vielleicht doch weniger Menschen in Erinnerung als man so meint. Wer damals zu jung war kannte die Realitäten davor noch nicht genug und wer zu alt war hatte zu schnell andere Sorgen. Zeit, zu träumen oder zu hoffen hatten irgendwie nur wenige.

Der Kapitalismus hat seine Ostkolonie bekommen und aufgefressen, isso. Da war ein Absatzmarkt, ein Anspruch auf Alteigentum und eine Gelegenheit andere runterzumachen um sich selbst als unfehlbares System zu definieren. Dass es die Leben von Millionen Menschen entwertet hat - Kollateralschaden halt. Und an dem ganzen Fallout hat bis heute niemand im Westen ernsthaft Interesse.

Ohne Schieflagen kein Faschismus, ohne Kapitalismus keine Schieflagen.

13 Juli 2026

💧

Das Grollen, der Wind, die Pause. 

Und dann die Tropfen. Sommerregenliebe. 


LOL OIL UAE

Mimimi: Pogacar calls for cycling calendar overhaul due to extreme heat


Wer sagt's ihnen?

kranke Logik

Weil Leute in einer Ü45-Gesellschaft "zu oft" krank sind erschweren wir das Erlangen einer Krankschreibung. Und weil offenbar "zu viel" Bedarf bei Therapieplätzen besteht, sparen wir uns dort die dringend nötigen Therapieangebote kaputt.


12 Juli 2026

mood


Mauerseglerhektik im Himmel, Downtempo in der Luft. <3

Draußendrinnen

Bisschen Garten-Gedöns, bisschen chillen, bisschen Zeug ausmisten, bisschen Papierkram, bisschen Essen für die Arbeit preppen, bisschen kompletten Tag Radio hören...

Bitte wegschauen!

Mal wieder aus Langeweile Theaterprogramme gestöbert. Meistens ärgere ich mich dann weil wieder mal irgendwas interessantes ausverkauft ist. Glück - zwei freie Plätze erste Reihe.

Keine Ahnung, keine Erwartung, keine Spoiler. Das meiste ist damals glücklicherweise an mir vorbei gegangen, ganz vermeiden ließ sich das aber leider nicht. Drei "Akte" - "TIMMY, DIE HOPE STIRBT ZULETZT". Ernst-Deutsch-Theater enttäuscht nie. Das Stück war ein auf den Punkt wilder Ritt durch diese cringe Mischung aus Projektion, Schwurbelei, Religiösitätigkeiten mit reichlich überspitztem Blick auf das ganze bekloppte Spiel um ein sterbendes Tier. Stellenweise harte Arbeit der DarstellerInnen, nicht loszulachen und auch ein bisschen Uraufführungsaufregung, hach.

Peta-Plakat in U-Bahn-Haltestelle "wenn ich groß bin, möchte ich kein Nugget werden"
Peta-Plakat in U-Bahn-Haltestelle "wenn ich groß bin, möchte ich kein Nugget werden"

Timmy am Kreuz
Timmy am Kreuz

Zweiter Akt, Podiumsdiskussion. Tierschutz, Empathie, Massentierhaltung, Vereinnahmung der "Rettung" durch Rechts, warum und wie wir wegschauen. Toll, dass Franca Parianen in der Runde dabei war und klar auseinander genommen hat, wie wir da funktionieren. Oder eben nicht. Die beiden Tierrechtler Anna Schubert und Hendrik Haßel, wie sie durch die Prozesse kämpfen weil sie gezeigt haben, wie Millionen Schweine mit CO2 getötet werden - einfach nur uff. Der dunkle Raum, die Sekunden Bewegtbilder, aber am heftigsten der Sound. Man möchte jeden Menschen, der meint, Tiere essen wäre okay, da durchschleifen. Ich war das lange in meinem Leben, und ich schaue auch immer noch weg. Kognitive (Rest-)Dissonanz.

Motto der Fleischindustrie
Motto der Fleischindustrie

Mord
Mord

Der letzte Akt - Tulpe. Klar, "Sprengt den Wal!" - beste Antwort auf all die Identifizierungen, Vereinnahmungen, Pseudohilfen und Auswüchse um ein sterbendes Tier. So in der Kombination mit Stück und Diskussion sicherlich nicht noch einmal zu erleben. Und abseits der viralgängigen Hits gab's noch ein paar Perlen wie "Enfant Sensible" und "Verglühn".

Tulpe -Sprengt den Wal!
Tulpe -Sprengt den Wal!

edit: NDR

(es gibt auf der 80km-längerer Heimweg-Runde diese eine Stelle, durchzogen von Wassergräben, Schilfränder, Wasservögel, halbtote Bäume, im Winter kalter Wind über das flache Land, dichte Nebelbänke im Herbst und eben ganz besonders grüne weiche Weidewiesen dazwischen. Vorgestern mit den Gedanken noch bei dem vom Rad gekippten Alki und den erst aufgefrischten Automatismen und der Blick bleibt an den Rindern auf der Weide hängen. Manchmal vergehen da nur Sekundenbruchteile und doch sind das Ewigkeiten, wenn sich die Blicke treffen. Die sind dort so in ihrem Element, chillen und weiden durch das Gras und alles nur um als Menschenfutter zu sterben. Ich weiß nicht so richtig, woher das kommt, dass ich immer öfter solche Gedankenfetzen während der Draußenkilometer bekomme, und ich weiß auch nicht so richtig wohin damit.)

08 Juli 2026

~~~

Es geht nicht darum, ob da Wellen sind oder wie hoch die sind. Es geht auch nicht darum, wohin man treibt. Irgendwas mit Ottern.

still floating
still floating

bubbles

Am Montag nach dem Ü40-Grad-Wochenende kam während der Mittagspause die ungebremste Frage eines Chefs "na wie war euer Wochenende, das war doch toll. Wir haben das Planschbecken in den Garten gestellt, und dann den ganzen Tag immer wieder da drin gelegen, die Kinder konnten mit den Wasserpistolen spielen und es war nie so kalt, dass man sich sorgen musste, dass sie sich verkühlen....".

Und dann sitzt man da und fragt sich ob das jetzt ein Film ist oder tatsächlich so passiert. Am Ende war die "gute Laune" im Arsch. Bei mir, weil ich austeilen musste, darüber, wieviel Promille der Bewohner in dieser Stadt diese Privilegien wohl hätten, wie die über 400 Millionen Liter Trinkwasserverbrauch in 24 Stunden in dieser Stadt wohl aussähen, wenn alle das so machen könnten. Dass wir aktuell nur die Effekte von vor x Jahren erleben und uns auf das Kommende nicht mal annähernd gut vorbereiten können, dass nebenan im Seniorenstift der Bestatter zugange war, das Übersterblichkeit durch Hitzewellen durchaus auch die eigenen Angehörigen oder eines selber treffen dürfte in Zukunft. Dass wir so wie wir hier sitzen, allesamt kaum etwas zu ertragen hatten im Vergleich zur großen Masse der Leute. Ich kann sowas nicht feiern.

Die gleiche Blindheit immer wieder. Ob es die vier Familienurlaube im Jahr sind, die allen ernstes geäußerte Verwunderung, warum die Leute eigentlich zu Ikea gehen statt sich nen schönen Schreibtisch vom Tischler zu holen, die Liste ist mittlerweile einfach ermüdend lang. 

Dass es aktuell die brutalstmöglichen "Reform"entwürfe in der Gesetzgebung gibt, Politik mittlerweile offen im kapitalistisch-faschistoid vorauseilenden Gehorsam agiert und so ziemlich sämtliche Errungenschaften einer lebenswerten Gesellschaft demontiert werden, scheint überhaupt nicht wahrgenommen zu werden. Glückwunsch, wenn Du es Dir leisten kannst, privat versichert zu sein und so nicht-sozial den Beitrag in der gesetzlichen nicht leistest. Filterblasendasein in Reinform. Und immer wieder Spielverderber weil ich da reingrätsche. Sorry fürs gute Laune zerkratzen.

Ich weiß keine Antwort darauf, wenn mir jemand schreibt, dass es trotz der jahrelangen Anstrengung, eine Dissertation fertigzustellen, um ein Leben in dieser Gesellschaft kämpfen zu müssen. Dass diese Leichtigkeit des Moments der Erleichterung, das geschafft zu haben, systemisch kaputtgemacht wird. Dass da diese Ungerechtigkeit wieder alles bestimmt, mit der Entscheidung zu ringen zu müssen, nicht mehr nach einem passenden oder erfüllendem Job suchen zu können, sondern irgendwann nach der Prämisse, "Hauptsache irgendein Job" suchen zu müssen. Viel mehr außer außer Mut, Kraft und eine Portion Glück zu wünschen, ein bisschen zuzuhören und Anteil nehmen bleibt irgendwie nicht. Laut bleiben und nich weggucken, allgemeines Weggucken stören und immer wieder Löcher in die Filterblasen pieksen, vor allem auch in meine.

Wenn diese Welt nicht schon an allen Enden so dermaßen brennen würde - man müsste gerade ne Menge einfach anzünden.

Auch weil wir ja nicht alle nach Kopenhagen ziehen können, seufz.

Kopenhagenliebe
Kopenhagenliebe

07 Juli 2026

Flugversuche

Funktionsbeschreibungsstunden. All die Abhängigkeiten, die Grenzwerte und Alarme, Freigaben und Schutzfunktionen, die Regelkreise und Schrittketten - nur damit eins tut, was es tun soll. Gespräche darüber, ein Aushandeln von Risiken und Sicherheiten, von Interaktion und Automatismen. So ein bisschen wie im Leben - jemandem eine Anleitung schreiben, wie eins funktioniert, damit jemand die eigene Sprache hernimmt und ein Programm dafür schreibt. Etwas für die Schublade, zum rausholen, wenn Jahre später etwas hakt, wenn sich niemand erinnert, warum etwas wichtig ist.

Dazwischen ein aus-dem-Fenster-grübeln, rüber zu den drei Jungmöwen. Seit Tagen das Gefiepse, dem Schrei der Mutter ähnlich, nur dünner und höher. Sie lockt, füttert, fliegt auf, kreist, ruft. Immer wieder etwas mitgebrachtes hochgewürgt, den Appetit signalisieren sie mit drei synchron auf und ab gereckten Köpfen. Der straffe Wind, ein paar ungelenke Versuche, ein paar Meter weit, knapp über dem Boden. Ein, zwei Tage noch, höchstens, dann sind sie weg. Übrig bleibt das Erwachsene-Möwen-Geschrei, das Gelächter. Und diese Momente wo eins selbst loslachen muss, weil das so ansteckend ist.

Sommerregen, zum Einpacken bitte. Warm, nass, windig - durchweichtes Lächeln. Unerwartet frühe Abholung als letzter Termin des Tages auf dem Amt, spontan mittags gebucht. Wie gut Dinge doch funktionieren können. Die meisten waren wohl schon im Feierabend, ein paar stempelten sich aus während der Wartezeit. Die letzten drei Angestelltinnen trugen zu zwei Drittel Kopftuch. Wie gut Dinge doch funktionieren können. 

ungültiger und neuer Reisepass
ungültiger und neuer Reisepass 

Irgendwie gibt's jetzt keine Ausreden mehr, nur noch Strecke basteln und Versicherung klären. 

05 Juli 2026

diffuskonkret

Langweilende Wochenstunden, Wochenend-Nichtstun, routiniertes Kram-Erledigen. Lange Gespräche mit ähnlichen Gedanken - wozu das alles?

Dinge von der schlechtes-Wetter-Liste abarbeiten, neue Dinge dazuschreiben. Mit gebremstem Elan die Lamello einrichten, ein paar Verbindungen mit Restholz üben.

Lamellofräse
Lamellofräse

Den wahrscheinlich letzten Rhabarber des Jahres verbacken und das Rezept endlich auf die richtige Balance aus Säure, Sysse, Quark und Frucht abgeändert.

Rhabarber-Quarkkuchen
Rhabarber-Quarkkuchen

Zwei Dutzend Accounts irgendwelcher online-Shops gelöscht, zwei weitere Dutzend auf die neuen Mails aktualisiert, Postfächer aufgeräumt und umgezogen.

Strassenfest mit Regen und Wind, linker lokaler Deutschrap, später herdenweise umherirrende  Helene-Fischer-Ultras und Fremdscham-Kostümierte.

Nachts dem Igel bei der Würmersuche am Kompost zuhören, gespeicherte Zugverbindungen buchen. 

Kino-Zeitreise zurück in die Zivi-Zeit. Kelly Slater, Jack Johnson, Ben Harper. Die Musik, die Wellen, die Filme, die Boards und wie ich Jahre später staunend vor deren Original Formen bei Cobra Int. stand. 

SURFILMUSIC
SURFILMUSIC

Unangenehme Aufgeräumtheiten, die sauber gestapelte Wäsche, keine Spüle ein- oder auszuräumen, nix zu putzen, nix zu reparieren, Essen für die Arbeitswoche fertig. Das fühlt sich alles so endlos langweilig an (wann werd' ich endlich von K.I. ersetzt?). Eine diffuskonkrete Traurigkeit.

Ach, Sommermelancholie, wann Du wohl wieder abhaust?

03 Juli 2026

nicht die lauten Momente

Die ganze Rumtreiberei, das ganze Entdecken fremder Orte, das rastlose Reisen - und am Ende bleiben unspektakuläre, fast zerbrechlich zarte Momente. Es sind nie die großen Ziele auf der Landkarte, die man da vorher hinlegt auf die Strecke. Es ist nicht der bestimmte Punkt, dieser besondere Berg, diese eine Stadt, oder jene tolle Sehenswürdigkeit - wo das Fühl dran kleben bleibt.

Der sonnenglitzernde See im Wald, die Libellen am Ufer auf den Zweigen im Wasser. Das Rauschen der Blätter des Küstenwindes. Die Wärme der Sonne im Holz des Steges im Rücken. Der Geruch des klaren Wassers und das leise Plätschern. Die zufriedene Ruhe, die uns dort überkam und sanft festhielt. Wenn ich die Augen schließe liegen wir wieder dort.

Seeufer mit Libellen
Seeufer mit Libellen

Es ist egal wo. Es ist egal wann. Diese leisen Momente, die einfach so passieren, die sich einfach so dazulegen und mitkommen. So entstehen sie wohl - all die Stunden, die man nicht vergisst. Von denen man keinem erzählen kann, weil niemand so fühlt wie es in diesem Moment da war. Geteilte Zeit - das wertvollste in der inneren Schatztruhe.

those nights

Lange Abende. Wetter, das irgendwann lange Shirts verlangt. Lange Gespräche, die irgendwann lange Pausen verlangen. 

Mangold
Mangold

Mangold, getrocknete Tomaten, Parmesanschlonze
Mangold, getrocknete Tomaten, Parmesanschlonze

Quiche im Ofen
Quiche im Ofen 

01 Juli 2026

Wie Erinnerungen schmecken

Diese Jahreszeit in der die Natur sich selbst überholt und sich jeden Tag bunt in die Küche wirft. Ich weiß noch, dass ich mal drei Eimer Johannisbeeren gepflückt habe und man es den Sträuchern überhaupt nicht angesehen hat. Es dann aber gefühlt jede Woche ein Glas Gelee zu leeren galt - monatelang. Tomatenjahre, an denen die Decke in der Küche vom Ketchupkochen rote Flecken bekam, oder es monatelang Kartoffeln in jeder Variante gab. Gurken und Zucchini, die dann doch nur auf dem Kompost landeten weil es schlicht zu viel war, was da reifte. 

Und dann sind da noch die kleinen Erinnerungen, so wie an die Schale mit der kleingewiegten Kresse, mit Butter und hart gekochtem Ei, ein bisschen Salz, Pfeffer und Muskat. 

Gartenkresse, Wiegeeisen, Butter, Ei
Gartenkresse, Wiegeeisen, Butter, Ei

Brotaufstrich
Brotaufstrich





████, ████, ████?

Durchatmen, Kochen, über Grünzeug freuen, Ideen zu Plänen zu Unternehmungen machen, Musik fühlen, Kunst erleben, Natur genießen, Momente einfangen, draußen & drinnen, hier & woanders, Hörspiele lauschen, Alltagszeug machen, große Baustellen kleiner werden lassen, Spiele spielen, in Comedy gehen, Kautsch liegen, Kautsch reparieren, eigene Fehler beschmunzeln, Hilfe sein, Inspiration zaubern, Pokern, Läden stöbern, Cafe sitzen, Zeltplätze erobern, Essen gehen, Welt bestaunen, Leuten zugucken, um den Block spazieren und in Zügen wohin fahren. Engtanzen & feiern, Fragen stellen, Sorgen tragen, Mut geben, Augenrollen & Wertschätzen, Pickel wegmachen, Angst aus Vergangenheit gegen Lust auf Zukunft tauschen, Kranksein ertragen, alt werden. Lachen & Heulen, Fluchen & Freuen. Verschusseln, Finden, Frieren, Schwitzen. Glut gucken, Anfeuern, unter der Decke stecken, ungestohlene Pferde füttern. BahnBonusPunke verprassen, Wanderschuhe benutzen, Badesachen einpacken, Fahrradketten ölen, gute Sommer und gute Jahreszeiten. Einander leicht sein, einander Lieblingsmensch sein.

(singt Lieder)

30 Juni 2026

irgendwie

... ist das vielleicht so. Mit Konzerten wie mit dem Leben. Man guckt zurück und dann gab's da diese Stelle, diesen besonderen Moment, auch wenn man das damals noch nicht wusste. 

17 Jahre & 10 Tage

Social Distortion Juni 2009
Social Distortion Juni 2009


Social Distortion Juni 2026
Social Distortion Juni 2026

(PS: Danke alter Taucher, dass Du mir die damals gezeigt hast. Beim nächsten Mal klingel ich, wenn ich bei Dir in der Ecke bin, versprochen.)

28 Juni 2026

Bücher...

...die so schön sind, dass man gar nicht genau weiß, woher auf einmal Tränen kommen... 

an oder mit

Klassiker bei den Schwurblern ist ja immer "ist ja gar nicht klar ob der Mensch an oder mit Corona gestorben ist". So eins zu eins auf die Klimawandelleugnerei übertragbar. Gestern Nachmittag bei über 41 Grad auf dem Garmin im Fahrtwind quer durch die Stadt und ein bisschen bei Freunden im Garten abgehangen. Leere Stadt, leere Straßen, heruntergelassene Rollläden. Auf den paar Kilometern immerhin zwei RTWs auf dem Hinweg, einer auf dem Rückweg unterwegs.

Beim Runterladen der Unterlagen aus dem Erste-Hilfe-Kurs vom Freitag fällt nochmal auf, dass sich die Gewichtung zum letzten Mal arg verändert hat. Es ging ausführlicher um Hitzeschlag, Sonnenstich, Kreislaufprobleme als vor zweieinhalb Jahren. Irgendwie gut aber auch ernüchternd, wenn die Rettungsdienste da so über die Aktualisierung der Kurse auf die Fallzahlen reagieren. Letzte Nacht halb eins nebenan beim Seniorenstift wieder mal ein RTW und ein Notarzt, Anfahrt mit Blaulicht, Rückfahrt ohne. Der Wagen vom Bestatter fiel danach kaum auf. 

Aber is ja unklar, ob der Mensch an oder mit Klimawandel gestorben ist.

27 Juni 2026

denn wir sind noch nicht gestorben

Jetzt gerade bin ich froh, dass der 600er letzten Samstag zu fahren war 🥵. Ein bisschen Wunsch, ein bisschen Vorsatz, ein bisschen Ziel - nächstes Jahr in Paris zu sein und PBP mitzufahren. Irgendwann hab ich mal rumgealbert, dass ich das alles dann machen kann, wenn ich alt bin. Ich hadere mit dem ringsrum immer noch. Das geht vielleicht auch nie ganz weg. Vorgegebene Strecken, noch dazu Startort gleich Zielort - seufz. Aber PBP is halt nur alle vier Jahre und von der schönen Bretagne hab ich '22 ja nur ein Stückchen gesehen. Für eine frühere Anmeldung zählt das Jahr vorher und irgendwann im Januar is mir ein "dann halt machen" rausgerutscht. Die 200 im März waren richtig nass, mit Hagel bis knapp über ein Grad. Acht Stunden sind an sich ja nicht wild, aber wenn man es sich hätte aussuchen können, wäre an dem Tag drinnen bleiben tausend mal besser gewesen. Die 300 im April und 400 im Mai haben dann mit knapp über und unter 30er Schnitt dolle Spaß gemacht - wie das bei eigenen Wohlfühldistanzen irgendwann so ist.

Die 600 sollten ein bisschen anders werden. Längster Tag, aber in tropisch. Frisch durchgezogenes Gewitter und ordentlich nasse Straßen am Morgen. Luftfeuchtigkeit so, dass den ganzen Tag diese Emulsion aus Schweiß und Sonnencreme auf den Unterarmen glänzt. Früher sahen Autoscheinwerfer und Lokomotiven vorne so aus - eine Schicht festgeklebter Insekten. Vielleicht kreischen sie ja die ganze Zeit deswegen so begeistert rum, die Schwalben und Mauersegler in der Altmark. Wieder einmal verliebt in diesen heimlichen signature-sound der immer gleich aussehenden Dörfer zwischen Potsdam Seenplatte und Göhrde.

Das leise Ziel, unter 24 Stunden zu bleiben rutschte auf der ersten Hälfte zwischen 37 Grad heißem Gegenwind und zu vielen Wassernachfüllstopps in den Straßengraben. Von meinem Startblock war nach 20km niemand mehr dabei, in Tangermünde tauchte dafür eine schnelle Gruppe der letzten Starter auf, die waren also knappe 10min von hinten aufgefahren. Bei Gegenwind machen Gruppen schon gut Fahrt und der Windsack auf dem Wasserstraßenkreuz hing waagerecht in der Luft. Am längsten Tankenstopp in Magdeburg der mühsame Versuch, wenigstens noch ein Bounty-Eis runterzubekommen. Der Magen wollte mittlerweile nix festes mehr. Lange Kilometer bei Hitze, also vorsorglich Elektrolytkapseln und Kochsalzpillen gegen Magen- und sonstige Krämpfe eingesteckt. Wenn man jahrelang aufmerksam in den Körper horcht und sich dann bisschen kennt, findet man mit der Zeit das richtige "Rezept" für sich. Vor dem Start den Magen mit gekochten Haferflocken vollhauen, kein Kaffee, gut hydriert losrollen. Auf den ersten 200 alles futtern, was nicht süß ist und drinnen bleibt, Eier- und Käsebrötchen und diese Kartoffelteilchen vom türkischen Bäcker. Und wenn nix mehr runtergeht dann halt nur noch Elektrolyte, Salz und Süßes. Ich liebe Tanken, an denen es Pretzelbites und nicht diese ekligen Nic-Nacs gibt. Am Ende waren es elfeinhalb Liter Flüssigkeit und sechs Calippos. Die schnelle Truppe hatte mich in Magdeburg wieder und wie schon zuvor ihre Flaschen mit Tankstelleneis gefüllt. Ich weiß nich, für mich funktioniert das nicht. Der Körper hat schon genug zu tun, dann noch Schweres verarbeiten oder Eiskaltes im Magen aufwärmen - das haut mir den Kreislauf zu sehr durcheinander. Zwei Calippos im Nacken unters Trikot gesteckt, kühlt den Kreislauf an der wichtigsten Stelle. Man muss halt nur aufpassen, die Dinger dann leer zu saugen bevor das nur noch warme Plörre is.

Halbzeit Wasserstraßenkreuz
Halbzeit Wasserstraßenkreuz

Von der Elbe aus dann westwärts ins Hügelige Richtung Königslutter und vorsichtiges Kopfrechnen, welcher Schnitt und wie viel Pause vielleicht doch reichen würde für die 24 Stunden. 

Vielleicht ist das der beste Deal mit meinem Körper - ich behandle ihn gut und der lässt mich solchen Quatsch machen. Geben und nehmen. Wenn das im Winter mal über 80 Kilo sind, dann ist das eben so, tut ihm gut. Wenn er im Sommer keine Lust hat, die über die Hügel zu schleppen, lässt er sie halt los und zieht aus den 74 Kilo über nen Tag immer noch brauchbare 14.000 Kalorien ohne zu streiken. Zieht es im Rücken nach 300km, war ich etwas zu faul Rumpfstabi zu machen und dann wird halt wieder mehr mobilisiert und gedehnt oder häufiger geklettert. "it's an eating challenge with cyling in between" - und der Deal ist halt auch, zwar den letzten Müll in Energie umzuwandeln, aber eben maximal während so nem Ding. Ansonsten ist das wie mit allem auch, nur was ich Gutes in den Körper rein tue kann auch als Gutes zurückkommen.

fast food - wraps
fast food - wraps

Quarkkuchen mit Rhabarber
Quarkkuchen mit Rhabarber

Quarkkuchen mit Rhabarber
Quarkkuchen mit Rhabarber

Sommer ist Bowl-Saison
Sommer ist Bowl-Saison

Frühstück @ work
Frühstück @ work

Reis & grüner Spargel
Reis & grüner Spargel

Buchweizen mit Ofengemüse & Feta
Buchweizen mit Ofengemüse & Feta

wofür unter der Woche keine Zeit ist
wofür unter der Woche keine Zeit ist

Ich hab Sport echt nie gemocht. Der ganze Nervkram der seit Anfang an da dran klebt, ob in der Schule, Fitness des Aussehens wegen, Leistung als Währung, piapapo... hat ja alles irgendwie nix mit Wohlfühlen, Genießen und Spaßhaben zu tun. Ich kann dem immer noch nich viel abgewinnen. Wenn man weiß, dass sowas von einem auf den anderen Moment vorbei sein kann, wird man dankbar. Einfach dafür, dass der Körper da ist, heile ist und funktioniert. Dieses Gefühl trägt. Ganz besonders all die Tage an denen man einfach normal unterwegs ist oder pendelt - mal zäh, mal müde, mal genervt vom Alltag. Das ist halt alles nicht instagramable - Routinen und Konstanz klicken eben schlecht. Jeden Tag ne Hype-Maschine füttern kann nur enttäuschen. Die tausenden unspektakulären Stunden sind ja nicht weniger wert, aber so eben schnell entwertet. "Enjoy it." - ist immer noch die treffendste Mitgabe die mir jemand vor vielen Jahen schenkte. Und er hat damit so recht. Dann klappt das auch, sich ein Ziel zu setzen und das dann auch hinzubekommen. Und was beim Radfahren funktioniert ist so auch insgesamt übertragbar, Ziele, Zweifel, Pläne machen/ändern/anpassen, mit Energie haushalten, Regenerieren, weniger gute Tage erleben und bessere erkennen, nicht ablenken mit Dingen auf die man keinen Einfluss hat, die Dinge angehen, die man ändern kann, Verausgaben und Erholen, Vertrauen und Freuen.

Sonnenuntergang auf dem BRM600
Sonnenuntergang auf dem BRM600

Diese Momente im nirgendwo, auf einem noch nicht befahrenen Stück Straße und dann macht der Himmel kitschige Sonnendinge - hachz. Durch die Wälder und Hügel ging es fast ungestört, dank einiger Baustellen und der Fußballspiele. Die Tanke in Wolfsburg war wegen Besitzerwechsel dann doch nicht mehr 24h offen. Völlig verwundert als zwei bekannte Gesichter aus dem ersten Startblock auftauchten, kurzes Schnacken und Realisieren dass es doch ganz gut rollt und vielleicht nur noch zwei weitere Fahrer vorne unterwegs sind. Das war egal, wenn ich die 20min zu den beiden rausgeholt hab ist das nich so übel, beim 300er hab ich ne Weile zugeguckt wie die gut harmoniert haben. Lieber in Ruhe Wasser beim Pizzaladen aufgefüllt und eine kleine Cola geleert, die beiden zogen von dannen. Nachts ist Gruppe fahren nicht wirklich ein Vorteil und die schnellen waren mittlerweile auch grob anderthalb Stunden zurück. 140km und vier Igel, ein Fuchs, etliche Rehe, Käuzchen, WM-Besoffene und eine laue Brise von vorn später am letzten Kontrollpunkt die beiden dann wieder eingesammelt. Man hat ja reichlich Zeit zum Kopfrechnen unterwegs. Wenn die unter 24h bleiben wollten - hui, den Stress würde ich mir ja nicht geben wollen - es wurde dann eine Minute drüber für die beiden 😩. Mit dem sich langsam ins kurze Dunkel schiebenden Morgen und der Sonne kommt immer etwas Speed zurück. Auch wenn das zum großen Teil im Kopf passiert ist - 604km in 23:56, danke lieber Körper 💙 - das hat wieder unheimlich viel Spaß gemacht. Vor knapp fünf Jahren waren auf den ersten 24h noch 40km mehr drin, aber das war ja auch irgendwie Rennmodus bei deutlich angenehmere Temperaturen.

Sonne wieder kräftig, Süderelbe
Sonne wieder kräftig, Süderelbe

24 Stunden später
24 Stunden später

Peak Sonne auf der Terrasse und ich schüttle gerade ein bisschen den Kopf über mich, nicht schon vor Jahren einen Sonnenschirm besorgt zu haben. Klar kauf ich nicht einfach einen x-beliebigen Schirm, sondern es muss ein Ampelschirm sein, bisschen Regen abkönnen, gute Rezensionen haben und kein grau/beige/toteFarbe. Also Gestell und Stoff (petrol! 🥰) getrennt gekauft. Beim recherchieren festgestellt, einzeln so nur 80€+25€ statt 250€. Manchmal ist der Sparfux in mir echt nervig. 🙄 Die vier 50er Betonplatten waren bei einem Freund gerade über und wären fast im Bauschutt-Container gelandet. Es gibt nix, was es nich mit Solar & LEDs gibt - Sonnenschirmbeleuchtung rulez!

"Sternbild"
"Sternbild"

Der Tisch mit Seitenteilen und vier Gartenstühlen von der Vormieterin waren eigentlich immer schon zu viel für hier, zu sperrig einfach. Die Vorstellung, schön schattig unter dem Schirm zu liegen und den Vögeln beim Snacken oder Baden zuzugucken hat dann in Sekunden die Idee gezündet - einfach aus zwei Stühlen und den beiden Seitenteilen eine Gartenliege mit stufenlos verstellbarem Kopfteil bauen. Ich kann Freundys verstehen, die im Sommer auch fast nur draußen im Garten abhängen. Passend zum lausigen Wetter die beiden Auflage-Sets so an der Nähmaschine umgearbeitet, dass jetzt alle Lehnen und Sitz-/Liegeflächen chillig bequem sind. Es ist jetzt schon ein paarmal passiert, dass wenn die Stadt zur Ruhe kommt, Kindergeschrei und Stimmengewirr verstummt sind, ich hier einfach einpenne. Nichts tun und liegen, mit den Füßen in einer der wassergefüllten Curver-Boxen in denen früher Platten waren.
 
All das wird ziemlich wahrscheinlich der kühlste Sommer des restlichen Lebens gewesen sein. Und vielleicht lauert in allem ein "wer weiß, ob man das nochmal so machen kann in Zukunft?"-Ding. Vor zwei Wochen noch mit lausig nassem Schietwetter, aber zumindest ohne Unwetterwarnung wie bei Erobique (mit Laing als Background einfach zauberhaft) bei The Streets ein bisschen Wärme vermisst. Eine Platte, im Bühnenbild des Covers, streckenweise zaghaft und so irgendwie fast unerwartet als Zwiegespräch erzählt. Album-Listening-Session in live & draußen. Die zweite Hälfte wurde endlich lebhafter und bei aufgerissenem Himmel ein paar Ausflüge durchs Publikum - verdammter Mike Skinner einfach großartig. Peak Spaß mit Bierbecher Tennis zwischen linker und rechter Hälfte Stadtpark-Publikum und fast am Merch vorbeigemogelt.

The Streets - beer cup tennis
The Streets - beer cup tennis

Dagegen gestern im Docks fast zerflossen, volle Hütte, Audio88 & Yassin. Ich bin mir unsicher, ob Sauna-Konzerte sich durchsetzen werden. Aber die waren schon seit Jahren auf der Liste und es war leider so geil wie befürchtet. Die neuen Sachen eh klar, aber neben "WUP" war "Besser als morgen" für mich das klare Highlight. Marlo Grosshardt, gefühlte fünfzig Grad und der ganze Laden singt mit - Endzeit-Gänsehaut-Song.

Audio88 & Yassin
Audio88 & Yassin

Weil wir ja so verdammt gut darin sind, Technologieoffenheit als Staatsreligion einzuführen, die Arschkrampen genug Kohle scheffeln für ihre Privatarmeen und Bunker und wir auch sonst nicht viel für unser Überleben als Spezies richtig machen, werden die wenigen (scheinbar) friedlichen Momente immer wertvoller, der Eskapismus im Kleinen immer größer. Fatalistisch gesehen brauchen wir auch gar nicht mehr alles anzünden, der ganze Bums verbrennt eh noch früh genug. Eben noch drüber gescherzt, man müsse sich langsam beeilen, die Ecken noch zu sehen die man noch nicht kennt, bevor die auch im Arsch sind, schwupps - Realität. Wie es wohl sein wird, wenn die Faschisten dort regieren, wo die Mauersegler und Schwalben durch die Dörfer kreischen? Wie viel offener wird der Nazinachbar Nazi sein? Ein guter Sommer wird es gewesen sein, wenn im Winter noch genug in einem davon lebendig ist. Und wenn man im Winter noch ein paar Schneeflocken für heute beiseite gelegt hat.

Und vielleicht ist ja auch gar nicht alles so scheisse, wenn man sich mittlerweile spontan online-einen-Termin-aufm-Amt-für-hoffentlich-rechtzeitig-nen-neuen-Reisepass klicken kann. Dieses ständige "sich über alles aufregen weil nix mehr funktioniert" ist zu oft leider auch nur Empör-Resterampe im Kopf. Ich mag ja Dinge laufen lassen, Ideen die sich zufällig so ergeben und dann klappen. Zumindest vertraue ich da einfach mal drauf.

War auch ein bisschen mit den Xero Z-Trail so. Es gibt getragene Klischees und kaum eins ist stärker als ne Outdoorsandale 🙈. Ich hatte Ewigkeiten welche, runtergerockt, zwar griffige Sohle aber eben auch schwer. Erfolglos zig Modelle in verschiedenen Läden ausprobiert, zu klobig, zu bunt, zu massiv, zu modisch. Jetzt dann mit unter 290g sind die genau richtig um sie außen an die Seiten der Arschrakete zu tüdeln. Nach zwei Monaten Nutzung - beim normalen Laufen einfach mega angenehm für die Füße und mit dem Profil und der Dämpfung auch für mittlere Wanderung absolut gut geeignet. Alternativsport bis dahin - Liegen und Lesen. Is wie Radfahren - nicht zu verlernen, nur das zwischendrin Einschlafen is weniger schlimm. Tolle Schriftstellerin, tolle Mutter, tolles Interview.

Urlaubspostkarten, ganz besonders die unerwarteten, sind manchmal gerade auch wegen der wenigen Worte so viel mehr 😏. So wie Gedichte oder Lieder manchmal [<3]. 

was Dota sagt
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