2026/01/30

Archive - City Walls

Boah. Archive bringen ein neues Album raus. Weil das Doppelkonzert letztes Jahr so toll war liegt hier schon seit längerem ein Ticket für April rum. Genug Zeit, sich das Album bis dahin tief reinzuhören. Das erste Stück passt gerade so richtig auf wie alles ist. Und tatsächlich ein teilkünstliches Video, dass nicht unstimmig kommt. Ich vorfreue mich gerade derbe in Dauerschleife.


2026/01/29

enough

Es gibt ja wirklich viel Eso-Schwachsinn in dieser Welt. Und echt viel Kommerz-Klimbim um Zen etc.. Aber was mich seit Jahren immer wieder hooked ist der Weg, sich so in Klarheit auszudrücken wie Shi Heng Yi. Manchmal spült die Zeit die richtigen Gespräche durch die Ohren.

2026/01/26

Sprechgedingse

"Friedrich Merz komm Einzelkampf." Mehr muss man über zu der ganzen shice grad nich sagen.

2026/01/25

Farbbetrunken

Wieder so ein Moment, wo ich kurz innehalte und an mir zweifle. Ist es das, was ich will? Sonntagmorgen halb sechs Wecker, Zähneputzen, Thermoskanne, Buch, Brötchen, Rucksack, ab zum Zug. Draußen frisches Weiß und Dunkelheit, leerer ICE, leeres Hannover. Der Gully am Bahnhof spielt Autotune-Pop und im Café bereiten sie sich für Stunden mit brunchenden Massen vor. Neben dem zugefrorenen See gehen die Türen auf, hinein ins Bunt.

Das war es alles sowas von wert. Es kann nie bunt genug sein. Selbst das, was Kunst aus menschlichen und historischen Abgründen holt wird damit schön. Ich freue mich aufs nächste Mal, irgendwann, irgendwo, ob Kopenhagen oder Hannover.


















 

Verpasst

Es gibt Konzerte, bei denen man erst sehr viel später feststellt, dass man etwas ganz besonderes verpasst hat. Da sind die, bei denen man war, die etwas besonderes bleiben werden - die Pumpkins auf dem Spielbudenplatz, ATR auf dem ersten Mai, RATM in der Zitadelle, Eternal Afflict in Glauchau, M83 im Lido, Röyksopp als Vorband bei Moby... und eigentlich doch ganz schön viele besondere, die hier noch stehen müssten. Und dann sind da die verpassten.

Vor Weihnachten in der Mediathek drauf hängen geblieben und zack, bei Freunden, die genau bei dem Konzert im miesesten Wetter dabei waren. Und da ist dann dieses Leuchten in den Augen beim Erzählen - das, was von ganz besonderen Konzerten kommt. Und das Plakat, neben ein paar anderen, ganz besonderen. 



2026/01/23

Augenroll

Irgendwie typisch. Das Rad für die Alltagssdinge wird in ein paar Monaten Teeny. Jeden Winter bekommt es Winterreifen rauf. Die Contis haben jetzt also schon neun Winter erlebt. Schon letztes Jahr war ich nach drei durchgedrückten scharfkantigen Streusplit-Steinchen kurz davor die endlich zu ersetzen. Aber wie so oft - ooch, die sind noch gut, den Winter schaffen die noch. Dabei hatten sie schon zwei tyre patches innen und das Kastenprofil fuhr sich langsam auch eher semi.


Diese Woche war es dann endlich soweit, erster Platten '26. Ich will nicht knurren, das war mit Ansage, Schlauchwechselroutine geht bei Kälte noch mal schneller - niemand möchte unnötig lange draußen rumfrieren.

Dann endlich die Einsicht, endlich die vor drei Jahren gekauften Ersatzschlappen aus dem Fundus im Keller zu holen und aufzuziehen. Irre, wie schön so Reifen mit Profil aussehen und sich fahren. Manchmal roll ich mit den Augen über mich beim Rollen. In zehn Jahren dann wahrscheinlich wieder der gleiche orrr-Moment.



2026/01/22

Fairnwärme

Seit vier Jahren Machbarkeitsstudien, Variantenrechnungen, Abstimmungsrunden mit Versorgungsunternehmen und Anlagenbetreibern mit leicht hebbaren Abwärmepotentialen aus Industrieprozessen. Eine Stadt etwa halb so groß wie Hamburg. Diese großen Kommunen müssen bis in ein paar Monaten ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen haben. Seit einem Jahr Stillschweigen aus der aktuellen Regierung was die Novellierung einer Fernwärmeverordnung angeht. Der beste Entwurf bis jetzt - aus Habecks Kreis. Die Folge - nix bewegt sich, und wenn dann kommen nur halbgare Vorschläge zusammen. Eigenverantwortung & klein-klein my ass. Vor drei Jahren habe ich jemanden bei einem Versorger während eines Projektes in die Rente gehen sehen. Sein Planungshorizont bei den Anlagen die wir da zusammen gemacht haben war jenseits der 60 Jahre. Traut sich irgendwie niemand mehr. Aber alle sind jetzt schon froh über die Reserven die wir da eingeplant haben.

Fernwärme ist in diesem Land ungerecht und intransparent organisiert. Vor zwei Jahren bei den AGFW-Fachtagen war das Lachen den Netzbetreibern kein bisschen peinlich, als die Diskussion dahin ging, das Ganze gerechter zu gestalten.

Es liegt nicht an der Technik. Es liegt nicht am Geld. Es liegt nicht an den Abwärmepotentialen. Es liegt an der Politik und an denen die daran ordentlich verdienen. Vielleicht würde es helfen, wenn die Leute wüssten, was eine MWh inkl. Betrieb und Abschreibung tatsächlich kostet und was dann auf der Abrechnung steht. 

Dabei muss man nur ein Land weiter nördlich angucken wie es fair geht. Seufz.



2026/01/21

off the beaten tracks

Wieder eine dieser Stunden im Sessel, einer dieser Streifzüge durch Abgründe, die harten und die weichen Seiten an die Hand nehmen. Mitgenommenes sortieren, für jetzt, für später. Für mich, wie für nicht-mich.

Welche Wunden reißen meine roten Fahnen? Welche Unsicherheiten kann ich Dir bieten? Was verdränge ich am stärksten? Kann ich den Schmerz halten, darüber was mir angetan wurde, ohne ihn an Dich weiterzugeben?

All das könnte ich sein lassen, all das könnte ich mir sparen, all das könnte ich belächeln. Und würde halt an der gleichen Weggabelung ankommen.

Man kann eine Simulationsrechnung immer wieder durchspielen - wenn das Näherungsverfahren nicht geeignet ist, konvergiert da nichts.

[so ein Tag frisst mehr Kraft als 400km bei 2 Grad und Regen] 

[ˈʊnɡədʊlt]

Mit mir. Mit nicht-mir. Mit wie es ist. Mit wie es sein soll.

Wann hört das endlich auf? Wann fängt das endlich an? Der Zeit bin ich egal.

Irgendwo...

...muss sie ja hin, die Energie. Die kleinen guten Dinge, das schöne Wetter aus Richtung Ost, paar Seiten lesen abends. Die Eichhörnchen kommen wieder öfter vorbei.

"für" die freien Radikale

Kartoffelklöße
Rotkraut mit Wellant
Kräutersaitlinge in Pfefferbutter
karamellisierte Schalotte
(parallel die Lasagne für auf Arbeit im Ofen)

Buntes gegen Doofes

der Wind zuppelt aus Richtung Osten 


2026/01/20

Hohe Wellen

Es fühlt sich alles so roh an. Da ist keine Schutzschicht mehr übrig, kein Zaun, keine Mauer. Dieses zerfetzte Herz so durch den Tag zu tragen - ein ständiges Navigieren, Ausweichen, behutsam sein. Innen wackelig, vulnerabel. Zerrissen und andere Worte, auf *issen endend. Versuche, diese Wellen nicht über mir zusammenschlagen zu lassen, nicht unterzugehen. Nicht gegen den Wind, mit den Wogen. Hoffen. Darauf, eines Tages ans ruhige Ufer gespült zu werden. Warmer Sand und ein bisschen Sonne dann, bitte. Und behutsames Auftreten zwischen dem scharfkantigen Muschelbruch, ein Festhalten um nicht abzurutschen auf den glatten Steinen.



Licht hören

Es ist zu laut gewesen hier, zu viel Lärm über dem Himmel. Polarlichter haben einen Sound. Manche beschreiben es als eine Art Rauschen, manche sagen, sie würden dröhnen. Ich habe es damals als ein Knistern mit einer darunterliegenden sehr tiefen gleichmäßigen Frequenz wahrgenommen. Vor Müdigkeit drei Stunden im Tiefschlaf unterwegs, das übliche zerrissene Aufwachen mittendrin. Diesmal im richtigen Moment, Klamotten an, Mütze auf, raus. Staunen und diese instant Sehnsucht - ich wäre wirklich gern in Lappland gewesen über den Jahreswechsel.


Zurückkriechen unter die Decke, atmen, Schlaf suchen, nicht die Abbiegungen ins Grübeln nehmen, den Olm festhalten. Ich hab keine Ahnung woher das kam, aber da waren kleine Frösche auf einer Wiese, daumennagelgroß, schwarz mit orangenem Muster. Sie waren schnell und wollten sich nicht anschauen lassen. Nach drei, vier Sprüngen flatterten sie als kleine blassblaue Schmetterlinge durch die sonnige Luft. Es waren viele. Ich habe Träumen wirklich sehr vermisst.

2026/01/19

Eigentlich...

....müsste es mir gut gehen. Das ganze Außenleben meint es gut mit mir. Das mit Zeit gegen Geld eintauschen, auch wenn ich nicht weiß wofür. Das mit dem dabei auch Freude und Sinn zu haben. Das mit dem Auszeit davon nehmen, auch wenn es noch keine Pläne für die vier Wochen im Sommer gibt. Das mit dem dann immer noch ein Dutzend freie Tage im Jahr unterbringen zu können. Das mit den 18 Konzerten, die da in den Kalender gekrümelt sind und manche davon laut seufzen. Das mit groben Ideen für lange Kilometer, auch wenn mir lieber wäre der Tracker hätte einen Sinn. All das im außen wartet fragend ab. Ob es so überhaupt gut sein kann. Ob es aufwiegen kann was für innen fehlt. 

Mal wieder in Geborgenheit einschlafen. 💤

#wasfehlt 

[ich weiß es doch auch nicht]



Shocking Blue - Daemon Lover


Drei Stunden Dauerschleife, Kopf an die Fensterscheibe gelehnt, Sonnenaufgang, die vorbeifließenden Bilder haben das richtige Tempo.

In der Blase

Das schöne an Blasen ist, dass man sie nicht wahrnimmt. Das schlimme an Blasen ist, dass man Sie nicht wahrnimmt.

Dieses Leben zieht an den Menschen. Stabilitäten die gestern noch galten verschwinden über Nacht. Diese Geschwindigkeit mit der sich Kapitalismus bis zu den Knochen durchnagt. Gefühlt bin ich von all dem weit weg, so sehr abgenabelt, dass ich mich schäme.

Von anderer Menschen Lebensrealitäten zu hören, zu lesen - habe ich selten mit Absicht getan. Meine Blase tut das kaum, ich tu das kaum. Ich erkenne nicht einmal genau, wo meine Privilegien anfangen. Ab einem gewissen Punkt schauen Menschen nicht nach dem was andere nicht haben, man selbst es gut hat. Der Blick geht zum mehr. Ist das die Gier, das neoliberale Versprechen, das einem alles zustünde? Oder die Verdrängung, sich nicht mit der Situation anderer Menschen befassen zu müssen? Ist es, weil die Scham über die eigene Situation im Kontrast zur damit verbundenen Ungerechtigkeit nicht ausgehalten werden kann?

Ich habe keine Ahnung, wieviel Glück ich gehabt habe, an bestimmten Punkten in meinem Leben. Was davon ist gerecht? Spielt das überhaupt eine Rolle? Lenkt das nicht ab davon, einfach die Ungerechtigkeit zu sehen, anzuerkennen?

Menschen bekommen nicht die gleichen fairen Startbedingungen ins Leben gegeben. Menschen widerfahren Schicksalsschläge, Krankheiten oder einfach ungute Zufälle und stehen plötzlich nicht mehr in der vorherigen Sicherheit. Und sie haben keine faire Chance, aus dieser Ungerechtigkeit mit fairen Mitteln rauszukommen. Ich hasse diesen Umstand, dieses System. Eins dass dir vorgaukelt, dich mit einer Spende freikaufen zu können, gegen das Unwohlsein dass da am eigenen Privileg klebt.

Dieses System ist unfair. Dieses System funktioniert durch Unfairsein. Und das betrifft auch mich. Bleibt - selbst nicht unfair zu sein.

💚


 [das zwischen den beiden Herzen bitte] 

2026/01/18

☀️ DNI

Die Vögel singen schon anders als vor einer Woche.






woher, wohin

Im halbdunkel eins von den Büchern gegriffen die da schon ein paar Tage warten. Zwischen den Seiten eine Reise zurück in ein Land dass es nicht mehr gibt, passend "Fabelland". Orte, Namen, Zeitpunkte. Alles irgendwie vertraut und doch als ob es irgendwo verschütt gegangen ist. Unter all dem Wahn dieser Zeiten, dem Geeile durch die Jahre. Die Unterschiede, zwischen dem wie es eine eigene Ästhetik, Formsprache gab, die durch Seelenlosigkeit der landauf landab gleichlackierten oder feuerverzinkten Bushaltestellen ersetzt wurde. Was bleibt, wenn es noch nicht einmal einen Namen hat, kein Bewusstsein gibt? 


Eine Reise auf der Suche nach dem woher. Harte Flashbacks flackern auf der Leinwand. Betretenes Schweigen im Saal und gedämpfte Sätze auf dem Weg im Dunkeln.

Menschen, deren Geschichte ich nicht kenne und deren Erinnerungen dann so viel ähnliches erzählen. Eine Nacht im nichtostalgischen Zurücktasten.

Ich weiß nicht genau, warum mich das gerade alles so suchen lässt. Und wonach genau eigentlich. Vielleicht weil ich etwas wiedergefunden habe in den letzten zwei Jahren. Vielleicht weil es etwas nichtsichtbares Verbindendes gab, eine Vergangenheit die sich nicht in den Vordergrund drängt aber immer Teil war, sein wird. Vielleicht weil ich schon lange danach gesucht habe, einem zuhause-Gefühl, wie ein fehlendes Puzzleteil. All das macht gerade nichts leichter. Das Vermissen guckt mit mir in die Sonne. Keine Ahnung wieviel Leben noch kommen, das hier ist vor zehn Jahren verlängert worden.

2026/01/16

nichts hält

Die Waage fragt ob es mir gut geht. Vielleicht soll ich in den Bergen fahren. Ich koche, gerne und mit Geduld. Allein - es will mich nicht zusammenhalten. Was das Herz verbrennt. Liebe geht durch den Magen, nur anders als gedacht. Hoffentlich bleiben noch 21 Gramm übrig. Ins Leere treten, im nichts anhalten. Der Fluss bleibt stumm. Ich möchte schreien. Bin neidisch, wie nah sich Eisschollen einander kommen. Alles leer, alles ohne. Zwei Käuzchen, eine Maus, ein paar dampfende Pferde. Ich wäre jetzt gern nicht hier. Nicht ohne. 

Tüften

So'n bisschen schön gerade, festzustellen, dass der Mitgründer einer meiner früheren Stationen immer noch einer von den Guten ist. Und er die Kartoffeln nicht in die Biogasanlage gehen lässt. Er war damals der erste, der ging als Ellenbogen ausgefahren wurden. Ich mag Leute, die sich in solchen Situationen ihren Anstand erhalten. Das ganze Beef war auch einer der Gründe, warum ich dann ein halbes Jahr später gekündigt habe. Wir haben uns dann noch ein- zweimal in den Jahren danach gesehen und gequatscht über dass was es braucht in Zukunft. Irgendwie hat er mir damals gezeigt, dass Vertrauen in Menschen wichtiger ist als deren Können. Das kommt dann nämlich mit der Zeit von ganz alleine. So wie bei meinem Studi jetzt und den anderen, die hier über die letzten Jahren dazugekommen sind.

2026/01/15

Und ich hab' mir eingeredet, dass es funktioniert, aber

ein Song reicht.

Ein Seitandöner mit Ofengemüse. Ein Bahn-Newsletter. Ein Lokalnachricht aus diesem Stadtteil. Eine Konzertankündigung für dort. Ein Bild dieser Felsen beim Scrollen. Ein Blick auf diese Pflanze. Ein T-Shirt blind gegriffen. Eine dieser Platten. Eine dieser Textzeilen.

Noch nie so dreckige Weihnachten, noch nie so'n dreckiges Neujahr. In Wunden gebohrt, Pflaster abgerissen. Mir gratuliert es rausgeschafft zu haben. Und dann doch wieder zweieinhalb Tage durchgeheult.

Vielleicht hört das auf, vielleicht nie, vielleicht wird es anders. Aber ein Song reicht.

Ich fühl mich hier so falsch. Es geht hier allen zu gut, selbst denen, denen es schlecht geht. Sind halb so alt mit ungewisser Zukunft, aber ein Erbe wartet. Privilegien zum Schulterklopfen, "Wie war der Urlaub, der vierte richtig?". Sie sind so nett, und ich geh ein. Diese ganze heile Welt mitgemacht und übernommen. Von oben gelebt und das zerstörerische in mir gefüttert. Wenn es diese kleinen Momente nicht gäbe - das Rotkehlchen das neugierig guckt, ein random Lächeln weil man sich auf dem Fußweg Platz macht. Ich hätte gern den Teil meiner Kindheit, der mir kaputtgemacht worden ist, in mir. Den naiven, den neugierigen, den verletzlichen. Ich will auf'n Arm.




2026/01/12

Es muss immer alles verwertet werden

Das war ein langer Anlauf, aber irgendwie klar - Strava geht an die Börse. Ende März '25 hab ich mein komplettes Archiv gezogen, 1,6GB insgesamt. Der Abgleich mit Golden Cheetah war dann bisschen frickelig, aber bis auf die beiden Jahre nach dem TABR hatte ich zumindest fast alles aufgezeichnet. Damit sind seit Ende 2013 etwas über 180tkm geloggt. Die Strecken bis dahin hab ich z.T. auf cue-sheets oder Karten, so grob sind das 80...90tkm die ich nachvollziehen kann.

Eigentlich kein Grund mehr, die Daten bei Strava liegen zu lassen, hat Bezos bisschen mehr Platz für evil shit auf seinen Servern.

2026/01/11

Kommst Du mit, ...

... zusammen in den Weltuntergang gucken?

Diese Welt geht vor die Hunde. Mag ja sein, dass es sich in jeder Generation der Menschheit ähnlich beschissen angefühlt hat wie jetzt gerade, macht's aber irgendwie nicht besser. Von der wilden naiven Lust auf alles was da noch kommen mag ist irgendwie nicht mehr viel übrig. Es wird ja eh alles kaputtgemacht - fühlt sich zumindest so an. Ich wüsste nicht, ob ich mich wieder dafür entscheiden würde, was mit Regenerativen zu machen. Das war damals aussichtslos, weil es niemanden interessiert hat und es auch keine Beweise dafür gab, dass das alles mal im großen Maßstab funktionieren wird. Und doch war es ne enthusiastische Entscheidung dafür. Es gab die logische Seite, die alles begründen konnte. Und es gab die Hoffnung, etwas bewirken zu können. Diese Hoffnung war es letztlich, den langen Weg zu gehen, belächelt zu werden, sich immer und immer wieder rechtfertigen zu müssen. Weil es etwas gab, woran man glauben konnte, ne Vision. Etwas, dass einem gezeigt hat, wo es mal hingehen könnte, dass es besser gehen würde.

Vielleicht auch, weil es gerade erst bewiesen wurde, dass sich Dinge global zum Besseren ändern können. Glasnost, Perestroika, die Wende. Nicht für alle, dazu gab es zuviel Ungerechtigkeiten von Beginn an, aber so insgesamt war das richtig und gut, besser. Dieses Vertrauen war Antrieb für so viele gute Ideen, Vorhaben und Entscheidungen bei so vielen Leuten.

Davon ist nicht mehr viel zu spüren. Die einstigen Visionen? Man muss immer noch gegen die Fossilen argumentieren. Man muss vielleicht nicht mehr beweisen, dass es im großen Rahmen funktioniert, technisch und kommerziell. Die Kämpfe werden woanders geführt, über Schwurbel-Argumentationen. Wenn man da mittendrin arbeitet nimmt man das alles gar nicht so wahr. Bis es vielleicht zu spät ist. Betriebsblind auf gewisse Weise. Diese ganzen Diskussionen in all den Schlangengruben ignoriert und nicht ernst genommen. Man hatte ja zu tun, mit dem eigentlichen Thema, dem Konkreten. Dass es da seit Jahrzehnten Sabotage aus fossilen finanzstarken Kreisen gab, geschenkt. Es war naiv zu glauben dass das alles nicht verfangen würde. Im Schlepptau Faschismus und TechBro-Totalitarismus von allen Seiten.

Diese Welt ist am Arsch. Auch wenn "nur" wir es sind, die dabei draufgehen werden. Schwacher Trost, dass uns diese Erde easy überleben wird.

Wenn es nur das wäre - könnte man ja als Herausforderung ansehen. Wenn da nicht noch die ganzen übrigen Kipppunkte wären. Was soll noch hoffen lassen, wie es gerade läuft? Klima wird gefickt, Weltordnung wird gefickt, Mensch-sein wird gefickt. Die Heftigkeit, mit welcher alles, was mal irgendwie Stabilität versprach, gerade zerlegt wird - ist schwer auszuhalten. Ich möchte nicht Überleben, ich möchte Leben, verfickt nochmal. Ist das denn zuviel verlangt?

Ich möchte rausgehen können und da soll Natur keine Ressource sein. Ich möchte entspannt radeln ohne fatalistisch auf die Statistik zu hoffen, dass es mich nicht noch ein zweites mal killt. Ich möchte nicht wieder entscheiden müssen zwischen sich hauen oder wegrennen weil Arschlöchern meine Sockenfarbe nicht passt. Ich möchte, dass alle so zufrieden leben können, dass niemand auf die Idee kommt, andere Menschen jagen zu müssen weil es das eingeflüsterte Ventil für Ungerechtigkeiten ist. Ich möchte meine Arbeit machen können ohne dass sie wieder von den Fossilen eingerissen wird. Ich möchte diese ganze neoliberale Kapitalismusscheisse nicht als Maßstab akzeptieren müssen. Ich möchte nicht Prepper sein müssen. Ich möchte nicht dystopisch denken müssen um zu überleben.

Bisschen nice Arbeit, die erfüllt. Bisschen schöne Kilometer aufm Rad. Bisschen wandern mit Glücksgefühlen. Bisschen entdecken, bisschen staunen. Bisschen lecker essen, bisschen kochen. Bisschen sicher fühlen. Bisschen um paar Grünpflanzen kümmern, bisschen Piepmätze füttern. Bisschen Wetter erleben, im mittel stabil ohne Extrema. Bisschen Kino und Theater und Museum. Bisschen Lachen, bisschen Blödsinn machen - ohne dass es die seltene Ausnahme vom Ernst des Daseins ist. Bisschen Musik, eigentlich bisschen mehr. Bisschen keine Fragen nach Bezahlbarkeit von Zukunft. Bisschen gar kein "was kommt als nächstes für ne Kacke?". Bisschen das Gefühl damit nicht alleine zu sein.

Wir kommen hier alle nicht lebend raus. Bisschen Leben wäre schön bis dahin. Und wenn es dann soweit ist, möchte ich gerne zusammen in den Weltuntergang gucken. Ne schöne Platte zum Abschied, 'n schöner Wein und synchrones Atmen.

2026/01/10

ä's & ü's

Manchmal passt die innere Wettervorhersage sehr auf das was sich im Draußen bewegt. Nach dem Sturm doppelt so langsame Minuten zwischen all den abgebrochenen Zweigen. Es ist, was es ist. Es ist, was es nicht ist. Es ist nicht. Nicht warm, nicht gut, nicht leicht. Zuviel hätte, zuviel würde, zuviel wäre. Es kann keine Veränderung zum Besseren geben ohne selbst etwas zum Besseren zu ändern.

wenn wir anders wären



2026/01/09

Verstehen

Vielleicht bin ich ja übersensibel. Der Stromausfall in Berlin und diese geballte Aufregung, warum etwas so lange dauert wie es dauert und dass es ja wohl eine Frechheit sei. Ermüdend, weil es immer auf das gleiche hinaus läuft. Aufregung um der Aufregung willen. Über Dinge, von denen man nur rudimentär (wenn überhaupt) eine Ahnung hat. Zum Glück hat sich das nach ein paar Tagen dann rumgesprochen, was im konkreten Fall an Aufwand dahintersteckt, alleine ein Provisorium zu schaffen. Wahrscheinlich geht es den Leuten auch gar nicht darum, zu verstehen, warum etwas wie lange dauert. Aufregen als verbindendes Zusammengehörigkeitsgefühl, die inneren Wutbürger befriedigt.

Irgendwo im Netz ging es neulich um eine Baustelle im städtischen Straßenraum. Dort wurden kürzlich Fernwärmeleitungen verlegt und die Fahrbahn wieder hergestellt. Alles fertig. Nun die Ankündigung, dass der Bereich umgestaltet werden soll, also erneut eine Baustelle kommt. Die Aufregerei war groß - wieso man das alles nicht kombinieren könne und dann einmal alles fertig macht. Klar, sieht man immer wieder, Baustelle ist im Gange, Baustelle ruht, Baustelle fertig, nächste Tätigkeit am selben Ort. Warum ist das so und warum geht es nur schwerlich anders? Die Auftraggeber sind die Kommunen und Städte, teils deren kommunale Versorgungs- und/oder Entsorgungsunternehmen. Die Verwaltungen haben zwar eigene Bauabteilungen in den Ämtern, sind aber per se darauf ausgerichtet, Vorgaben der Politik umzusetzen auf eine Art, die den festgesetzten Budgets der Haushaltsplanung und den geltenden städtebaurechtlichen Anforderungen entspricht. Die erstellen also Leistungsverzeichnisse für bestimmte Maßnahmen sofern die Gelder im Haushalt da sind. Man schreibt aus, muss Vergaberecht ein- und Kosten gering halten.

Die Komplexität eines Projektes mit unterschiedlichen Gewerken ist oft schon Anlass für höhere Kosten, da irgendjemand den Kram koordinieren muss. Das kostet, und heutzutage nicht zu knapp. Wenn dann noch verschiedene Maßnahmen aus Tiefbau und Straßenbau und Landschaftsgestaltung und Verkehrsleitsystemen zusammen kommen, gepaart mit Versorgern und sämtlichen externen Dritten wie Bahnnetzbetreiber, Verkehrsbetrieben, Prüfern usw. wächst dieser Koordinationsaufwand exponentiell. Kein Auftragnehmer wird es sich freiwillig antun, so etwas zu koordinieren, selbst wenn es dafür die Gelder gäbe. Das terminliche und damit kostenmäßige Risiko der liegt dann nämlich komplett bei diesem Generalunternehmer. In einer Zeit, in der die Fachfirmen eh schon an der Auslastungsgrenze arbeiten, kaum noch Personal und Ressourcen übrig haben, wird man schlichtweg niemanden finden, der sowas mitmacht. Die vielleicht naheliegende Lösung, externe Projektsteuerer für ausschließlich dies Aufgabe hinzuziehen scheidet für öffentliche Auftrage aus Kostengründen nahezu aus.

Die öffentlichen Auftraggeber sind personell und fachlich oft unterbesetzt weil kaputtgespart und damit für eine tiefergehende Koordination eh raus. Geld gibt es für diese Leistungen in den Haushalten auch keins. Zumal kein Steuerzahler es beklatschen würde, wenn eine Baustelle zwar schön koordiniert, dafür aber mal mindestens 20% teurer wird. Und das ist noch am unteren Ende der aktuell üblichen GU-Aufschläge.

Am Ende geht es aber vielleicht tatsächlich nur darum, sich aufzuregen und gar nicht ums Verstehen. Irgendwie ernüchternd und bisschen schade. Wir sind nämlich alle nur Laien in den allermeisten Gebieten.

Mein Job hat mich mittlerweile zigfach gelehrt - Du musst etwas wirklich verstehen bevor Du Dir ein Urteil erlaubst. Wir bekommen fast jede Woche irgendein Problem eines Kunden auf den Tisch bei dem etwas kaputtgefahren wurde, etwas nicht so funktioniert wie erwartet oder man Phänomene beobachtet, zu denen man keine Erklärung hat. Ob da ein Behälter aufgrund eines Dampfschlages von den Sockeln gehüpft ist, Pumpen oder Armaturen mit übermäßigem Verschleiß ausfallen, Förderanlagen plötzlich nicht nachvollziehbar schlecht laufen, Ermüdungsbrüche in bestimmten Anlagenteilen auftreten oder verfahrenstechnische Auslegungen eventuell fehlerhaft waren und nun die Anlage nicht die vertraglich zugesicherten Grenzwerte einhält. Das fordert manchmal wochenlanges Suchen mit vielen Sackgassen, oft im Ausschlussverfahren, Analyse von Messdaten usw.. Weil man dabei selbst vorschnell eine Option wegen des eigenen Erfahrungs-Bias ausklammert, hilft es, nüchtern zusammenzutragen und zu analysieren, methodisch und neugierig zu bleiben. Am Ende hat immer geholfen - ruhig zuhören, beobachten, nachfragen, auswerten - verstehen.

Mir wäre übelst langweilig, wenn es diesen Teil in meiner Arbeit so nicht gäbe. Hilft zudem auch sonst im Leben.

2026/01/08

n.egal

Das war irgendwie schon immer so. 

    "Nie hinbekommen, dass einem der andere egal ist."

Und das ist gut so.







2026/01/05

im Schnee...

...verloren. Zwischen den Jahren. Ein mehrtägiger Austausch mit vielen interessanten Gedanken. Über das woher, das hier, das wohin.

Auf Umwegen kam da ein "...du bist halt ein Gewinnertyp...". Und das hängt da so seither immer noch quer. Als ob das so wäre. Ist das so? Oder - will ich das überhaupt? Was, wenn es gar keine Gewinner gibt? Wenn am Ende alle verloren haben?


Vielleicht ist es auch wie so oft - dazwischen, beides. Nicht einander bedingend, eher nebeneinander existierend.

Irgendwo da draußen zwischen dem knirschenden Schnee, beim Innehalten um in die pausierte Landschaft zu gucken passte es ganz gut, das "Man kann einander ja nur einladen. Den wichtigen Teil muss man aber selber machen.".

Und wie gut so ne zaghafte Schneeballschlacht, so ein bisschen Blödsinn manchmal tut. 

2026/01/03

Künstler sind auch nur Menschen

Seit einer knappen Woche wird ein "Foto" hunderttausendfach durch die "sozialen Medien" gereicht. Die inhaltliche Aussage ist durchaus korrekt und im Kontext mit der Person sicher auch naheliegend. Blöd nur, dass es lediglich eine AI-generierte Überarbeitung eines vier Jahre alten Bildes ist, wie es damals auf 9GAG, Reddit, etc. monatelang rumging. Die typischen verwaschenen Bereiche (z.B. am Ventilator) güü. dem Original schreien einen förmlich an. Da mittlerweile bei Elron die Bildermaschine automatisiert Menschen entkleidet [1;2] irgendwie verwunderlich, dass Menschen Zeug ohne innezuhalten weiterverbreiten. Nix gegen den stabilen Schauspieler [3,4], das Shirt und die inhaltliche Aussage, aber hat es so in der Kombi leider nie gegeben. Die grundlegendere Frage ist aber - hören wir jetzt alle auf nachzudenken?

Will ich jedes mal aufwändig recherchieren und unterscheiden? Wie viel Aufwand ist nicht zu viel? In dem konkreten Fall ist es sicherlich ne Frage von wenigen Sekunden, reverse Bildersuche, zack fertig. Indikator: nur eine Einstellung auffindbar, die typischen schlechten Auflösungen, der schmierige Slop-Pixel-Wiederholungsbrei.

Whatever, bei Bildern ist das alles ne Sache von paar Klicks (noch). Krasser ist das Tempo bei Musik. Die ganzen Streamingplattformen haben mittlerweile die größten Zuwächse bei AI-generiertem Zeug. Geschenkt, dass der Spotify-Nazi-CEO sich mittlerweile offen faschistisch äußert. Dass diese Plattform mittlerweile dermaßen enshittificated ist, dass die Fachwelt das Ganze als Frage "wohin geht es dabei eigentlich?" stellt. Im Sinne von "aufhalten lässt sich das eh nicht mehr". Irgendwie gibt es tatsächlich nen Markt dafür, sprich das Prädikat, das hat mal ein Mensch, ein Künstler, gemacht wird obsolet. Ronny hatte das letztes Jahr an diesem Beispiel einer komplett nicht existierenden Band samt AI-erfundener Historie schon mal aufgeschrieben. "Go after the money" als Methode ist ja eh nie verkehrt - es lässt sich halt ordentlich Geld mit machen.

Zur Zeit hängt das alles am Medium, am Ökosystem Internet. Dort frisst das Ganze "lediglich" Energie, braucht Hard- und Software, kann sich selbst replizieren und mit jedem neuen AI-Modell weiterentwickeln. Vielleicht passt das auch gerade deshalb für mich wieder mehr live-Musik zu erleben und dort mein Geld zu lassen. Es fühlt sich wieder so wie Anfang der 2000er an, wo alle den Kram irgendwie gesaugt und gebrannt haben. Vielleicht freue ich mich deshalb auch ein wenig, dass Annas Archive [5] den Spotify-Klumpen gezogen haben und der früher oder später auf dem ein oder anderen Weg als "Bibliothek" zugänglich wird. Und vielleicht/hoffentlich ist der RoI ja zu gering, um AI-Mucke auf Vinyl zu pressen. So ganz alleine mit dem Unbehagen bin ich nicht. Das ist schön. Künstler sind nämlich auch nur Menschen.