2026/01/22

Fairnwärme

Seit vier Jahren Machbarkeitsstudien, Variantenrechnungen, Abstimmungsrunden mit Versorgungsunternehmen und Anlagenbetreibern mit leicht hebbaren Abwärmepotentialen aus Industrieprozessen. Eine Stadt etwa halb so groß wie Hamburg. Diese großen Kommunen müssen bis in ein paar Monaten ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen haben. Seit einem Jahr Stillschweigen aus der aktuellen Regierung was die Novellierung einer Fernwärmeverordnung angeht. Der beste Entwurf bis jetzt - aus Habecks Kreis. Die Folge - nix bewegt sich, und wenn dann kommen nur halbgare Vorschläge zusammen. Eigenverantwortung & klein-klein my ass. Vor drei Jahren habe ich jemanden bei einem Versorger während eines Projektes in die Rente gehen sehen. Sein Planungshorizont bei den Anlagen die wir da zusammen gemacht haben war jenseits der 60 Jahre. Traut sich irgendwie niemand mehr. Aber alle sind jetzt schon froh über die Reserven die wir da eingeplant haben.

Fernwärme ist in diesem Land ungerecht und intransparent organisiert. Vor zwei Jahren bei den AGFW-Fachtagen war das Lachen den Netzbetreibern kein bisschen peinlich, als die Diskussion dahin ging, das Ganze gerechter zu gestalten.

Es liegt nicht an der Technik. Es liegt nicht am Geld. Es liegt nicht an den Abwärmepotentialen. Es liegt an der Politik und an denen die daran ordentlich verdienen. Vielleicht würde es helfen, wenn die Leute wüssten, was eine MWh inkl. Betrieb und Abschreibung tatsächlich kostet und was dann auf der Abrechnung steht. 

Dabei muss man nur ein Land weiter nördlich angucken wie es fair geht. Seufz.



2026/01/21

off the beaten tracks

Wieder eine dieser Stunden im Sessel, einer dieser Streifzüge durch Abgründe, die harten und die weichen Seiten an die Hand nehmen. Mitgenommenes sortieren, für jetzt, für später. Für mich, wie für nicht-mich.

Welche Wunden reißen meine roten Fahnen? Welche Unsicherheiten kann ich Dir bieten? Was verdränge ich am stärksten? Kann ich den Schmerz halten, darüber was mir angetan wurde, ohne ihn an Dich weiterzugeben?

All das könnte ich sein lassen, all das könnte ich mir sparen, all das könnte ich belächeln. Und würde halt an der gleichen Weggabelung ankommen.

Man kann eine Simulationsrechnung immer wieder durchspielen - wenn das Näherungsverfahren nicht geeignet ist, konvergiert da nichts.

[so ein Tag frisst mehr Kraft als 400km bei 2 Grad und Regen] 

[ˈʊnɡədʊlt]

Mit mir. Mit nicht-mir. Mit wie es ist. Mit wie es sein soll.

Wann hört das endlich auf? Wann fängt das endlich an? Der Zeit bin ich egal.

Irgendwo...

...muss sie ja hin, die Energie. Die kleinen guten Dinge, das schöne Wetter aus Richtung Ost, paar Seiten lesen abends. Die Eichhörnchen kommen wieder öfter vorbei.

"für" die freien Radikale

Kartoffelklöße
Rotkraut mit Wellant
Kräutersaitlinge in Pfefferbutter
karamellisierte Schalotte
(parallel die Lasagne für auf Arbeit im Ofen)

Buntes gegen Doofes

der Wind zuppelt aus Richtung Osten 


2026/01/20

Hohe Wellen

Es fühlt sich alles so roh an. Da ist keine Schutzschicht mehr übrig, kein Zaun, keine Mauer. Dieses zerfetzte Herz so durch den Tag zu tragen - ein ständiges Navigieren, Ausweichen, behutsam sein. Innen wackelig, vulnerabel. Zerrissen und andere Worte, auf *issen endend. Versuche, diese Wellen nicht über mir zusammenschlagen zu lassen, nicht unterzugehen. Nicht gegen den Wind, mit den Wogen. Hoffen. Darauf, eines Tages ans ruhige Ufer gespült zu werden. Warmer Sand und ein bisschen Sonne dann, bitte. Und behutsames Auftreten zwischen dem scharfkantigen Muschelbruch, ein Festhalten um nicht abzurutschen auf den glatten Steinen.



Licht hören

Es ist zu laut gewesen hier, zu viel Lärm über dem Himmel. Polarlichter haben einen Sound. Manche beschreiben es als eine Art Rauschen, manche sagen, sie würden dröhnen. Ich habe es damals als ein Knistern mit einer darunterliegenden sehr tiefen gleichmäßigen Frequenz wahrgenommen. Vor Müdigkeit drei Stunden im Tiefschlaf unterwegs, das übliche zerrissene Aufwachen mittendrin. Diesmal im richtigen Moment, Klamotten an, Mütze auf, raus. Staunen und diese instant Sehnsucht - ich wäre wirklich gern in Lappland gewesen über den Jahreswechsel.


Zurückkriechen unter die Decke, atmen, Schlaf suchen, nicht die Abbiegungen ins Grübeln nehmen, den Olm festhalten. Ich hab keine Ahnung woher das kam, aber da waren kleine Frösche auf einer Wiese, daumennagelgroß, schwarz mit orangenem Muster. Sie waren schnell und wollten sich nicht anschauen lassen. Nach drei, vier Sprüngen flatterten sie als kleine blassblaue Schmetterlinge durch die sonnige Luft. Es waren viele. Ich habe Träumen wirklich sehr vermisst.

2026/01/19

Eigentlich...

....müsste es mir gut gehen. Das ganze Außenleben meint es gut mit mir. Das mit Zeit gegen Geld eintauschen, auch wenn ich nicht weiß wofür. Das mit dem dabei auch Freude und Sinn zu haben. Das mit dem Auszeit davon nehmen, auch wenn es noch keine Pläne für die vier Wochen im Sommer gibt. Das mit dem dann immer noch ein Dutzend freie Tage im Jahr unterbringen zu können. Das mit den 18 Konzerten, die da in den Kalender gekrümelt sind und manche davon laut seufzen. Das mit groben Ideen für lange Kilometer, auch wenn mir lieber wäre der Tracker hätte einen Sinn. All das im außen wartet fragend ab. Ob es so überhaupt gut sein kann. Ob es aufwiegen kann was für innen fehlt. 

Mal wieder in Geborgenheit einschlafen. 💤

#wasfehlt 

[ich weiß es doch auch nicht]



Shocking Blue - Daemon Lover


Drei Stunden Dauerschleife, Kopf an die Fensterscheibe gelehnt, Sonnenaufgang, die vorbeifließenden Bilder haben das richtige Tempo.

In der Blase

Das schöne an Blasen ist, dass man sie nicht wahrnimmt. Das schlimme an Blasen ist, dass man Sie nicht wahrnimmt.

Dieses Leben zieht an den Menschen. Stabilitäten die gestern noch galten verschwinden über Nacht. Diese Geschwindigkeit mit der sich Kapitalismus bis zu den Knochen durchnagt. Gefühlt bin ich von all dem weit weg, so sehr abgenabelt, dass ich mich schäme.

Von anderer Menschen Lebensrealitäten zu hören, zu lesen - habe ich selten mit Absicht getan. Meine Blase tut das kaum, ich tu das kaum. Ich erkenne nicht einmal genau, wo meine Privilegien anfangen. Ab einem gewissen Punkt schauen Menschen nicht nach dem was andere nicht haben, man selbst es gut hat. Der Blick geht zum mehr. Ist das die Gier, das neoliberale Versprechen, das einem alles zustünde? Oder die Verdrängung, sich nicht mit der Situation anderer Menschen befassen zu müssen? Ist es, weil die Scham über die eigene Situation im Kontrast zur damit verbundenen Ungerechtigkeit nicht ausgehalten werden kann?

Ich habe keine Ahnung, wieviel Glück ich gehabt habe, an bestimmten Punkten in meinem Leben. Was davon ist gerecht? Spielt das überhaupt eine Rolle? Lenkt das nicht ab davon, einfach die Ungerechtigkeit zu sehen, anzuerkennen?

Menschen bekommen nicht die gleichen fairen Startbedingungen ins Leben gegeben. Menschen widerfahren Schicksalsschläge, Krankheiten oder einfach ungute Zufälle und stehen plötzlich nicht mehr in der vorherigen Sicherheit. Und sie haben keine faire Chance, aus dieser Ungerechtigkeit mit fairen Mitteln rauszukommen. Ich hasse diesen Umstand, dieses System. Eins dass dir vorgaukelt, dich mit einer Spende freikaufen zu können, gegen das Unwohlsein dass da am eigenen Privileg klebt.

Dieses System ist unfair. Dieses System funktioniert durch Unfairsein. Und das betrifft auch mich. Bleibt - selbst nicht unfair zu sein.