Faszinierend, auf brutale Weise. 2026 und es braucht solch einen langen Artikel um an der Oberfläche zu kratzen. Alles längst zig-mal durchgearbeitet, verschriftlicht, ver-interviewt und ver-podcastet. Von schlauen Menschen seziert, SoziologInnen meist. Da wurdezudem noch tiefer geguckt, in die Ursachen und Symptome, die Hinter-, Unter- & Ab-Gründe. Klar fallen die schicken Straßen auf, die Häuser mit den dicken Autos davor - all das gibt es und begegnet mir auf jeder Fahrt in zig Orten immer wieder. Auch ich frag mich jedes Mal, was sie denn wollen, warum so komplett lost und blaubraun wählen? Das finstere an anekdotischer Evidenz ist halt auch ganz besonders, dass man Armut kaum sieht. Das Auge bleibt eben an den schönen Fassaden hängen. Wie es zum Teil dahinter aussieht oder in der Seitenstraße, in den Viertel wo die Geschossbauweise mit fleckigem Rauhputz die beherbergt, die schon längst keine Hoffnung und kein Vertrauen mehr haben. Aber auch die, die gerade so noch klarkommen. Für die jetzt Erwerbsarbeit vielleicht gerade so ausreicht zum Leben. Die, die heute schon wissen, das Altsein Überleben bedeutet. So schön roadtrip-romantisch diese Bestandsaufnahme sein mag, man muss die bitteren Zahlen der Vollständigkeit halber dazu packen. Das nd hat die Zahlen ein wenig aufbereitet,
"Demnach droht rechnerisch in Ostdeutschland mehr als jedem und jeder zweiten Beschäftigten nach 45 Jahren in Vollzeit im Alter eine Rente an der Armutsgefährdungsgrenze, bundesweit mehr als jedem und jeder dritten.".
Das wissen die Menschen ja heute schon. Auch wenn da auf etwaige Lohnanpassungen hingewiesen wird - sorry, das ist ein Pfeifen im Walde. Von der Einkommensungleichheit Ost/West & Mann/Frau mal abgesehen - Lohnerhöhungen sind da leider so gar kein Automatismus. Für wen das per se im Vertrag schon mal gar nicht auftaucht, es keinen Tarif gibt oder keinen anderweitigen Hebel gibt, für den ist eine solche "Anmerkung" einfach verletzender Hohn.
"Demnach ist ein Bruttomonatsentgelt von 3771 Euro nötig, um einen Rentenzahlbetrag in der Höhe der Armutsgefährdungsschwelle zu erreichen. Bartsch hatte von der Regierung wissen wollen, was man aktuell in Vollzeit verdienen muss, um nach 45 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente auf so einem Niveau zu erhalten. Die Armutsgefährdungsgrenze lag laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 1446 Euro brutto. Statistisch als armutsgefährdet gilt man mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung."
Und die Realität sieht eben auch so aus, dass für die Betroffenen vergleichsweise wenig bis keine Erbschaftsvermögen vorhanden sind und für Sicherheit sorgen könnten. Wie viele Millionen Menschen müssen mit diesen Ängsten leben und gleichzeitig wissen 5000 andere Menschen nicht, wie viel sie noch fressen sollen ohne an ihrem Reichtum zu ersticken.
"5.000 „Superreiche“ besitzen hierzulande 27,3 Prozent des gesamten Finanzvermögens – das sind 1.100 mehr als noch im Vorjahr"
Ich kann immer noch nicht akzeptieren, dass etwas Gewinn bringen soll und dieser Gewinn dann nicht unter denen aufgeteilt wird, die dafür erst gesorgt haben. Und ich kann auch nicht akzeptieren, dass Gewinn und Wachstum die einzig gültigen Maßstäbe sein sollen, auf die wir uns als Gesellschaft einigen können. Sorry, über dreißig Jahre und keine Antworten auf so etwas zu haben, ist keine Politik, mit der man Vertrauen schafft oder Urvertrauen erhält. Mit korrupten Parteien und Lobby-PolitikerInnen eh nicht.
Hab ich dieses Urvertrauen noch? Irgendwie nicht. Nicht in die Politik, in einzelne PolitikerInnen schon. Wie mit den Menschen - grundsätzlich verbocken wir das als Menschheit, aber mir machen diejenigen Mut, die sich dagegen stemmen.
1 Kommentar:
Aufgeben ist keine Option.
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