Ich hatte eine schwarze Tafel an der Wand, vom Boden bis über meinen Kopf, von der Tür bis zum Fenster. Und jede Menge bunte Kreide. Nervig war immer, die abgewischte Kreide, bzw. die kunterbunte Soße von der Scheuerleiste aufzuwischen. Aber es war prima. Wildeste Dschungel oder Prärie mit Geiern - alles was gelesen, gehört und irgendwie aufgeschnappt wurde, kam irgendwann da drauf. Ich hatte es zu oft gesehen, im Atelier, dieses Zurücktreten, das Augenzusammenkneifen, den Pinsel zwischen die Lippen gepresst. Das sah irgendwie dazugehörend aus. Also hab ich das dann auch so gemacht, auch wenn da der Pinsel grad zu nix anderes benutzt wurde. Abstand, Überblick, wirken lassen.
Abstand ist ja immer ein Blumenstrauß an Möglichkeiten. Zum Vermissen, zum Ruhe genießen, zum Überblick verschaffen, zum Wahrnehmen was wirklich ist. Und eben auch um festzustellen, wo man alle Antworten schon hatte. Wo das Bauchgefühl schon längst wusste, was kommt.
Der Move mit dem Streichfett - Chapeau - hatte funktioniert. In dem Moment hatte ich gegen mein Bauchgefühl gestimmt.
Ich glaub, es gibt keinen idealen Zeitpunkt. Ich schätze die Vorsicht, mit der versucht wurde, mir die Augen zu öffnen. Das ist lieb, war aber eben zu spät. Ich schätze auch die Geduld, sich endlose Zeilen und Ausschnitte durchzulesen und diplomatisch damit umgehen zu wollen. Letztlich alles völlig unnötig, weil der wichtigste Ratgeber ja immer an Bord ist. Bauch, so wichtig.
[Hier stehen jetzt Dinge über Körper, jemandes Selbstbild und Unsicherheiten, Bodyshaming dritter und warum ich da so sensibel bin und mir das sofort auffällt, ganz bewusst nicht.]
Manchmal sollte ich mehr auf mein Bauchgefühl achten.
Ich mag Mathematik, sogar Statistik und Wahrscheinlichkeit (wenn das mein Mathe-Prof wüsste...). Und doch gibt es manchmal Momente, bei denen da noch etwas anderes wirkt. Ich kenne Menschen, die dann instantan mit Schwurbeldimensionen anfangen, oder Schwingungen oder dem Universum. Ich bleib bei Zufall.
Ebendieser, gerade jetzt. "Es ist halt was sehr anderes, wenn Du vieles miteinander durchgestanden hast." - nicht meine Worte, aber von jemandem, der es wissen muss. "Respektvolles Loslassen" trifft's ganz gut. Geht nämlich alles ohne verbrannte Erde. Und dann ist es einfach ein Zufall der passiert und sein darf. Und wenn da in einer Bio ein "let go of what was, accept what is, have faith in what will be" steht und man dazu nicken kann dann ist das in Ordnung so. Und dann kann man sich fragen und antworten und weiß, wie gut es war und ist, sich diesen Respekt zu erhalten. Das ist (Zitat) "irgendwie schön" und dabei ist das ein Stück Eigenlob, wegen des gelebten Verzeihens.
Ich hab da sehr genau zugehört, wie jemand über seine Vergangenheiten spricht - nicht nur über die Details, sondern was davon geblieben ist, welche Einstellung, welche Haltung. Das erzählt einfach alles was ein Bauchgefühl so braucht.
[Hier stehen jetzt Dinge über die formulierten Bilder und Äußerungen über Vergangenheiten, ob Menschen, Jobs oder Situationen und warum mein Bauch da ebenfalls Alarm geflüstert hat, ganz bewusst nicht.]
Und wenn schon Zufall, dann eine ordentliche Portion für mich bitte. Keine 48 Stunden später eine Seite Papier, handgeschrieben. Von wegen "es ist ja so ein Generationsding, das können die nicht", so ein bisschen "so war das eben und das ist so". Da hat jemand Ü70 ihren Mut in wenige Worte gepackt und gezeigt was leid tut und welcher Wunsch damit verbunden ist.
"Wie geht's Dir damit? Und was machst Du jetzt?" - ich mag Menschen, die die richtigen Fragen stellen. Es ist "irgendwie schön" und der Bauch regelt.
loser Gedanke 1 - "Ich kann hier nicht weitermachen, der Job macht mich zu einem unemphatischeren Menschen." Wie oft in mir dieser Satz von vor etlichen Jahren aufploppt. Der war so dahingesagt damals. Unscheinbar, aber bis heute haften geblieben, wegen der Bauchgefühligkeit. Und alles was da dran hing und dann kam - die Angst, das Ungewisse, die Veränderungen - umzudrehen zu einem "Bock drauf was gutes draus zu machen" - das hat ganz schön abgefärbt.
loser Gedanke 2 - "...da hast Du aber ganz schön getrödelt..." oder "...ist ja kein Wunder, wer fährt denn noch nicht-Tubeless...". Da ziehen mich Leute mit voller Absicht auf und ich mag's. Leute, die in sich ruhen und keine Angst ob anderer Leute Fitness haben. Alle machen ihr Ding, so wie es für jeden passt, ohne Neid, ohne Angst, ohne Vergleicherei - und ohne jegliche Abwertung.
loser Gedanke 3 - der Genmaicha is alle, hoffentlich gibt's die 1-Kilo-Packungen noch
loser Gedanke 4 - Abstand
loser Gedanke 5 - Bauchgefühl
4 Kommentare:
Ich finde ja, das Universum macht das eigentlich ganz gut. ;) und der Bauch auch.
Meine Schwägerin ist auch so ein Mensch der niemandem zeigen kann, was sie fühlt und wovor sie Angst hat. Scham ist für sie unaushaltbar. Sie hat sich jahrzehntelang antrainiert, alles hinter Abwertungen anderer zu verstecken, nur um sich selbst nicht spüren zu müssen. Hilfe lehnt sie kategorisch ab. Mittlerweile hat sie sogar ihre beste langjährige Freundin vor den Kopf gestoßen. Es ist traurig, so etwas mitanzusehen, aber das eigene Wohlergehen und der eigene Frieden sind wichtiger und gesünder.
my 2cents, so von Bauch zu Bauch
Wie wunderbar! 😍
Ich liebe alles daran! Du bist eine Beziehung, gegen den eigenen Willen eingegangen? Wie schlimm! Wie lange ging es denn?
Da steht nichts vom "gegen eigenen Willen", keine Ahnung wie man auf diese Interpretation kommen kann. Es geht um die Ambivalenz zwischen dem was man will und was einem (nicht) gut tut. Und welche Rolle das Bauchgefühl dabei spielt.
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