2015/07/01

#bundesjugendspieleweg - my 2 cents

#bundesjugendspieleweg - Bundeswas? Nachdem der # neulich immer mal wieder in der Timeline rumwaberte hab ich mich dann mal aufgerafft das nachzulesen. Ich kann da immer noch nix mit anfangen. Zum Allerersten weil ich das sowieso in Richtung AufregereiPetitionsSelfie verorte (wir müssen heutzutage immer gegen und über alles petitieren und klick-revolutionieren um uns öffentlichkeitswirksam zu profilieren). Ich ignorier sowas mittlerweile aus Prinzip. Abseits davon mein Versuch dem Ding ne eigene Sicht zu geben: ich finde das Blödsinn. Aus Gründen.

Gemessen an dem kritisierten Event war die Schulspartakiade damals wirklich Dreck, nicht weit weg vom teutonischen Scheiss der ne Runde vorher abging, so richtig politisch nämlich. Doch ich mag jetzt nich mit Systemvergleichen anfangen, das ginge an der Sache vorbei. Zum Sport, zur Schule. Ich war ne Niete im Sport, so richtig. Wenn ich meine alten Zeugnisse angucke hatte ich wohl nur ein Halbjahr mit ner 2. Sonst 3 wenn's prima lief undin der Regel ne 4. Was irgendwie ein Würgen und Biegen (auch seitens der Lehrer) war um nicht ne 5 abgreifen zu müssen (kam trotzdem vor, Noten gabs damals 1 bis 5). Insofern müsste ich ja beipflichtend jegliche erniedrigende Beurteilungsmethodik im Schulsport verurteilen. Tue ich aber nicht. Weil ich dann aus Fairnessgründen gegen jegliche Bewerungen oder Benotungen sein müsste. Und für mich gesprochen ganz besonders im Musikunterricht und im Fach Deutsch. Das Vortragen von auswändig gelernten Gedichten oder Vorsingen war für mich die exakt gleiche seelische Folter wie das alljährliche Vesagen bei Weitsprung, Sprint oder Geräteturnen. Du musst da nach vorne und machst Dich zum Esel vor aller Augen. Du hast null Bock auf Schulsport und deswegen auch kein Interesse daran. Keine fancy Sportklamotten, sondern nur irgendwas um den Mist absolvieren zu können.

Aber. Es wurden immer die ersten drei gelobt, ausgezeichnet oder mit Medaillen/Urkunden bedacht. Genauso wie die die an Musikwettbewerben teilgenommen hatten oder bei x-beliebigen anderen Bereichen. Ich hatte mit Schach meins gefunden. Irgendwann lief das so geil dass ich zweimal unter der Woche zum Training musste. Damit war meine Woche voll. Mo bis Sa Schule und am Sonntag Wettkampf. Und dort habe ich kapiert warum Wettkampf gut ist. Und das diese Scheissnoten im Sport, in Musik eben nicht das Ende der Welt sind. Das gehört dazu, Bämm!

Und mit der Zeit hab ich auch meine kleine Lücke im Sport gefunden. Lange Strecken laufen, je länger desto besser. Oder Crosslauf. Und dann fängst Du eben an Dich darauf zu konzentrieren wo Du stark bist, langsam und schrittweise merkst Du dann sogar dass Du Dich auf diese Momente freust. Und dann verlieren die Scheissmomente die Tragik, die Wichtigkeit. Und Du lernst zu fokussieren, Stärken weiterzuentwickeln und über den Rand zu gucken. Manchmal auch unfreiwillig. Crosslaufen ist nicht gerade das Beste für die Knie. Und manchmal heisst das dann auch gewisse Dinge gar nicht mehr machen zu dürfen, Attest für Ballspiele, Sprünge, Sprints. Bleibt also - Langstrecke laufen und - Radfahren. (Darauf reite ich jetzt nicht näher rum, Radfahren hatte sich schnell zu einer Sache mit fünfstelligen Kilometerzahlen schon zu Schulzeiten entwickelt. Aber das schweift hier zu sehr ab.)

Wenn man also wie gefordert diese Spiele oder Sportunterricht oder Wettbewerb in selbigem angreift ist das am falschen Ende rumgedoktert. Es gibt keine Welt die frei ist von Vergleich, kein Weiterentwickeln das frei ist von Vergleich ist. Ich kann behaupten genug solcher schulischen Drecksmomente bei verkackten Sportstunden, zusammengestammelten Gedichten oder völlig schräg geträllerten Liedern erlebt zu haben. So what?! Es ist egal. Solange Du Dinge findest in denen Du Deins siehst, in dem Du Deine Stärken entdeckst, ausbaust und Dich messen kannst. Ob das nun Schach bis rauf zu den DDR-Meisterschaften war, der tägliche 58km-Ritt zur Schule auf'm Rad oder die Entdeckung von Musik, Musikalität an den Plattenspielern. Und dann verschwindet der vermeintliche Gegner schulischer Benotung oder Wettbewerb von ganz alleine.

In lediglich einem Aspekt des Petitionsgeschwurbels sehe ich einen echten Kritikpunkt - die Teilnahmeurkunde. Den Quatsch sollte man wirklich weglassen. Es gibt drei erste Plätze, der vierte ist immer der Gearschte, der zweite immer der erste Verlierer. Aber alle anderen mit einer leeren Teilnahmeurkunde zu bedenken ist für diese ersten Verlierer so nutzlos wie für die sowieso nichts ausrichten Könnenden erniedrigend. Und für alle Veranstaltenden einfach nur sinnloser Aufwand den man sich sparen kann. Ein Ergebnis dieses irrsinnigen wie falschen Gedanke jeden Wettbewerb zu einem Erfolgserlebnis für jeden Teilnehmenden machen zu wollen. Das funktioniert nicht bei Pflichtveranstaltungen, das kann dort durchaus erniedringend werden. Nehme ich freiwillig an so etwas teil und verliere kann ich einer solchen Bestätigung durchaus was abgewinnen, aber ich habe mich schon mit meinem Start dazu selbst in den Wettbewerb begeben. Insofern - Verlieren gehört dazu, sehr sogar. Und das lernt niemand wenn durch eine Teilnahmeurkunde Erfolg vorgegaukelt wird. Also bei Pflichtteilnahme entweder komplett weglassen oder nur bei Wunsch des Teilnehmers ausstellen statt pauschal und somit auch unglückliche Erinnerungen auszuteilen. Dann erübrigt sich der große Angriff auf das böse Bildungssystem nämlich ganz automatisch und wir können uns wieder um den wichtigen Kram kümmen.

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