2015/06/26

Radspiegel - gute Idee schlecht umgesetzt

Es gibt diese Momente, die einem so richtig das Adrenalin durchs Gebälk jagen, diese Momente wenn Dich ein Auto mal wieder so dicht überholt dass ein Windhauch von rechts gereicht hätte Dich in Spur des Autos zu blasen. Und manchmal gibt es auch diese Situationen wo die hinter Dir einfach nur Scheisse bauen. Wie der Pick-Up in Schweden der unbedingt den Holz-LKW überholen musste als der schon am Ausscheren war um mir Platz beim Überholen zu geben. Das Ganze konnte ich im Rückspiegel am Panzer sehen, wie der LKW schlingernd in seine Spur zurückkehrte und ich noch gerade so zwei Hand breit weiter nach rechts ausweichen konnte damit alle drei ohne Berührung aneinander vorbeipassten. Das ist sechs Jahre her und immer noch bildlich präsent. Seitdem mag ich Rückspiegel irgendwie sehr. Auch weil es genügend ähnliche Situationen gab. Am Panzer werkelt ein B+M-Spiegel mit 6cm Durchmesser. Vorteil am Reiserad - bei der Größe kann man sich auch bequem rasieren. Und am Rennrad? Da braucht es ein deutlich kleinere Option. Gerne hätte ich den genommen, doch leider in Verbindung mit nem Aeroaufsatz nicht ganz ideal, der Positionswechsel bedingt einen anderen Blickwinkel, so das ein klein wenig Spielraum bei der Spiegelausrichtung prima wäre. Käme also der Radspiegel in Frage. Das Ding wird so auch bei Rose angeboten. Die Größe und der durch die Krümmung abgebildete Bereich groß genug. Soweit könnte man mit dem Teil eigentlich zufrieden sein. Eigentlich.

Zunächst musste ich aber um den Spiegel überhaupt ordentlich nutzen zu können, das Kugelgelenk aus der Kunststoffhalterung drücken und eine Nut in das Plasteteil fräsen. Nur so war es möglich den Spiegel hinreichend weit nach oben kippen zu können um etwas zu sehen. Vom Kunststoffrand habe ich dann noch ne Fase abnehmen müssen. Damit hätte ich ja auch lange glücklich werden können, wenn da nicht die mangelhafte Verarbeitung des Spiegelglases gewesen wäre.

Nach einem Jahr mit Spiegel (23tkm) sieht man leider nicht mehr ungetrübt was hinter einem droht. Der Hersteller hat den Glasspiegel einfach in den Metallhalter geklebt, roh wie geschnitten. Solange man ein Schönwetter- oder Sonntagsradler ist mag das ja vielleicht ein paar Jahre gut gehen. Wenn man aber täglich unterwegs ist oder eben auch bei jedem Wetter rächt sich diese Sparmentalität. Wer einmal mit Spiegelherstellern zu tun gehabt hat - und ich hatte das Vergnügen mehrfach - der weiss, das Themen wie Rückseitenschichtaufbau und Kantenversiegelung extreme Auswirkungen auf die Lebensdauer und Funktionalität eines Spiegels haben. Bei der Abwicklung von Chargen größer 40.000m² ist das ein essentieller Bestandteil der Lasten- und Pflichtenhefte, daraus abgeleitet der Produktionsprozesse, Qualitätskontrollen, Dokumentationen und letztlich auch der Zuverlässigkeit und Effizienz des Gesamtsystems. Temperaturwechsel, Taubildung, Niederschläge und Luftfeuchte haben extremen Einfluß auf einen Glasspiegel. Jeder kennt die alten beschlagenen, stumpf und fleckig gewordenen Teile bei Oma oder auf dem Flohmarkt.


Die Umgebungsanforderungen an einen Spiegel der an einem Fahrrad zum Einsatz kommt sind vergleichbar hoch zu denen die in einem solarthermischen Kraftwerk arbeiten. Vibrationen, Feuchte, Temperaturunterschiede. Und genau deshalb ist es unerklärlich, weshalb ein Spiegel für knapp 15€ keine Kantenversiegelung erhält. Das ist ein Standardprozess der für wenige Cent beim Hersteller eingekauft werden kann. Da wurde beim Radrückspiegel am falschen Ende gespart. Das Ergebnis sind umlaufend wachsende Blindflecken.




Die schnellste Lösung ist, die Kante selbst mit einem dünnflüssigen Lack oder Kleber zu schützen. Sekundenkleber tut es auch. Aber eben nur bevor die Spiegelkorrossion eingesetzt hat.

Da das allerdings nicht einem ausgereiften Produkt entspricht hatte ich gehofft etwas dazu vom Hersteller zu erfahren - leider sehr enttäuschend. Gespielte Überraschung ob der Tatsache, das Spiegelkanten überhaupt eine zu beachtende Thematik beim Außeneinsatz von Spiegeln sind. Herausreden das dies bei 7...9tkm im Jahr sowas nicht auftritt ist eigentlich unter Ulk zu verbuchen. Im Großen und Ganzen - einfach nicht durchdacht. Wo im Kraftwerk der Betreiber die vertraglich garantierten Leistungen zur finanziellen Wiedergutmachung rausholt und der Hersteller schleunigst gehalten ist die Mängel zu beseitigen wird hier der offensichtliche Herstellungsfehler kleingeredet.

Also - Radspiegel.de ist nichts was lange hält. Für regelmässig Wegwerfen einfach dreist zu teuer.

Keine Kommentare: