2009/03/06

Grrrlz


Manchmal überholt man sich beim Denken ja selbst. Dann können einem die Anderen nicht folgen - ist man schon dort, wo andere "nächste Woche" als "morgen" definieren. Oder jemand verliert den ohnehin nur flüchtig gewebten Gesprächsfaden.

Dann muss man tief durchatmen, die Krümel aufsammelnd nochmal zurückgehen und alles fein säuberlich, aber höchst ungeduldig zappelnd in das richtige Tempo bringen. Keine Ahnung was Rapper, Geeks und Testosterone mit der CeBIT zu tun haben könnten - vielleicht gar nichts, vielleicht schon immer.

Im aktuellen Community-Mag von hhv.de ist ein ziemlich frisches Interview mit Chuck D, dem politisch textenden Rap-Urgestein und Teil von Puplic Enemy, worin er sich darüber auslässt, was ihn im Jahre 2009 noch als Reizthema aktiv werden lässt. Nicht, dass er ruhig geworden wär, wie man jetzt vermuten könnte. Auf die Frage, ob er jetzt immer noch so radikal sei oder doch "milder" geworden wär über die Jahre, kommt ein "Ich versuche möglichst fokussiert zu sein. Man muss achtsam gegenüber Veränderungen sein. Auch für Radikalität gibt es den richtigen Ort zur richtigen Zeit, wenn man seine Energie nicht verschwenden will. ..."

Klar, dass er sich zu Obamas Wahl, bzw. der Notwendigkeit von Veränderungen auslässt (mehr dazu unter "Talking With Chuck D About Obama" auf publicenemy.com ) - viel interessanter jedoch ist seine Sicht auf Hip-Hop und das immer noch vorherrschende Frauenbild.
"... Es ist beschämend, dass Frauen immer noch als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, vor allem in meiner Domäne, dem Hip-Hop. Das finde ich unerträglich. Es gibt fast keine Female-Rap-Crews, dafür zu viele männliche Solokünstler. Nicht nur Rap braucht das. Genauso muss es im DJing, in der Tontechnik, in der Beatproduktion, bei den Plattenfirmen mehr Frauen geben; sowie allgemein in den Netzwerken und Projekten. Das ist die nächste Revolution im Hip-Hop: weg von der männlichen Dominanz. Wir müssen Frauen haben, die zusammenhalten und gemeinsam kämpfen. Denn das Problem ist, dass Eine allein nicht gegen das Aufgebot von Testosteron und Machismo ankämpfen kann. Sexismus ist eine negative, in sich geschlossene und vereinte Bewegung. Wie soll eine einzelne Frau sich gegen eine ganze Lobby durchsetzen? ..."
Und setzt dann auf die Frage zu psychologischer Gewalt bzw. geistiger Versklavung nach: "Psychologische Gewalt geht in der Regel mit einer Überdosis Testosteron einher. Und zwar genau mit jener Art von Testosteron, die man auch vom Hip-Hop kennt. Die Gebaren von Politikern und Rappern ähneln sich auf beängstigende Art und Weise." Rumms, das war ne volle Breitseite, doch wie bekomm ich jetzt die Kurve zu Geeks und zur CeBIT? Nicht wirklich - ausser ich wünsche mir vom Girl Geek Get Together (#3GT) eine entsprechende Bissigkeit. Die CeBIT als ein Urgestein der IT-Messen dürfte wie jede andere Industriemesse ein typisches Beispiel dafür sein, das Frauen oftmals von den Teilnehmern - egal ob Aussteller oder Besucher - nach wie vor nur als schmückendes Beiwerk verstanden werden.

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