2007/07/09

wiederentdeckungen

Bin grad am überlegen ob ich zum Plattenspieler geh und die Scheibe umdreh, nochmal anmach oder einfach die Stille Stille sein lass´. Erstmal auslassen. Aber ich muss schreiben, sonst fliessen die Gedanken weg und sind vielleicht verloren. Werden im Strudel der nachfolgenden Verästelungen des Ausgangs meines Grübelns von sich selbst überrannt. Wie ein Drehspuleninstrument, hin- und herzuckend, direkt auf meiner Seele. Eigentlich müsste ich jetzt einen dampfen. Zum runterkommen. Wo ich doch gar nich rauche. Dieses Tempo macht mir irgendwie ein wenig Angst, Angst zu schnell zu sein, zu übersehen, zu voreilig zu sein. Dabei hat diese Zeit, dieses zwangsweise sich mit sich selbst befassen müssen ja etwas verdammt gutes. Etwas was vor etlichen Jahren schon ewig da war. Verloren gegangen. Mist aber auch. Naja, aufholen is der falsche Ausdruck, "es sich wieder holen" passt da schon eher. Hab zwar so ein wenig Anlaufschwierigkeiten gehabt, aber insgesamt macht das ganz schön Spass. So viele Teile des Ichs die danach schreien gefragt zu werden. Ein Ameisenhaufen voller Gedanken der da in mir rumschwirrt, die Chemie in mir bestimmt. Soller doch, zeigt das ich nicht tot bin. Schon wieder so eine Nebenstrasse: wie heisst denn das Lied mit dem Video wo der Vertreter sich am selbst in seinem Traum, am Indianerfeuer wiederfindet. Google. Wir sind Helden. Wenn es passiert. Warum is mir das eben eingefallen? Verdammt. Solange ich mir nich wie in PI den Kopf anbohr um die Gedanke rauszulassen is ja noch alles in Ordnung.

Is grad mal Montag und ich bin schon im Wochenende. Wird echt Zeit die Woche zu halbieren. Oder die Arbeitszeit an einem Stück durchracken, einen Tag pennen und dann regungslos auf der Wasseroberfläche des salzigen Lebens treiben. Bis die Augen aufgehn. Da muss ich immer an das Stahlrohr bei Steffo in New Mexico denken, irgendsoein Pipeline-Stück, die Enden halb zugeschweisst, Wasser rein, einen Sack Meersalz dazu, Feuer drunter und dann reinlegen. Warme Schwerelosigkeit. Ich glaub so müssen sich Babies fühlen. Verdammt schon wieder zu weitgeflitzt.

Nee, ich glaub ich bin NOCH im Wochenende. War gut, Bremen, eine Stadt, noch nie vorher dort gewesen, muss dieses Buch lesen. Neue Vahr Süd. Ich glaub die sind doch nich ganz so unschräg drauf da drüben. Vielleicht nur um das rauszufinden. "Es ist immer das, was du draus machst." Hm. Gar nich so übel. Im Grunde liegt (fast) alles an einem selbst. Anders kann ich mir Spass nich erklären. Oder wieso haben auch Gefangene Spass, oder Obdachlose, Arbeitslose. Egal. Leute auf deren Schultern Schweres liegt. Letzlich ist das aber trotzdem egal. Weil es das nicht ausmacht.

Als ich mit den Jungs in den Staaten war, haben wir einmal in, hm, bin nich mehr sicher, könnt Wyoming gewesen sein, nen kostenlosen Campground angesteuert. Die klassische Variante, Plumpsklo, Wasserhahn ausm nichts, abkochen bitte. Inmitten von nix, ein paar Felsen, ein kleiner Canyon, wahrscheinlich einer der Orte die nie fotografiert werden. Aber egal. Ausser uns war da noch ein alter Pickup-Camper mit zwei älteren Leuten. Man grüsst sich, nickt rüber, lächelt, macht seinen Kram. Bei fast Sonnenuntergang haben die beiden wie ein frisch verliebtes Paar ne Runde gedreht. In der Mitte war eine Andeutung eines Spielplatzes, runtergekommen, aber erkennbar. Irgendwie haben wir uns einfach in diesen Anblick festgeguckt. Zwei die ihr Leben schon bald hinter sich hätten. Und sie klettert auf die Rutsche. Wie vor 60, 70 Jahren vielleicht, der gleiche grosse Spass. Er fängt sie auf. Freude. Glückseeligkeit. Zufriedenheit. Ich weiss das wir alle irgendwie ergriffen waren von diesem Anblick. Verrückt. Das sind so die Momente für die ich dankbar bin zu sein.
Am nächsten morgen die übliche wir-sparen-erstmal-wer-weiss-was-noch-kommt-Haferflocken-mit-Apfel-Frühstücksvariante. Und nebenan die beiden. Irgendwie kamen die beiden rüber und waren fasziniert davon, das wir Oats zum Frühstück haten. Erinnerungen bei beiden. Fast kindliche Freude. Wir haben sie eingeladen, er war über siebzig, und sie hatte Parkinson.
Sie kamen fast aus der Gegend, hatten ein kleines Häusschen, etwas Land und eine Melone dabei. Die schönsten Haferflocken die ich je hatte. Und sie gesehen, die glücklichsten zwei Menschen. Wahrscheinlich Erinnerungen für Bände. Wir redeten nicht viel. Sie waren einfach da, aßen mit uns, lächelten. Die beiden erzählten durch ihr bei uns sitzen mehr als man je lesen könnte, schreiben könnte, erzählen und zuhören könnte. Es war so viel Frieden, Liebe, Glück, mehr als genug für die zwei, es erfasste uns irgendwie. Ich musste noch lange an die beiden denken, wie es Ihnen wohl ergangen ist, besonders Ihr, wie er damit umgehen musste. Aber im gleichen Moment verwarf ich dies Fragen wieder. Weil mir langsam klar wurde, das diesen beiden nichts wehtun könnte. Sie waren so tief und stark in dem was sie lebten.

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